{"id":148053,"date":"2016-02-12T17:38:47","date_gmt":"2016-02-12T16:38:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=148053"},"modified":"2016-02-12T17:39:06","modified_gmt":"2016-02-12T16:39:06","slug":"dank-fuer-aufnahme-und-integration-von-fluechtlingen-fastenhirtenbrief-von-bischof-heinz-josef-algermissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=148053","title":{"rendered":"Dank f\u00fcr Aufnahme und Integration von Fl\u00fcchtlingen &#8211; Fastenhirtenbrief von Bischof Heinz Josef Algermissen"},"content":{"rendered":"<p>\u201eEinige unserer Gemeinden sind spontan dem Aufruf von Papst Franziskus gefolgt und haben mehrere Fl\u00fcchtlingsfamilien aufgenommen \u2013 sie arbeiten auf kommunaler Ebene mit, um den Fremden bei uns Obdach f\u00fcr Leib und Seele zu geben\u201c, betont der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen in seinem diesj\u00e4hrigen Fastenhirtenbrief an die Gemeinden seiner Di\u00f6zese. In dem Hirtenbrief, den der Oberhirte unter dem Titel \u201eEr hatte Erbarmen mit seinem Volk\u00e2\u20ac\u00a6\u201c mit Bezug auf den Umgang mit Fl\u00fcchtlingen in Deutschland verfasst hat, dankt er allen, die sich in den Gemeinden f\u00fcr die Aufnahme, Betreuung und Integration von Fl\u00fcchtlingen engagieren, und ermuntert sie, in ihren Bem\u00fchungen nicht nachzulassen, auch wenn sich der Erfolg nicht sofort einstelle und Entt\u00e4uschungen und R\u00fcckschl\u00e4ge verunsicherten. \u201eIn unserem Land haben wir schon mehrfach bewiesen, dass Integration gelingen kann, auch wenn der Prozess Jahre und Jahrzehnte dauert.\u201c Bischof Algermissen erinnert an die erfolgreiche Eingliederung der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg, der Gastarbeiter und der Russlanddeutschen. F\u00fcr Integration brauche man einen \u201elangen Atem\u201c. Sie sei nicht nur eine politische und zivilgesellschaftliche Aufgabe, sondern gehe Christen in ganz besonderer Weise an.<\/p>\n<p>In dem Hirtenbrief, der am Sonntag und in den Vorabendmessen vom Samstag in der ganzen Di\u00f6zese verlesen wurde, stellt der Bischof heraus, dass die Herausforderung, f\u00fcr andere da zu sein und sich der \u00c4rmsten anzunehmen, auch zu innerer Erneuerung bei den Helfern f\u00fchre, \u201eweil sie zu Solidarit\u00e4t und konkreter N\u00e4chstenliebe herausgefordert sind\u201c. Der Einsatz f\u00fcr Recht und Gerechtigkeit, die klassischen Werke der Barmherzigkeit, helfe nicht nur der Not des Armen und Bed\u00fcrftigen. \u201eWer liebt, wird erfahren, dass er von Gott geliebt, dass Gott ihm nahe ist.\u201c Viele Menschen machten genau diese Erfahrung: dass ihr Glaube tiefer, ihre Beziehung zu Gott pers\u00f6nlicher werde, weil sie sich konkret f\u00fcr den N\u00e4chsten einsetzten und Liebe g\u00e4ben.<\/p>\n<p>Bischof Algermissen fragt in seinem Hirtenbrief, wie Gott heute auf die Christen auf Deutschland und auf die Menschen schaue, die mit ihnen leben. \u201eWir k\u00f6nnen auch fragen, mit welchen Augen wir auf die Menschen unserer Zeit schauen: respektvoll oder absch\u00e4tzig, erwartungsvoll oder resigniert, mit Liebe oder Gleichg\u00fcltigkeit.\u201c Man m\u00fcsse sich auch Die Frage stellen, wie man die Menschen wahrnehme, die in den letzten Monaten in so gro\u00dfer Zahl ins Land gekommen seien. Algermissen ruft die Bilder vom Herbst letzten Jahres in Erinnerung: winkende Menschen auf den Bahnh\u00f6fen der St\u00e4dte, die ankommende Fl\u00fcchtlinge mit hei\u00dfen Getr\u00e4nken, Decken und Spielzeug willkommen hei\u00dfen; freiwillige Helfer in den Erstaufnahmeunterk\u00fcnften, oft bis zur v\u00f6lligen Ersch\u00f6pfung im Einsatz; aber auch brennende Fl\u00fcchtlingsheimen und fremdenfeindliche Demonstrationen. Es sei eine menschenverachtende Geisteshaltung pl\u00f6tzlich mit Macht zutage getreten, die an Szenen und Parolen aus dem Dritten Reich erinnere.