{"id":145469,"date":"2015-11-18T17:09:53","date_gmt":"2015-11-18T16:09:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=145469"},"modified":"2015-11-18T17:09:53","modified_gmt":"2015-11-18T16:09:53","slug":"es-ist-unser-heimatland-und-wir-moechten-hier-bleiben-pater-aboud-aus-damaskus-sprach-ueber-die-situation-syrischer-christen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=145469","title":{"rendered":"\u201eEs ist unser Heimatland, und wir m\u00f6chten hier bleiben!\u201c \u2013 Pater Aboud aus Damaskus sprach \u00fcber die Situation syrischer Christen"},"content":{"rendered":"<p>\u201eSyrien ist unser Heimatland, und wir Christen m\u00f6chten hier bleiben\u201c, betont Pater Georges Aboud BS aus der Pfarrei St. Cyrill in Damaskus (Syrien), der zur Zeit bei seinem Freund Pfarrer Thomas Maleja in Flieden zu Gast ist. Die syrischen Christen hoffen weiterhin darauf, dass die internationale Staatengemeinschaft daf\u00fcr Sorge tr\u00e4gt, dass die Menschen nicht mehr aus ihrer Heimat fliehen m\u00fcssen. Pater Aboud besucht im Rahmen seines Aufenthalts in Deutschland auch Mitglieder seiner Pfarrei, die als Fl\u00fcchtlinge nach Deutschland gekommen sind, weil sie zu Hause keine Perspektive mehr sahen. \u201eDas Leben in unserem Stadtteil geht weiter, viele gehen noch zur Arbeit, aber es besteht t\u00e4glich die Gefahr, von einer Granate getroffen zu werden\u201c, erz\u00e4hlt der aus dem Libanon stammende griechisch-katholische Priester, der dem Basilianer-Salvatorianer-Orden angeh\u00f6rt. Er zeigt viele Fotos aus dem Gemeindeleben seiner Pfarrei in der syrischen Hauptstadt, wo er mit Pater Josef Lajin rund 15.000 Gl\u00e4ubige betreut. 80 Kinder bereiten sich auf die Erstkommunion vor, 200 Kinder und Jugendliche sind bei den Pfadfindern aktiv. Die Kinder auf den Fotos sehen fr\u00f6hlich aus, basteln und spielen miteinander, aber in welcher Gefahr sie jeden Tag schweben, macht Pater Georges deutlich: \u201eEin kleiner Junge wurde beim Spielen durch ein Schrapnell get\u00f6tet, ein kleines M\u00e4dchen verlor beide Beine.\u201c Die K\u00e4mpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen werden nur zwei Kilometer entfernt von dem Stadtteil ausgetragen, in dem die Pfarrei liegt.<\/p>\n<p>In seiner Pfarrei in Damaskus wollen die Christen friedlich mit ihren moslemischen Nachbarn zusammenleben, betont der griechisch-melkitische Priester im Fliedener Pfarrheim. Das Interesse der \u00fcber 60 Zuh\u00f6rer am Leben ihrer Glaubensgeschwister in Syrien, die etwa zehn Prozent der Bev\u00f6lkerung ausmachen, ist gro\u00df, und entsprechen engagiert sind die R\u00fcckfragen. \u201eAm besten ist es, den Menschen vor Ort zu helfen, damit sie in ihrer Heimat bleiben k\u00f6nnen und nicht als Fl\u00fcchtlinge nach Europa ziehen m\u00fcssen\u201c, hebt Pater Georges hervor. Obwohl er wei\u00df, dass die Kirchen in Europa keinen gro\u00dfen Einfluss haben, w\u00fcnscht er sich, dass die europ\u00e4ischen Christen auf die Politik ihrer Regierungen einwirken, dass der syrische B\u00fcrgerkrieg beendet wird und wieder Frieden einkehrt. Gro\u00dfe Zuversicht bereitet ihm die Tatsache, dass Papst Franziskus Syrien in seinen Ansprachen immer wieder erw\u00e4hnt und f\u00fcr die Menschen dort betet.<\/p>\n<p>Pater Aboud zitiert seinen Patriarchen Gregorios III.: \u201eDie Bedrohung f\u00fcr uns Christen im Nahen Osten ist nicht der Islam, sondern die Auseinandersetzung zwischen den arabischen Staaten.\u201c Deshalb sei der Dialog zwischen den verfeindeten Regierungen und Gruppen wichtig, um eine politische L\u00f6sung zu finden. Auch Papst Franziskus hat Anfang 2015 darauf hingewiesen, dass konkrete Initiativen f\u00fcr den Frieden in Syrien ergriffen werden m\u00fcssten. Gerade die Christen im Nahen Osten wirken nach Ansicht des Heiligen Vaters f\u00fcr den Frieden in ihren L\u00e4ndern, und ein Naher Osten ohne Christen w\u00e4re \u201everst\u00fcmmelt\u201c. In der derzeitigen politischen Lage geht es auch um die Existenz der Christen im Nahen Osten, ist Pater Georges \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Stichwort: Griechisch-katholische Melkiten<\/p>\n<p>Die Melkitische Griechisch-katholische Kirche hat sich im 18. Jahrhundert von der Griechisch-Orthodoxen Kirche in Antiochien gel\u00f6st und unter Papst Benedikt XIII. (1724-1730) die Einheit mit Rom erlangt. Seit 1848 ist der Sitz des Patriarchen in Damaskus (damals im Osmanischen Reich gelegen). Die melkitischen Katholiken pflegen gute Kontakte mit den orthodoxen Patriarchaten im Nahen Osten und engagieren sich f\u00fcr die Vers\u00f6hnung zwischen katholischer und orthodoxer Kirche sowie im interreligi\u00f6sen Dialog. Die Gottesdienste der Melkiten werden in arabischer Sprache im byzantinischen Ritus gefeiert. Patriarch der Melkiten ist seit 2000 Seine Seligkeit Gregorios III. Laham (geb. 1933), der seinen Sitz in Damaskus (Syrien) und Rabou\u00e9 (Libanon) hat. Die Kirche hat rund 1,3 Millionen Mitglieder, vorwiegend in Syrien (250.000 Gl\u00e4ubige), Libanon und Israel sowie in den USA. In Deutschland war sie bis zum syrischen B\u00fcrgerkrieg kaum vertreten; seither sind auch griechisch-melkitische Christen als Fl\u00fcchtlinge in die Bundesrepublik gekommen. In Frankreich gibt es rund 30.000 griechisch-melkitische Katholiken, was auch daher r\u00fchren mag, dass Syrien und der Libanon nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches im 20. Jahrhundert zeitweise unter franz\u00f6sische Verwaltung standen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eSyrien ist unser Heimatland, und wir Christen m\u00f6chten hier bleiben\u201c, betont Pater Georges Aboud BS aus der Pfarrei St. Cyrill in Damaskus (Syrien), der zur Zeit bei seinem Freund Pfarrer Thomas Maleja in Flieden zu Gast ist. 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