{"id":141699,"date":"2015-08-04T01:50:28","date_gmt":"2015-08-03T23:50:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=141699"},"modified":"2015-08-03T16:51:13","modified_gmt":"2015-08-03T14:51:13","slug":"erklaerung-des-pax-christi-praesidenten-bischof-heinz-josef-algermissen-anlaesslich-des-70-jahrestages-der-atombombenabwuerfe-auf-hiroshima-und-nagasaki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=141699","title":{"rendered":"Erkl\u00e4rung des pax christi-Pr\u00e4sidenten Bischof Heinz Josef Algermissen anl\u00e4sslich des 70. Jahrestages der Atombombenabw\u00fcrfe auf Hiroshima und Nagasaki"},"content":{"rendered":"<p>70 Jahre nach den Atombombenabw\u00fcrfen auf Hiroshima und Nagasaki ist es geboten, nicht nur den Einsatz von Atomwaffen als unmoralisch zu verurteilen, sondern auch deren Besitz zu \u00e4chten und so auf die Abschaffung der Atomwaffen generell zu dr\u00e4ngen. pax christi unterst\u00fctzt die Position einer vatikanischen Stellungnahme vom Dezember 2014, die in der Abschaffung der Atomwaffen die Grundlage f\u00fcr kollektive Sicherheit sieht. Nukleare Abschreckung ist in einer multi-polaren Welt kein Stabilisator, sondern ein Anreiz f\u00fcr Staaten geworden, eigene Atomwaffenprogramme zu entwickeln.<\/p>\n<p>Es wird zwar gesagt, dass in all den Jahrzehnten des Kalten Krieges nukleare Abschreckung einen Atomkrieg zwischen den Weltm\u00e4chten verhindert habe, aber diese Abschreckungspolitik hat der Welt auch einen genuinen Frieden vorenthalten und sie dem anhaltenden Risiko einer nuklearen Katastrophe ausgesetzt. Dazu kommt, dass seit dem Ende des Kalten Krieges enorme Summen in die Modernisierung der Atomwaffen gesteckt werden. Dieses Geld k\u00f6nnte viel besser verwendet werden, Not und Elend zu verhindern, die Situation von Menschen in Krisengebieten zu verbessern und somit eine Politik zu betreiben, die Frieden in Gerechtigkeit erm\u00f6glicht. Denn \u201ew\u00e4hrend man riesige Summen f\u00fcr die Herstellung t\u00f6dlicher Waffen ausgibt, kann man nicht gen\u00fcgend Hilfsmittel bereitstellen zur Bek\u00e4mpfung all des Elends in der heutigen Welt\u201c (2. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, Nr. 81).<\/p>\n<p>In der Vergangenheit haben kirchliche Positionen den Besitz von Atomwaffen noch gerechtfertigt unter der Bedingung, dass die Atomm\u00e4chte ihr Nukleararsenal schrittweise abr\u00fcsten. Diese Bedingung wurde jedoch nie erf\u00fcllt. Heute gibt es weltweit mehr Atomsprengk\u00f6pfe als noch zu Zeiten des Kalten Krieges. Vertreter von Atomstaaten schlie\u00dfen nicht aus, diese Waffen auch einzusetzen, falls die Abschreckung versagt. Mit der nuklearen Abschreckung geht immer Massenvernichtung einher, daher kann das System der nuklearen Abschreckung nicht l\u00e4nger als eine Politik betrachtet werden, die moralisch vertretbar ist. Obwohl eingewandt wird, dass allein der Besitz dieser Waffen per se nichts Schlechtes sei, so droht er doch den massenhaften Tod von Menschen an und nimmt ihn billigend in Kauf.