{"id":137447,"date":"2015-04-14T20:30:09","date_gmt":"2015-04-14T18:30:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=137447"},"modified":"2015-04-14T20:30:09","modified_gmt":"2015-04-14T18:30:09","slug":"halbzeit-am-ausbildungsstellenmarkt-mehr-abiturienten-auf-ausbildungsstellensuche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=137447","title":{"rendered":"Halbzeit am Ausbildungsstellenmarkt: Mehr Abiturienten auf Ausbildungsstellensuche"},"content":{"rendered":"<p>Wer derzeit eine Ausbildungsstelle sucht, der hat im Landkreis Fulda noch eine gro\u00dfe Auswahl:\u00c2\u00a0 1.191 Ausbildungsstellen sind bis Anfang August zu besetzen. Nur etwa halb so viele junge Menschen \u2013 insgesamt 679 \u2013 befinden sich auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Rein rechnerisch kommen momentan 1,75 freie Stellen auf je einen unversorgten Bewerber. Der Landkreis Fulda ist somit in Hessen die Region mit der h\u00f6chsten Ausbildungsstellen-Bewerber-Relation (Hessen insgesamt: 1,0).<\/p>\n<p>Von A wie Altenpfleger\/in und Augenoptiker\/in \u00fcber K wie Koch und Kraftfahrzeugmechatroniker\/in bis Z wie Zahntechniker\/in und Zerspanungsmechaniker\/in reicht das Angebot an Stellen, auf das junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen. M\u00f6glichkeiten bestehen in nahezu allen Bereichen.<br \/>\n\u201eErfreulicherweise haben wir einen leichten Bewerberanstieg zu verzeichnen. Unser Argument, wonach eine beruflich Ausbildung in der Regel ein attraktiver Einstieg in die Berufs- und Arbeitswelt ist, zeigt Wirkung. Denn eine klassische Ausbildung ist ein solides Fundament und l\u00e4sst sp\u00e4ter alle Optionen f\u00fcr ein berufliches Weiterkommen offen. Allerdings hat sich die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ebenfalls erh\u00f6ht, sodass die Stellen-Bewerber-Relation in etwa der im Vorjahr entspricht\u201c, erkl\u00e4rte Waldemar Dombrowski, Leiter der Agentur f\u00fcr Arbeit Bad Hersfeld-Fulda, im Rahmen der Ausbildungsmarktkonferenz in Fulda.<\/p>\n<p>Zur \u201eHalbzeit\u201c des Gesch\u00e4ftsjahres der Berufsberatung analysierten die regionalen Netzwerkpartner im Rahmen der Ausbildungsmarktkonferenz die aktuelle Lage und Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt. Teilnehmer waren die Agentur f\u00fcr Arbeit, Stadt und Landkreis Fulda, die Industrie- und Handelskammer, die Kreishandwerkerschaft, der Arbeitgeberverband Osthessen sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund und das Staatliche Schulamt.<\/p>\n<p>Seit Beginn des Ausbildungsjahres haben sich im Landkreis Fulda 1.130 junge Menschen als Bewerberinnen und Bewerber um eine Lehrstelle bei der Arbeitsagentur gemeldet. Im gleichen Zeitraum akquirierte der Arbeitgeberservice 1.855 Ausbildungsstellen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der jungen Frauen und M\u00e4nner, die sich um einen Ausbildungsplatz bewerben, leicht gestiegen (+20, bzw. +1,8 Prozent); bei den Stellen verzeichnete die Arbeitsagentur einen Anstieg um 59, bzw. 3,3 Prozent.<\/p>\n<p>\u201eAuff\u00e4llig ist, dass sich weitaus mehr junge Menschen mit Hochschul- oder Fachhochschulreife um einen Ausbildungsplatz bem\u00fchen als in den Vorjahren\u201c, berichtete Ottokar Schwerd, Teamleiter Berufsberatung. Zum einen sei dies immer noch als Folge des doppelten Schulentlassjahrgangs in 2013 zu sehen, zum anderen h\u00e4nge diese Entwicklung auch mit dem seit Jahren anhaltenden Trend zum Besuch der Fachoberschule zusammen. Auch die Zahl derjenigen, die sich aus einem abgebrochenen Studium auf einen Ausbildungsplatz bewerben, hat sich leicht erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Potential f\u00fcr den regionalen Ausbildungsmarkt sahen die Konferenzteilnehmer bei den jungen Fl\u00fcchtlingen, die zunehmend in den Landkreis kommen. Hier sei der Gesetzgeber gefordert, dringend die unsichere Rechtslage zu beenden.