{"id":143997,"date":"2015-10-04T07:33:27","date_gmt":"2015-10-04T05:33:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=143997"},"modified":"2015-10-04T07:33:27","modified_gmt":"2015-10-04T05:33:27","slug":"ulstertalradweg-ist-ein-tipp-fuer-geschichtsinteressierte-radfahrer-gaensehaut-auch-ohne-fahrtwind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=143997","title":{"rendered":"Ulstertalradweg ist ein Tipp f\u00fcr geschichtsinteressierte Radfahrer  G\u00e4nsehaut auch ohne Fahrtwind"},"content":{"rendered":"<p>Wer im Herbst mit dem Fahrrad unterwegs ist, muss mit G\u00e4nsehaut rechnen. Am Ulstertalradweg unterdessen l\u00e4uft es einem gleich hinter der hessischen Landesgrenze in Motzlar kalt den R\u00fccken hinunter.<\/p>\n<p>Dort befindet sich der erste von neun Rastpl\u00e4tzen, an denen \u00fcber einen mit dem Smartphone eingescannten QR-Code eine Audio-Datei heruntergeladen werden kann. Zeitzeugin Brigitte Heller erinnert sich, wie 1973 SED-Parteifunktion\u00e4re mit Blick auf die beiden kleinen Kinder der Familie die Schleifung ihres Hofs im Sperrgebiet mit den Worten kommentierten: \u201eDas sind nicht nur ihre Kinder, das sind auch unsere Kinder\u201c. Dank solcher Zeitzeugenberichte erh\u00e4lt man entlang des Radwegs vor historischer Kulisse einen authentischen Einblick in die deutsch-deutsche Geschichte. Dies macht die knapp 30 Kilometer lange Strecke von Tann nach Vacha wie geschaffen f\u00fcr eine Fahrradtour zum 25-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der deutschen Wiedervereinigung.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/500-Ulsterradweg-2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/500-Ulsterradweg-2-265x174.jpg\" alt=\"500-Ulsterradweg 2\" width=\"265\" height=\"174\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-144001\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/500-Ulsterradweg-2-265x174.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/500-Ulsterradweg-2-600x395.jpg 600w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/500-Ulsterradweg-2.jpg 900w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Eigentlich beginnt der Ulstertalradweg am Heidelstein, doch wir starten in Tann. Jeden Freitag findet um 10.30 Uhr in der dortigen Grenzinformationsstelle ein kostenloser Vortrag statt, den Albert Z\u00f6rgiebel, ehemaliger Zollbeamter und fr\u00fcherer Leiter der Tanner Tourist-Information, h\u00e4lt. Zus\u00e4tzlich zur Dauerausstellung mit Fotos und historischen Exponaten ist in den R\u00e4umen zurzeit die Sonderausstellung \u201eWeg zur Deutschen Einheit\u201c der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Ausw\u00e4rtigen Amts zu sehen (dienstags bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr).<\/p>\n<p>Auf th\u00fcringischer Seite hat das Rh\u00f6nforum (Verein f\u00fcr Regionalentwicklung und Tourismus) den Ulstertalradweg in diesem Sommer mit k\u00fcnstlerisch gestalteten Ruheb\u00e4nken sowie den erw\u00e4hnten H\u00f6rstationen zu einer Attraktion f\u00fcr moderne, geschichtsinteressierte Radfahrer ausgebaut. In Motzlar erf\u00e4hrt man nicht nur vom Schicksal der Familie Heller, sondern auch von dem der Familie Jacobi, die am 3. Oktober 1961 nach Leipzig zwangsausgesiedelt wurde. Diese Beispiele stehen f\u00fcr Hunderte weiterer geschleifter H\u00f6fe und D\u00f6rfer im DDR-Sperrgebiet.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/500-Ulsterradweg-3.