{"id":144546,"date":"2015-10-20T21:00:27","date_gmt":"2015-10-20T19:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=144546"},"modified":"2015-10-20T21:00:27","modified_gmt":"2015-10-20T19:00:27","slug":"artenschutzprojekt-schneider-geht-in-eine-neue-runde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=144546","title":{"rendered":"Artenschutzprojekt \u201eSchneider\u201c geht in eine neue Runde"},"content":{"rendered":"<p>Obwohl die hessische Rh\u00f6n ehemals ein Hauptverbreitungsgebiet dieser Kleinfischart war, gilt der Schneider in der Region bereits seit Jahrzehnten als ausgestorben. Die Hessische Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n und die Obere Fischereibeh\u00f6rde beim Regierungspr\u00e4sidium Kassel haben sich daher entschlossen, eine Wiederbesiedlung des Schneiderfisches in der Rh\u00f6n durchzuf\u00fchren.<br \/>\nSeit 2012 werden j\u00e4hrlich zweitausend Fische im D\u00f6llbach und in der Ulster ausgesetzt. Anfang Oktober 2015 ging das Projekt nun in die vierte Runde.<\/p>\n<p>Der kleine Schwarmfisch mit den violett schimmernden Flossenans\u00e4tzen hat seinen Namen von der an eine Naht erinnernde Seitenlinie. Er wird bis zu 17 cm lang, lebt sowohl in schnell flie\u00dfenden als auch stehenden Gew\u00e4sserabschnitten und ern\u00e4hrt sich haupts\u00e4chlich von Insekten, W\u00fcrmern und kleinen Krebstieren. Er ist wichtige Nahrungsquelle f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Raubfische wie die Bachforelle.<\/p>\n<p>Um stabile neue Best\u00e4nde aufzubauen, ist ein kontinuierlicher Besatz \u00fcber mindestens f\u00fcnf Jahre notwendig. Jedes Jahr werden insgesamt etwa 2000 Jungfische in Rh\u00f6ner Flie\u00dfgew\u00e4ssern ausgebracht. Die wissenschaftliche Betreuung liegt in den H\u00e4nden des Fischereibiologen Christoph D\u00fcmpelmann. Unterst\u00fctzt wird er von Rh\u00f6n-Ranger Joachim Walter und dem Netzwerk der ehrenamtlichen Gew\u00e4sserwarte. Um die Nachzucht der Schneiderfische in Aquarien und speziellen Brutbecken k\u00fcmmert sich der Biologe Dr. Harald Gro\u00df aus Bad-M\u00fcnstereifel.<\/p>\n<p>\u201eDie Zucht des Schneiderfisches ist sehr aufwendig\u201c, erl\u00e4utert D\u00fcmpelmann. \u201eDie Fische laichen nur in der Str\u00f6mung und auf Kiesboden, sodass Herr Gro\u00df einen speziellen Str\u00f6mungskanal bauen muss. Man kann den Laich auch nur alle paar Tage einzeln entnehmen.\u201c<\/p>\n<p>Die im Oktober ausgesetzten jungen Schneider erblickten zwischen M\u00e4rz und Mai diesen Jahres das Licht der Welt. Doch erst jetzt im Herbst sind die Jungtiere gro\u00df und selbstst\u00e4ndig genug, um allein \u00fcberleben zu k\u00f6nnen \u2013 wenngleich etwa 90 Prozent der Jungfische den ersten Winter wohl nicht \u00fcberstehen werden.<\/p>\n<p>\u201eDie Tiere haben aber eine hohe Vermehrungsrate. Wenn die \u00fcberlebenden 10 Prozent erst einmal selbstst\u00e4ndig zu laichen beginnen, ist der Schneider nicht mehr zu stoppen. Dann haben wir gewonnen\u201c, so D\u00fcmpelmann.<\/p>\n<p>Die M\u00fche lohnt sich, denn wo der Schneider als Leitart heimisch ist, steigt die G\u00fcte der Flie\u00dfgew\u00e4sser. \u201eDie Qualit\u00e4t eines Gew\u00e4ssers ist definiert durch die Anzahl von nat\u00fcrlichen Arten\u201c, so D\u00fcmpelmann. \u201eWenn wir uns nicht darum k\u00fcmmern, dann wird es hier keine Schneider mehr geben. Es ist f\u00fcr mich daher auch eine ethische Frage, den urspr\u00fcnglichen Zustand wiederherzustellen und der Natur unter die Arme zu greifen. Ich habe die gro\u00dfe Hoffnung, dass sich der Schneider bald reproduziert und wir in der hessischen Rh\u00f6n wieder einen gesunden Bestand aufbauen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Modellhafte Aktion<\/p>\n<p>Wie schon beim Deutschen Edelkrebs und der Karausche setzt das UNESCO-Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n damit seine Reihe der Wiederansiedlungen von urspr\u00fcnglich heimischen Arten fort. Das Schneiderbesatzprojekt besitzt Vorbildcharakter in Deutschland; lediglich an der Wupper ist bereits eine vergleichbare Wiederansiedlung erfolgreich durchgef\u00fchrt worden. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor f\u00fcr das Projekt ist auch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit von Oberer <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Obwohl die hessische Rh\u00f6n ehemals ein Hauptverbreitungsgebiet dieser Kleinfischart war, gilt der Schneider in der Region bereits seit Jahrzehnten als ausgestorben. 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