{"id":143976,"date":"2015-10-03T06:49:47","date_gmt":"2015-10-03T04:49:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=143976"},"modified":"2015-10-03T06:49:47","modified_gmt":"2015-10-03T04:49:47","slug":"arbeitsvermittlerinnen-des-kreisjobcenters-begleiten-iranisches-ehepaar-vom-sprachkurs-bis-zum-festen-arbeitsvertrag-%e2%80%a8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=143976","title":{"rendered":"Arbeitsvermittlerinnen des Kreisjobcenters begleiten iranisches Ehepaar vom Sprachkurs bis zum festen Arbeitsvertrag \u00e2\u20ac\u00a8"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWir wollen hier leben, und wir m\u00fcssen die Sprache lernen!\u201c An diesen auswendig gelernten Satz kann sich Brigitte Stolle noch ganz genau erinnern. Vier Jahre ist es her, dass ihr Faranak Ghoorchian und Mani Tabatabae Shirazi im Kreisjobcenter gegen\u00fcber sa\u00dfen \u2013 mit einer bewegenden Fl\u00fcchtlingsgeschichte, ohne Deutschkenntnisse, aber dem sp\u00fcrbaren Willen, sich in die Gesellschaft zu integrieren.<\/p>\n<p>Die Geschichte ihrer Flucht ist so bedr\u00fcckend, dass das Ehepaar nicht gerne dar\u00fcber spricht. Der Flughafen Frankfurt, das Erstaufnahmelager in Gie\u00dfen und eine Gemeinschaftsunterkunft in Fulda seien Stationen der Flucht gewesen. Mani erw\u00e4hnt \u201eb\u00f6se Menschen\u201c als Grund, die dazu gef\u00fchrt h\u00e4tten, Heimatland und Familie zu verlassen und eine gesicherte Existenz aufzugeben. <\/p>\n<p>Acht Jahre lang hatte der 33-J\u00e4hrige im Optiker-Gesch\u00e4ft seines Bruders gearbeitet und parallel dazu ein eigenes Unternehmen aufgebaut, das Brillenetuis und Brillenputzt\u00fccher produzierte. Faranak war Grafik-Studentin und Visagistin. In Fulda mussten beide in jeder Hinsicht bei Null anfangen. \u201eDer Anfang\u201c, sagt die 29-J\u00e4hrige, \u201ewar ein Alptraum, \u201evor allem, weil man ohne Sprache ganz schnell die eigene Pers\u00f6nlichkeit verliert.\u201c<\/p>\n<p>Ein Sprachkurs war der erste Schritt auf dem Weg in ein neues Leben. \u201eWir hatten die M\u00f6glichkeit, beide in Integrationskursen unterzubringen. Parallel dazu haben wir bereits Berufsvorstellungen abgefragt. Der Wunsch, als Optiker beziehungsweise Friseurin arbeiten zu wollen, war schon fr\u00fch da\u201c, erz\u00e4hlt Brigitte Stolle. Trotz rudiment\u00e4rer Sprachkenntnisse h\u00e4tten sich beide in Eigeninitiative sehr schnell um eine Praktikumsstelle bem\u00fcht, um pers\u00f6nliche Vorstellungen zu konkretisieren und die eigenen Kenntnisse auf den Pr\u00fcfstand zu stellen.<\/p>\n<p>\u201eSo wussten wir, dass eine Basis vorhanden ist, auf der sich aufbauen l\u00e4sst\u201c, betont Heike Burchhardt, die das Ehepaar im n\u00e4chsten Schritt zu einem dreimonatigen Vorbereitungskurs der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) vermittelte. In diesem Kurs wurden Grundlagen in F\u00e4chern wie Deutsch, Mathematik oder Englisch gelegt. Au\u00dferdem fand eine Berufsorientierung statt. Mani nahm zudem ein halbes Jahr lang als Gasth\u00f6rer am Unterricht der Augenoptikerschule in Kassel teil. \u201eLetztendlich zeigte sich, dass beide