{"id":139735,"date":"2015-06-11T17:29:01","date_gmt":"2015-06-11T15:29:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=139735"},"modified":"2015-06-11T17:29:01","modified_gmt":"2015-06-11T15:29:01","slug":"gehasst-und-verfolgt-doch-mit-wichtiger-oekologischer-aufgabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=139735","title":{"rendered":"Gehasst und verfolgt \u2013 doch mit wichtiger \u00f6kologischer Aufgabe"},"content":{"rendered":"<p>Der im Volksmund auch H\u00fchnerhabicht genannte Greifvogel\u00c2\u00a0 wurde stellvertretend f\u00fcr viele illegal verfolgte Arten vom \u201eNabu\u201c zum Vogel des Jahres 2015 gew\u00e4hlt. Er kommt in zehn Unterarten in der Waldzone Eurasiens bis an den Pazifik und in Nordamerika vor. In Deutschland fehlt er nur in sehr waldarmen Regionen.<\/p>\n<p>Das 1,3 Kilogramm schwere Weibchen hat die Gr\u00f6\u00dfe eines Bussards, das M\u00e4nnchen ist etwas leichter und kleiner. Altv\u00f6gel haben oberseits ein blaugraues beziehungsweise braungraues Gefieder, die Unterseite ist wei\u00df, schmal und quer grau geb\u00e4ndert. Typisch sind ein heller \u00dcberaugenstreif, eine dunkle Kopfplatte und ein starker Schnabel. Die Iris ist ab dem dritten Lebensjahr dunkelorange bis rubinrot gef\u00e4rbt. Jungv\u00f6gel haben im ersten Jahr ein dunkel getropftes Gefieder.<\/p>\n<p>Mit seinen kurzen, abgerundeten Fl\u00fcgeln und seinem langen Schwanz ist der Habicht sehr wendig im Wald. Er lebt oft versteckt im Innern gro\u00dfer Waldgebiete, aber auch in Waldinseln im Kulturland. Dabei bevorzugt er Nadelb\u00e4ume an Bestandsr\u00e4ndern, Waldschneisen oder R\u00fcckegassen. Von den weltweit etwa 500.000 Paaren br\u00fcten 11.500 bis16.500 Paare in Deutschland. Dies sind sieben bis acht Prozent des gesamteurop\u00e4ischen Bestands. In Hessen wird das Vorkommen auf 800 bis 1200 Paare gesch\u00e4tzt. In den Gemengelagen der Mittelgebirge kann man bei einer nicht verfolgten Population von sechs bis zehn Paaren auf 100 Quadratkilometer ausgehen.<\/p>\n<p>Nach kurzer Balz im Februar\/M\u00e4rz mit akrobatischen Fl\u00fcgen und lauten Rufen beider Partner schreiten die Tiere im April zur Brut. Die standorttreuen V\u00f6gel bauen ihren Horst aus locker in jeder Richtung aufgeschichteten Zweigen sehr versteckt in relativ dunklen, abgeschirmten Altholzbest\u00e4nden. In der begr\u00fcnten Nestmulde werden drei bis vier Eier 35 bis 39 Tage lang bebr\u00fctet. Die Jungv\u00f6gel schl\u00fcpfen meist in der zweiten Maiwoche. Sie wachsen schnell und sind mit etwas mehr als sechs Wochen flugf\u00e4hig. Nach Aufl\u00f6sen des Familienverbands im August leben die V\u00f6gel als Einzelg\u00e4nger.<\/p>\n<p>Der Habicht beobachtet aus der Deckung heraus seine Umgebung, bis er auf die ersp\u00e4hte Beute einen schnellen Angriffsflug startet. Seine Beute, haupts\u00e4chlich V\u00f6gel bis Kr\u00e4hengr\u00f6\u00dfe, entgeht den starken F\u00e4ngen mit ihren langen Krallen nicht. Bei gutem Angebot greift der Habicht auch auf M\u00e4use oder Kaninchen zur\u00fcck. Der Habichtbestand wird reguliert durch das Nahrungsangebot beziehungsweise die innerartliche Konkurrenz um die Jagd- und Brutreviere.<\/p>\n<p>Da der Habicht H\u00fchner und Zuchttauben greift, wird er trotz seines gesetzlichen Schutzes geschossen, vergiftet oder in Schlagfallen mit Locktaubenkorb gefangen. Deshalb ist der Habicht seit Generationen vor allem in l\u00e4ndlichen Gebieten sehr menschenscheu. Parallel dazu nimmt die Zahl der Besiedler gro\u00dfer St\u00e4dte wie Berlin, Hamburg, K\u00f6ln, M\u00fcnchen oder N\u00fcrnberg in den letzten Jahren deutlich zu. Dort br\u00fcten sie in kleinen Baumbest\u00e4nden im Gr\u00fcng\u00fcrtel, in Parks und auf Friedh\u00f6fen. Sie haben die Scheu vor dem Menschen verloren und nutzen das ganzj\u00e4hrig gesicherte Nahrungsangebot von Stadttauben, Kr\u00e4hen, Elstern und Amseln. Stadthabichte verteidigen kein Revier mehr, was eine hohe Brutdichte in St\u00e4dten von bis zu 15 Paaren auf 100 Quadratmeter erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Die h\u00e4ufigste Todesursache ist der Anflug gegen Glasscheiben. In Waldgebieten stellen Forstarbeiten zur Brutzeit eine massive St\u00f6rung dar. Da die Horste oft versteckt in Nadelb\u00e4umen liegen, werden Horstb\u00e4ume immer wieder unwissentlich gef\u00e4llt. Eine Entnahme von Junghabichten zum Zwecke der Beizjagd findet praktisch nicht mehr statt. Die in der Falknerei zur Verhinderung des Vogelschlags auf Flugh\u00e4fen oder zur Reduktion von Kaninchen auf Friedh\u00f6fen oder in Stadtparks eingesetzten V\u00f6gel stammen \u00fcberwiegend aus Gefangenschaftszuchten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Der im Volksmund auch H\u00fchnerhabicht genannte Greifvogel\u00c2\u00a0 wurde stellvertretend f\u00fcr viele illegal verfolgte Arten vom \u201eNabu\u201c zum Vogel des Jahres 2015 gew\u00e4hlt. Er kommt in zehn Unterarten in der Waldzone Eurasiens bis an den Pazifik und in Nordamerika vor. In Deutschland fehlt er nur in sehr waldarmen Regionen. 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