{"id":143443,"date":"2015-09-21T14:55:01","date_gmt":"2015-09-21T12:55:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=143443"},"modified":"2015-09-21T14:55:01","modified_gmt":"2015-09-21T12:55:01","slug":"interview-mit-erwin-moennig-geschaeftsfuehrer-der-kreishandwerkerschaft-vb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=143443","title":{"rendered":"Interview mit Erwin M\u00f6nnig,  Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Kreishandwerkerschaft VB"},"content":{"rendered":"<p>Am 24. September dieses Jahres veranstaltet das Kreisjobcenter zum wiederholten Male die Ausbildungsmesse in der Hessenhalle in Alsfeld. Wir haben mit dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Kreishandwerkerschaft f\u00fcr den Vogelsbergkreis, Erwin M\u00f6nnig, \u00fcber die Themen Ausbildung und Fachkr\u00e4ftesicherung gesprochen.<\/p>\n<p>Jobcenter: Herr M\u00f6nnig, wie beurteilen Sie die Ausbildungsmesse? Halten Sie diese Messe f\u00fcr notwendig?<\/p>\n<p>M\u00f6nnig: Die Ausbildungsmesse ist eine wichtige Plattform f\u00fcr die Betriebe, um sich zu pr\u00e4sentieren, ihre Arbeit vorzustellen und \u00fcber Anforderungen an zuk\u00fcnftige Lehrlinge zu informieren. Sie bietet den Jugendlichen, die ja kaum noch eine konkrete Vorstellung von den Inhalten der gewerblichen Berufe haben, die M\u00f6glichkeit, sich einen ersten Eindruck zu verschaffen und evtl. auch Kontakte f\u00fcr eine zuk\u00fcnftige Ausbildung zu kn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>Jobcenter: K\u00f6nnen Sie sich andere Formen der \u201eAuszubildendengewinnung\u201c vorstellen?<\/p>\n<p>M\u00f6nnig: Es gibt seit einigen Jahren Berufsorientierungsma\u00dfnahmen, wo den Sch\u00fclern der Haupt- und Realschulen eine Reihe von Berufen in der Praxis vorgestellt werden. Anbieter solcher Ma\u00dfnahmen sind z. B. der Lehrbauhof und das Bildungszentrum f\u00fcr Elektrotechnik. Ich werbe bei den Betrieben daf\u00fcr, sich f\u00fcr Praktika zu \u00f6ffnen, um den Jugendlichen die Chance zu geben, in einen Beruf hinein zu schnuppern und auch Sch\u00fclern, die einen Ferienjob suchen, diese M\u00f6glichkeit anzubieten. Kontakte mit Lehrern, die in den Abgangsklassen unterrichten und beurteilen k\u00f6nnen, ob sich jemand f\u00fcr eine praktische oder auch kaufm\u00e4nnische Arbeit eignet, halte ich ebenfalls f\u00fcr vorteilhaft.<\/p>\n<p>Jobcenter: Wie sehen Sie den aktuellen\u00c2\u00a0 Ausbildungsbedarf im Vogelsbergkreis?<\/p>\n<p>M\u00f6nnig: Wir hatten im Handwerk im Jahr 2014 einen deutlichen R\u00fcckgang bei den Lehrlingszahlen. Ursache daf\u00fcr war nicht ein sinkendes Angebot an Lehrstellen, sondern die deutlich abnehmende Nachfrage. Dieser Trend konnte \u2013 Stand 31. 07. 2015 \u2013 gestoppt werden. Es gibt allerdings nach wie vor eine Reihe von Betrieben, die gerne ausbilden w\u00fcrden, aber unversorgt geblieben sind. Besonders kritisch ist die Situation bei den Lebensmittelhandwerken.<\/p>\n<p>Jobcenter: Welche Erfahrungen haben Sie bei der Zusammenarbeit von Betrieben und Schulen gemacht?<\/p>\n<p>M\u00f6nnig: Auf dieser Ebene gibt es sehr gute Ans\u00e4tze. Besonders erw\u00e4hnen m\u00f6chte ich hier die Schulen in Grebenhain oder auch Schotten, wo Handwerksmeister bzw. auch Meisters\u00f6hne und -t\u00f6chter die M\u00f6glichkeit erhalten, im Unterricht ihr Gewerbe und auch ihr Unternehmen vorzustellen und Fragen interessierter Sch\u00fcler zu beantworten. Auch die Handwerkskammer Wiesbaden hat in der Vergangenheit immer wieder den Kontakt zu den Schulen gesucht und mit dem Pr\u00e4sidenten und Ausbildungsberatern f\u00fcr eine Lehre im Handwerk geworben.<\/p>\n<p>Jobcenter: Wie sind die Handwerksbetriebe angesichts der fehlenden Auszubildenden aufgestellt, welche Ma\u00dfnahmen werden von Betrieben zur Auszubildendengewinnung unternommen?