{"id":147862,"date":"2016-02-06T09:16:40","date_gmt":"2016-02-06T08:16:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=147862"},"modified":"2016-02-06T09:16:40","modified_gmt":"2016-02-06T08:16:40","slug":"buendnis-90die-gruenen-fluchtursachen-tuerkei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=147862","title":{"rendered":"B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen: Fluchtursachen &#8211; T\u00fcrkei"},"content":{"rendered":"<p>Bei einer Diskussionsveranstaltung des Gr\u00fcnen Kreisverbandes Fulda traten teilweise unterschiedliche Einsch\u00e4tzungen der Teilnehmenden zutage. Eingeladen waren die hessische Landtagsabgeordnete M\u00fcrvet \u00d6zt\u00fcrk, alevitische Kurdin, die in Deutschland aufgewachsen ist, sowie der Leiter der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung in Istanbul, Kristian Brakel. Moderator war Ralf Zwengel, Vorstandssprecher des Kreisverbandes.<\/p>\n<p>Zwar waren sich alle einig, dass das gr\u00f6\u00dfte Problem der T\u00fcrkei ihre eigene Instabilit\u00e4t ist. F\u00fcr M\u00fcrvet \u00d6zt\u00fcrk wird sich daran nichts \u00e4ndern, so lange der Kurdenkonflikt in der T\u00fcrkei nicht gel\u00f6st ist. Seit Sommer letzten Jahres herrschten in den Kurdengebieten b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnliche Zust\u00e4nde; dabei h\u00e4tten 2014 die Kurden alleine den IS zur\u00fcckgeschlagen. In den Kurdengebieten gebe es weder umwelt- noch sozialpolitische Standards. Sie pl\u00e4dierte daf\u00fcr, dass die Bundesregierung endlich sowohl mit Assad als auch mit den Kurden verhandele, damit wenigstens dieser Konfliktherd einged\u00e4mmt w\u00fcrde. Sie sieht den t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Erdogan als unzuverl\u00e4ssigen Politiker an, der noch mehr Macht haben m\u00f6chte als er bereits hat.<\/p>\n<p>Kristian Brakel betonte dagegen, dass die t\u00fcrkischen Kurden erstmals an einer Regierungs-koalition beteiligt waren. Erdogans Regierung habe einen Gro\u00dfteil sowohl der t\u00fcrkischen Bev\u00f6lkerung als auch der in Deutschland lebenden T\u00fcrken hinter sich und sei in einer als demokratisch angesehenen Wahl gew\u00e4hlt worden; er habe als erster t\u00fcrkischer Politiker \u00fcberhaupt den T\u00fcrken in Deutschland das Wahlrecht zugestanden. Die T\u00fcrkei sei zwar au\u00dfenpolitisch isoliert, dabei aber sehr wichtig f\u00fcr die S\u00fcdostflanke der NATO. Laut Brakel brauchen wir die T\u00fcrkei. Schon alleine durch famili\u00e4re Bindungen gebe es viele Verkn\u00fcpfungen. Auch die bei uns lebenden T\u00fcrken seien ein Teil der komplexen Gemengenlage dieser Krisenregion.<\/p>\n<p>Sowohl \u00d6zt\u00fcrk als auch Brakel vertraten die Ansicht, dass die T\u00fcrkei\u00c2\u00a0 durch ihre wenig demokratische Innenpolitik zwar selbst Fluchtursachen schafft, andererseits seit Jahren \u00fcber 2,5 Millionen Fl\u00fcchtlinge aus den Krisengebieten versorgt, w\u00e4hrend Europa wegschaue. Die Fl\u00fcchtlinge wollten lieber in der T\u00fcrkei bleiben, nahe ihrer Heimat, als nach Europa zu fl\u00fcchten. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation in der T\u00fcrkei selbst, mit 10 %\u00c2\u00a0 offizieller Arbeitslosigkeit ,sei die T\u00fcrkei nun erstmals bereit, finanzielle Unterst\u00fctzung von der EU anzunehmen, um zum Beispiel Schulen f\u00fcr Fl\u00fcchtlingskinder zu bauen. Wichtig sei<br \/>\nhier sowohl die Unterst\u00fctzung als auch die Kontrolle \u00fcber die Verwendung der Gelder. Allerdings m\u00f6chte die T\u00fcrkei nicht von der EU bevormundet werden.<\/p>\n<p>Notwendig seien endlich Integrationsstrukturen in Deutschland. Wir m\u00fcssten aus der Vergangenheit lernen, so Brakel. Bis 2005 habe es keine integrativen Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die sogenannten Gastarbeiter gegeben, weder Alphabetisierung noch Weiterbildungs-ma\u00dfnahmen. 50 Jahre lang h\u00e4tten wir das vers\u00e4umt. M\u00fcrvet \u00d6zt\u00fcrk sieht die Situation in Syrien als v\u00f6llig verfahren an und die innenpolitische Situation in der T\u00fcrkei als sehr schwierig. Schnelle L\u00f6sungen seien nicht in Sicht, und als n\u00e4chstes k\u00f6nnten Klimafl\u00fcchtlinge auf Europa zukommen.<\/p>\n<p>Res\u00fcmee: Die T\u00fcrkei ist zwar politisch ziemlich isoliert, aber ein wichtiger B\u00fcndnispartner. Mit der \u00d6konomie geht es bergab, die t\u00fcrkischen Hoffnungen auf den arabischen Fr\u00fchling wurden entt\u00e4uscht. Ernsthafte Beitrittsverhandlungen sind n\u00f6tig, ohne dabei Ja zu sagen zu allem, was die T\u00fcrkei wolle. Ohne eine stabile T\u00fcrkei wird keine Stabilit\u00e4t in der Region einkehren.<\/p>\n<p>Verdeutlicht wurde die Fl\u00fcchtlingsdramatik durch einen kurzen Diavortrag von Dr. Wolfgang Hautumm, Fulda, zu Beginn der Veranstaltung, der die unhaltbaren Zust\u00e4nde auf Lesbos schilderte. Ausf\u00fchrlich wird die Situation der Fl\u00fcchtlinge in seinem Vortag am 10. Februar um 19 Uhr im R\u00e4dchen in der Karlstra\u00dfe sowie am 23.Februar um 18 Uhr in Rommerz, im Seminarhaus, dargestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Bei einer Diskussionsveranstaltung des Gr\u00fcnen Kreisverbandes Fulda traten teilweise unterschiedliche Einsch\u00e4tzungen der Teilnehmenden zutage. 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