{"id":142294,"date":"2015-08-24T20:57:10","date_gmt":"2015-08-24T18:57:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=142294"},"modified":"2015-08-24T20:57:10","modified_gmt":"2015-08-24T18:57:10","slug":"vortrag-ueber-ehemalige-standesherrliche-archive-in-zentralhessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=142294","title":{"rendered":"Vortrag \u00fcber ehemalige standesherrliche Archive in Zentralhessen"},"content":{"rendered":"<p>Am 08. September um 20.00 Uhr referiert Christian Vogel, der Vorsitzende der Vereinigung f\u00fcr Heimatforschung in Vogelsberg, Wetterau und Kinzigtal, im B\u00fcdinger Heuson-Museum \u00fcber zehn vormals standesherrliche Archive in Zentralhessen. In der Mitte von Hessen gibt es zehn Archive mit mehr als 15 000 Urkunden und \u00fcber 4 Kilometer Akten. In ihnen ruht ein wesentlicher Teil der \u00dcberlieferung von \u00fcber 200 Orten mit insgesamt ann\u00e4hernd 400 000 Einwohnern, die in den sechs Kreisen Landkreis Gie\u00dfen, Lahn-Dill-Kreis, Main-Kinzig-Kreis, Stadt Offenbach, Landkreis Offenbach und Wetteraukreis liegen und eine Spannweite vom Weiler bis zur Gro\u00dfstadt haben. Es ist dies \u00dcberlieferung der Staatsgewalt, die staatliches Wirken in kleinen Territorien des Alten Reiches dokumentiert. Hier finden sich Informationen zu so unterschiedlichen Themen wie Schulen und Kirchen, Feldmark und Gemeindeautorit\u00e4ten, Justiz und Krieg. Privat-Unterlagen sind es nicht. Vier dieser Archive befinden sich in B\u00fcdingen, ohne ihre Unterlagen ist Geschichte der Stadt B\u00fcdingen und ihres Umlandes nicht zu fassen.<\/p>\n<p>Diese Unterlagen staatlichen Charakters sind in privater Hand. Im 20. Jahrhundert hat man sich dar\u00fcber keine Gedanken gemacht. Die Verh\u00e4ltnisse waren noch so, dass meist an die Unterlagen heranzukommen war, und die Rechtslage war v\u00f6llig unbekannt. In unserem Jahrhundert war dann das Ysenburger \u201eGesamtarchiv\u201c im B\u00fcdinger Schloss zeitweilig geschlossen und ist dies noch der Fall beim Isenburger Archiv in Birstein. Vor allem aber stellte sich heraus, dass es &#8211; haupts\u00e4chlich im Bandhaus &#8211; in B\u00fcdingen drei weitere gro\u00dfe Archive gibt, die die \u00dcberlieferung der Zeit nach dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg von etwa 60 Ortschaften \u2013 darunter die Stadt B\u00fcdingen \u2013 enthalten und noch nie der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich waren. Man wei\u00df nicht einmal, inwieweit es \u00fcberhaupt eine Verzeichnung gibt.<\/p>\n<p>Dieser unhaltbare Zustand hat den Referenten zu einer \u00dcberpr\u00fcfung der Rechtslage veranlasst. Sie war nicht einfach, da an die Unterlagen der Archive selbst naturgem\u00e4\u00df nicht zu kommen war und die meisten Unterlagen des Volksstaates Hessen im Krieg untergegangen sind. Was sich vom Darmst\u00e4dter Justizministerium erhalten hat, reicht indes aus. Es hat sich ergeben, dass in den \u201estandesherrlichen\u201c Archiven zwei Archive zu unterscheiden sind, ein \u201eLandesarchiv\u201c und ein \u201eFamilienarchiv\u201c. Im Landesarchiv liegen die staatlichen Unterlagen, die mit der Regierung der kleinen L\u00e4nder zu tun haben, im Familienarchiv die Unterlagen der Familie, die diese kleinen L\u00e4nder regierte. Diese Landesarchive sind beim Verlust der politischen Selbst\u00e4ndigkeit 1806\/15 nicht einfach an die neuen gr\u00f6\u00dferen Staaten gefallen. Die bisherigen Regenten der Kleinl\u00e4nder behielten n\u00e4mlich als \u201eStandesherren\u201c v\u00f6lkerrechtlich verbindlich kraft der Wiener Bundesakte von 1815 die \u201euntere und mittlere\u201c Regierungsgewalt ihrer bis dahin selbst\u00e4ndigen L\u00e4ndchen und damit auch die Verwaltung von deren Staatsarchiven. Die verbliebenen Regierungsrechte wurden ihnen dann zwar ziemlich bald entzogen. An die Landesarchive dachte aber niemand, so dass deren Verwaltung bis 1918 bei den Standesherren blieb. Diesen Zustand beendete erst die Revolution von 1918, seither geh\u00f6ren die Landesarchive den L\u00e4ndern, heute dem Land Hessen. Eine \u00dcbernahme wurde indes unterlassen, weil es sich bei den standesherrlichen Archiven um gewachsene Einheiten handelt, die man nicht auseinander rei\u00dfen wollte und die auch nur schwer zu teilen waren. Dass das Eigentum der Teile Landesarchiv beim Land Hessen liegt, wurde aber ausdr\u00fccklich festgehalten. Die Teile Familienarchiv wurden in diesem Zusammenhang fast alle auf Stiftungen \u00fcbertragen, in zwei F\u00e4llen wurde lediglich Nutzung durch die \u00d6ffentlichkeit gesetzlich sichergestellt. Die \u00d6ffentlichkeit hat daher im Prinzip ein Recht auf Nutzung der gesamten standesherrlichen Archive.<\/p>\n<p>Dies in Vergessenheit geratene Recht der \u00d6ffentlichkeit gilt es jetzt durchgehend durchzusetzen. Hier steht ein St\u00fcck Einf\u00fchrung der Republik noch aus. Der Referent hat zu diesem Zweck einen 66 Seiten starken Druck \u201eZehn vormals standesherrliche Archive in Zentralhessen \u2013 Fortsetzung der Monarchie im Hessen des 21. Jahrhunderts\u201c ausgearbeitet, in dem geordnet nach Archiven die einschl\u00e4gige Rechtslage dargestellt und durch Faksimiles belegt ist. Diesen Druck wird er erl\u00e4utern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Am 08. 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