{"id":140235,"date":"2015-06-23T14:43:33","date_gmt":"2015-06-23T12:43:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=140235"},"modified":"2015-06-23T14:44:15","modified_gmt":"2015-06-23T12:44:15","slug":"tom-drieseberg-von-den-weinguetern-wegeler-ist-ein-quer-reinschmecker-mit-faible-fuers-gereifte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=140235","title":{"rendered":"Tom Drieseberg von den Weing\u00fctern Wegeler ist ein \u201eQuer-Reinschmecker\u201c mit Faible f\u00fcr\u00e2\u20ac\u2122s Gereifte"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/150611_Drieseberg_klein.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-140237\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/150611_Drieseberg_klein-265x177.jpg\" alt=\"150611_Drieseberg_klein\" width=\"265\" height=\"177\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/150611_Drieseberg_klein-265x177.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/150611_Drieseberg_klein.jpg 554w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><strong>Oestrich-Winkel.<\/strong> Tom Drieseberg lebt auf einer Scholle. Einer ziemlich gro\u00dfen sogar. Wenn man es in Hektar ausdr\u00fccken wollte, dann w\u00e4ren es etwa 45. Das Sch\u00f6ne an Driesebergs-Scholle: Sie l\u00f6st keinen Fr\u00f6stelreflex aus. Im Gegenteil: Sie w\u00e4rmt das Herz des promovierten Soziologen und Betriebswirts, der auf der Scholle (s)einen Traum lebt, und sie strahlt auch auf die Menschen aus, die Drieseberg zuh\u00f6ren und dabei Weinkultur inmitten des Rheingau zelebrieren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Eingebettet in Historisches, Literarisches, Philosophisches und Menschelndes umweht die fl\u00fcssigen Sch\u00e4tze aus dem Hause Wegeler beim gemeinsamen Verkosten und dar\u00fcber Reden in K\u00fcrze ein Hauch von Magie. K\u00f6rper und Charakter haben die Rieslinge sowieso, aber das Gesicht der kulturpr\u00e4genden Wei\u00dfweintraube, die in erstklassigen Wegeler-Rheingau-Lagen angebaut wird, malt ein Kommunikationsk\u00fcnstler, der sein Handwerk versteht. Denn Drieseberg hat Marketing und Vertrieb von der Pike auf gelernt und in den letzten 15 Jahren sein gro\u00dfes \u201eVino Latinum\u201c perfektioniert.<\/p>\n<p>Winzer muss man nicht unbedingt sein, um in der Weinszene erfolgreich zu sein. Daf\u00fcr ist Drieseberg wohl der lebende Beweis. Als \u201eQuer-Reinschmecker\u201c ist der geb\u00fcrtige Pf\u00e4lzer n\u00e4mlich zu den Wegeler-Weing\u00fctern gekommen, wie \u201edie Jungfrau zum Kinde\u201c, so dr\u00fcckt der 55-J\u00e4hrige es jedenfalls selbst aus. Ein bisschen weltlicher ist die Geschichte am Ende aber schon, denn Driesebergs Frau Anja ist eine geb\u00fcrtige Wegeler.<\/p>\n<p>Als im Jahr 1997 die Sektkellerei Deinhardt, die mehreren Familienst\u00e4mmen der Wegelers geh\u00f6rte, an das Unternehmen Henkell verkauft werden sollte, stellte sich zwangsl\u00e4ufig auch die Zukunftsfrage f\u00fcr die Weing\u00fcter Wegeler, die im Rheingau und an der Mosel beheimatet sind. Bleiben die Weing\u00fcter in der Familie oder nicht und wenn ja, wie kann das gehen \u2013 diese Fragen wurden in der Gro\u00dffamilie diskutiert.<\/p>\n<p>F\u00fcr Tom und Anja reichte ein Wochenende, um die Entscheidung zu treffen, die Weing\u00fcter in der vierten Generation weiterzuf\u00fchren und das eigene Leben auf \u201elinks\u201c zu krempeln. Das war trotz kurzer Bedenkzeit keine Entscheidung aus dem Affekt, sehr wohl aber ein Schritt, der durch die klassische Sinnfrage in den Vierzigern beschleunigt wurde, wie Drieseberg zugibt.<\/p>\n<p>Aus dem Business Paar wurde also ein Weinbauer Ehepaar, das in den ersten f\u00fcnf Jahren nach dem Neustart wenig Wein-Romantik, daf\u00fcr aber jede Menge Winzer-Realit\u00e4t inhalieren musste. \u201eDas Handwerkszeug, das wir aus der Industrie mitgebracht haben, n\u00fctzt uns hier gar nichts. Das haben wir sehr schnell gelernt\u201c, erinnert sich Drieseberg. \u201eAu\u00dferdem hatten &#8211; und haben &#8211; wir immer mehr Ideen als Mittel.\u201c<\/p>\n<p>Die Mittelknappheit ist in der Weinbranche eine gro\u00dfe Herausforderung. Und Mutter Natur sorgt bei Kellermeister und Gutsverwalter zus\u00e4tzlich f\u00fcr (An)Spannung. Wird es ein Jahrhundertjahrgang, ein guter, ein mittelm\u00e4\u00dfiger Jahrgang oder kann man ihn vielleicht ganz vergessen? Sind Sch\u00e4dlinge, die m\u00f6glicherweise den Ertrag deutlich schm\u00e4lern oder ganze Ernten vernichten k\u00f6nnen, in den Griff zu bekommen? Angesichts der vielen Unw\u00e4gbarkeiten und der Tatsache, dass ein nicht unerheblicher Teil des Erfolges von der Natur vorgegeben wird, braucht man gute Nerven, Langmut, eine anst\u00e4ndige Portion Gottvertrauen und gute Ideen. Aber davon hat Drieseberg ja mehr als genug.