{"id":137503,"date":"2015-04-15T19:13:40","date_gmt":"2015-04-15T17:13:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=137503"},"modified":"2015-04-15T19:13:54","modified_gmt":"2015-04-15T17:13:54","slug":"biografiearbeit-hilft-adoptiv-und-pflegekindern-bei-der-aufarbeitung-ihrer-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=137503","title":{"rendered":"Biografiearbeit hilft Adoptiv- und Pflegekindern bei der Aufarbeitung ihrer Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>Jeder Mensch hat einen Anspruch auf Wissen \u00fcber die eigene Vergangenheit. Das war eine zentrale Aussage des letzten Informationsabends der gemeinsamen Adoptionsvermittlungsstelle der Landkreise Fulda und Hersfeld-Rotenburg sowie der Stadt Fulda.<\/p>\n<p>Warum es f\u00fcr Adoptiv- und Pflegekinder so wichtig ist, die eigene Vergangenheit zu kennen, und wie die Geschichte des Kindes aufgearbeitet werden kann, erl\u00e4uterte die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und Diplom-Supervisorin Evelyn Heyer aus Kassel. Die Therapeutin widmet sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig der Begleitung und Supervision von Pflegefamilien.<\/p>\n<p>\u201eDie meisten Kinder wissen nicht viel \u00fcber ihre Vergangenheit. Oft m\u00fcssen die verschiedenen Teile m\u00fchevoll erforscht und zusammengetragen werden\u201c, so Heyer. \u201eDie Biografiearbeit ist eine Methode, die die Aufarbeitung der Geschichte des Kindes erm\u00f6glicht und dabei eine Struktur f\u00fcr Gespr\u00e4che schafft.\u201c<\/p>\n<p>Ziel der Biografiearbeit sei es, Klarheit zu schaffen, statt der Idealisierung Raum zu geben. Im Kern gehe es bei dieser Arbeit darum, Zeitzeugen zu interviewen, Orte aus der Vergangenheit aufzusuchen und Informationen aus erster Hand zu bekommen. Empfehlenswert sei eine chronologische Aufarbeitung und Dokumentation im Tempo des Kindes.<\/p>\n<p>Festgehalten werden die Ergebnisse der Recherchen in einem Lebensbuch. Inhalte des Buches k\u00f6nnen beispielsweise die Geburtsurkunde, ein Stammbaum, Fotos, eine Landkarte oder eine Lebensgrafik sein. Im Buch ist dann nachzulesen, woher das Kind kommt, wer zu seiner Familie geh\u00f6rt, wo es wie lange gelebt hat oder welche Bezugspersonen in einem bestimmten Zeitraum wichtig waren.<\/p>\n<p>\u201eBiografiearbeit sch\u00e4rft das Bewusstsein des Kindes, sie erm\u00f6glicht dem Kind, \u00fcber sich selbst zu sprechen, dabei Gef\u00fchle wahrzunehmen und Erkenntnisse zu gewinnen\u201c, betonte die Therapeutin. Die Arbeit reduziere Schuldgef\u00fchle und helfe dem Kind dabei, stolz auf sich selbst zu sein.<\/p>\n<p>Damit schl\u00e4gt die Biografiearbeit auch Br\u00fccken von der Vergangenheit in die Gegenwart und in die Zukunft. Br\u00fccken, die nach Aussagen der Therapeutin, das Ankommen in der neuen Familie erleichtern und einen besseren Umgang mit der fr\u00fchen Trennungserfahrung erm\u00f6glichen. Den Pflege- und Adoptiveltern empfiehlt Evelyn Heyer, sich viel Zeit zu nehmen, Geduld zu haben, das Kind immer um Erlaubnis f\u00fcr die Biografiearbeit zu bitten und wichtige Bezugspersonen dar\u00fcber zu informieren, dass gerade Biografiearbeit stattfindet.<\/p>\n<p>\u201eDie Eltern sollten mit dem Kind wertsch\u00e4tzend \u00fcber unangenehme Dinge sprechen. Die Informationstiefe ist allerdings abh\u00e4ngig vom Alter des Kindes. Deshalb sollten Eltern die Informationen zun\u00e4chst filtern und nicht mit dem Holzhammer weitergeben\u201c, so die Empfehlung der Therapeutin, die ihren Vortrag mit zahlreichen Beispielen aus der Praxis bereichert hatte. Im Anschluss nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, Fragen an die Referentin zu stellen und Erfahrungen auszutauschen.<\/p>\n<p>Die Mitarbeiterinnen der Adoptionsvermittlungsstelle, Ines George und Irmgard Plappert, freuten sich \u00fcber das rege Interesse und die mit \u00fcber 60 Besuchern gro\u00dfe Zahl der Interessierten, die an diesem Abend den Weg in das Bonifatiuskloster nach H\u00fcnfeld gefunden hatten.<\/p>\n<p>Zum Bild: v.li. Ines George, Evelyn Heyer und Irmgard Plappert gestalteten den Informationsabend zum Thema Biografiearbeit.<\/p>\n<p>Text und Foto: Dorit Heydenreich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Jeder Mensch hat einen Anspruch auf Wissen \u00fcber die eigene Vergangenheit. Das war eine zentrale Aussage des letzten Informationsabends der gemeinsamen Adoptionsvermittlungsstelle der Landkreise Fulda und Hersfeld-Rotenburg sowie der Stadt Fulda. 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