{"id":142524,"date":"2015-08-30T13:50:43","date_gmt":"2015-08-30T11:50:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=142524"},"modified":"2015-08-30T13:50:43","modified_gmt":"2015-08-30T11:50:43","slug":"roland-stepan-leiter-des-kreisgesundheitsamts-ueber-moegliche-auswirkungen-des-mobilfunks-auf-die-gesundheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=142524","title":{"rendered":"Roland Stepan, Leiter des Kreisgesundheitsamts, \u00fcber m\u00f6gliche Auswirkungen des Mobilfunks auf die Gesundheit"},"content":{"rendered":"<p>Nach Angaben des Statistischen Bundesamts besa\u00dfen 2014 knapp 94\u00c2\u00a0Prozent der privaten Haushalte in Deutschland mindestens ein Mobiltelefon. Handys sind also Teil unseres Alltags, aber sind sie wirklich gut f\u00fcr uns?<br \/>\n\u00dcber die Vor- und Nachteile permanenter Erreichbarkeit l\u00e4sst sich diskutieren. \u00dcber die Auswirkungen des Mobilfunks auf unsere Gesundheit im Moment nur spekulieren. Zu den Wirkungen elektromagnetischer Felder wird national und international intensiv geforscht. Und obwohl die Fachgremien \u2013 bei Einhaltung der Grenzwerte \u2013 derzeit nicht von Gesundheitsgefahren durch Mobilfunkfelder ausgehen, h\u00e4lt sich in Teilen der Bev\u00f6lkerung die Sorge um m\u00f6gliche Gesundheitsrisiken.<br \/>\nDas Thema ist so komplex wie die Datenlage. Im Interview informiert Roland Stepan, Leiter des Kreisgesundheitsamts, \u00fcber den aktuellen Kenntnisstand, m\u00f6gliche Vorsorgema\u00dfnahmen und empfiehlt Quellen f\u00fcr all diejenigen, die tiefer in das Thema einsteigen wollen.<\/p>\n<p>Wie ist der aktuelle Kenntnisstand zu Mobilfunk und Gesundheit? \u00e2\u20ac\u00a8Ob der Mobilfunk Gesundheitsrisiken birgt, das ist eine Frage, die bereits seit Anfang der neunziger Jahre &#8211; als das erste digitale Mobilfunknetz aufgebaut wurde &#8211; \u00f6ffentlich diskutiert wird. Bisher haben die Wissenschaftler keine eindeutigen Zusammenh\u00e4nge zwischen verschiedenen Erkrankungen oder Gesundheitsst\u00f6rungen und den hochfrequenten elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks nachweisen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was wei\u00df man \u00fcber die biologische Wirkung elektromagnetischer Felder?\u00e2\u20ac\u00a8Hochfrequente elektromagnetische Felder werden vom K\u00f6rper aufgenommen und k\u00f6nnen dort &#8211; abh\u00e4ngig von der St\u00e4rke und Frequenz der Felder sowie von den Eigenschaften und Strukturen des biologischen Gewebes &#8211; unterschiedliche Wirkungen hervorrufen. Kraftwirkungen beziehungsweise die W\u00e4rmewirkung der hochfrequenten Felder sind eindeutig nachgewiesen und physikalisch definiert worden.\u00e2\u20ac\u00a8\u00e2\u20ac\u00a8Wie machen sich diese Wirkungen im menschlichen K\u00f6rper bemerkbar? \u00e2\u20ac\u00a8Ausschlaggebend f\u00fcr m\u00f6gliche gesundheitliche Wirkungen hochfrequenter Felder ist die W\u00e4rmewirkung. Im Tierexperiment wurden zum Beispiel gest\u00f6rte Stoffwechselvorg\u00e4nge, Verhaltens\u00e4nderungen und St\u00f6rungen der Embryonalentwicklung nachgewiesen, wenn sich die K\u00f6rpertemperatur \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum um deutlich mehr als ein Grad Celsius erh\u00f6ht hatte.<\/p>\n<p>Wann kommt es denn im Zusammenhang mit den hochfrequenten elektromagnetischen Feldern zu dieser Temperaturerh\u00f6hung? \u00e2\u20ac\u00a8Ma\u00dfgebend ist hier die vom K\u00f6rper absorbierte Energie. Basisgr\u00f6\u00dfe daf\u00fcr ist die Spezifische Absorptionsrate (SAR). Sie gibt die Leistung an, die pro Kilogramm Gewebe absorbiert wird. Eine mindestens 30 Minuten auf den K\u00f6rper einwirkende SAR in H\u00f6he von vier Watt pro Kilogramm Gewebe bewirkt beim Menschen eine Temperaturerh\u00f6hung von etwa ein Grad Celsius. Der g\u00fcltige Grenzwert liegt bei zwei W\/kg.