{"id":142041,"date":"2015-08-12T18:49:02","date_gmt":"2015-08-12T16:49:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=142041"},"modified":"2015-08-12T18:49:02","modified_gmt":"2015-08-12T16:49:02","slug":"laubmischwald-statt-hoher-fichten-der-wald-an-der-schornhecke-wird-aufgewertet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=142041","title":{"rendered":"Laubmischwald statt hoher Fichten: Der Wald an der Schornhecke wird aufgewertet"},"content":{"rendered":"<p>Wer in diesen Tagen vom Parkplatz Schornhecke in Richtung Schwarzes Moor wandern will, muss einen kleinen Umweg in Kauf nehmen. Denn in dem Waldst\u00fcck an der bayerisch-hessischen Grenze werden derzeit viele der hohen Fichten gef\u00e4llt. Doch dieser Eingriff dient der Natur. Er ist Teil eines planm\u00e4\u00dfigen, \u00f6kologisch motivierten Waldumbaus. Denn die Entnahme der Fichten schafft Platz f\u00fcr eine nat\u00fcrliche Verj\u00fcngung durch Laubb\u00e4ume. Schon in wenigen Jahren wird hier die Artenvielfalt stark zunehmen und eine Kernzone des UNESCO-Biosph\u00e4renreservats entstehen lassen, die ihren Namen verdient.<\/p>\n<p>Im Jahr 2013 hat der Markt Oberelsbach im Bereich Schornhecke ca. 50 Hektar Waldfl\u00e4che als Kernzonenfl\u00e4che eingebracht. \u00dcber einen Zeitraum von zehn Jahren sollen hier nach und nach die standortfremden B\u00e4ume, \u00fcberwiegend Fichten, entnommen werden. Ein erster \u201ekr\u00e4ftiger Lichtungshieb\u201c findet im Monat August statt.<\/p>\n<p>\u201eWir haben f\u00fcr diese Ma\u00dfnahme aus Naturschutzgr\u00fcnden nur ein kleines Zeitfenster\u201c, erl\u00e4utert Hubert T\u00fcrich vom Amt f\u00fcr Ern\u00e4hrung, Landwirtschaft und Forsten in Bad Neustadt a. d. Saale. \u201eFr\u00fcher h\u00e4tten wir es nicht machen k\u00f6nnen, weil das die Brut der V\u00f6gel gest\u00f6rt h\u00e4tte und im September beginnt bereits die Hauptwandersaison. Wir haben aber Gl\u00fcck. Denn aufgrund des trockenen Wetters werden die eingesetzten Maschinen nur sehr geringe Bodensch\u00e4den verursachen. Auch die Gefahr durch Borkenk\u00e4fer ist unter den gegenw\u00e4rtigen Bedingungen als gering einzusch\u00e4tzen.\u201c<\/p>\n<p>Insgesamt werden in den Augustwochen etwa 1.000 Festmeter Holz entnommen. Mithilfe gro\u00dfer \u201eHarvester\u201c kann das selektiv geschehen. Denn die Waldfl\u00e4che enth\u00e4lt bereits viele im Laufe der vergangenen 20 Jahre angepflanzte junge Laubb\u00e4ume, die selbstverst\u00e4ndlich erhalten bleiben. Entnommen werden lediglich die ohnehin erntereifen Nadelb\u00e4ume. In den bearbeiteten Fl\u00e4chen werden liegendes Totholz sowie Baumst\u00fcmpfe (5-7 Meter) f\u00fcr die Tier- und Pflanzenwelt belassen.<\/p>\n<p>\u201eVon Natur aus ist die Rh\u00f6n ein Buchenwaldgebiet\u201c, erl\u00e4utert T\u00fcrich \u201eDie Fichten wurden in den 30er-Jahren als schnellw\u00fcchsiger Brotbaum eingef\u00fchrt. Wer an der Schornhecke genau hinschaut, wird feststellen, dass sehr viele Fichtenwipfel abgebrochen sind und Ersatztriebe gebildet haben, sogenannte Zwiesel. Das sind alles Schneebruchsch\u00e4den. An solchen offenen Bruchstellen kommt h\u00e4ufig auch die F\u00e4ule ins Holz. Die Fichte ist f\u00fcr diese Lagen eben nicht wirklich geeignet.\u201c<\/p>\n<p>Mit dem Lichtungshieb verschafft man der Verj\u00fcngung Platz und Licht. Als Folge wird die Artenvielfalt explodieren. Neben den bereits gepflanzten B\u00e4umen macht sich als Pionierpflanzen auch Vogelbeere, Salweide, Himbeere, Weidenr\u00f6schen und Traubenholunder breit. Im Boden enthaltene Samen gehen ebenfalls auf und tragen zur neuen Vielfalt bei. Auf den Umbaufl\u00e4chen am nahen Heidelstein, die ebenfalls vom Markt Oberelsbach eingebracht wurden, kann man diese Resultate bereits erkennen. Wo fr\u00fcher dicht an dicht Fichten standen und die lichtarmen Verh\u00e4ltnisse ansonsten kaum Pflanzen und Tiere zulie\u00dfen, entsteht bereits ein artenreicher Laubwald.