{"id":143105,"date":"2015-09-16T17:38:58","date_gmt":"2015-09-16T15:38:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=143105"},"modified":"2015-09-16T17:38:58","modified_gmt":"2015-09-16T15:38:58","slug":"e-mobilitaets-fachtagung-in-romrod-projekte-in-lautertal-gemuenden-und-schotten-wurden-beleuchtet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=143105","title":{"rendered":"E-Mobilit\u00e4ts-Fachtagung in Romrod \u2013 Projekte in Lautertal, Gem\u00fcnden und Schotten wurden beleuchtet"},"content":{"rendered":"<p>Dr. Nobert Mager sparte nicht mit Lob f\u00fcr den Vogelsbergkreis und bescheinigte ihm \u201eInnovationskraft und gro\u00dfes Engagement zur Bew\u00e4ltigung des demografischen Wandels\u201c. Der Referatsleiter aus dem hessischen Wirtschaftsministerium stellte ebenso wie Christian Schlump vom Bundes-Verkehrsministerium heraus, dass es dem Vogelsberg bei seinen Projekten gelinge, die Jugend und die Senioren gleicherma\u00dfen im Blick zu haben. Schlump w\u00f6rtlich: \u201eDer Landrat und sein Landkreis sehen die Herausforderung als Chance.\u201c Etwa 50 Fachleute diskutierten im B\u00fcrgerhaus in Romrod erste Ergebnisse der noch bis Fr\u00fchjahr 2016 laufenden E-Mobil-Projekte in Gem\u00fcnden, Lautertal und Schotten.<\/p>\n<p>Landrat Manfred G\u00f6rig (SPD) dankte den \u201eTestfahrern\u201c f\u00fcr ihre bereits gewonnenen Erfahrungen. \u00dcber den \u00d6PNV hinaus \u201ebrauchen wir es in der Tat viel flexibler und viel individueller\u201c, betonte der Landrat. Er bedankte sich bei Land und Bund f\u00fcr die Unterst\u00fctzung bei diesem Modellprojekt in H\u00f6he von 140.000 Euro. G\u00f6rig bezeichnete es in Romrod als vorrangig, bei E-Mobilen \u201enat\u00fcrlich den regenerativen Strom aus heimischer Erzeugung\u201c zu verwenden. Zurzeit versorge sich der Vogelsbergkreis beim Stromverbrauch zu knapp 100 Prozent aus eigenen Quellen, vor allem aus Windkraft. Es gelte, \u201eregionalen Strom auch regional zu verbrauchen\u201c. Beim Ausblick setzt Landrat G\u00f6rig gemeinsam mit B\u00fcrgermeister Heiko Stock auf einen Ausbau der Lade-Infrastruktur und eine Fortf\u00fchrung als \u201einterkommunale Aufgabe\u201c \u2013 hier habe der Vogelsberg sehr gute Erfahrungen.<\/p>\n<p>Gerade in l\u00e4ndlichen Regionen k\u00f6nnte E-Mobilit\u00e4t gut funktionieren: die durchschnittlichen Pendelfahrten liegen meistens unter 100 Kilometer. Und sehr viele haben zu Hause eine 230-Volt-Steckdose f\u00fcrs \u00dcber-Nacht-Laden. So wird E-Mobilit\u00e4t wird in l\u00e4ndlichen Regionen Deutschlands vermehrt als Chance gesehen, um die Mobilit\u00e4t abseits der gro\u00dfen St\u00e4dte zu sichern. Im mit 106.000 Einwohnern vergleichsweise d\u00fcnn besiedelten Vogelsbergkreis (Hessen) stellt die Sicherung der Mobilit\u00e4t insbesondere f\u00fcr Jugendliche und \u00e4ltere Menschen, die noch nicht oder nicht mehr \u00fcber einen eigenen PKW verf\u00fcgen, eine gro\u00dfe Herausforderung dar. Daher sind Ideen und Diskussionen in der Region zu alternativen Mobilit\u00e4tsformen in Erg\u00e4nzung zum vom Sch\u00fclerverkehr dominierten \u00d6PNV nicht neu.<\/p>\n<p>Gerade der Anpassungsdruck auf den \u00d6PNV aufgrund von Finanzierungsengp\u00e4ssen, sinkenden Sch\u00fclerzahlen und ver\u00e4nderten Nutzerverhaltens bietet eine gute Grundlage, um den \u00d6PNV erg\u00e4nzend mit individuellen und alternativen Mobilit\u00e4tsl\u00f6sungen (Car-Sharing, B\u00fcrgerbusse, Hol-und Bringdienste, Mitfahrgelegenheiten etc.) zukunftsf\u00e4hig auszurichten. Um die geeigneten L\u00f6sungen f\u00fcr die Region zu finden, m\u00fcssen diese konzipiert und erprobt werden.