<\/p>\n<p>V\u00f6lkerrechtler betonen das \u201eunn\u00f6tige Leid\u00e2\u20ac\u009d, das Menschen durch Atomwaffen zugef\u00fcgt wird. Gemeint sind damit die besondere Grausamkeit durch Verstrahlung und langfristige Zerst\u00f6rung des Lebens und seiner Grundlagen. Manche der \u00dcberlebenden der Atombombendetonationen in Hiroshima und Nagasaki haben die Toten beneidet. \u201eUnn\u00f6tiges Leiden\u201c ist aber v\u00f6lkerrechtlich und im Milit\u00e4rrecht ge\u00e4chtet. Was f\u00fcr den konventionellen Krieg gilt, muss umso mehr f\u00fcr den atomaren gelten und zu einem Verbot dieser Waffen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Atomwaffen sind ein globales Problem und ihre Abr\u00fcstung erfordert eine globale Ethik. In unserer heutigen verkn\u00fcpften Welt brauchen wir eine Ethik der Solidarit\u00e4t, die uns auf eine weniger gef\u00e4hrliche und moralisch verantwortbare Zukunft hin zusammenarbeiten l\u00e4sst. Dazu geh\u00f6rt, sich endlich auf eine Abr\u00fcstungskonferenz im Rahmen des Atomwaffensperrvertrags (NPT-Vertrag) zu verst\u00e4ndigen. Die Regierungschefs m\u00fcssen dazu immer wieder ermutigt werden, sonst bleibt der Atomwaffensperrvertrag ein System, das allein die Interessen der Atom-Staaten verwaltet. Dazu kommen doppelte Standards, die den NPT-Vertrag untergraben. Atom-Staaten setzen die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen bei einigen L\u00e4ndern durch, w\u00e4hrend sie den Aufbau von Atomarsenalen in anderen ignorieren.<\/p>\n<p>Staaten wie die Bundesrepublik Deutschland, die durch die Lagerung von Atomsprengk\u00f6pfen auf ihrem Hoheitsgebiet \u00fcber \u201enukleare Teilhabe\u201c an Atomprogrammen beteiligt sind, m\u00fcssen ihre Beteiligung endlich aufk\u00fcndigen, auch um den Nichtverbreitungsvertrag nicht zu unterlaufen. Immer noch lagern rund 20 Atomraketen in Deutschland. Doch statt sie zu entsorgen, werden sie modernisiert.<\/p>\n<p>Angesichts fehlender Abr\u00fcstungsbem\u00fchungen begr\u00fc\u00dft die katholische Friedensbewegung pax christi alle Initiativen, die sich f\u00fcr die Abschaffung von Atomwaffen einsetzen, sei es die \u201eHumanit\u00e4re Initiative\u201c von \u00fcber 100 Staaten, die \u00fcber eine Konvention ein Verbot von Atomwaffen durchsetzen wollen, seien es Formen des gewaltfreien Widerstandes, Gebet und Fasten vor dem Raketendepot in B\u00fcchel\/Hunsr\u00fcck oder seien es Aktionen der US-amerikanischen Friedensbewegung vor der Atomwaffenschmiede Los Alamos in New Mexico.<br \/>\nWir fordern, das im Atomwaffensperrvertrag gegebene Versprechen nach Abr\u00fcstung\u00c2\u00a0 der gef\u00e4hrlichen Atomwaffen endlich einzul\u00f6sen. Wir appellieren an die politisch Verantwortlichen, diese Massenvernichtungswaffen abzuschaffen und damit der Bedrohung durch Atomwaffen ein Ende zu setzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>70 Jahre nach den Atombombenabw\u00fcrfen auf Hiroshima und Nagasaki ist es geboten, nicht nur den Einsatz von Atomwaffen als unmoralisch zu verurteilen, sondern auch deren Besitz zu \u00e4chten und so auf die Abschaffung der Atomwaffen generell zu dr\u00e4ngen. pax christi unterst\u00fctzt die Position einer vatikanischen Stellungnahme vom Dezember 2014, die in der Abschaffung der Atomwaffen &hellip;<\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,50],"tags":[],"class_list":["post-141699","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-startseite","category-kirche"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141699","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=141699"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141699\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":141700,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141699\/revisions\/141700"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=141699"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=141699"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=141699"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}