{"id":139208,"date":"2015-06-01T19:46:12","date_gmt":"2015-06-01T17:46:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=139208"},"modified":"2015-06-01T19:46:12","modified_gmt":"2015-06-01T17:46:12","slug":"appell-durch-zuwendung-fluechtlingen-bei-der-integration-helfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=139208","title":{"rendered":"Appell: Durch Zuwendung Fl\u00fcchtlingen bei der Integration helfen"},"content":{"rendered":"<p>Eines der sch\u00f6nsten und deutlichsten Zeichen der Verbundenheit zur neuen Heimat ist die Einb\u00fcrgerung. Mit diesem formellen Akt dokumentieren Jahr f\u00fcr Jahr viele Frauen und M\u00e4nnern aus allen Teilen der Welt ihre Bereitschaft, mit allen Rechten und Pflichten Deutsche werden zu wollen. Von Januar bis Ende April 2015 ist f\u00fcr 55 Fuldaer aus 25 verschiedenen L\u00e4ndern dieser Wunsch in Erf\u00fcllung gegangen. Als Ausdruck der Wertsch\u00e4tzung lud die Stadtverwaltung die Neub\u00fcrger zu einem Empfang im Marmorsaal ein.<\/p>\n<p>Buntes Fulda<\/p>\n<p>\u201eFulda ist bunt\u201c, lautete vor Jahren der Slogan einer st\u00e4dtischen Aktion zur Vielfalt innerhalb der Fuldaer Gemeinschaft.\u00c2\u00a0 \u201eWie bunt Fulda wirklich ist, k\u00f6nnen wir hier und heute eindrucksvoll demonstrieren\u201c, freute sich Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann angesichts der zahlreichen G\u00e4ste im Marmorsaal. Fulda sei eine \u201emoderne, weltoffene Stadt\u201c, bekr\u00e4ftigte sie und begr\u00fc\u00dfte in Vertretung von Oberb\u00fcrgermeister Gerhard M\u00f6ller die Neub\u00fcrger. Seit fast 15 Jahren begeht die Stadt in der Regel dreimal pro Jahr die Einb\u00fcrgerung mit einem Empfang, \u201eweil wir wissen, dass dieser Tag f\u00fcr sie ein\u00c2\u00a0 bedeutender ist. Sie sind nun gleichberechtigte B\u00fcrger, genie\u00dfen alle B\u00fcrgerrechte und d\u00fcrfen w\u00e4hlen.\u201c<br \/>\nDie Einb\u00fcrgerung setze eine dauerhafte Hinwendung zu Deutschland und ein Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung voraus. Das bedeute auch, dass die Neub\u00fcrger dem Parlament angeh\u00f6ren und darin ihre Interessen vertreten k\u00f6nnten. Hartmann hob gleichzeitig die Bedeutung des Wahlrechts als eines der wichtigsten B\u00fcrgerrechte hervor und appellierte an ihrer Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer: \u201eMachen Sie immer von ihrem Recht Gebrauch.\u201c Auch mit ihrer Sprachvielfalt k\u00f6nnten die neuen Bundesb\u00fcrger der Gemeinschaft einen wertvollen Dienst leisten. \u201eWir w\u00fcnschen uns Ihren Beitrag am \u00f6ffentlichen Leben. Unser Zusammenleben soll ein Geben und Nehmen sein. Pflegen Sie deshalb gut nachbarschaftliche Kontakte\u201c, machte Fuldas Stadtverordnetenvorsteherin deutlich. Denn: Fulda habe so viel zu bieten. Jede Menge Neues, Interessantes, Wissenswertes komme nun auf sie zu. Diesen Gedanken verband Hartmann mit dem Wunsch f\u00fcr ein \u201egutes und angenehmes Leben in unserer Heimatstadt Fulda.\u201c<\/p>\n<p>Um Fl\u00fcchtlinge k\u00fcmmern<\/p>\n<p>Ein leidenschaftliche Pl\u00e4doyer der Zuwendung zum N\u00e4chsten, insbesondere zur konstant wachsenden Gruppe der Fl\u00fcchtlinge, gab Abdulkerim Demir vom Fuldaer Ausl\u00e4nderbeirat. Demir lobte zuvor Fulda daf\u00fcr, dass sehr fr\u00fch mit der Arbeit zugunsten ausl\u00e4ndischer Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger begonnen worden sei. Nicht in jeder hessischen Stadt gebe es etwas Vergleichbares. Menschen aus ungef\u00e4hr 190 L\u00e4ndern lebten zurzeit in Fulda. Diejenigen, die hier eine neue Heimat gefunden haben, seien sehr zufrieden. In den Verwaltungen von Stadt und Kreis habe sich \u201esehr viel zum Positiven ver\u00e4ndert. Sie haben sich auch f\u00fcr Menschen mit Migrationshintergrund ge\u00f6ffnet\u201c, erkannte Demir ausdr\u00fccklich an. Entscheidenden Anteil an diesem Erfolg habe der Ausl\u00e4nderbeirat. Offen bekannte das Beiratsmitglied: \u201eIch lebe seit \u00fcber 25 Jahren in Fulda und f\u00fchle mich hier sehr wohl.\u201c Wer den deutschen Pass habe, k\u00f6nne nun in 160 L\u00e4nder ohne Visum reisen. Das sei ein Vorteil gerade f\u00fcr die nachfolgende Generation.