<\/p>\n<p>Zuversichtlich zeigten sich die Konferenzteilnehmer, dass bis zum Beginn des n\u00e4chsten Ausbildungsjahres eine ausgeglichene Situation zwischen unbesetzten Stellen und unversorgten Bewerbern erzielt werden kann. \u201eDie Zahlen sind lediglich eine Momentaufnahme und werden sich in den kommenden Wochen und Monaten deutlich \u00e4ndern\u201c, prognostizierte Agenturleiter Dombrowski. Er forderte junge Menschen, die noch nicht bei der Berufsberatung waren, auf, die Chancen auf eine Ausbildungsstelle zu nutzen und einen Termin bei der Berufsberatung zu vereinbaren. Dies ist m\u00f6glich unter der kostenfreien Service-Rufnummer 0800 4 5555 00.<\/p>\n<p>Statements<\/p>\n<p>Landrat Bernd Woide:<br \/>\nVor dem Hintergrund der demografischen Ver\u00e4nderungen und aufgrund unserer gesellschaftspolitischen Verantwortung muss es unser Ziel sein, dass alle jungen Menschen entsprechend ihren Neigungen, F\u00e4higkeiten und Talenten ihren Weg in den Beruf finden. Wir wollen Jugendliche in Zukunft noch st\u00e4rker zu einer beruflichen Ausbildung motivieren, um Karrierewege in der beruflichen Bildung aufzuzeigen und die Gleichwertigkeit von beruflichen und akademischen Abschl\u00fcssen gezielt zu vermitteln. Die mit Erfolg an der Winfriedschule gestartete Berufs- und Studienorientierung an Gymnasien werden wir deshalb fortsetzen und bei Interesse der anderen Gymnasien ausbauen. Um schon bestehende Ausbildungsverh\u00e4ltnisse bei Schwierigkeiten zu unterst\u00fctzen, die Beteiligten zu beraten und einen Ausbildungsabbruch zu vermeiden, wollen wir das Projekt \u201eQualifizierte berufsp\u00e4dagogische Ausbildungsbegleitung in Berufsschule und Betrieb\u201c unter der Federf\u00fchrung des Landkreises fortsetzen.<\/p>\n<p>Stefan Schunck, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Industrie- und Handelskammer Fulda:<br \/>\nUnsere Ausbildungsbetriebe in Industrie, Handel und Dienstleistung haben zunehmend erkannt, dass f\u00fcr die Ausbildung im eigenen Haus intensiver geworben werden muss. Auch kleinere und mittlere Unternehmen sp\u00fcren mittlerweile den demografischen Wandel im eigenen Haus. Daher engagieren sie sich auch personell und mit unserer Unterst\u00fctzung sehr stark, um ihre Attraktivit\u00e4t als Ausbildungsbetrieb zu erh\u00f6hen und eine qualitativ gute Ausbildung anbieten zu k\u00f6nnen. Wir gehen derzeit davon aus, dass unsere Unternehmen auch 2015 wieder in etwa so viele Ausbildungsvertr\u00e4ge abschlie\u00dfen werden wie im vergangenen Jahr. Wichtig ist, dass wir in allen Schulformen die Berufswahlorientierung der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler verst\u00e4rkt unterst\u00fctzen, um so auf die vielf\u00e4ltigen attraktiven Entwicklungs- und Besch\u00e4ftigungschancen hinweisen, die Absolventen einer dualen Berufsausbildung gerade in unserer Region haben.<\/p>\n<p>Manfred Sch\u00fcler, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Kreishandwerkerschaft Fulda:<br \/>\nDie Situation auf dem Ausbildungsmarkt wird sich f\u00fcr die kleinen und mittleren Unternehmen und insbesondere auch f\u00fcr das Handwerk weiter versch\u00e4rfen. