{"id":144949,"date":"2015-11-01T23:19:07","date_gmt":"2015-11-01T22:19:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=144949"},"modified":"2015-10-30T23:23:55","modified_gmt":"2015-10-30T22:23:55","slug":"forum-fuer-experten-wildnis-symposium-auf-der-wasserkuppe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=144949","title":{"rendered":"Forum f\u00fcr Experten: Wildnis-Symposium auf der Wasserkuppe"},"content":{"rendered":"<p>Eine wichtige Aufgabe des UNESCO-Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n ist die Bildungsarbeit. K\u00fcrzlich lud die Hessische Verwaltungsstelle zu einem Wildnis-Symposium mit ausgewiesenen Experten ins Groenhoff-Haus ein. \u00dcber drei Stunden lang referierten sie zu unterschiedlichen Aspekten von Wildnis und standen anschlie\u00dfend f\u00fcr Fragen zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>In seiner Begr\u00fc\u00dfung betonte Martin Kremer, stellvertretender Leiter der Biosph\u00e4renreservatsverwaltung und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Vereins Natur- und Lebensraum Rh\u00f6n e. V., die Wichtigkeit, den Schutz der Wildnis zu kommunizieren und die \u00d6ffentlichkeit zu informieren. Man m\u00fcsse die Menschen vor allem auch emotional erreichen, damit die gewonnenen Erkenntnisse in gesellschaftliches Handeln umgesetzt werden k\u00f6nnen. Das Symposium solle dazu Denkanst\u00f6\u00dfe geben.<\/p>\n<p>Als erster Redner hielt Max Rossberg, Vorsitzender der Euopean Wilderness Society (EWS), einen Vortrag zum Thema \u201eRealisierung einer Wildnisstrategie f\u00fcr Europa\u201c.<br \/>\nDie EWS strebt europaweite Wildnisgebiete mit einer Mindestgr\u00f6\u00dfe von 1.000 Hektar an. In diesen Gebieten d\u00fcrfe es weder Waldbau, noch Jagd geben. Die Natur m\u00fcsse vollst\u00e4ndig sich selbst \u00fcberlassen werden. Die damit einhergehenden Prozesse seien v\u00f6llig ergebnisoffen. Es sei aber wahrscheinlich, dass in solchen \u201eWilderness\u201c-Gebieten sich z. B. Wolf, Luchs und B\u00e4r wieder ungest\u00f6rt ausbreiten k\u00f6nnten. Das Ziel der EWS sei ein Netz gro\u00dfer Wildnisgebiete in Europa, wobei auch die Rh\u00f6n als \u201eTrittstein\u201c eine Rolle spielen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Roman T\u00fcrk, Vorsitzender des Naturschutzbundes \u00d6sterreich und international renommierter Flechten- und Moosforscher f\u00fchrte die Zuh\u00f6rer in die Welt der \u201eMoose und Flechten als Zeiger der Wildnisentwicklung\u201c ein. Die faszinierenden Symbioseorganismen aus Pilz, Alge und Bakterium, die im Idealfall ein biblisches Alter von bis zu zwei Millionen Jahren und mehr erreichen k\u00f6nnten, w\u00fcrden leider zunehmend verschwinden. Flechten seien besonders anf\u00e4llig f\u00fcr Luftverschmutzung (Luftstickstoffe und Aerosole), damit aber auch \u00e4u\u00dferst sensible Indikatoren dieses Umweltproblems.<\/p>\n<p>Dipl.-Biologe Uwe Barth, der seit \u00fcber 20 Jahren die Rh\u00f6ner Pflanzenwelt erforscht, referierte \u00fcber die \u201eEntwicklung der Rh\u00f6ner Flora in Prozessschutzfl\u00e4chen\u201c.