{"id":138016,"date":"2015-04-30T17:54:43","date_gmt":"2015-04-30T15:54:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=138016"},"modified":"2015-04-30T17:54:43","modified_gmt":"2015-04-30T15:54:43","slug":"regionalitaet-ist-wichtiger-als-bio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=138016","title":{"rendered":"Regionalit\u00e4t ist wichtiger als Bio"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr viele mittelhessische Unternehmen ist Internationalisierung ein wichtiges Thema \u2013 zu Recht, ist Deutschland doch eine Au\u00dfenhandelsnation. Doch welche Rolle spielt die regionale Wertsch\u00f6pfung f\u00fcr das wirtschaftliche Handeln heimischer Betriebe? \u201eRegionalit\u00e4t hat f\u00fcr bestimmte Produkte mittlerweile einen h\u00f6heren Stellenwert als Bio\u201c, war am vergangenen Dienstag in der Licher Brauerei w\u00e4hrend eines Treffens des Netzwerks Wirtschaft im Verein Mittelhessen zu h\u00f6ren. Schwerpunkt der Zusammenkunft der im Verein organisierten heimischen Unternehmer war allerdings nicht das Marketing mit dem Regional-Label, sondern vor allem die Wertsch\u00f6pfung in der Region. Ein Feld, das im Gegensatz zur Internationalisierung wissenschaftlich bislang kaum erforscht ist.<\/p>\n<p>\u201eRegionale Wertsch\u00f6pfungsketten sind in der Wissenschaft kein Thema\u201c, sagte Prof. Thomas Brenner, Wirtschaftsgeograf an der Marburger Philipps-Universit\u00e4t, der auf Einladung des Vereins zum Thema ein Impulsreferat hielt. Im Gegensatz dazu gebe es allerdings Untersuchungen zum \u201eMultiplikatoren-Effekt\u201c, zum Beispiel bei Branchen, deren Ums\u00e4tze sich gegenseitig beeinflussen. Auch innerhalb einer Region gebe es \u201eerhebliche Multiplikatoren-Effekte\u201c, abh\u00e4ngig seien diese zum Beispiel vom Vernetzungsgrad der Wirtschaft und der regionalen Einstellung bei Konsum und Auftragsvergabe. Nicht zuletzt seien positive Auswirkungen auf Besch\u00e4ftigung und Steuereinnahmen wichtige Effekten.<\/p>\n<p>Insbesondere bei der \u00f6ffentlichen Auftragsvergabe hat sich etwas zu Gunsten regionaler Wertsch\u00f6pfung getan. Das berichtete Bernhard Mundschenk, stellvertretende Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Handwerkskammer Wiesbaden. \u201eWir wollen, dass Auftr\u00e4ge in der Region bleiben\u201c, sagte Mundschenk. Und das neugefasste Hessische Vergabe- und Tariftreuegesetz, das seit dem 1. M\u00e4rz in Kraft ist, k\u00f6nnte heimische Unternehmer in diesem Sinne unterst\u00fctzen. So erlaube das Gesetz \u00f6ffentlichen Auftraggebern, bei Summen bis zu 1 Millionen Euro beschr\u00e4nkt auszuschreiben und bei Gewerk-Kosten bis zu 100.000 Euro auch freih\u00e4ndig zu vergeben. Mundschenk: \u201eWir w\u00fcrden uns freuen, wenn das Gesetz auch gelebt werden w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p>In der anschlie\u00dfenden Diskussionsrunde standen neben dem Vorsitzenden des Netzwerks Wirtschaft, Klaus Rohletter vom Bauunternehmer Albert Weil, Udo L\u00fcck von der L\u00fcck-Gruppe, Dr. Ulrich Peters von der Licher Brauerei, Roman Kubla von der Sparkasse Oberhessen und Lichs B\u00fcrgermeister Bernd Klein auf der B\u00fchne. Die Moderation hatte Thomas Mertens vom Institut f\u00fcr nachhaltiges Wirtschaften faktor 10 \u00fcbernommen. Alle Teilnehmer bekannten sich dabei zur Regionalit\u00e4t als Teil ihres wirtschaftlichen Denkens: \u201eBier braucht Heimat\u201c, formulierte es Brauerei-Vertreter Peters plakativ, nicht ohne hinzuzuf\u00fcgen, dass auch bei der Beschaffung von Rohstoffen die Region eine wichtige Rolle spielt.<\/p>\n<p>Auch Sparkassen-Banker Kubla sagte deutlich: \u201eRegionale Verantwortung hat bei uns Tradition.