{"id":142922,"date":"2015-09-12T08:35:22","date_gmt":"2015-09-12T06:35:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=142922"},"modified":"2015-09-12T08:35:22","modified_gmt":"2015-09-12T06:35:22","slug":"hessen-caritas-vorsitzender-manderscheid-fordert-anhebung-der-altersgrenze-im-neuen-programm-intea-fu%cc%88r-alle-jungen-flu%cc%88chtlinge-bis-25-jahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=142922","title":{"rendered":"Hessen-Caritas-Vorsitzender Manderscheid fordert Anhebung der Altersgrenze im neuen Programm InteA fu\u00cc\u02c6r alle jungen Flu\u00cc\u02c6chtlinge bis 25 Jahre"},"content":{"rendered":"<p>Ist Bildung fu\u00cc\u02c6r junge Flu\u00cc\u02c6chtlinge eine Frage des Alters? \u201eJa!\u201c, sagt Dr. Hejo Manderscheid, Vorsitzender der Hessen-Caritas und Direktor des Di\u00f6zesancaritasverbandes Limburg. Zum Ende des Schuljahrs 2014\/2015 ist das bisherige Bildungsprogramm EIBE (\u201eProgramm zur Eingliederung in die Berufs- und Arbeitswelt\u201c) ausgelaufen \u2013 und mit ihm auch die M\u00f6glichkeit fu\u00cc\u02c6r junge Flu\u00cc\u02c6chtlinge u\u00cc\u02c6ber 17 Jahren, die so wichtigen Kurse an Berufsschulen zu absolvieren. \u201eZwar gibt es zum neuen Schuljahr das Folgeprogramm InteA (\u201eIntegration und Abschluss\u201c), das das Hessische Kultusministerium gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium fu\u00cc\u02c6r Soziales und Integration aufgelegt haben. Das begru\u00cc\u02c6\u00dfen wir ausdru\u00cc\u02c6cklich. Allerdings steht dieses im Gegensatz zu EIBE nur Flu\u00cc\u02c6chtlingen und Neu-Zuwanderern im Alter von 16 und 17 Jahren offen\u201c, erl\u00e4utert Manderscheid. Und das ist ein riesiges Problem, wie auch Miriam Sehr, Abteilungsleiterin an der Limburger Adolf-Reichwein-Schule, berichtet: \u201eAllein an unserer Schule mussten 60 junge Flu\u00cc\u02c6chtlinge aufgrund der InteA-Rahmenbedingungen abgewiesen werden.\u201c<\/p>\n<p>Dass InteA mit seiner Altersgrenze bis einschlie\u00dflich 17 Jahre zu kurz gedacht ist, zeigt sich, wie Manderscheid erl\u00e4utert, auch an Erfolgsgeschichten wie die von Awet F., der 1990 in Eritrea geboren wurde. Ohne die in EIBE er\u00f6ffnete Chance auf Deutschsprachunterricht und Berufsvorbereitung w\u00e4re diese nicht m\u00f6glich: \u201eAwet F. hatte Glu\u00cc\u02c6ck, dass er noch an EIBE teilnehmen konnte und durch ein Berufspraktikum einen Ausbildungsplatz bei der Limtronik GmbH in Limburg bekommen hat\u201c, sagt Manderscheid. Der junge Mann hat schon Einiges an beruflicher Qualifikation vorzuweisen, hat er doch nach dem Besuch der Grund-, Mittel- und Oberschule in seiner Heimat Eritrea bereits ein Hochschulstudi-um Erziehungswissenschaften abgeschlossen. Seit Herbst 2012 ist er in Deutschland, wo er an der Kreisvolkshochschule in Limburg zwei Jahre Deutsch gelernt hat, parallel die Fachoberschule als Gastschu\u00cc\u02c6ler besucht und zudem zwei betriebliche Praktika absolviert hat und anschlie\u00dfend \u2013 dank der Ausnahmeregelungen von EIBE \u2013 zehn Monate als Seiteneinsteiger an der Limburger Adolf-Reichwein-Schule am Berufsvorbereitungskurs teilnehmen konnte.<\/p>\n<p>Jungen, hochmotivierten Flu\u00cc\u02c6chtlingen wie Awet F. eine Ausbildung und damit Chancen fu\u00cc\u02c6r die Zukunft zu bieten, das ist das Credo von Michael Schwertel, Leiter der Aus- und Weiterbildung bei der Limtronik GmbH, einem Limburger Spezial-Unternehmen der Elektronischen Baugruppen-Fertigung, die Awet F. zum 1. August einen Ausbildungsplatz als Industrieelektriker angeboten hat. \u201eHerr Awet F. ist ein \u00e4u\u00dferst engagierter, talentierter, flei\u00dfiger und zuverl\u00e4ssiger Auszubildender, der sich gut in unseren Betrieb integriert und von uns und seinen Kollegen sehr wertgesch\u00e4tzt wird\u201c, so Schwertel. \u201eWir, die Limtronik GmbH, stehen der aktuellen Flu\u00cc\u02c6chtlingssituation offen gegenu\u00cc\u02c6ber und setzen alles daran, die Potenziale, welche sich aus der aktuellen Zuwanderung ergeben, zu erschlie\u00dfen. Dies ist ein wichtiges