<\/p>\n<p>M\u00f6nnig: Es gibt Branchen, in denen wir heute schon einen Fachkr\u00e4ftemangel registrieren; mittelfristig wird dies zu immer mehr kleineren Betrieben f\u00fchren.<br \/>\nUm das Image des Handwerks bei den jungen Leuten zu verbessern, finanzieren die Handwerkskammern in Deutschland seit einigen Jahren eine Imagekampagne mit j\u00e4hrlich 10 Millionen Euro. Au\u00dferdem haben nahezu alle Branchen zuletzt die Ausbildungsverg\u00fctungen deutlich angehoben.<\/p>\n<p>Jobcenter: Wie beurteilen Sie die Berufsschulklassenexistenzen an den Vogelsberger Berufsschulen? Wo sehen Sie Handlungsbedarf?<\/p>\n<p>M\u00f6nnig: In den vergangenen Jahren konnten im Vogelsbergkreis schon nicht mehr f\u00fcr alle Berufe Fachklassen aufrecht erhalten werden, etwa bei den Fleischern, den Friseuren oder den Anlagemechanikern. Da in der Regel 15 Sch\u00fcler f\u00fcr eine Fachklasse ben\u00f6tigt werden, stellt sich auch f\u00fcr andere Branchen die Existenzfrage. Hier kann man nur dringend an die Landespolitik appellieren, dem Umstand Rechnung zu tragen, dass sich die Situation im l\u00e4ndlichen Raum anders darstellt als in Ballungsgebieten, indem man ggf. kleinere Fachklassen akzeptiert.<br \/>\nDer Nachwuchsmangel ist zudem nicht allein ein Problem des Vogelsbergkreises, sondern er tritt genauso in unseren Nachbarkreisen auf. Daher fordern wir, dass nicht nur bei uns Berufsschulklassen aufgel\u00f6st und unsere Sch\u00fcler abgegeben werden, sondern dass unseren Berufsschulen auch Sch\u00fcler aus Nachbarkreisen zugewiesen werden und man dort ggf. einen Standort schlie\u00dft. Der Weg vom Vogelsbergkreis z. B. nach Gie\u00dfen ist schlie\u00dflich nicht weiter, als der umgekehrte Weg!<\/p>\n<p>Jobcenter: Gibt es Erfahrungen mit Auszubildenden mit Migrationshintergrund? Angesichts der aktuellen Fl\u00fcchtlingswelle: Wie k\u00f6nnen junge ausl\u00e4ndische Fl\u00fcchtlinge als Auszubildende gewonnen werden?<\/p>\n<p>M\u00f6nnig: Nein, es gibt hier noch keine Erfahrungen. Ich bin aber \u00fcberzeugt, dass das Handwerk einer Ausbildung oder Besch\u00e4ftigung von Fl\u00fcchtlingen offen gegen\u00fcber steht. Unabdingbare Voraussetzungen hierf\u00fcr ist allerdings die M\u00f6glichkeit, sich verst\u00e4ndigen zu k\u00f6nnen. Deshalb m\u00fcssen Sprachkurse f\u00fcr die Immigranten gef\u00f6rdert werden und zwar nicht nur f\u00fcr Jugendliche, sondern auch f\u00fcr Menschen, die das 18. Lebensjahr bereits vollendet haben. Und es muss ausbildungsbegleitende Hilfen f\u00fcr diese Personen geben, damit auch andere vorhandene Defizite ausgeglichen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Jobcenter: Ihre Einsch\u00e4tzung zur zuk\u00fcnftigen Fachkr\u00e4ftesicherung im Vogelsbergkreis?<\/p>\n<p>M\u00f6nnig: Der Trend, ein Hochschulstudium einer Berufsausbildung vorzuziehen wird sich sicher nicht umkehren. Und bereits jetzt streben 57 % eines Jahrgangs ein Studium an. In 2016 werden wir zudem als Folge des demografischen Wandels noch einmal deutlich weniger Schulabg\u00e4nger haben, die eine Lehre beginnen k\u00f6nnen. Es wird also sehr schwer.<\/p>\n<p>Foto: Erwin M\u00f6nnig, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Kreishandwerkerschaft, im Gespr\u00e4ch mit Michael Richter vom Kommunalen Jobcenter KVA.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Am 24. September dieses Jahres veranstaltet das Kreisjobcenter zum wiederholten Male die Ausbildungsmesse in der Hessenhalle in Alsfeld. Wir haben mit dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Kreishandwerkerschaft f\u00fcr den Vogelsbergkreis, Erwin M\u00f6nnig, \u00fcber die Themen Ausbildung und Fachkr\u00e4ftesicherung gesprochen. Jobcenter: Herr M\u00f6nnig, wie beurteilen Sie die Ausbildungsmesse? Halten Sie diese Messe f\u00fcr notwendig? 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