<\/p>\n<p>Der Vogelsbergkreis hat daher im Rahmen der Regionalstrategie Daseinsvorsorge MORO (wir berichteten) ein Projekt entwickelt, in dem die Voraussetzungen f\u00fcr den erfolgreichen Einsatz und die Potenziale von E-Mobilit\u00e4t bei der Sicherung der Mobilit\u00e4t im l\u00e4ndlichen Raum untersucht und erprobt werden. Daf\u00fcr werden mit Car-Sharing, d. h. einem Dorf-oder B\u00fcrgerauto, und einem an eine Nachbarschaftshilfe angegliederten Hol-und Bringdienst zwei alternative Mobilit\u00e4tskonzepte als zun\u00e4chst lokale Ans\u00e4tze auf Tragf\u00e4higkeit und \u00dcbertragbarkeit gepr\u00fcft.<\/p>\n<p>F\u00fcr die zwei ausgew\u00e4hlten Pionierstandorte Gem\u00fcnden-Nieder-Gem\u00fcnden, Lautertal-Hopfmannsfeld (jeweils Car-Sharing) sowie f\u00fcr die Stadt Schotten (Hol-und Bringdienst) wurden individuell ausgestaltete Konzepte erarbeitet, die die Grundlage f\u00fcr die ca. ein Jahr umfassende Erprobungszeit vom 1. Quartal 2015 bis zum 1. Quartal 2016 bilden. F\u00fcr den Car-Sharing-Ansatz wurden zwei unterschiedliche Ortsteile hinsichtlich Lage\/Erreichbarkeit, Einwohnerzahl, Dorfgemeinschaft\/Vereinswesen ausgew\u00e4hlt, um den Ansatz unter verschiedenen Rahmenbedingungen zu erproben. Mit der Nachbarschaftshilfe Schotten e. V. wurde eine etablierte Institution ausgew\u00e4hlt, deren Angebot im Zuge der Projektlaufzeit sowohl zeitlich als auch r\u00e4umlich auf die Stadtteile ausgeweitet bzw. intensiviert wird. Das ehrenamtliche und nachbarschaftliche Engagement kann \u00fcber die Nutzung von E-Fahrzeugen in einem gr\u00f6\u00dferen Radius angeboten werden, so dass deutlich mehr Personen davon profitieren.<\/p>\n<p>Lokale Vereine bzw. Multiplikatoren im Ort fungieren als \u201ePaten\u201c und \u00fcbernehmen so Verantwortung f\u00fcr das jeweilige Fahrzeug bzw. den Betrieb. Dies umfasst z. B. Fahrzeugeinweisungen neuer Fahrer\/innen, das Beachten von Serviceintervallen, das K\u00fcmmern um Reparaturen im Schadensfall oder auch die Au\u00dfenreinigung der Fahrzeuge.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Betrachtungszeitraum von sieben Monaten ist insgesamt eine gute Nutzung festzustellen, die die geplante Zielsetzung von einer Nutzung pro Tag \u00fcbertrifft. Eine Rahmenbedingung des Modellprojektes ist, dass die Nutzung der E-Fahrzeuge kostenfrei ist. Lediglich eine Spende f\u00fcr Reinigung wird gezahlt. Folglich ist der Vergleich mit anderen E-Mobilit\u00e4tsprojekten nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Erkenntnisse<\/p>\n<p>Die Nutzungsh\u00e4ufigkeit ist aufgrund der Ladedauer begrenzt, dennoch ist eine zwei-bis<br \/>\ndreimalige Nutzung der Fahrzeuge pro Tag keine Seltenheit. Die Anzahl unterschiedlicher Nutzer nimmt allm\u00e4hlich ab. Die Phase der Neugier ist vorbei. Daf\u00fcr steigt die Anzahl der Fahrten pro Nutzer. Ein fester Nutzerkreis hat sich gefunden.