{"id":145443,"date":"2015-11-17T21:48:07","date_gmt":"2015-11-17T20:48:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=145443"},"modified":"2015-11-17T21:48:07","modified_gmt":"2015-11-17T20:48:07","slug":"suchtpatienten-haben-chance-zur-integration-verdient-aerztlicher-leiter-michael-von-kuerten-im-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=145443","title":{"rendered":"\u201eSuchtpatienten haben Chance zur Integration verdient\u201c \u2013 \u00c4rztlicher Leiter Michael von K\u00fcrten im Interview"},"content":{"rendered":"<p>Die Suchthilfe Fulda feiert in diesem Jahr ihr zehnj\u00e4hriges Bestehen. Im Interview berichtet Michael von K\u00fcrten, \u00c4rztlicher Leiter der Suchthilfe, von den Anf\u00e4ngen und Meilensteinen, aber auch von den Hoffnungen und W\u00fcnschen, die der Mediziner und sein Team haben.<\/p>\n<p>Wie waren die Anf\u00e4nge der Suchthilfe?\u00e2\u20ac\u00a8von K\u00fcrten: Wir haben am 1. Dezember 2004 mit der Suchthilfe begonnen. Es war ein eher chaotischer und unfreiwilliger Start, weil die damals letzte Substitutionseinrichtung in der Sturmiusstra\u00dfe in Fulda ihre Zulassung verloren hatte. Nach kurzer Zeit des \u00dcberlegens habe ich mit Hilfe einer Kollegin den Scherbenhaufen \u00fcbernommen. Im Sommer 2005 konnten wir neue R\u00e4ume in der Rh\u00f6nstra\u00dfe beziehen, und im Januar 2006 gab es dann eine offizielle Er\u00f6ffnungsfeier. Zu Beginn haben wir zwischen 60 und 70 Patienten versorgt. Heute sind es zwischen 120 und 130 Patienten.<\/p>\n<p>Was waren f\u00fcr Sie Meilensteine?\u00e2\u20ac\u00a8von K\u00fcrten: Ein gro\u00dfer Meilenstein war die Gr\u00fcndung des Vereins Suchthilfe e.V. in 2005. Seit 2010 ist die Suchthilfe eine gemeinn\u00fctzige GmbH. Diese strukturelle Weiterentwicklung hat zu einem deutlichen Schub der Einrichtung gef\u00fchrt. Wir bekommen zwar nicht unbedingt mehr Spenden, aber doch das eine oder andere Bu\u00dfgeld, das die Gericht zu unseren Gunsten verh\u00e4ngen. Und das tr\u00e4gt dazu bei, dass wir Projekte &#8211; wie beispielsweise das Musikprojekt oder das Fr\u00fchst\u00fccksprojekt &#8211; anbieten k\u00f6nnen. Ein weiterer Meilenstein war auch der Umzug in die Heinrichstra\u00dfe 60 im Sommer dieses Jahres.<\/p>\n<p>Gibt es etwas, worauf Sie besonders stolz sind?\u00e2\u20ac\u00a8von K\u00fcrten: Ja, auf unsere neuen R\u00e4ume bin ich besonders stolz.<\/p>\n<p>Welche Hoffnungen haben sich nicht erf\u00fcllt?\u00e2\u20ac\u00a8von K\u00fcrten: Was mich pers\u00f6nlich betrifft, habe ich keine Hoffnungen, die sich nicht erf\u00fcllt h\u00e4tten &#8211; abgesehen davon, dass die Finanzierung noch nicht auf sicheren F\u00fc\u00dfen steht. Der eine oder andere Mitarbeiter hat vielleicht die Hoffnung, dass wir den Patienten noch deutlicher den Weg in das \u201ecleane\u201c Leben weisen k\u00f6nnen. Die Quote der Patienten, die es dauerhaft schafft, liegt bei etwa einem bis zwei Prozent pro Jahr.<\/p>\n<p>Wie \u00f6ffentlich ist das Thema Sucht aus Ihrer Perspektive?\u00e2\u20ac\u00a8von K\u00fcrten: Zahlenm\u00e4\u00dfig sind Alkoholkranke weit \u00fcberlegen, so dass Sucht in diesem Bereich deutlich mehr wahrgenommen wird als Opiatsucht. Das Interesse der Patienten ist es aber, dass ihre Sucht nicht in die \u00d6ffentlichkeit gelangt. Denn viele Patienten sind integriert und m\u00f6chten die Sucht \u00fcberwinden, ohne dass sie bekannt wird.<\/p>\n<p>Mit welchen Vorurteilen k\u00f6nnen Sie aufr\u00e4umen?\u00e2\u20ac\u00a8von K\u00fcrten: Ein Vorurteil ist die hohe Kriminalit\u00e4t. Die ist bei Suchtkranken sicherlich h\u00f6her als in der Allgemeinbev\u00f6lkerung, aber was unsere Einrichtung betrifft, haben wir in den letzten zehn Jahren zunehmend positive Erfahrungen sammeln k\u00f6nnen. Die Patienten, die zu uns kommen, sind sicherlich schon eine Positiv-Auslese, weil sie ein Interesse daran haben, in ihrem Leben etwas zu \u00e4ndern. Man darf nicht die Illusion haben, dass nicht getrickst wird, aber Suchtpatienten sind besondere Menschen, die es verdient haben, die Chance zur Integration zu bekommen.<\/p>\n<p>Was w\u00fcnschen Sie sich zum Geburtstag der Suchthilfe?\u00e2\u20ac\u00a8von K\u00fcrten: Ich habe den Eindruck, dass unsere Einrichtung zunehmend bekannter wird und auch anerkannt ist. Ich w\u00fcnsche mir, dass es sich in diese Richtung weiterentwickelt. Wenn dadurch gute Strukturen und\u00c2\u00a0 g\u00fcnstige Bedingungen f\u00fcr die Patienten entstehen, ist es das Beste, was passieren kann.<\/p>\n<p>Was w\u00fcrden Sie gerne zum zwanzigsten Geburtstag \u00fcber die Suchthilfe lesen?\u00e2\u20ac\u00a8von K\u00fcrten: Dass die Suchthilfe als Institution selbstverst\u00e4ndlich geworden ist &#8211; so wie die Schutzambulanz oder der \u00c4rztliche Bereitschaftsdienst. Und es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn bis zum 20. Geburtstag weitere Einrichtungen hinzukommen w\u00fcrden, die besondere Patientengruppen versorgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Die Suchthilfe Fulda feiert in diesem Jahr ihr zehnj\u00e4hriges Bestehen. Im Interview berichtet Michael von K\u00fcrten, \u00c4rztlicher Leiter der Suchthilfe, von den Anf\u00e4ngen und Meilensteinen, aber auch von den Hoffnungen und W\u00fcnschen, die der Mediziner und sein Team haben. 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