Instrument, um dem steigenden Fachkr\u00e4ftemangel, auch im Raum Limburg-Weilburg, entgegenzuwirken\u201c, so der Ausbildungsleiter. Und weiter: \u201eMan begegnet sehr motivierten und intelligenten jungen Menschen, die einer fundierten beruflichen Entwicklung und Integration und somit auch ihrem pers\u00f6nlichen Erfolg positiv entgegenblicken. Unser Ziel ist es in diesem Zusammenhang, den zuku\u00cc\u02c6nftigen potenziellen Mitarbeiter im Rahmen seiner M\u00f6glichkeiten bestm\u00f6glich auszubilden, ihn bei seinem Start in das Berufsleben zu unterstu\u00cc\u02c6tzen und u\u00cc\u02c6ber die Einstiegsqualifizierung EQ oder gegebenenfalls auch direkt in unserem Konzept der Stufenausbildung bei Limtronik zu integrieren\u201c, erl\u00e4utert Schwertel.<br \/>\n\u201eWir brauchen solche tollen Beispiele wie die Limtronik GmbH \u2013 und flexiblere Altersgrenzen\u201c sagt Manderscheid. \u201eWir haben schon jetzt eine gro\u00dfe Zahl von jungen Menschen in den Flu\u00cc\u02c6chtlingswohnhei-men, die Deutsch lernen wollen, aber vor allem eine Chance auf Allgemeinbildung und einen Schulab-schluss brauchen \u2013 und anschlie\u00dfend auch berufliche Perspektiven\u201c, sagt Manderscheid.<\/p>\n<p>Dass die Altersgrenze von InteA ein Problem ist und l\u00e4ngst nicht nur Einzelf\u00e4lle betrifft, das best\u00e4tigt auch Sabine Weckert, Lehrerin an der Gewerblichen Schule in Dillenburg, einer InteA-Schwerpunktschule: \u201eAn unserer Schule ist in den vergangenen Jahren die Zahl der Flu\u00cc\u02c6chtlinge in EIBE kontinuierlich gestiegen, und wir haben sehr gute Erfahrungen mit ihnen gemacht\u201c, so Weckert. \u201eEIBE hat sich zu einem Erfolgsprogramm fu\u00cc\u02c6r viele Flu\u00cc\u02c6chtlinge entwickelt, denn nahezu alle haben innerhalb der ein bis zwei Jahre den Schulabschluss erreicht \u2013 und durch die zwei bis vier Betriebspraktika haben einige einen Ausbildungsplatz gefunden.\u201c Denn die Betriebe h\u00e4tten gemerkt, wie hochmotiviert und arbeitswillig die jungen Flu\u00cc\u02c6chtlinge sind. \u201eMit dem neuen Schuljahr ist jedoch zu unserem gro\u00dfen Bedauern alles anders\u201c, sagt die Lehrerin. \u201eWir haben eine gro\u00dfe Zahl von Flu\u00cc\u02c6chtlingen zwischen 18 und 25 Jahren aus den Flu\u00cc\u02c6chtlingsheimen unter anderem im n\u00f6rdlichen Lahn-Dill-Kreis auf unserer Anmeldeliste, die seit einem Jahr darauf warten, dass es endlich mit der Schule losgeht \u2013 und wir du\u00cc\u02c6rfen sie nicht an unserer Schule aufnehmen.\u201c Die Entt\u00e4uschung ist immens \u2013 bei den Jungen und M\u00e4dchen, aber auch bei den vielen Engagierten, die ihnen Deutschunterricht zur Vorbereitung gegeben haben. \u201eDiese Entscheidung des Sozial- und des Kultusministeriums ist so unsinnig und von keinem nachvollziehen!\u201c Ihr dringender Appell lautet daher: \u201eDie Altersbegrenzung von InteA muss im Interesse aller nach oben erweitert werden \u2013 damit die Schulen, die in Hessen ab diesem Schuljahr InteA anbieten, Flu\u00cc\u02c6chtlinge nach ihren Kapazit\u00e4ten und nicht nach einer starren Altersgrenze aufnehmen du\u00cc\u02c6rfen!\u201c<\/p>\n<p>Gerade mit Blick auf steigenden Flu\u00cc\u02c6chtlingszahlen betont Manderscheid. \u201eInteA ist wichtig, greift aber viel zu kurz durch die nach oben zu niedrige Altersgrenze. Wir appellieren deshalb an die hessische Landesregierung, die jetzt von der Gro\u00dfen Koalition in Berlin angeku\u00cc\u02c6ndigten drei Milliarden Euro fu\u00cc\u02c6r die L\u00e4nder und Kommunen nicht nur fu\u00cc\u02c6r die Unterbringung und Erstversorgung von Flu\u00cc\u02c6chtlingen zu verwenden \u2013 sondern in die Bildung von jungen Menschen auch u\u00cc\u02c6ber 17 Jahren zu investieren.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Ist Bildung fu\u00cc\u02c6r junge Flu\u00cc\u02c6chtlinge eine Frage des Alters? \u201eJa!\u201c, sagt Dr. Hejo Manderscheid, Vorsitzender der Hessen-Caritas und Direktor des Di\u00f6zesancaritasverbandes Limburg. 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