<br \/>\nDer \u201eRh\u00f6nbotaniker\u201c ist beteiligt am offiziellen, alle zehn Jahre wiederholten Kernzonen-Monitoring. Die PSI-Methode, nach der \u00fcber die Schutzgebiete ein Raster von 100 x 100 m gelegt wird, sei insofern problematisch, als dass dieses grobe Raster in Anbetracht der oft kleinr\u00e4umigen unterschiedlichen Biotoptypen in unseren Kernzonen erhebliche L\u00fccken aufweisen kann.<\/p>\n<p>Die Hessische Rh\u00f6n praktiziere daher begleitend eine Kartierung mit Ehrenamtlichen, bei der Jahr f\u00fcr Jahr ein bis zwei Schutzgebiete im Detail analysiert und die Ergebnisse auch kartenm\u00e4\u00dfig erfasst werden. Das Verfahren erm\u00f6gliche mit geringem finanziellen Aufwand eine kontinuierliche Beobachtung bei hoher Transparenz und Einbindung der Bev\u00f6lkerung. Die Hessische Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n unterst\u00fctzt dieses Monitoring mit Hilfe von Ehrenamtlichen seit \u00fcber 10 Jahren. Dies sei ein gelungenes Beispiel f\u00fcr \u201eCitizen Science\u201c, einer Wissenschaft, die von b\u00fcrgerlichem Interesse und Engagement getragen wird.<\/p>\n<p>Zum Schluss informierte J\u00f6rg Tuchbreiter von der Bundesanstalt f\u00fcr Immobilien und Bundesforsten \u00fcber \u201eWildnisentwicklung und Waldmonitoring auf Liegenschaften der Bundesanstalt f\u00fcr Immobilienaufgaben\u201c. Der Referent erl\u00e4uterte die Deutsche Biodiversit\u00e4tsstrategie, die vorsieht, dass 2 % der Fl\u00e4che der Bundesrepublik Deutschland und 5 % der deutschen Waldfl\u00e4che aus der Nutzung genommen werden. Zentrale Bedeutung haben dabei die ehemaligen, nun ungenutzten Truppen\u00fcbungspl\u00e4tze. Diese werden \u00fcberwiegend in das sog. Nationale Naturerbe und damit in die Betreuung durch die Deutsche Bundesumweltstiftung (DBU) \u00fcberf\u00fchrt. Derzeit sind vom Bund bereits 155.000 ha bereitgestellt.<\/p>\n<p>Einmalig in Deutschland: Im rund 7.000 Hektar gro\u00dfen Truppen\u00fcbungsplatz Wildflecken sind \u00fcber 980 Hektar als Kernzone ausgewiesen. Zwar hat die milit\u00e4rische Nutzung nach wie vor Vorrang, allerdings ist auf die Zonierung R\u00fccksicht zu nehmen. Inzwischen gibt es in vielen Truppen\u00fcbungspl\u00e4tzen sog. Prozessschutzfl\u00e4chen, in denen seit Jahrzehnten keine Nutzung mehr stattfindet und in denen sich kleinfl\u00e4chig Wildnis entwickelt.<\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich festgehalten, dass das Thema Wildnis europaweit im Gespr\u00e4ch ist und ein Blick \u00fcber den Tellerrand lohnt. Beim Wildnis-Monitoring ist die Rh\u00f6n dank einer breiten ehrenamtlichen Unterst\u00fctzung gut aufgestellt und Vorbild f\u00fcr andere Schutzgebiete.<br \/>\nAllein in der hessischen Rh\u00f6n konnten inzwischen 22 Kernzonen mit einer Gesamtfl\u00e4che von rund 2.000 Hektar Gesamtfl\u00e4che ausgewiesen werden. Teilweise haben sie bereits\u00c2\u00a0 einen erheblichen Wildnischarakter. Es bedarf aber auch k\u00fcnftig kontinuierlicher Anstrengung, diese Wildnisgebiete zu sichern und f\u00fcr deren Akzeptanz zu werben.<\/p>\n<p>Foto: (von links) Torsten Raab, Prof. Dr. Roman T\u00fcrk, Max Rossberg, J\u00f6rg Tuchbreiter, Dipl.-Biologe Uwe Barth und Martin Kremer vor dem Groenhoff-Haus auf der Wasserkuppe. (Foto: Oliver Schmidt)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Eine wichtige Aufgabe des UNESCO-Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n ist die Bildungsarbeit. 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