<\/p>\n<p>Der Bischof erinnert daran, mit welcher Begeisterung seinerzeit die Grenz\u00f6ffnung erlebt wurde und die ersten Ostdeutschen, die bei ankamen, aufgenommen und willkommen gehei\u00dfen wurden. Doch m\u00fchsam und beschwerlich sei auch hier der Weg des Zusammenwachsens und der Integration geworden \u2013 bis heute. \u201eAngesichts der inneren Zerrei\u00dfprobe, vor der unsere Zivilgesellschaft steht, frage ich mich, auf welcher Seite wir stehen. Teilen wir die Leidenschaft Gottes f\u00fcr sein Volk? Lassen wir uns das auch etwas kosten?\u201c Man m\u00fcsse darauf achten, wie man \u00fcber \u201edie Fl\u00fcchtlinge\u201c oder \u201edas Fl\u00fcchtlingsproblem\u201c im Freundes-, Kollegen-, Bekanntenkreis rede, und sich fragen, ob man nur die Gefahren und Bedenken sehe oder die Herausforderungen aktiv und konstruktiv annehme.<\/p>\n<p>\u201eDem konkreten Dienst an den N\u00e4chsten und dem Engagement in den Gemeinden, in den Verb\u00e4nden und kirchlichen Gemeinschaften, besonders der Leistung unserer Caritas, ist es zu verdanken, dass die Kirche in der Au\u00dfenwahrnehmung in ihrem Einsatz f\u00fcr Gerechtigkeit, Solidarit\u00e4t und Barmherzigkeit wahrgenommen wird, als eine Kirche, die die Sorgen und Angst der Menschen teilt und sich f\u00fcr die Menschen einsetzt\u201c, unterstreicht Algermissen. Damit erweise sich die Kirche zugleich als ein wesentlicher Integrationsfaktor der Zivilgesellschaft. Denn die Gesellschaft lebe von Menschen, die nicht auf der Zuschauertrib\u00fcne sitzen und das Zeitgeschehen kommentieren, \u201esondern sich einbringen und beherzt anpacken\u201c.<\/p>\n<p>Bischof Algermissen bittet die Gl\u00e4ubigen, sich nicht von einer negativen Stimmung entmutigen zu lassen, sondern bei einer wohlwollenden Haltung zu bleiben, wenn die Integrationsbem\u00fchungen nicht kurzfristig zum Erfolg f\u00fchrten und es R\u00fcckschl\u00e4ge und Entt\u00e4uschungen gebe. \u201eSo ernst die Sorge vor \u00dcberfremdung zu nehmen ist und so notwendig und berechtigt eine n\u00fcchterne und realit\u00e4tsbezogene Faktenanalyse und Kostenrechnung bei jeder spontanen Hilfe angebracht ist, jeder Fremde, der vor uns steht und an unsere T\u00fcr klopft, hat ein menschliches Gesicht und eine Geschichte\u201c, stellt der Oberhirte heraus. Es gehe um Menschen, denen die Lebensgrundlage entzogen sei, die dem Elend zerbombter St\u00e4dte entkommen seien und den gef\u00e4hrlichen Weg \u00fcber das Mittelmeer genommen oder \u00fcber die entbehrungsreiche Balkanroute nach Deutschland gefunden h\u00e4tten. \u201eKein Mensch gibt leichtfertig seine Heimat auf und begibt sich auf eine lange und gef\u00e4hrliche Flucht. Das werden uns alle Heimatvertriebenen in unseren Gemeinden ebenso wie ihre Kinder und Enkel best\u00e4tigen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Papst Franziskus habe die Christen in diesem Jahr der Barmherzigkeit eingeladen und herausgefordert, das Erbarmen Gottes in alle Bereiche der Gesellschaft zu tragen. In seiner Verk\u00fcndigungsbulle zum \u201eAu\u00dferordentlichen Jubil\u00e4um der Barmherzigkeit\u201c habe er explizit auf die Worte des Propheten Jesaja Bezug genommen: \u201eWenn du der Unterdr\u00fcckung bei dir ein Ende machst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest, dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf, und deine Finsternis wird hell wie der Mittag\u201c (Jes 58,9 f.), schreibt Algermissen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eEinige unserer Gemeinden sind spontan dem Aufruf von Papst Franziskus gefolgt und haben mehrere Fl\u00fcchtlingsfamilien aufgenommen \u2013 sie arbeiten auf kommunaler Ebene mit, um den Fremden bei uns Obdach f\u00fcr Leib und Seele zu geben\u201c, betont der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen in seinem diesj\u00e4hrigen Fastenhirtenbrief an die Gemeinden seiner Di\u00f6zese. 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