{"id":143713,"date":"2015-09-27T14:42:20","date_gmt":"2015-09-27T12:42:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=143713"},"modified":"2015-09-27T14:42:20","modified_gmt":"2015-09-27T12:42:20","slug":"hessische-jagdverordnung-jaeger-und-naturschuetzer-sollen-kuenftig-zusammenarbeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=143713","title":{"rendered":"Hessische Jagdverordnung &#8211; J\u00e4ger und Natursch\u00fctzer sollen k\u00fcnftig zusammenarbeiten"},"content":{"rendered":"<p>Die Vogelsberger Gr\u00fcnen hatten k\u00fcrzlich J\u00e4ger, F\u00f6rster, Natursch\u00fctzer und interessierte B\u00fcrger zu Information und Meinungsaustausch \u00fcber die neue hessische Jagdverordnung nach M\u00fccke eingeladen. Ursula Hammann, natur- und tierschutzpolitische Sprecherin der Gr\u00fcnen Landtagsfraktion, stellte den sehr zahlreich erschienenen Teilnehmern die \u00c4nderungen vor und erl\u00e4uterte die Gr\u00fcnde f\u00fcr die neuen Regelungen. Diese waren gemeinsam mit Naturschutzverb\u00e4nden, Vogelschutzwarte, einem Wildbiologen und auch mit Vertretern des Landesjagdverbandes erarbeitet worden.<br \/>\nSeltene Tierarten d\u00fcrfen laut diesem Entwurf \u00fcberhaupt nicht mehr gejagt werden. Es handelt sich hier um Iltis, Hermelin, Mauswiesel, Baummarder und Rebhuhn. Einige der Anwesenden erw\u00e4hnten, dass sie noch niemals eines dieser Tiere zu Gesicht bekommen h\u00e4tten. So war die Verwunderung dar\u00fcber gro\u00df, dass die Jagd auf diese Tierarten bisher \u00fcberhaupt erlaubt war.<br \/>\nWaschb\u00e4ren dagegen d\u00fcrfen ganzj\u00e4hrig bejagt werden, f\u00fcr Rehe wurde die Jagdzeit verl\u00e4ngert, um so die Verbisssch\u00e4den im Wald zu verringern.<\/p>\n<p>Sehr lebhaft wurde die Diskussion, als es um Feldhasen, Graug\u00e4nse und Stockenten ging. Diese stehen n\u00e4mlich ebenfalls auf der Roten Liste bedrohter Tierarten und sollen deshalb nur noch sehr eingeschr\u00e4nkt beziehungsweise gar nicht mehr gejagt werden. Einigen J\u00e4gern und auch dem Landesjagdverband passt es nicht, dass die Best\u00e4nde dieser Tierarten k\u00fcnftig nicht nur durch die J\u00e4ger selbst, sondern auch durch Natursch\u00fctzer und Wildbiologen \u00fcberpr\u00fcft werden sollen.<\/p>\n<p>Wie Ursula Hammann versicherte, sei auch die vom Kreisj\u00e4gerverein kritisierte Einf\u00fchrung einer Schonzeit f\u00fcr erwachsene F\u00fcchse in Hessen notwendig, da die bisher erlaubte, ganzj\u00e4hrige Bejagung der Alttiere dazu f\u00fchre, dass Fuchswelpen verhungerten, weil Elterntiere versehentlich durch Totschlagfallen get\u00f6tet oder geschossen w\u00fcrden. Schlimmer noch sei, dass der durch das Bundesjagdgesetz eigentlich bestehende Elternschutz f\u00fcr F\u00fcchse in der Praxis ausgeh\u00f6hlt werde. Zuerst werden die Fuchswelpen erschossen und anschlie\u00dfend werden straffrei die Elterntiere get\u00f6tet, die ja dann keine Eltern mehr sind. Diese Vorgehensweise wird sogar in der Fachpresse der J\u00e4ger empfohlen, wie etwa in &#8220;Wild und Hund&#8221;, Ausgabe Nummer 11\/2015 auf Seite 27.