\u201c Ann\u00e4hernd 3,2 Milliarden Euro Einlagen k\u00e4men aus der Region. Davon flie\u00dfe viel in Form von Krediten wieder in die heimische Wirtschaft. F\u00fcr Udo L\u00fcck, dessen Unternehmen vor allem Dienstleister im Bereich Geb\u00e4udetechnik ist, spielt auch das Geben und Nehmen im regionalen Netzwerk eine Rolle. \u201eAuch internationale Kunden achten auf regionale Gegengesch\u00e4fte.\u201c Seine expandierende Unternehmensgruppe wachse durch Zukauf von Unternehmen in ganz Deutschland. &#8220;Wir setzen dann vor Ort aber weiter auf regional gewachsenen Gesch\u00e4ftsbeziehungen\u201c, sagte L\u00fcck. Das schaffe Vertrauen und werde positiv bewertet.<\/p>\n<p>F\u00fcr B\u00fcrgermeister Klein liegt angesichts des Internethandels die Verantwortung f\u00fcr eine starke Binnen-\u00d6konomie auch bei den Konsumenten. Er rief die Menschen dazu auf, eine positive Haltung zur Region zu entwickeln, nach dem Motto, \u201eIn diese Region investiere ich, hier kaufe ich ein.\u201c Bei allen Bem\u00fchungen, \u201eLeistungen in der Region unterzubringen\u201c, merkte Bauunternehmer Rohletter allerdings an, dass bei \u00f6ffentlichen Vergaben \u201eimmer noch der Preis das entscheidende Kriterium ist\u201c. Und: Zwar sei jeder f\u00fcr seine Entscheidungen, mit wem er zusammenarbeitet, selbst verantwortlich. \u201eAber Transparenz und Vertrauen unter regionalen Unternehmen erh\u00f6hen die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr regionale Wertsch\u00f6pfung\u201c, betonte Rohletter. Daher seien Initiativen wie das Netzwerk Wirtschaft und das Regionalmanagement Mittelhessen so wichtig.<\/p>\n<p>Monika St\u00f6ckl von der Technische Hochschule Mittelhessen hatte nach der Podiumsdiskussion im Vortragssaal der Licher Brauerei noch Gelegenheit, einen weitere Aspekt von Regionalit\u00e4t in den Vordergrund zu stellen, n\u00e4mlich die Bildung: Sie warb in einem Vortrag f\u00fcr das Deutschlandstipendium des Bundesministeriums f\u00fcr Forschung und Bildung, mit dem Unternehmen gemeinsam mit dem Bund akademische Fachkr\u00e4fte f\u00f6rdern k\u00f6nnen \u2013 auch zum Wohle der Region.<\/p>\n<p>Das Regionalmanagement Mittelhessen st\u00e4rkt und vermarktet den Wirtschafts- und Hochschulstandort in der Mitte von Hessen. Der Schulterschluss aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ist in den Themenfeldern Infrastruktur, Bildung und Fachkr\u00e4fte sowie Forschung und Innovation t\u00e4tig. In der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH (RMG) haben sich 2013 alle Handwerkskammern, Hochschulen, Industrie- und Handelskammern, Landkreise und Oberzentren mit dem Verein Mittelhessen zusammen getan, um das seit 2003 bestehende Regionalmanagement weiter zu entwickeln, und Strategien f\u00fcr die Region zu planen und gemeinsam umzusetzen. Das Regionalmanagement wird von der Europ\u00e4ischen Union aus dem Europ\u00e4ischen Fonds f\u00fcr regionale Entwicklung kofinanziert. Mehr zur Region, den Zielen, Strukturen und den Mitgliedern der Regionalmanagement GmbH findet man auf der Webseite http:\/\/www.mittelhessen.eu.<\/p>\n<p>Zum Bild: Treffen des Netzwerks Wirtschaft des Mittelhessen e.V. am 28.4.15 in der Licher Brauerei. Hier: Diskussionspodium mit Klaus Rohletter (Albert Weil AG), Moderator Thomas Merten (faktor 10), Udo L\u00fcck (L\u00fcck-Gruppe), Dr. Ulrich Peters (Licher Brauerei), Roman Kubla (Sparkasse Oberhessen) und Bernd Klein (Oberb\u00fcrgermeister Stadt Lich) (von links).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>F\u00fcr viele mittelhessische Unternehmen ist Internationalisierung ein wichtiges Thema \u2013 zu Recht, ist Deutschland doch eine Au\u00dfenhandelsnation. 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