{"id":144995,"date":"2015-11-02T19:02:39","date_gmt":"2015-11-02T18:02:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=144995"},"modified":"2015-11-02T19:02:39","modified_gmt":"2015-11-02T18:02:39","slug":"griese-kann-organisierte-selbsttoetungshilfe-stoppen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=144995","title":{"rendered":"Griese kann organisierte Selbstt\u00f6tungshilfe stoppen."},"content":{"rendered":"<p>In dieser Woche entscheidet der Deutsche Bundestag \u00fcber laut Bundestagspr\u00e4sident Norbert Lammert das \u201ewohl anspruchsvollste\u201c Projekt der Legislaturperiode. Es geht um soziale und rechtliche Facetten der Sterbebegleitung und dabei auch um die Frage, wie unsere Gesellschaft mit dem neuen Ph\u00e4nomen des Angebots organisierter Suizidbeihilfe durch sogenannte Sterbehilfeorganisationen umgehen will. Es geht um Leben und Tod.<\/p>\n<p>Neben dem nachdr\u00fccklichen Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung setzt sich der Fuldaer Bundestagsabgeordnete Michael Brand als Mitinitiator und Mitverfasser eines fraktions\u00fcbergreifenden Gesetzentwurfs f\u00fcr ein Verbot der organisierten Suizidbeihilfe ein. \u201eMissbrauch stoppen und Hilfen stark ausbauen\u201c, so beschreibt Brand das Ziel.<\/p>\n<p>Seit nunmehr fast zwei Jahren hat Brand die gr\u00f6\u00dfte Gruppe von Abgeordneten f\u00fcr eine Neuregelung koordiniert, die weit \u00fcber 200 Abgeordnete aus allen Fraktionen umfasst. Zu den erkl\u00e4rten Unterst\u00fctzern z\u00e4hlen u.a. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Sigmar Gabriel, zahlreiche Minister sowie die Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder, Thomas Oppermann sowie Katrin G\u00f6ring-Eckart.<\/p>\n<p>\u201eDas Thema Leben und Sterben macht ja nicht an Parteigrenzen halt, und so haben wir Abgeordnete aus allen Faktionen f\u00fcr unseren Vorschlag gewinnen k\u00f6nnen: Wir wollen Hilfe beim Sterben, nicht Hilfe zum Sterben\u201c, betont Michael Brand. \u201eF\u00fcr die Zukunft wollen wir menschliche Begleitung weiter st\u00e4rken und auf keinen Fall Suizidassistenz als Dienstleistung im Gesundheitswesen etabliert sehen.\u201c<\/p>\n<p>Antr\u00e4gen der Abgeordneten um Peter Hintze oder Renate K\u00fcnast zum Ausbau besonders hin zum \u00e4rztlich assistierten Suizid halten Brand und seine Gruppe entgegen: \u201eWir d\u00fcrfen jetzt auf gar keinen Fall eine T\u00fcr \u00f6ffnen, die wir nicht mehr schlie\u00dfen k\u00f6nnen \u2013 und durch die dann auch Menschen hindurch geschoben werden k\u00f6nnen, deren freier Wille dies nicht ist.\u201c Die Erfahrungen aus Belgien und Niederlanden zeigten, dass die angeblich klaren Kriterienkataloge nicht halten, sondern \u201eSterbehilfe\u201c immer weiter ausgeweitet wurde z.B. auf Demenzkranke und sogar auf Kinder.<\/p>\n<p>Bei einer Pr\u00e4sentation des Buchbandes bei der Deutschen PalliativStiftung (DPS) in Fulda betonte deren Vorsitzender und Palliativmediziner Thomas Sitte, dass die DPS den Gesetzentwurf Brand \/ Griese u.a. unterst\u00fctzt, weil er die gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfige F\u00f6rderung der Selbstt\u00f6tung unter Strafe stellt und \u201esomit gerade die Selbstbestimmung und das Grundrecht auf Leben besonders in schwierigen Phasen sch\u00fctzt\u201c. Palliativmediziner k\u00f6nnten viel mehr tun als die meisten es sich vorstellen k\u00f6nnten. \u201eV\u00f6llig falsch ist die Meinung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages, der in seinem Gutachten konstatierte, dass Palliativmediziner diese Art der \u00e2\u20ac\u0161Sterbehilfe\u00e2\u20ac\u2122 als h\u00e4ufig wiederkehrenden Bestandteil ihrer T\u00e4tigkeit aus\u00fcbten. Als letzten Ausweg wegen Angst vor Schmerzen, Atemnot, Leiden den Tod zu suchen, ist gl\u00fccklicherweise nicht notwendig, wenn man bereit ist, m\u00f6gliche Hilfen anzunehmen und sich palliativ behandeln zu lassen.\u201c, so Sitte. Bei der sogenannten Sterbehilfe von Dr. Arnold und von Dignitas und Co. gehe es in der Realit\u00e4t vielmehr um eine reine T\u00f6tungshilfe.