{"id":148533,"date":"2016-02-25T21:18:43","date_gmt":"2016-02-25T20:18:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=148533"},"modified":"2016-02-25T21:18:43","modified_gmt":"2016-02-25T20:18:43","slug":"energiewende-vor-ort-in-kefenrod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=148533","title":{"rendered":"Energiewende vor Ort in Kefenrod"},"content":{"rendered":"<p>Die Fraktion der GR\u00dcNEN in der ZOV-Versammlung, bestehend aus Vertretern der Landkreise Vogelsberg, Gie\u00dfen und dem Wetteraukreis, hatte sich zu einer Fraktionssitzung in Kefenrod getroffen, um sich vor Ort \u00fcber den potentiellen Konflikt beim Aufstellen von Windenergieanlagen im Wald mit dem Naturschutz zu beraten. Gastgeber in Kefenrod war Alfred Lei\u00df, Vorsitzender der Ortsgruppe Bindsachsen des NABU und Vorsitzender des Naturschutzbeirates des Wetteraukreises. In dem vielf\u00e4ltig mit Natur- und Tierexponaten ausgestatteten Naturkundlichen Ausstellungsraum der NABU-Gruppe Bindsachsen wurde fachgerecht \u00fcber F\u00fcr und Wider der technischen Anlagen im geschlossenen Waldbestand gesprochen.<\/p>\n<p>Der Fraktionsvorsitzende und Vogelsberger Udo Ornik skizziert kurz die Position der Fraktion. \u201eDie Energiewende kann nur gelingen, wenn wir die Energiewende auch vor Ort voranbringen. Es geht uns darum, ausreichend \u00f6kologisch und \u00f6konomisch sinnvolle Standorte zu identifizieren und diese auch z\u00fcgig umzusetzen. Wir wollen,\u00c2\u00a0 dass die OVAG die Rolle als treibende Kraft in den Landkreisen Gie\u00dfen, Vogelsberg und im Wetteraukreis st\u00e4rker als bisher \u00fcbernimmt. Wir wollen, dass das Ziel des Landes Hessen, bis 2050 Klimaneutralit\u00e4t zu erreichen, Realit\u00e4t wird: Davon sind wir aber noch weit entfernt.\u201c<\/p>\n<p>Alfred Lei\u00df beschreibt aus Sicht des Naturschutzes, wie der Energieversorger die Errichtung der vier Windkraftanlagen in Kefenrod umgesetzt hat. \u201eDie OVAG hat hier alles richtig gemacht. Die Standorte wurden bereits im Vorfeld mit Bedacht ausgew\u00e4hlt, um auszuschlie\u00dfen, dass besondere Schutzgebiete von Fauna und Flora betroffen werden. In den Planungen wurden alle gesetzlichen Vorgaben streng und transparent eingehalten, die ornithologischen und Fledermausgutachten wurden sogar absolut vorbildlich und beispielhaft umgesetzt. Umfangreiche und aussagekr\u00e4ftige Fachgutachten wurden von einem sehr guten Planungsb\u00fcro bereits im Vorfeld vorgelegt. Und es wurde eine st\u00e4ndige Korrespondenz mit den Verantwortlichen vor Ort gef\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<p>Jeronimo Sanchez, Abgeordneter f\u00fcr den Landkreis Gie\u00dfen in der GR\u00dcNEN ZOV-Fraktion, geht in seinen Ausf\u00fchrungen auf den h\u00e4ufigen Konflikt zwischen Naturschutz vor Ort und der Errichtung von Windkraft ein: \u201eOhne wirksamen Klimaschutz kann es auf Dauer keinen Naturschutz geben. Der Energiebedarf kann durch die anderen Erneuerbaren Energien ohne Windkraft nicht abgedeckt werden, auch nicht, wenn die Potentiale der Energieeffizienz und \u2013einsparung voll ausgenutzt werden. Ohne Windkraft gibt es damit auch keinen Klimaschutz. Und ohne Klimaschutz gibt es keinen Naturschutz! Gleiches gilt f\u00fcr die Artenvielfalt. Der Klimawandel ist oft eine viel gr\u00f6\u00dfere Bedrohung f\u00fcr den Fortbestand vieler Arten als ein Windrad.