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind hinl\u00e4nglich bekannt: \u00dcberalterung der Gesellschaft (demografischer Wandel), steigende Anforderungen in vielen Berufen, abnehmende Attraktivit\u00e4t der dualen Ausbildung, immer mehr junge Leute wollen studieren. Die Folge ist der \u201ewar of talents\u201c \u2013 der Krieg um die Talente. Dieser ist bereits in vollem Gange. Folglich m\u00fcssen sich heute nicht nur die Bewerber um eine Ausbildungsstelle bem\u00fchen, sondern auch die Unternehmen m\u00fcssen sich inzwischen bei den Jugendlichen bewerben, d.h. ihnen ein attraktives Angebot unterbreiten, damit diese nicht anderen Wettbewerben (sprich: anderen Ausbildungsangeboten) den Vorzug geben. Personalarbeit wird damit zur Vertriebsarbeit. Eine freie Ausbildungsstelle ist wie ein gutes Produkt, das auf einem anspruchsvollen Markt anzubieten ist.<\/p>\n<p>Die Aussichten insbesondere in den gewerblichen technischen Berufen bleiben exzellent, vorausgesetzt die Bewerber verf\u00fcgen \u00fcber die entsprechende Bildung und Motivation. Unver\u00e4ndert problematisch bleibt es auf dem Ausbildungsmarkt dagegen f\u00fcr benachteiligte Jugendliche, also f\u00fcr junge Leute mit schwachen oder ohne Schulabschluss und f\u00fcr Jugendliche mit Migrationshintergrund. Trotz guter beruflicher Perspektiven insbesondere im Handwerk hat diese Zielgruppe ohne fremde Hilfe h\u00e4ufig keine Chance auf einen Ausbildungsplatz. Schon seit geraumer Zeit nimmt das Handwerk in Fulda sich diesen benachteiligten Jugendlichen an. Denn trotz aller Defizite in der Bildung und im Sozialverhalten schlummern dort Reserven, die es zu heben gilt. Mit den Projekte \u201eEinstieg in Ausbildung und Beruf\u201c sowie \u201eBerufsstart Bau\u201c erm\u00f6glicht das Handwerk Jugendlichen, fehlende Schulabschl\u00fcsse nachzuholen und unterst\u00fctzt diese dann bei der Integration in den Ausbildungsmarkt. Und auch die Eingliederung von jugendlichen Asylbewerbern in den Ausbildungsmarkt nimmt so langsam an Fahrt auf.<br \/>\nDennoch bleibt f\u00fcr die Kreishandwerkerschaft in Fulda noch viel zu tun, um ihre Betriebe im \u201ewar of talents\u201c zu unterst\u00fctzen. So werden die Innungen in Fulda ihre Nachwuchsarbeit weiter systematisch ausbauen und intensivieren. Dabei betrachtet das Handwerk die zunehmende Zahl an Kooperationen zwischen einzelnen Betrieben und Schulen mit Skepsis. Einzelne Betriebe k\u00f6nnen nicht die Vielfalt des regionalen Ausbildungsangebotes abbilden. Sie verschaffen sich damit allenfalls einen tempor\u00e4ren betrieblichen Wettbewerbsvorteil, f\u00fcr den regionalen Arbeits- und Ausbildungsmarkt sind einzelbetriebliche Kooperationen mit Schulen jedoch wenig nachhaltig.<\/p>\n<p>Zu beobachten ist auch, dass die Betriebe sich zunehmend von festen Einstellungsterminen l\u00f6sen. Gute Bewerber haben das ganze Jahr \u00fcber eine Chance, in eine Ausbildung einzusteigen. Dabei gewinnt das betriebliche Praktikum weiter an Bedeutung. \u00dcber 50 Prozent aller Ausbildungsvertr\u00e4ge wird inzwischen in Folge eines vorausgegangen Praktikums abgeschlossen. Trotz aller Anstrengungen f\u00fcr die Nachwuchsarbeit insbesondere hier in der Region und trotz unver\u00e4ndert hoher Ausbildungsbereitschaft der Betriebe bleibt das Handwerk f\u00fcr das Ausbildungsjahr 2015\u00c2\u00a0 dennoch skeptisch. Eine gegen\u00fcber dem Vorjahr unver\u00e4nderte Zahl an neu abgeschlossenen Ausbildungsvertr\u00e4gen w\u00e4re dabei schon ein gro\u00dfer Erfolg. Zu bef\u00fcrchten ist, dass die Zahl der unbesetzten Lehrstellen weiter ansteigen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Wer derzeit eine Ausbildungsstelle sucht, der hat im Landkreis Fulda noch eine gro\u00dfe Auswahl:\u00c2\u00a0 1.191 Ausbildungsstellen sind bis Anfang August zu besetzen. Nur etwa halb so viele junge Menschen \u2013 insgesamt 679 \u2013 befinden sich auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Rein rechnerisch kommen momentan 1,75 freie Stellen auf je einen unversorgten Bewerber. 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