<\/p>\n<p>Wer hat diesen Grenzwert definiert?\u00e2\u20ac\u00a8Die Internationale Strahlenschutzkommission (ICNIRP) hat aus der Wirkschwelle Richtwerte f\u00fcr den Ganzk\u00f6rperbereich (0,08 W\/kg) und den Teilk\u00f6rperbereich (2W\/kg) abgeleitet. Diesen Werten haben sich sowohl die Weltgesundheitsorganisation\u00c2\u00a0 (WHO) als auch der Rat der Europ\u00e4ischen Union angeschlossen. In Deutschland sind die gesetzlichen Grenzwerte, die den ICNIRP-Richtlinien entsprechen, in der 26. Verordnung zur Durchf\u00fchrung des Bundesimmissionsschutzgesetzes festgeschrieben.<\/p>\n<p>Woher wei\u00df man, ob das eigene Mobiltelefon einen unkritischen SAR-Wert hat? \u00e2\u20ac\u00a8Handys, die in Deutschland und europaweit verkauft werden, m\u00fcssen den SAR-Wert einhalten. Unter anderem ist auf der Website des Bundeamts f\u00fcr Strahlenschutz (www.bfs.de) unter dem Stichwort \u201eSAR Suche\u201c ein umfangreiches Verzeichnis der SAR-Werte gebr\u00e4uchlicher Handy-Modelle abrufbar. Dort k\u00f6nnen sich Verbraucher selbst informieren, wie strahlungsarm ihr Telefon tats\u00e4chlich ist.<\/p>\n<p>In 2013 hat die Internationale Krebsforschungsagentur (IACR) Mobiltelefone\u00c2\u00a0 als \u201em\u00f6glicherweise krebserregend\u201c eingestuft. \u00e2\u20ac\u00a8Ja, es gab Hinweise auf eine Steigerung des Risikos f\u00fcr Vieltefonierer, die schon sehr fr\u00fch und sehr lange ein Handy nutzten. Diese Risikosteigerung bezog sich auf zwei bestimmte Formen von Gehirntumoren \u2013 Gliome und Akustikusneurinome. Allerdings sind bei dieser Studie, die den Namen \u201eInterphone\u201c tr\u00e4gt, einige Fragen offen geblieben.<\/p>\n<p>Wo kann man sich im Detail \u00fcber Studienergebnisse zu diesem Thema informieren? \u00e2\u20ac\u00a8Eine umfassende \u00dcbersicht \u00fcber die deutsche und internationale Forschung bietet das EMF-Portal der Rheinisch-Westf\u00e4lischen Technischen Hochschule Aachen. Informieren kann man sich ferner bei der WHO, der Internationalen Strahlenschutzkommission oder der deutschen Strahlenschutzkommission.<\/p>\n<p>Die Landes\u00e4rztekammer Baden-W\u00fcrttemberg empfiehlt jedenfalls einen vorsichtigen Umgang mit Mobilfunktelefonen. \u00e2\u20ac\u00a8Ja, es gibt zwar bislang keine Forschungsergebnisse, die einen eindeutigen Zusammenhang zwischen verschiedenen Erkrankungen und elektromagnetischen Feldern nachweisen konnten. Allerdings konnten auch Gefahren f\u00fcr die menschliche Gesundheit dort noch nicht ausgeschlossen werden, wo bisher kein eindeutiger Wirkmechanismus festgestellt werden kann. So begr\u00fcndet die Landes\u00e4rztekammer ihre Empfehlung.<\/p>\n<p>Gibt es konkrete Vorsorgeempfehlungen? \u00e2\u20ac\u00a8Auch diesbez\u00fcglich wird man beim Bundesamt f\u00fcr Strahlenschutz f\u00fcndig. Dort gibt es Verhaltenstipps, beispielsweise das Festnetz zu bevorzugen, die Telefonate mit dem Handy m\u00f6glichst kurz zu halten, m\u00f6glichst nicht bei schlechtem Empfang zu telefonieren, Head-Sets zu nutzen oder von der M\u00f6glichkeit der SMS Gebrauch zu machen. Verhaltenstipps gibt es auch f\u00fcr Besitzer von Smartphones. Grunds\u00e4tzlich empfehlenswert ist es sicherlich, Mobiltelefone m\u00f6glichst wenig und kurz zu benutzen \u2013 das gilt f\u00fcr Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleicherma\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Nach Angaben des Statistischen Bundesamts besa\u00dfen 2014 knapp 94\u00c2\u00a0Prozent der privaten Haushalte in Deutschland mindestens ein Mobiltelefon. Handys sind also Teil unseres Alltags, aber sind sie wirklich gut f\u00fcr uns? \u00dcber die Vor- und Nachteile permanenter Erreichbarkeit l\u00e4sst sich diskutieren. \u00dcber die Auswirkungen des Mobilfunks auf unsere Gesundheit im Moment nur spekulieren. 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