\u201c<\/p>\n<p>Alfred Lei\u00df, der seit \u00fcber 40 Jahren f\u00fcr den Artenschutz k\u00e4mpft, wei\u00df zu berichten: \u201eNat\u00fcrlich tut es mir um jedes Individuum leid, welches eventuell an einer Anlage verunfallt, aber das ist mir lieber, als das es die ganze Art nicht mehr gibt. Wichtig ist, dass wir im Vorfeld alles Erdenkliche daf\u00fcr tun, Unf\u00e4lle zu verhindern. Das bedeutet, vor allem die \u00f6kologisch vertr\u00e4glichsten Standorte zu finden. Das bedeutet aber auch in Regionen mit Windkraftanlagen den bedrohten Arten im weiteren Umfeld neue attraktive Lebensr\u00e4ume zu schaffen, damit sie auf Futtersuche gar nicht mehr in die N\u00e4he der Anlagen kommen. Die gesetzlich erforderlichen Ausgleichsma\u00dfnahmen m\u00fcssen direkt vor Ort umgesetzt werden, das kann und muss mit den Landwirten und F\u00f6rstern vor Ort erfolgen, wie hier in Kefenrod.\u201c<\/p>\n<p>Ganz im Gegensatz zur g\u00e4ngigen Argumentation von Windkraftgegnern, sieht Lei\u00df \u201ef\u00fcr den Artenschutz nicht gleich Rot, wenn Anlagen im Wald errichtet werden sollen. Wirtschaftsw\u00e4lder ohne h\u00f6here Schutzausweisung sind bei uns tats\u00e4chlich nicht besonders artenreich. Wenn durch die punktuelle \u00d6ffnung des dunklen Raums mehr Licht einstr\u00f6men kann und durch das Offenhalten der Flur niedrigere Pflanzen neue Heimat finden, kann tats\u00e4chlich neuer Lebensraum mit neuer Artenvielfalt entstehen. Selbst die Aufschotterungen entwickeln sich, wenn man sie zielgerichtet pflegt, zu Schotterbiotopen mit seltenen Insekten und Kleinreptilien. Wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass sich au\u00dferhalb der W\u00e4lder durch die intensive Landwirtschaft eine artenarme ausger\u00e4umte Landschaft befindet. Da k\u00f6nnen diese kleinen offenen Fl\u00e4chen im geschlossenen Wald wahren Oasencharakter f\u00fcr bedrohte Arten entwickeln. Das muss aber planvoll gesteuert werden. Deshalb ist es wichtig, dass hier alle vom Betreiber \u00fcber Forst und Landwirtschaft bis zum Natursch\u00fctzer konstruktiv zusammenarbeiten. So wie es hier in Kefenrod geschieht. So funktioniert die Energiewende, weg von Kohle und Atom\u201c res\u00fcmiert Alfred Lei\u00df.<\/p>\n<p>Der GR\u00dcNE ZOV-Parlamentarier Marcus Stadler und klimapolitischer Sprecher der Wetterauer Kreistagsfraktion fasst zusammen: \u201cWir m\u00fcssen auch weiter mit allen betroffenen und interessierten B\u00fcrgern im Gespr\u00e4ch bleiben, um die besten Standorte f\u00fcr Windkraft zu finden, aber auch um die besten Ausgleichsma\u00dfnahmen anzusto\u00dfen und Risiken f\u00fcr den Artenschutz zu minimieren. Bei aller Diskussion m\u00fcssen aber auf jeden Fall die Sachargumente entscheiden und nicht die lauten Worte. Letztlich befinden wir uns in einem Abw\u00e4gungsprozess zwischen Energiewende,\u00c2\u00a0 Artenschutz und Einzelinteressen. Die schwierige Aufgabe ist es, gemeinsam die besten und nachhaltigsten L\u00f6sungen zu finden, um am Ende bis 2050 g\u00e4nzlich auf fossile Energietr\u00e4ger verzichten zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Foto: v.l.n.r.<br \/>\nMarcus Stadler (WK), Jeronimo Sanchez (GI), Gabriele Szepanski (VB), Rainer Michel (WK), Udo Ornik (VB), Brigitta Nell-D\u00fcvel (WK) und Alfred Lei\u00df (NABU)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Die Fraktion der GR\u00dcNEN in der ZOV-Versammlung, bestehend aus Vertretern der Landkreise Vogelsberg, Gie\u00dfen und dem Wetteraukreis, hatte sich zu einer Fraktionssitzung in Kefenrod getroffen, um sich vor Ort \u00fcber den potentiellen Konflikt beim Aufstellen von Windenergieanlagen im Wald mit dem Naturschutz zu beraten. 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