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/500-Ulsterradweg-3-265x177.jpg\" alt=\"500-Ulsterradweg 3\" width=\"265\" height=\"177\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-144002\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/500-Ulsterradweg-3-265x177.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/500-Ulsterradweg-3-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/500-Ulsterradweg-3.jpg 900w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Einen Halt gegen die \u00fcblichen  Schikanen bot im Geisaer Amt der katholische Glaube. An der H\u00f6rstation in Schleid geht Pfarrer Arnold auf das Verh\u00e4ltnis von Kirche und Staat in der ehemaligen DDR ein. Kurz vor Geisa wartet die n\u00e4chste der H\u00f6rerlebnis-B\u00e4nke, auf denen die Sonne, die Ulster, das Tal, Berge und ein Radfahrer dargestellt sind. Die Renaturierungsma\u00dfnahmen der Ulster r\u00fccken bei Buttlar in den Fokus. Und Berthold D\u00fccker erinnert sich in der Audio-Datei, wie er als 16-J\u00e4hriger bei Geismar die Flucht \u00fcber das Minenfeld nach Westen wagte. <\/p>\n<p>In Unterbreizbach florierte der Kalibergbau, wie an der dortigen Ruhebank mit Blick auf den wei\u00dfen Berg zu erfahren ist. Einer der Kumpel verr\u00e4t, dass unter Tage die Grenze anders als \u00fcber Tage verlief und dass die Stasi trotz einer 150 Meter dicken Bergschicht zwischen ost- und westdeutschem Abbaugebiet weitere Sicherheitsma\u00dfnahmen zur Verhinderung von Fluchtversuchen f\u00fcr n\u00f6tig erachtete. Die hohe Zahl an Fluchtversuchen f\u00fchrte im grenznahen Wenigentaft 1952 zur Stilllegung des Bahnhofs und kurz darauf zur Schlie\u00dfung der Ziegelei. Damit versank der einstige Verkehrsknotenpunkt in Bedeutungslosigkeit.  <\/p>\n<p>Wer f\u00fcr den R\u00fcckweg nach Tann die einzige bestehende Busverbindung nehmen m\u00f6chte, sollte zwischendurch nicht allzu lange auf den Sitzb\u00e4nken ausruhen. Um 16.20 Uhr f\u00e4hrt wochentags von Vacha aus die Linie 117 nach Geisa, wo man um 17.35 Uhr in die Linie 124 nach Tann umsteigen kann.<br \/>\nwww.rhoen.de\/themenwelten\/grenzgeschichte-der-rhoen\/31055.Ulstertalradweg&#8212;Audio-Tour-Grenzerlebnis.html<\/p>\n<p>Bilder: Au\u00dfer einem Schild erinnert zwischen Tann-G\u00fcnthers und Schleid-Motzlar nichts mehr an die einst dort verlaufende Grenze.<br \/>\nAls ehemaliger Zollbeamter kann Albert Z\u00f6rgiebel (rechts) Besuchern der Grenzinformationsstelle in Tann die Geschichte der Grenze mit eigenen Erfahrungsberichten spannend nahebringen.<br \/>\nDie Sonne, die Ulster, das Tal und die Berge laden seit kurzem zwischen Motzlar und Unterbreizbach Radfahrer zum Rasten auf k\u00fcnstlerisch gestalteten Sitzb\u00e4nken ein. In Verbindung mit neun H\u00f6rstationen mit historischen und Zeitzeugenberichten erm\u00f6glicht der Ulstertalradweg eine genussvolle Audio-Zeitreise in herrlicher Natur vor Originalkulisse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Wer im Herbst mit dem Fahrrad unterwegs ist, muss mit G\u00e4nsehaut rechnen. Am Ulstertalradweg unterdessen l\u00e4uft es einem gleich hinter der hessischen Landesgrenze in Motzlar kalt den R\u00fccken hinunter. Dort befindet sich der erste von neun Rastpl\u00e4tzen, an denen \u00fcber einen mit dem Smartphone eingescannten QR-Code eine Audio-Datei heruntergeladen werden kann. 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