{"id":145661,"date":"2015-11-25T10:44:16","date_gmt":"2015-11-25T09:44:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=145661"},"modified":"2015-11-25T10:44:16","modified_gmt":"2015-11-25T09:44:16","slug":"begegnung-mit-neuem-vorstand-der-juedischen-gemeinde-von-fulda-sowie-daniel-neumann-vom-landesverband-zusammenarbeit-intensivieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=145661","title":{"rendered":"Begegnung mit neuem Vorstand der j\u00fcdischen Gemeinde von Fulda sowie Daniel Neumann vom Landesverband:   Zusammenarbeit intensivieren"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0423.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-145666\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0423-265x396.jpg\" alt=\"DSC_0423\" width=\"265\" height=\"396\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0423-265x396.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0423-177x265.jpg 177w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0423-401x600.jpg 401w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/DSC_0423.jpg 900w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Nach dem Horror der Nazi-Diktatur, von Krieg und Vernichtung h\u00e4tte niemand zu glauben gewagt, dass j\u00fcdisches Leben in Deutschland wieder neu aufkeimen w\u00fcrde. Und doch ist es gelungen. Einige kehrten in ihre alte Heimat zur\u00fcck, wie die Familie des heutigen Landesvorsitzenden der j\u00fcdischen Gemeinden in Hessen, Moritz Neumann. J\u00fcdisches Leben in Fulda, das fand bis 1987 im Privaten, in den Wohnungen einiger weniger j\u00fcdischer Familien statt.<\/p>\n<p>Dank der Initiative des fr\u00fcheren Oberb\u00fcrgermeisters Dr. Wolfgang Hamberger hat die Gemeinde in der ehemaligen j\u00fcdischen Schule in der Von-Schildeck-Stra\u00dfe ein neues Zentrum mit Bet-, Versammlungs- und Jugendraum erhalten, in dem das Leben buchst\u00e4blich pulsiert. Aktuell geh\u00f6ren 410 Mitglieder der Gemeinde an, \u00fcber deren Aktivit\u00e4ten sich Fuldas Oberb\u00fcrgermeister und Kulturdezernent Dr. Heiko Wingenfeld bei einer ersten Begegnung mit demVorstand um Bela Gusmann, Roman Melamed und Alina Sardlischwili sowie Landesverbands-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Daniel Neumann informierte. Zwar ist die Zahl der Gemeindemitglieder von urspr\u00fcnglich 560 auf das heutige Ma\u00df deutlich geschrumpft. Neumann spricht in diesem Zusammenhang jedoch von einem allgemeinen \u201eKonsolidierungsprozess\u201c. Viele der zwischen 1991 bis 2005 nach Deutschland gekommenen j\u00fcdischen Menschen waren schon \u00e4lter gewesen. Auch jetzt noch ist gut ein Drittel der Fuldaer Gemeindemitglieder \u00e4lter als 70. J\u00fcngere oder junge Familien zieht es vorwiegend in die Gro\u00dfst\u00e4dte, wo die Bildungsangebote und speziell j\u00fcdischen Angebote noch reichhaltiger sind.<\/p>\n<p>Vitalspritze<\/p>\n<p>In der von Bundeskanzler Helmut Kohl Anfang der 90er Jahre angeregten Initiative, Menschen j\u00fcdischen Glaubens aus der Sowjetunion in die Bundesrepublik zu holen, sieht Daniel Neumann angesichts der zur\u00fcckliegenden Entwicklung eine \u201eVitalspritze\u201c f\u00fcr das j\u00fcdische Leben in Deutschland. Rund 200.000 Bewohner aus den verschiedensten Sowjetrepubliken waren dem Ruf zur \u00dcbersiedlung gefolgt, 100.000 fanden ihren Weg in die Gemeinden. \u201eOhne sie\u201c, so urteilt Neumann r\u00fcckblickend, \u201ew\u00e4re manche j\u00fcdische Kultus-Gemeinde nicht mehr \u00fcberlebensf\u00e4hig gewesen.\u201c Denn damals gab es nur noch rund 30.000 Juden deutschlandweit (zwischen 2003 bis 2013 hat sich die Zahl der j\u00fcdischenGl\u00e4ubigen laut Internet-Statistik bei rund 100.000 eingependelt).<\/p>\n<p>Zeitreise<\/p>\n<p>Wingenfelds Besuch im Zentrum in der Von-Schildeck-Stra\u00dfe war nicht nur ein Kennenlernen der aktuellen Situation des Gemeindelebens, sondern auch eine kleine Zeitreise in die pers\u00f6nliche Geschichte seiner<br \/>\nGespr\u00e4chspartner. Daniel Neumanns Gro\u00dfvater Hans beispielsweise, der auf Umwegen nach Fulda gekommen war, verdankt einem guten Bekannten, der \u00fcbrigens bei der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) war und ihn warnte, die rechtzeitige Flucht ins Ausland. Hans Neumann k\u00e4mpfte im spanischen B\u00fcrgerkrieg gegen Francos faschistisches Regime und schlie\u00dflich als Fremdenlegion\u00e4r gegen die Wehrmacht. Nach dem Krieg lernte er wiederum in Fulda seine sp\u00e4tere Frau Frani kennen, die Mutter des Landesvorsitzenden Moritz Neumann, der in Fulda geboren wurde. Hans und Frani Neumann haben \u00fcbrigens auf dem j\u00fcdischen Friedhof ihre letzte Ruhest\u00e4tte gefunden.