{"id":148561,"date":"2016-02-26T14:34:05","date_gmt":"2016-02-26T13:34:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=148561"},"modified":"2016-02-26T14:34:05","modified_gmt":"2016-02-26T13:34:05","slug":"seit-mehr-als-130-jahren-beobachten-forstwissenschaftler-hessens-gruene-lunge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=148561","title":{"rendered":"Seit mehr als 130 Jahren beobachten Forstwissenschaftler Hessens \u201eGr\u00fcne Lunge\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wie kommt unser Wald mit dem Klimawandel zurecht? Muss die Bev\u00f6lkerung vor gef\u00e4hrlichen Raupen gesch\u00fctzt werden? Wie sollten F\u00f6rsterinnen und F\u00f6rster den Wald pflegen, damit er m\u00f6glichst stabil w\u00e4chst? Mit diesen bzw. \u00e4hnlichen Fragen besch\u00e4ftigen sich Forstwissenschaftler seit mehr als 130 Jahren. \u201eDiese angewandte Forschung liefert f\u00fcr uns Praktiker wertvolle Hinweise\u201c, lobte Detlef Stys, stellvertretender Leiter des Landesbetriebs Hessen-Forst, anl\u00e4sslich des 10-j\u00e4hrigen Bestehens der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA).<\/p>\n<p>Bereits im Jahr 1885 legte die damalige hessische Forstliche Versuchsanstalt in R\u00fcdesheim eine erste forstliche Versuchsfl\u00e4che an. Bis heute wird sie untersucht. Ziel war es, das Wachstum bestimmter Baumarten auf unterschiedlichen Standorten bei gleicher waldbaulicher Pflege zu untersuchen. Die Ergebnisse sind das Fundament heutiger Wachstumsmodelle. Sie stellen eine unverzichtbare Arbeitsgrundlage f\u00fcr die Pflege- und Nutzungsplanung dar.<\/p>\n<p>Borkenk\u00e4fer im Visier<br \/>\nUnserem Wald soll es gut gehen. Deshalb untersuchen die Forstwissenschaftler, wie sich z.B. Borkenk\u00e4fer ausbreiten \u2013 sie entwickeln Methoden, um Massenvermehrungen zu verhindern. F\u00f6rsterinnen und F\u00f6rster erhalten Praxisanweisungen, damit sie den Wald effektiv sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Aber auch die Gesundheit des Menschen ist ein wichtiges Gut: Insbesondere der Eichen-Prozessionsspinner kann heftige, allergische Reaktionen ausl\u00f6sen. Er wird deshalb genau untersucht &#8211; im Ernstfall geht der Schutz der Waldbesucher vor.<\/p>\n<p>Naturschutz-Forschung hat hohen Stellenwert<br \/>\nDer wissenschaftliche Vergleich von Wirtschafts- und Naturw\u00e4ldern liefert wertvolle Hinweise, welche Naturschutzma\u00dfnahmen im Wald erforderlich und sinnvoll sind. Deshalb untersuchen die Forstwissenschaftler seit Jahrzehnten, wie sich die Artenvielfalt im bewirtschafteten Wald \u2013 im Vergleich zu benachbarten Naturwaldfl\u00e4chen \u2013 entwickelt. Aufbauend auf diesen und anderen Forschungsergebnissen leiten sie Strategien f\u00fcr den Waldnaturschutz ab.<\/p>\n<p>Richtige Herkunft\u00c2\u00a0 -\u00c2\u00a0 sichere Zukunft<br \/>\nBuche ist nicht gleich Buche, Fichte nicht gleich Fichte. Je nach Herkunft weisen die B\u00e4ume einer Baumart deutliche genetische Unterschiede auf. \u201eF\u00fcr die Stabilit\u00e4t eines Waldes ist es wichtig, dass die richtigen Herk\u00fcnfte auf den jeweiligen Standorten wachsen \u2013 denn ein Baum, der genetisch an sumpfige T\u00e4ler angepasst ist, wird auf steinigen Hochlagen mit zunehmendem Alter Probleme bekommen\u201c, erl\u00e4uterte Stys am Rande der Feierlichkeiten. Deshalb f\u00fchrt die NW-FVA Herkunftskontrollen durch, legt Samenplantagen an und gibt Herkunfts-Empfehlungen zum Anbau standortgerechter Baumarte\u201en.<\/p>\n<p>Fit f\u00fcr den Klimawandel?<br \/>\nForstwissenschaftler und F\u00f6rster m\u00fcssen langfristig denken \u2013 in Jahrhunderten. Neuerdings helfen hierbei IT-gest\u00fctzte Modelle, die z.B. die Waldentwicklung unter dem Einfluss des vorhergesagten Klimawandels simulieren. Die Wissenschaftler der NW-FVA entwickeln solche Projektionen insbesondere f\u00fcr verschiedene Klimaszenarien, langfristige Grundwasserabsenkungen und Durchforstungsvarianten. Sie sind f\u00fcr die F\u00f6rster eine wertvolle Entscheidungshilfe, um heute die richtige Waldpflege einzuleiten &#8211; damit unser Wald auch in 150 Jahren stabil w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Hintergrund:<br \/>\nDie NW-FVA wurde am 1. Februar 2006 gemeinsam von den L\u00e4ndern Hessen, Niedersachen und Sachsen-Anhalt per Staatsvertrag gegr\u00fcndet. Seit 2011 ist Schleswig-Holstein das vierte Tr\u00e4gerland. Die Versuchsanstalt ist zust\u00e4ndig f\u00fcr die praxisnahe Forschung und Beratung aller Waldbesitzarten. Im Dienste des Waldes arbeiten dort ca. 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Erste Vorg\u00e4ngerinstitutionen in Hessen waren die 1871 gegr\u00fcndete Preu\u00dfische Forstliche Versuchsanstalt sowie die 1882 gegr\u00fcndete Hessische Forstliche Versuchsanstalt.<\/p>\n<p>Die ausgesprochen langfristig beobachteten Versuchsfl\u00e4chen liefern wichtige Informationen \u00fcber die Reaktionen der Baumarten auf Behandlungseffekte und sich \u00e4ndernde Umweltbedingungen (Stoffeintr\u00e4ge aus der Luft, Klimawandel), die sowohl bei der standortsabh\u00e4ngigen Baumartenwahl, als auch bei der Entwicklung von Pflege- und Nutzungskonzepten von gro\u00dfer Bedeutung sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Wie kommt unser Wald mit dem Klimawandel zurecht? Muss die Bev\u00f6lkerung vor gef\u00e4hrlichen Raupen gesch\u00fctzt werden? Wie sollten F\u00f6rsterinnen und F\u00f6rster den Wald pflegen, damit er m\u00f6glichst stabil w\u00e4chst? 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