{"id":137797,"date":"2015-04-27T09:35:29","date_gmt":"2015-04-27T07:35:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=137797"},"modified":"2015-04-23T14:38:06","modified_gmt":"2015-04-23T12:38:06","slug":"waschbaeren-sind-wildtiere-vorsicht-vor-allzu-viel-naehe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=137797","title":{"rendered":"Waschb\u00e4ren sind Wildtiere \u2013 Vorsicht vor allzu viel N\u00e4he"},"content":{"rendered":"<p>Die einen hassen ihn, weil er Dachb\u00f6den verunstaltet und sich an M\u00fclltonnen vergreift. Die anderen lieben ihn aufgrund seiner Intelligenz und seiner dem Menschen zugewandten Art. Der Waschb\u00e4r weckt die unterschiedlichsten Empfindungen, aber den wenigsten von uns ist er einerlei. Die Waschb\u00e4rjungen machen Ende Mai und Juni ihre ersten Ausfl\u00fcge mit den Muttertieren. Regelm\u00e4\u00dfig werden in dieser Zeit M\u00fctter \u00fcberfahren und die Jungb\u00e4ren werden unweit der toten Tiere aufgefunden. Aufmerksame Passanten finden die auf sich gestellten Waisen und fragen sich: Wohin mit dem Findling?<\/p>\n<p>Diese Frage stellt sich immer wieder und ist schwer zu beantworten. Anerkannte Wildtierauffangstationen sind weit entfernt und oft \u00fcberlaufen. \u201eNicht wenige Einrichtungen lehnen auch die Aufnahme solcher Findlinge ab, weil sie die sp\u00e4tere Unterbringung als erwachsenes Tier nicht sicherstellen k\u00f6nnen\u201c, sagt Dr. Torsten Scheid, Fachtierarzt f\u00fcr Tierschutz im Veterin\u00e4ramt des Vogelsbergkreises. Besondere Vorsicht ist geboten wenn einzelne Jungtiere in der N\u00e4he von Verstecken gefunden werden. Die verspielten Welpen sind dann nicht selten aus der Behausung gefallen und werden erst in der sp\u00e4ten D\u00e4mmerung vom Muttertier wieder eingesammelt.<\/p>\n<p>Die Haltung von Waschb\u00e4ren als Haustier muss unter Tierschutzgesichtspunkten sehr kritisch gesehen werden: Auch wenn der Waschb\u00e4r die Scheu gegen\u00fcber dem Menschen verloren hat, besitzt er doch alle Eigenschaften eines Wildtieres und darf nicht ausschlie\u00dflich in der Wohnung oder in R\u00e4umen gehalten werden. Gegen ein sp\u00e4teres Auswildern spricht die Tatsache, dass der Waschb\u00e4r mit heimischen Arten konkurriert und durch Nestraub auch die Singvogelpopulation schw\u00e4cht. F\u00fcr die Unterbringung von Waschb\u00e4ren gelten klare Mindestvorgaben. Danach ben\u00f6tigt ein Waschb\u00e4rpaar \u2013 eine Einzelhaltung sollte nicht erfolgen \u2013 mindestens ein 30 m\u00c2\u00b2 gro\u00dfes gut strukturiertes Au\u00dfengehege mit gewachsenem Boden, offenem Wasser sowie Kletter- und R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>\u201eJeder sollte wissen, dass auch der zahmste Waschb\u00e4rwelpe mit einsetzender Geschlechtsreife sein Revier abgrenzen will, auch gegen\u00fcber Menschen\u201c, warnt der Fachtierarzt. Bei weiblichen Tieren ist ab einem Alter von zehn Monaten damit zu rechnen, dass sie aggressives Verhalten gegen\u00fcber Mitbewohnern entwickeln. Bei R\u00fcden geht der Geschlechtsreife eine mehrmonatige Wanderphase voraus, \u201ein dieser Zeit besitzen eingesperrte Tiere einen kaum zu b\u00e4ndigenden Freiheitsdrang der sie zu Ausbruchsk\u00fcnstlern macht\u201c.