<\/p>\n<p>\u201eFulda ist sympathisch\u201c<\/p>\n<p>Vorstandsmitglied Bela Gusmann stammt aus einer kleinen Stadt unweit von Kiew und lebt seit 1994 in Fulda. In der alten Heimat in der Ukraine sei der \u201eAntisemitismus ganz schlimm gewesen\u201c, erinnert sie sich tief betroffen. Nur im Verborgenen, im engen Kreis der Familie, konnte die j\u00fcdische Kultur gelebt und gepflegt werden. Statt in Kiew zu studieren, hatte Gusmann ihr Studium in Charkow aufnehmen m\u00fcssen, wo die antisemitischen Anfeindungen zwar sp\u00fcrbar, aber deutlich geringer ausgepr\u00e4gt waren. Fulda hingegen sei eine \u201esehr sympathische Stadt\u201c, urteilt die gelernte Mathematikerin.<\/p>\n<p>Hier hat sie sich gut eingelebt. Und in Fulda sei sie, wie Bela Gusmann bekennt, \u201evon der ersten Stunde an verliebt gewesen\u201c, Roman Melamed kommt aus dem heute umk\u00e4mpften Donezk. Nach dem Studium in Moskau war er als Administrator und Religionslehrer in der j\u00fcdischen Gemeinde der f\u00fcnftgr\u00f6\u00dften Stadt der Ukraine im Einsatz. In Donezk lebten rund 20.000 Juden, die \u00fcber eine eigene Synagoge und ein lebendiges Gemeindeleben verf\u00fcgten. Mit amerikanischer Hilfe sei in der ukrainischen Metropole viel Neues entstanden. Dennoch zog es Melamed in den Westen. Seit 1998 ist er Vorbeter in der j\u00fcdischen Gemeinde von Fulda. K\u00fcnstlerin Alina Sardlischwili hat es vom litauischen Wilna nach Fulda gezogen. Mit Bela Gusmanns Schwierigkeiten in der alten Heimat hatte sie jedoch nie zu k\u00e4mpfen. J\u00fcdisch zu sein, das war f\u00fcr sie in Litauen kein Problem. J\u00fcdisches Leben geh\u00f6rte zum Alltag und war anerkannt. In der Fuldaer Gemeinde gibt Alina Sardlischwili Malunterricht f\u00fcr Kinder. Die Jugend ist es auch, die dem Vorstand sehr am Herzen liegt. Zehn Kinder besuchen inzwischen regelm\u00e4\u00dfig den j\u00fcdischen Religionsunterricht. Ein Junge, dessen Vater Grieche und dessen Mutter J\u00fcdin ist, kommt sogar aus dem entfernten Alsfeld nach Fulda. Dieser Unterricht ist staatlich anerkannt, wie Daniel Neumann unterstreicht. Wanderlehrer betreuen die J\u00fcngsten. Den Dank des Gemeindevorstands und von Daniel Neumann f\u00fcr seinen Besuch erwiderte Fuldas Verwaltungschef<br \/>\nmit den Worten: \u201eF\u00fcr mich ist es eine Freude und wichtig, die j\u00fcdische Gemeinde zu unterst\u00fctzen.\u201c Offen zeigte sich der OB f\u00fcr \u00dcberlegungen einer noch engeren Zusammenarbeit. Beispielsweise in Form einer j\u00fcdischen Kulturwoche, wie sie Landesverbands-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Neumann anregte.<\/p>\n<p>Info<\/p>\n<p>Dem Landesverband Hessen der j\u00fcdischen Gemeinden geh\u00f6ren zehn Gemeinden mit rund 5.000 Mitgliedern an: Bad Nauheim, Darmstadt, Fulda, Gie\u00dfen, Hanau, Kassel, Limburg-Weilburg, Marburg, Offenbach<br \/>\nund Wiesbaden. Vorsitzender: Moritz Neumann; Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer: Daniel Neumann. Die Gesch\u00e4ftsstelle befindet sich in Frankfurt, Kontakt: info@lvjgh.de. Die Frankfurter Gemeinde mit rund 7.000 Mitgliedern ist eigenst\u00e4ndig und z\u00e4hlt zu den vier gr\u00f6\u00dften der Bundesrepublik.<\/p>\n<p>Bildunterschriften: Landesverbands-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Daniel Neumann; J\u00fcdisches Symbol: der siebenarmige Leuchter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Nach dem Horror der Nazi-Diktatur, von Krieg und Vernichtung h\u00e4tte niemand zu glauben gewagt, dass j\u00fcdisches Leben in Deutschland wieder neu aufkeimen w\u00fcrde. Und doch ist es gelungen. Einige kehrten in ihre alte Heimat zur\u00fcck, wie die Familie des heutigen Landesvorsitzenden der j\u00fcdischen Gemeinden in Hessen, Moritz Neumann. 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