<\/p>\n<p>Die Fahrzeuge sind im Schnitt 1.500 bis 1.600 Kilometer im Monat unterwegs, die Reichweite ist f\u00fcr 80 bis 90 Prozent der typischen Nutzungen wie Einkaufen, Arztbesuch, Freizeitaktivit\u00e4ten laut R\u00fcckmeldung der Teilnehmenden kein Problem. Es gibt einzelne Ausrei\u00dfer nach oben mit deutlich \u00fcber 100 Kilomter pro Tag, die als Test-oder \u201eGrenzerfahrungen\u201c zu bewerten sind. Die Unsicherheiten bei der Reichweite sind auch nach den ersten Testmonaten weiterhin vorhanden. Zentraler Schwachpunkt ist die fehlende fl\u00e4chendeckende Ladeinfrastruktur im l\u00e4ndlichen Raum sowie das System unterschiedlicher E-Lade-Infrastrukturen. Die Alltagstauglichkeit ist voll und ganz gegeben. Die Zufriedenheit mit Fahrkomfort und technischer Ausstattung ist hoch.<\/p>\n<p>Hol-und Bringdienst: Bei der Nutzung durch die Nachbarschaftshilfe in Schotten zeichnet sich ein anderes Profil ab als bei den Carsharing-Modellen. In den Kernzeiten Montag bis Freitag wird das Fahrzeug durchschnittlich einmal pro Tag genutzt. Die Planbarkeit ist hoch, da die Hol-und Bringdienste mindestens zwei Tage im Voraus gemeldet werden. Dar\u00fcber hinaus gibt es feste Nutzungszeiten durch den Seniorentreff. Es sind Nutzungserweiterungen bei dem Nachbarschaftshilfeverein vorgesehen, z. B. als Car-Sharing f\u00fcr Vereinsmitglieder, durch Mitarbeiter der Stadt etc.<\/p>\n<p>Ausblick und erste Schlussfolgerungen<\/p>\n<p>F\u00fcr 80 bis 90% der Alltagsmobilit\u00e4t ist die Reichweite der Fahrzeuge ausreichend.<br \/>\nZur Etablierung von E-Mobilit\u00e4t im l\u00e4ndlichen Raum ist jedoch eine fl\u00e4chendeckende Schnellladeinfrastruktur mit einheitlichem Standard und Nutzbarkeit f\u00fcr alle Fahrzeugtypen Voraussetzung. An diesem Punkt gibt es einen erheblichen Infrastruktur-Ausbaubedarf.<br \/>\nCar-Sharing im l\u00e4ndlichen Raum, auch in Form von E-Mobilit\u00e4t, ist also durchaus eine m\u00f6gliche Mobilit\u00e4tsform in Kombination mit den Netzen des \u00d6PNV.<\/p>\n<p>Die Organisation der Verantwortung in Gemeinschaft bzw. das \u201ePatensystem\u201c hat sich bew\u00e4hrt und kann als wichtiger Erfolgsfaktor f\u00fcr das sog. B\u00fcrger-oder Dorfauto-Modell angesehen werden. Die Kommunikationsm\u00f6glichkeiten unter den Nutzern sollen weiterhin verbessert werden, zwecks Mitnahmem\u00f6glichkeiten oder Erledigungen im Sinne der Nachbarschaftshilfe. Aus Datenschutzgr\u00fcnden kann dies nur auf freiwilliger Basis erfolgen.<\/p>\n<p>Die Perspektive der eigenen Erfahrung mit E-Mobilit\u00e4t erh\u00f6ht deren Akzeptanz und unterst\u00fctzt dabei, vorhandene Vorurteile abzubauen. Auch sogenannte Schautage, an denen die Fahrzeuge auf Wunsch auch ausprobiert werden k\u00f6nnen, haben sich als fester Bestandteil w\u00e4hrend der Projektlaufzeit bew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Der Wunsch nach einer Fortf\u00fchrung der Projekte ist bei allen Beteiligten gro\u00df. Aktuell werden verschiedene Optionen gepr\u00fcft und es wird ermittelt, wie hoch die Kosten f\u00fcr die Verstetigung, insbesondere die Nutzungskosten pro Stunde sein k\u00f6nnen. Die Auswertung einer Nutzerbefragung, die im Herbst 2015 vorgesehen ist, soll dazu konkreter Auskunft geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Dr. Nobert Mager sparte nicht mit Lob f\u00fcr den Vogelsbergkreis und bescheinigte ihm \u201eInnovationskraft und gro\u00dfes Engagement zur Bew\u00e4ltigung des demografischen Wandels\u201c. Der Referatsleiter aus dem hessischen Wirtschaftsministerium stellte ebenso wie Christian Schlump vom Bundes-Verkehrsministerium heraus, dass es dem Vogelsberg bei seinen Projekten gelinge, die Jugend und die Senioren gleicherma\u00dfen im Blick zu haben. 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