<\/p>\n<p>Wenn bereits andere Haustiere gehalten werden, muss auch bedacht werden, dass der Gesundheitsstatus eines Wildtieres immer unklar ist. F\u00fcr Hunde stellt die Staupe, die vom Waschb\u00e4ren \u00fcbertragen wird, eine ernst zu nehmende Gefahr dar. Die Kleinb\u00e4ren sind oft auch Wirte verschiedener Parasiten, die dem Menschen gef\u00e4hrlich werden k\u00f6nnen. Besonders der Waschb\u00e4rspulwurm, der bei mehr als zwei Dritteln aller hessischen Kleinb\u00e4ren vorkommt, kann beim Menschen zu schwerwiegenden Erkrankungen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Einwanderer mit kaum nat\u00fcrlichen Feinden<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich stammt der Waschb\u00e4r aus Nordamerika und wurde erstmals 1934 bei Kassel angesiedelt. Seither verbreitete er sich schnell \u00fcber Deutschland, wobei Hessen immer ein Gebiet mit sehr hoher Besatzdichte war. Besonders in und um Siedlungen herum leben Waschb\u00e4ren, weil im Umfeld des Menschen die Nahrungs- und Wohnraumbeschaffung mit viel weniger Aufwand verbunden ist. Untersuchungen belegen, dass die Besatzdichte in Siedlungen bis zu hundertfach h\u00f6her ist als im urspr\u00fcnglichen Lebensraum, dem Mischwald. In der N\u00e4he der Schlafst\u00e4tte findet er in Hausg\u00e4rten und M\u00fclltonnen immer etwas Fressbares. Bei seiner Nahrungssuche ist er nicht w\u00e4hlerisch, Schnecken, Regenw\u00fcrmer, Insekten, Amphibien, M\u00e4use, Vogeleier und Nestlinge geh\u00f6ren ebenso zu seinem Nahrungsspektrum wie Aas, Getreide und verschiedene einheimische Obstsorten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrliche Feinde hat der Waschb\u00e4r in unseren Breiten kaum, in den Ortschaften sind Hunde und Autos die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung. W\u00e4hrend der Hund bei einer Auseinandersetzung mit einem Waschb\u00e4ren meist den K\u00fcrzeren zieht ist der Waschb\u00e4r dem Auto als Gegner klar unterlegen.<br \/>\nDer Stra\u00dfenverkehr ist auch die Haupttodesursache. Da der Waschb\u00e4r zum jagdbaren Wild geh\u00f6rt, darf er au\u00dferhalb der Zeiten, in denen die Welpen von den Eltern abh\u00e4ngig sind, auch bejagt werden. Ein Verzehr der Tiere findet allerdings in der Regel nicht statt. Im Vogelsbergkreis wurde bisher in keinem Fall eine Trichinenuntersuchung f\u00fcr einen Waschb\u00e4ren angefordert.<\/p>\n<p>Eine hohe Dunkelziffer besteht f\u00fcr die illegal in Wohngebieten gefangenen Tiere, die dann mutma\u00dflich get\u00f6tet oder weitab wieder ausgesetzt werden. Das Fangen von Waschb\u00e4ren durch Laien ist verboten und stellt einen ernstzunehmenden Versto\u00df gegen das Tierschutzgesetz dar. Werden einzelne Tiere in einer Siedlung gefangen, muss ohnehin damit gerechnet werden, dass andere aus der Umgebung nachwandern. Bei einer durchschnittlichen Wurfgr\u00f6\u00dfe von drei Welpen pro Jahr wird der frei gewordene Lebensraum sp\u00e4testens im Folgejahr wieder besiedelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Die einen hassen ihn, weil er Dachb\u00f6den verunstaltet und sich an M\u00fclltonnen vergreift. Die anderen lieben ihn aufgrund seiner Intelligenz und seiner dem Menschen zugewandten Art. Der Waschb\u00e4r weckt die unterschiedlichsten Empfindungen, aber den wenigsten von uns ist er einerlei. Die Waschb\u00e4rjungen machen Ende Mai und Juni ihre ersten Ausfl\u00fcge mit den Muttertieren. 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