genug Potenzial, Motivation und Willen mitbringen, um eine anspruchsvolle Umschulung, die im zweiten Lehrjahr beginnt, absolvieren zu k\u00f6nnen\u201c, unterstreicht die Arbeitsvermittlerin. <\/p>\n<p>So wurden aus den Praktikumsbetrieben \u201eDie Brille\u201c und dem \u201eFriseursalon Reiter\u201c Ausbildungsbetriebe. Anfang dieses Jahres wechselte Faranak zur \u201eCutting Crew\u201c. Vor wenigen Wochen konnten Faranak und Mani die Umschulung auch dank der dauerhaften Unterst\u00fctzung durch die FAW erfolgreich beenden und feste Arbeitsvertr\u00e4ge in den Betrieben unterzeichnen.<\/p>\n<p>\u201eIch w\u00e4re bl\u00f6d gewesen, h\u00e4tte ich ihn gehen lassen\u201c, sagt Antje Ferrara, Ausbilderin von Mani. \u201eEr hat sich stetig weiterentwickelt, ist fachlich und menschlich eine gro\u00dfe Bereicherung, und die Kunden haben ihn angenommen.\u201c Ganz \u00e4hnlich klingt es bei Jutta Ressel, die Faranak ausgebildet hat. \u201eSie war eine Vorzeigeauszubildende, die ein sensationelles Ergebnis erreicht hat. F\u00fcr uns ein Juwel, das man halten sollte, deshalb freuen wir uns, dass sie weiter bei uns arbeitet.\u201c<\/p>\n<p>Dass ein formeller  Berufsabschluss die Grundlage f\u00fcr eine dauerhafte Integration in Arbeit ist, wei\u00df Markus Vogt vom Kommunalen Kreisjobcenter. \u201eAls Ungelernter ist das Risiko wieder arbeitslos zu werden oder zu bleiben, deutlich h\u00f6her als mit einer abgeschlossenen Ausbildung beziehungsweise Umschulung. Daher verfolgt das Kreisjobcenter das Ziel, motivierten Menschen mit Anspruch auf Leistungen nach dem SGB II einen Berufsabschluss auch\u00c2\u00a0in einem etwas h\u00f6heren Alter zu erm\u00f6glichen.\u201c<\/p>\n<p>Brigitte Stolle und Heike Burchhardt haben Erfolgsstorys wie diese selten erlebt. W\u00e4hrend Mani von \u201eSchicksal\u201c spricht, halten die Arbeitsvermittlerinnen den Willen der jungen Leute f\u00fcr die entscheidende Zutat zum Erfolgsrezept. \u201eWenn man merkt, dass jemand wirklich ein Ziel hat, dann versucht man, alles m\u00f6glich zu machen\u201c, erkl\u00e4ren Stolle und Burchhardt. <\/p>\n<p>Dass sich das Ehepaar inzwischen beruflich in Fulda angekommen f\u00fchlt und auch einen Freundeskreis aufbauen konnte, d\u00fcrfte nicht nur an der sympathischen Art der Iraner und an den stetig besser werdenden Deutschkenntnissen liegen. Die Haltung der beiden k\u00f6nnte man wohl auch als  Integrationsbeschleuniger interpretieren. Wenn Mani sagt: \u201eWir sind nicht wegen des Geldes hier. Wir wollen arbeiten\u201c, dann klingt das jedenfalls genauso aufrichtig und \u00fcberzeugend wie sein \u201eIch bedanke mich bei Deutschland!\u201c  <\/p>\n<p>Bild: Die Arbeitsvermittlerinnen Brigitte Stolle (li.) und Heike Burchhardt (re.) haben das iranische Ehepaar vom Sprachkurs bis zum festen Arbeitsvertrag begleitet.<\/p>\n<p>Foto &#038; Text: Dorit Heydenreich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eWir wollen hier leben, und wir m\u00fcssen die Sprache lernen!\u201c An diesen auswendig gelernten Satz kann sich Brigitte Stolle noch ganz genau erinnern. 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