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/150611_Weine_klein.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-140238\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/150611_Weine_klein-265x176.jpg\" alt=\"150611_Weine_klein\" width=\"265\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/150611_Weine_klein-265x176.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/150611_Weine_klein.jpg 555w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Richtig eingeschlagen hat auf jeden Fall die Vintage Collection aus dem Hause Wegeler. Bei dieser Sammlung handelt es sich um Rieslinge mit einem Reifepotenzial von mehreren Jahrzehnten. Von der ersten Idee bis zur Markteinf\u00fchrung \u201edes guten alten Stoffs\u201c in 2014 mussten immerhin 15 Jahre vergehen. Drieseberg selbst hatte die ersten Weine in 2002, einem sehr guten Weinjahr und gleichzeitig Geburtsjahr des Juniors, weggelegt. In der Schatzkammer des Gutshauses in Oestrich-Winkel lagern aber noch etliche weitere Tr\u00f6pfchen aus fast vergessenen Zeiten. Rieslinge, deren Aromen nur durch geduldige Reife entstehen konnten und die den Gourmets mit differenziertem Gaumen durchaus Freudentr\u00e4nen in die Augen treiben k\u00f6nnen. Die Preisspanne ist bei den Vintage-Sch\u00e4tzchen nicht ganz ohne \u2013 von 20 bis zu 200 Euro kann eine Flasche je nach Jahrgang und Qualit\u00e4tsstufe kosten. Nostalgie im Glas hat eben ihren Preis.<\/p>\n<p>Es geht aber auch g\u00fcnstiger und jugendlicher bei den Wegelers. Zum Sortiment geh\u00f6ren neben den gereiften Weinen auch Gutsweine, Ortsweine und Lagenweine, f\u00fcr die Preise ab 10 Euro aufgerufen werden. Der Fingerabdruck des Hauses ist aber zweifelsohne der \u201eGeheimrat J\u201c.\u00c2\u00a0 Eine trockene Riesling Sp\u00e4tlese jenseits von Mainstream. Ein Wein, der sich nicht an konditionierten Gaumen und Nasen der Weintrinker-Masse orientiert, sondern \u201eden wir so machen, wie wir ihn am besten finden\u201c, unterstreicht Drieseberg, der den Geheimrat J selbst als \u201eersten Erstwein\u201c und \u201eWein der leisen T\u00f6ne\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Kaum ausgesprochen spannt der belesene Feingeist den Bogen zu einem schwedischen Krimi, in dem der \u201eGeheimrat J\u201c vorkommt. Und wo wir schon mal bei der Literatur sind, fallen auch Namen wie Schiller, Schindler, Brentano oder von Arnim. Nicht zu vergessen: Ludwig van Beethoven, der mit dem alten Wegeler historische Gelage gefeiert haben soll. Und schon beschleicht den Weintrinker das Gef\u00fchl von Ehrfurcht.<\/p>\n<p>Geschichte und Geschichten haben es Tom Drieseberg zweifelsohne angetan. Zum einen ist er selbst ein ausgezeichneter Erz\u00e4hler, zum anderen hat er die Chance, die Geschichte eines etablierten Weingutes fortzuschreiben und mit seinen Ideen vielleicht auch eine historische Duftmarke auf der Rheingau-Scholle und jenseits davon zu setzen.<\/p>\n<p>Info: Der Rheingau ist nicht nur eine Wein-, sondern auch eine Kulturregion, die sich hervorragend auf Schusters Rappen erkunden l\u00e4sst. Entlang der Wanderwege trifft man auf Historisches, unz\u00e4hlige sch\u00f6ne Geschichten, viel Sehenswertes und nat\u00fcrlich auch auf eine stattliche Anzahl von Weing\u00fctern. Wer die Weing\u00fcter Wegeler besuchen m\u00f6chte, sollte dies am besten nach Voranmeldung tun. Grunds\u00e4tzlich kann man samstags zwischen 11 und 16 Uhr im Gutshaus in Oestrich-Winkel einkehren, Weine probieren und bei Gefallen k\u00e4uflich erwerben. Unter der Woche ist das Wegeler-Team von 8 bis 18 Uhr f\u00fcr Weinliebhaber und solche, die es werden wollen, da. Alle Kontaktdaten und weitere Informationen gibt es auf der Website www.wegeler.com<\/p>\n<p>Zu den Bildern: Weinbauer statt Businessman: Tom Drieseberg hat die Gesch\u00e4ftswelten gewechselt und lebt im Rheingau seinen Traum. \/ So sieht Vintage aus: In der Schatzkammer unter dem Gutshaus lagern kostbare Tr\u00f6pfchen aus fast vergessenen Zeiten. \/ Die Wegeler-Rieslinge: Angebaut in erstklassigen Lagen und ausgebaut mit variantenreichen Melodien im Glas und am Gaumen.<\/p>\n<p>(Text: Dorit Heydenreich \/ Fotos: J\u00f6rg Leister)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Oestrich-Winkel. Tom Drieseberg lebt auf einer Scholle. Einer ziemlich gro\u00dfen sogar. Wenn man es in Hektar ausdr\u00fccken wollte, dann w\u00e4ren es etwa 45. Das Sch\u00f6ne an Driesebergs-Scholle: Sie l\u00f6st keinen Fr\u00f6stelreflex aus. 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