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund sieht Oberelsbachs B\u00fcrgermeisterin, Birgit Erb, den Waldumbau positiv: \u201eDer Marktgemeinderat hat sich intensiv mit den Zusammenh\u00e4ngen besch\u00e4ftigt und sieht darin die Chance, auf diesen Fl\u00e4chen wieder einen nat\u00fcrlichen Zustand herzustellen. Mittelfristig werden wir hier \u00f6kologisch betrachtet einen viel wertvolleren Waldbestand haben als zuvor. Das ist ein spannender Prozess.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr den Leiter der Bayerischen Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosph\u00e4ren-reservats Rh\u00f6n, Michael Geier, ist der Waldumbau an der Schornhecke ein Puzzlestein in einem gro\u00dfen Gesamtwerk: \u201eIm bayerischen Teil haben alle drei staatlichen Forstbetriebe (Bad Br\u00fcckenau, Hammelburg und Bad K\u00f6nigshofen) sowie mehrere Kommunen (Burglauer, Fladungen, Oberelsbach und Ostheim) erhebliche Waldfl\u00e4chen eingebracht, die in den n\u00e4chsten Jahren sukzessive umgestaltet werden. Langfristig gesehen wird das die Natur in unserem UNESCO-Biosph\u00e4renreservat erheblich bereichern.\u201c<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Einschlagarbeiten wird der Hauptweg vom Parkplatz Schornhecke in Richtung Schwarzes Moor, auf dem an dieser Stelle auch der Premiumwanderweg Hochrh\u00f6ner verl\u00e4uft, um den Wald herumgeleitet. Die Umleitung ist ausgeschildert. An Tagen, an denen schwere Maschinen zum Einsatz kommen, werden Ranger des Biosph\u00e4renreservats vor Ort die Besucher beraten. Alle Ma\u00dfnahmen sind detailliert zwischen dem Markt Oberelsbach und der Regierung von Unterfranken, H\u00f6here Naturschutzbeh\u00f6rde, dem Amt f\u00fcr Ern\u00e4hrung, Landwirtschaft und Forsten sowie der Bayerischen Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosph\u00e4renreservats abgestimmt.<\/p>\n<p>Hintergrund<\/p>\n<p>Im Juni 2014 wurde die Fl\u00e4che des UNESCO-Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n um 58.000 Hektar auf bayerischer Seite erweitert und ist damit in Bayern um ca. 80 Prozent gewachsen. Nach den Statuten der UNESCO m\u00fcssen drei Prozent der Gesamtfl\u00e4che als Kernzone ausgewiesen werden, in der sich die Natur ohne menschliche Eingriffe entwickeln kann. Insgesamt umfassen die Kernzonen auf bayerische Seite 3.889 Hektar. Den gr\u00f6\u00dften Fl\u00e4chenanteil mit rund 2.600 Hektar haben die Bayerischen Staatsforsten eingebracht. Aber auch Kommunen wie Oberelsbach stellten Waldfl\u00e4chen zur Verf\u00fcgung, in denen sich die Natur auf Dauer unbeeinflusst von menschlicher Nutzung entwickeln kann.<\/p>\n<p>Noch enthalten diese Kernzonen in erheblichem Umfang Baumarten, die nicht zur potenziell nat\u00fcrlichen Vegetation des klassischen Laubwaldgebietes Rh\u00f6n z\u00e4hlen. Um dies zu korrigieren, werden in den n\u00e4chsten Jahren vielerorts umfangreiche Waldumbauma\u00dfnahmen stattfinden. Sie werden das Waldbild ver\u00e4ndern und k\u00f6nnen zu vor\u00fcbergehenden Behinderungen des Besucherverkehrs f\u00fchren. Deshalb setzen die Verantwortlichen auf Transparenz und Information.<\/p>\n<p>Foto: Der Wald an der Schornhecke wird \u201eumgebaut\u201c. Ein neu aufgestelltes Schild nennt die \u00f6kologischen Zusammenh\u00e4nge. Von links: Michael Geier, Leiter der Bayer. Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n, Birgit Erb, B\u00fcrgermeisterin von Oberelsbach sowie Hubert T\u00fcrich vom Amt f\u00fcr Ern\u00e4hrung, Landwirtschaft und Forsten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Wer in diesen Tagen vom Parkplatz Schornhecke in Richtung Schwarzes Moor wandern will, muss einen kleinen Umweg in Kauf nehmen. Denn in dem Waldst\u00fcck an der bayerisch-hessischen Grenze werden derzeit viele der hohen Fichten gef\u00e4llt. Doch dieser Eingriff dient der Natur. Er ist Teil eines planm\u00e4\u00dfigen, \u00f6kologisch motivierten Waldumbaus. 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