<\/p>\n<p>Diese Praxis wird nicht nur von Natursch\u00fctzern, sondern auch vom \u00f6kologischen Jagdverband und von F\u00f6rstern kritisiert. Der \u00f6kologische Jagdverband betrachtet das Jagen von F\u00fcchsen als sinnloses T\u00f6ten, da weder Fleisch noch Fell der F\u00fcchse verwertet werden. Die Tiere werden meist einfach weggeworfen.<\/p>\n<p>Als &#8220;reines Schauerm\u00e4rchen&#8221; bezeichnete Ursula Hammann die Behauptung der J\u00e4ger, die geplante Verk\u00fcrzung der Jagdzeit f\u00fcr Rabenkr\u00e4hen und Elstern auf zweieinhalb Monate w\u00fcrde Hessen einem &#8220;stummen Fr\u00fchling ohne Vogelgezwitscher&#8221; n\u00e4herbringen. Alle Untersuchungen h\u00e4tten im Gegenteil gezeigt, dass eine Reduzierung dieser Jagdzeiten nicht zu einem R\u00fcckgang der Singv\u00f6gel-Best\u00e4nde f\u00fchre. Im Saarland und in Mecklenburg-Vorpommern sei die Jagd auf diese V\u00f6gel sogar ganz untersagt, trotzdem gebe es dort nicht weniger Singv\u00f6gel als in Hessen. Auch im Bundesjagdgesetz seien diese Tiere nicht als jagdbare Arten aufgef\u00fchrt.<br \/>\nIgel und Eichh\u00f6rnchen fr\u00e4\u00dfen auch gelegentlich Vogeleier, es w\u00fcrde aber niemand auf den Gedanken kommen, diese Tierarten deshalb zu bejagen.<\/p>\n<p>Zuletzt ging es in der Diskussion noch um das T\u00f6ten von wildernden Hunden und Katzen, das einer wissenschaftlichen Pr\u00fcfung unterzogen werden soll. Einige J\u00e4ger behaupten, Hunde und manchmal auch Katzen w\u00fcrden unter anderem h\u00e4ufig Rehkitze rei\u00dfen. Das konnte jedoch bisher nicht best\u00e4tigt werden. Die Katzen werden au\u00dferdem beschuldigt, zu viele V\u00f6gel zu fressen. Dabei haben Untersuchungen ergeben, dass Katzen sich zu \u00fcber 90 % ausschlie\u00dflich von M\u00e4usen ern\u00e4hren, wie eine anwesende F\u00f6rsterin best\u00e4tigte. Schlie\u00dflich wurde die Katze wegen ihrer F\u00e4higkeit M\u00e4use und Ratten zu fangen vom Menschen domestiziert. Beim Jagen wildernder Hunde und Katzen wurden versehentlich auch schon Wildkatzen oder W\u00f6lfe erschossen, deren Anwesenheit im Wald ja ausdr\u00fccklich erw\u00fcnscht ist.<\/p>\n<p>Am Ende der Diskussionsveranstaltung waren sich fast alle einig dar\u00fcber, dass es wichtig war, die sehr unterschiedlichen Meinungen zu den anstehenden \u00c4nderungen in der Jagdverordnung zu h\u00f6ren. Die meisten der Anwesenden sahen in der k\u00fcnftigen st\u00e4rkeren Zusammenarbeit von Forst, Naturschutz, Landwirtschaft und Jagdverb\u00e4nden eine positive Entwicklung. Gerade in der Landwirtschaft k\u00f6nnte einiges daf\u00fcr getan werden, dass im Bestand bedrohten Tierarten &#8211; unter anderem Feldhasen, Rebh\u00fchner und einige Singvogelarten &#8211; wieder ein ausreichendes Nahrungsangebot und gen\u00fcgend Lebensraum zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Die Vogelsberger Gr\u00fcnen hatten k\u00fcrzlich J\u00e4ger, F\u00f6rster, Natursch\u00fctzer und interessierte B\u00fcrger zu Information und Meinungsaustausch \u00fcber die neue hessische Jagdverordnung nach M\u00fccke eingeladen. Ursula Hammann, natur- und tierschutzpolitische Sprecherin der Gr\u00fcnen Landtagsfraktion, stellte den sehr zahlreich erschienenen Teilnehmern die \u00c4nderungen vor und erl\u00e4uterte die Gr\u00fcnde f\u00fcr die neuen Regelungen. 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