\u00c2\u00a0 Auch vor diesem Hintergrund sei die Entscheidung, Deutscher oder Deutsche zu werden, genau die richtige gewesen. Angesichts der im November anstehenden Ausl\u00e4nderbeiratswahlen appellierte Demir an die so genannten \u201eDoppelstaatler\u201c unter den G\u00e4sten, dass sie sich trotz ihrer deutschen Staatsangeh\u00f6rigkeit an der Wahl beteiligen k\u00f6nnten und sollten. \u201eSchlie\u00dflich m\u00f6chten wir, dass auch der Ausl\u00e4nderbeirat bunter wird. Sch\u00f6n w\u00e4re es, aus jedem Kontinent jemanden dabei zu haben.\u201c<br \/>\nAngesichts der Fl\u00fcchtlingsthematik rief Demir den Neubundesb\u00fcrgern zu: \u201eWir brauchen Ihre Hilfe f\u00fcr die Menschen, die aus Kriegsgebieten stammen. Sie verstehen vielleicht deren Schicksal besser.\u201c Seine Bitte: \u201eBegegnen Sie einem Fl\u00fcchtling und seien Sie ihm behilflich.\u201c Momentan leben \u00fcber 700 Frauen, M\u00e4nner und Kinder aus Krisen- und Kriegsgebieten in Stadt und Region. \u201eSie brauchen Euch f\u00fcr besseren Integrationsprozess.\u201c<\/p>\n<p><strong>Auftrag: Br\u00fccken zwischen alter und neuer Heimat bauen<\/strong><\/p>\n<p>Verwaltungsmitarbeiterin Mathilde Lemesle aus Nantes (Frankreich) schildert ihre Beweggr\u00fcnde, warum sie sich entschieden hat, Deutsche zu werden:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/DSC_0141.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-139210\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/DSC_0141-265x177.jpg\" alt=\"DSC_0141\" width=\"265\" height=\"177\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/DSC_0141-265x177.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/DSC_0141-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/DSC_0141.jpg 900w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>\u201eIch habe mich sofort in die Sprache und Kultur verliebt. 2002 durfte ich endlich Deutsch in der Schule lernen. Je mehr Monate und Jahre vergingen, desto mehr wuchs in mir die Sehnsucht nach Deutschland. Im Sommer 2008 bin ich mit 19 nach Magdeburg gezogen. Meine Integration verlief problemlos. Ich habe viel Unterst\u00fctzung von allen Seiten erfahren. Alles ist super gelaufen. In Magdeburg geh\u00f6rte ich einer deutsch-franz\u00f6sischen Gesellschaft an und habe mich in einer franz\u00f6sischen Theatergruppe engagiert. Mein Credo: Sich in die Gesellschaft einzubringen, bereichert. Engagiert Euch in den Vereinen! Diese Erfahrung bekommt man sonst nirgends.<\/p>\n<p>Innere Ruhe<\/p>\n<p>Ich freue mich, dass unsere Gesellschaft erkannt hat, dass Ausl\u00e4nder zur deutschen Gesellschaft geh\u00f6ren. Der Arbeitsmarkt ist aus meiner Sicht f\u00fcr Ausl\u00e4nder allerdings noch verbesserungsw\u00fcrdig. Ich aber bin froh, dass ich bei der Stadt arbeiten kann, wo es keine Rolle spielt, ob man einen Migrationshintergrund hat. \u201eBuilding bridges\u201c \u2013 das diesj\u00e4hrige Motto des Eurovision Song Contest finde ich auch f\u00fcr uns als neue deutsche B\u00fcrger zutreffen. Unser Auftrag ist es, Br\u00fccken zwischen unserem Ursprungsland und unserer heutigen Heimat zu schlagen. Ich habe das Gl\u00fcck als Europ\u00e4erin meine franz\u00f6sische Staatsangeh\u00f6rigkeit behalten zu d\u00fcrfen. Ich f\u00fchle mich als Deutsche. Mein franz\u00f6sischer Teil aber bleibt, egal was ich auch tue. Mein franz\u00f6sischer Akzent beispielsweise wird nie verschwinden.\u00c2\u00a0 19 Jahre Sozialisation in einem anderen Land k\u00f6nnen und sollen auch nicht r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden. Ich bedanke mich bei allen, die mich ein St\u00fcck weit auf dem Weg meiner pers\u00f6nlichen Integration begleiten. Ich habe diesen Tag, den Tag meiner Einb\u00fcrgerung, jahrelang ertr\u00e4umt. Heute ist er Realit\u00e4t geworden, was ich kaum glauben kann. Ich versp\u00fcre zum ersten Mal im Leben eine innere Ruhe, weil ich endlich angekommen bin.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Eines der sch\u00f6nsten und deutlichsten Zeichen der Verbundenheit zur neuen Heimat ist die Einb\u00fcrgerung. Mit diesem formellen Akt dokumentieren Jahr f\u00fcr Jahr viele Frauen und M\u00e4nnern aus allen Teilen der Welt ihre Bereitschaft, mit allen Rechten und Pflichten Deutsche werden zu wollen. 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