{"id":138337,"date":"2015-05-08T17:12:13","date_gmt":"2015-05-08T15:12:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=138337"},"modified":"2015-05-08T17:12:13","modified_gmt":"2015-05-08T15:12:13","slug":"aus-einem-haesslichen-thema-etwas-schoenes-gemacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=138337","title":{"rendered":"Aus einem h\u00e4sslichen Thema etwas Sch\u00f6nes gemacht"},"content":{"rendered":"<p>\u201eIch wollte keine Gewalt zeigen, keine Opfer. Ich wollte das Thema Gewalt inhaltlich packen, es mit Leben und Gesichtern f\u00fcllen \u2013 aus dem h\u00e4sslichen Thema etwas Sch\u00f6nes machen.\u201c Mit diesen Worten beschreibt die Kuratorin Annette Schiffmann, wie sie zur Idee f\u00fcr ihre Ausstellung \u201e55 Frauen &amp; Du\u201c kam. Sie wollte keine n\u00fcchterne Statistik \u00fcber die vielf\u00e4ltigen Leiden erstellen \u2013 also habe sie damit begonnen 99 Interviews mit Frauen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Berufe zu f\u00fchren. Sie habe Erstaunliches erfahren und manchmal philosophisch anmutende Antworten erhalten.<\/p>\n<p>Gleichstellungs- und Migrationsbeauftragte Magdalena Pitzer hie\u00df auch im Namen des Lokalen B\u00fcndnisses f\u00fcr Familie im Vogelsbergkreis rund 70 Besucherinnen und Besucher im Sitzungssaal des Landratsamtes willkommen. F\u00fcr die musikalische Umrahmung sorgte die Trommelgruppe von Elke Ama`Sora Saller und S\u00e4ngerin Claudia Munsch mit eing\u00e4ngigen Rhythmen, das t\u00fcrkische Buffet hatte Silvia Bicakci hergestellt. Unter den G\u00e4sten waren B\u00fcrgermeister, Vertreter der Kirchen und Repr\u00e4sentantinnen und Repr\u00e4sentanten aus Vereinen und Verb\u00e4nden, von sozialen Einrichtungen und auch aus anderen Bereichen des \u00f6ffentlichen Lebens.<\/p>\n<p>Das B\u00fcndnis f\u00fcr Familie im Vogelsbergkreis hatte dieses wichtige Thema aufgegriffen und 2012 das Handlungsfeld \u201eGewaltpr\u00e4vention\u201c gegr\u00fcndet, in dem sich Fachleute und Ehrenamtliche gemeinsam engagieren, \u201egegen jede Form von Gewalt\u201c, so Frau Pitzer.<\/p>\n<p>Von Gewalt betroffene Frauen finden in der Kreisverwaltung verl\u00e4ssliche Hilfs- und Unterst\u00fctzungsangebote \u00fcber die Fachberatungsstelle f\u00fcr Frauen in Not. \u201e\u00dcber 100 Frauen, ein Viertel davon mit Migrationshintergrund, haben sich im vergangenen Jahr an die Fachberatungsstelle gewandt und haben sich dort individuell beraten und begleiten und bei der Einleitung notwendiger Schritte unterst\u00fctzen lassen\u201c, f\u00fchrte sie aus.<\/p>\n<p>\u201eOb eine Frau Gewalt erlebt hatte, war kein Auswahlkriterium f\u00fcr mich\u201c, erkl\u00e4rte Kuratorin Schiffman. Sie habe einen Querschnitt erhalten wollen, und die Interviews spiegelten tats\u00e4chlich die Statistiken wider: 19 sind nie mit Gewalt in Ber\u00fchrung gekommen, 23 wurden vergewaltigt, 14 wurden als Kinder missbraucht, zw\u00f6lf wurden gepr\u00fcgelt, vier haben Hunger erlitten, neun haben Angeh\u00f6rige in Kriegen verloren \u2013 um nur ein paar Zahlen zu nennen.<\/p>\n<p>Die Fragen in den Interviews lauten: Worauf sind Sie in Ihrem Leben stolz? Was ist f\u00fcr Sie das Sch\u00f6ne daran, eine Frau zu sein? Was haben Sie als Nachteil erlebt? Sind Sie jemals mit Gewalt in Ber\u00fchrung gekommen? Was w\u00fcnschen Sie sich von der guten Fee, damit unsere M\u00e4dchen und Jungen in W\u00fcrde leben k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>\u201eAuf die Frage nach der Gewalt haben mich die Frauen damit \u00fcberrascht, dass sie allesamt \u00fcber sich selbst gesprochen haben, nicht \u00fcber Bekannte, Nachbarn oder andere\u201c, erz\u00e4hlt Frau Schiffmann. Und der am h\u00e4ufigsten gebrauchte Begriff sei das Wort \u201eRespekt\u201c gewesen. F\u00fcr die Kuratorin der Schl\u00fcssel zu allem: \u201eMit Achtung vor sich selbst l\u00e4sst man sich weniger gefallen, und mit Respekt vor anderen w\u00fcrde Vieles gar nicht erst passieren.\u201c<br \/>\nDie Ausstellung mit begleitenden Audioguides ist noch bis zum 22. Mai im Lauterbacher Landratsamt zu sehen und zu h\u00f6ren. Zwei Vortr\u00e4ge erg\u00e4nzen die Ausstellung: Am Montag, 11. Mai, geht es bei Martina Mohr-G\u00e4rtner um \u00dcbungen zu N\u00e4he und Distanz, K\u00f6rpersprache und Selbstbehauptung. \u201eNein hei\u00dft Nein\u201c beginnt um 19 Uhr im Sitzungssaal des Landratsamtes. Am Dienstag, 19. Mai um 19 Uhr, spricht Rechtsanw\u00e4ltin Daniela Elger \u00fcber \u201eAlles, was Recht ist\u201c. Dabei geht es um die Rechte von Frauen und darum, h\u00e4uslicher Gewalt zu entkommen. Zu allen Veranstaltungen ist der Eintritt frei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eIch wollte keine Gewalt zeigen, keine Opfer. Ich wollte das Thema Gewalt inhaltlich packen, es mit Leben und Gesichtern f\u00fcllen \u2013 aus dem h\u00e4sslichen Thema etwas Sch\u00f6nes machen.\u201c Mit diesen Worten beschreibt die Kuratorin Annette Schiffmann, wie sie zur Idee f\u00fcr ihre Ausstellung \u201e55 Frauen &amp; Du\u201c kam. 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