<\/p>\n<p>Der Palliativmediziner Thomas Sitte gilt als einer der Pioniere der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) in Deutschland und arbeitet heute im Kinder-Hospiz \u201eSternenbr\u00fccke\u201c in Hamburg. Er geh\u00f6rt zu den Autoren des Buches mit einem Beitrag unter dem Titel \u201eLebenshilfe. Sterbehilfe. T\u00f6tungshilfe. Palliative Versorgung statt Beihilfe zum Suizid oder T\u00f6tung auf Verlangen.\u201c Au\u00dferdem ist ein Interview mit Sitte und der Gr\u00fcnderin der Sternenbr\u00fccke, Kinderkrankenschwester Ute Nerge \u00fcber Beistand, Schmerztherapie und die Angst vorm qualvollen Tod abgedruckt.<\/p>\n<p>Thomas Sitte verwies darauf, dass die Statistiken die kontinuierliche Zunahme von Suiziden in L\u00e4ndern mit entsprechend \u201efreier\u201c Gesetzgebung \u201eklar belegen\u201c, wie z.B. im US-Staat Oregon und auch der Schweiz. Er warnte davor, \u201eauch in Deutschland diesen sensiblen Bereich des Lebensendes dem Markt der Dienstleistungen offen zu halten\u201c. Die Entwicklungen in allen L\u00e4ndern, die sich so entschieden haben, seien eine \u201eernstzunehmende Warnung, diesen Weg nicht zu gehen\u201c. \u201eIn unseren Nachbarl\u00e4ndern in denen Regelungen f\u00fcr die Beihilfe zur Selbstt\u00f6tung oder T\u00f6tung auf Verlangen eingef\u00fchrt wurden, wie auch in den entsprechenden US-Staaten, nimmt die Anzahl der assistierten Suizide unaufhaltsam zu. In der Schweiz, wie auch im US\u2013Staat Oregon verdoppeln sich diese Todesf\u00e4lle alle f\u00fcnf bis sechs Jahre. Dabei ist eine wahrscheinliche Dunkelziffer noch gar nicht eingerechnet.\u201c so Sitte.<\/p>\n<p>\u201eWir wollen nicht, dass Menschen unter Druck den fatalen Ausweg des Todes w\u00e4hlen\u201c, bekr\u00e4ftigte Michael Brand. \u201eMit guter medizinischer und menschlicher Unterst\u00fctzung sind vielen noch gute Zeiten geschenkt, wie wir aus zahlreichen sehr pers\u00f6nlichen Schilderungen erfahren konnten\u201c, berichtet der Abgeordnete aus den vielen Besuchen in Hospizen, Palliativstationen und Diskussionsrunden, die er in den letzten Monaten bundesweit absolviert hat.<\/p>\n<p>Zu diesem gro\u00dfen gesellschaftlichen Thema hat Michael Brand eine Runde f\u00fchrender Autoren f\u00fcr ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Buch gewinnen k\u00f6nnen, das jetzt unter dem Titel \u201eSterbehilfe oder Sterbebegleitung? Die Debatte\u201c im Herder-Verlag erschienen ist. Von Kardinal Lehmann \u00fcber Bischof Huber, \u00c4rztepr\u00e4sident Montgomery und den Fuldaer Palliativmediziner Thomas Sitte bis hin zu \u00c4rzten, Juristen, Ethikrat, Pflegern und Betroffenen finden sich zahlreiche Fakten und Facetten, die in der \u00d6ffentlichkeit bislang in dieser Form nicht pr\u00e4sentiert wurden.<\/p>\n<p>In diesem Band melden sich diese Experten u.a. aus Medizin, Recht und Ethik deutlich zu Wort \u2013 sie eint das Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine menschliche Begleitung beim Sterben statt einer Hilfe zum Sterben. F\u00fcr ihre Positionen finden sie fundierte Argumente f\u00fcr eine gro\u00dfe und emotionale Debatte.<\/p>\n<p>Wie sollen Sterbende begleitet werden? Wie ist die Rolle von \u00c4rzten und Angeh\u00f6rigen? Was bedeuten gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfige Angebote zur Suizidbeihilfe f\u00fcr Menschen, die sich schwach oder als Last f\u00fcr andere f\u00fchlen? Diese und andere existenzielle Fragen werden aktuell in Gesellschaft und Politik diskutiert. Dazu geh\u00f6ren auch die Herausforderungen rund um Sterbehilfe und Sterbebegleitung, um Palliativmedizin und Hospiz sowie um \u00e4rztlich assistierten Suizid und T\u00f6tung auf Verlangen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Debatte im Deutschen Bundestag und dar\u00fcber hinaus haben die Autoren auf 176 Seiten lesenswerte einzelne Kapitel erstellt, zum Nachschlagen und zum Nachdenken. Es ist im Buchhandel oder beim Herder-Verlag zu beziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>In dieser Woche entscheidet der Deutsche Bundestag \u00fcber laut Bundestagspr\u00e4sident Norbert Lammert das \u201ewohl anspruchsvollste\u201c Projekt der Legislaturperiode. Es geht um soziale und rechtliche Facetten der Sterbebegleitung und dabei auch um die Frage, wie unsere Gesellschaft mit dem neuen Ph\u00e4nomen des Angebots organisierter Suizidbeihilfe durch sogenannte Sterbehilfeorganisationen umgehen will. 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