{"id":137343,"date":"2015-04-13T17:28:45","date_gmt":"2015-04-13T15:28:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=137343"},"modified":"2015-04-13T17:38:47","modified_gmt":"2015-04-13T15:38:47","slug":"ein-achsbruch-war-ihr-glueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=137343","title":{"rendered":"Ein Achsbruch war ihr Gl\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?attachment_id=137345\" rel=\"attachment wp-att-137345\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-137345\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0865-177x265.jpg\" alt=\"DSC_0865\" width=\"177\" height=\"265\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0865-177x265.jpg 177w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0865-265x396.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0865-401x600.jpg 401w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0865.jpg 900w\" sizes=\"(max-width: 177px) 100vw, 177px\" \/><\/a>Der Mensch braucht ein Pl\u00e4tzchen und w\u00e4r\u00c2\u00b4s noch so klein, von dem er kann sagen, sieh das ist mein, da leb\u00c2\u00b4ich, da lieb ich. Da ist meine Heimat. Da bin ich Zuhaus.\u201c Fr\u00fcher schm\u00fcckte dieses Zitat aus feinen rot gestickten Buchstaben auf wei\u00dfem Tuch vermutlich die K\u00fcche einer Leitmeritzer Wohnung. Heute wirkt der sentimentale Spruch eher wie eine stille Mahnung an den Verlust der geliebten Heimat als Folge des Kriegs und der schrecklichen Nazi-Tyrannei. Wie viele andere interessante Ausstellungsst\u00fccke ist die dekorative Stickerei Teil des Leitmeritzer Heimatmuseums und in der Fuldaer Schlossstra\u00dfe zu sehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Nachwelt bewahren<\/p>\n<p>Liebevoll sorgt sich Dorothea Axt, selbst Nachfahrin von Leitmeritzern, um den Nachlass der Deutschen aus der nordb\u00f6hmischen Barockstadt, der im Museum samt angeschlossenem Archiv f\u00fcr nachfolgende Generationen sorgf\u00e4ltig aufbewahrt wird. Dazu geh\u00f6rt auch, ihren G\u00e4sten aus dem Stadtschloss Kaffee und Kuchen zu kredenzen. Schlie\u00dflich soll sich Fuldas Kulturdezernent Gerhard M\u00f6ller mit seinem Team, darunter Kulturamtsleiter Dr. Thomas Heiler, wohl f\u00fchlen beim Informationstreffen in den vereinseigenen R\u00e4umen.<\/p>\n<p>Museum und Archiv<\/p>\n<p>1975 hatte die Stadt Fulda zun\u00e4chst in der Habsburger Gasse R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr ein Heimatarchiv zur Verf\u00fcgung gestellt. Seit 1980 ist die stattliche Sammlung in der Schlossstra\u00dfe zu Hause. Urspr\u00fcnglich verteilte sich die vom Verein genutzte Fl\u00e4che auf zwei Ebenen innerhalb des historischen Geb\u00e4udes in der Schlossstra\u00dfe. Erfreulicherweise konnten beide Bereich \u2013 Museum und Archiv \u2013 sp\u00e4ter durch frei gewordene R\u00e4ume im Erdgeschoss untergebracht werden. Damit erspart sich das Helferteam eine Menge unn\u00f6tiger Lauferei. Dorothea Axt und Rudolf Bauer,\u00c2\u00a0 stellvertretender Vorsitzender des Heimatkreisverbands Leitmeritz, sind (zu Recht!) stolz auf die vorhandenen Best\u00e4nde der rund 27.000 Einwohner z\u00e4hlenden Barock- und Bischofsstadt, die sich malerisch entlang der Elbe erstreckt. Heute umfasst das Heimatarchiv neben einer Bibliothek, Ortschroniken und andere ortsbezogene Dokumente, eine Biographien-Sammlung, personenbezogene Dokumente, eine Notensammlung (Komponisten aus dem Heimatkreis) sowie Ton- und schriftliche Dokumente zur heimischen Mundart. Au\u00dferdem enthalten knapp 280 Ordner Unterlagen \u00fcber die einzelnen Gemeinden des Heimatkreises. In den drei R\u00e4umen des Museums sind Haushaltsgegenst\u00e4nde, Urkunden, Kirchenfahnen oder auch detailgetreue Nachbauten von Kirchen, Stadtansichten (Gross Tschernosek) oder Bauernh\u00e4usern, wie das der Familie Gaube, zu bewundern.<\/p>\n<p>Letzter Transport<\/p>\n<p>Warum gerade Fulda neue Heimat f\u00fcr die Vertriebenen geworden ist, erl\u00e4utert Bauer mit einem Hinweis auf den letzten gro\u00dfen Transsport von rund 1.201 Fl\u00fcchtlingen, der im September 1946 aus dem Kreis und der Stadt Leitmeritz [tschechisch: Litom\u00c4\u203a\u00c5\u2122ice] nach Fulda gekommen war. F\u00fcr vier vorausgegangene waren die St\u00e4dte Schl\u00fcchtern und Lauterbach das Ziel. Weshalb gerade der letzte Transport, dem auch Dorothea Axts Vater angeh\u00f6rt hatte, ausgerechnet in die Domstadt ging, ist bis heute unklar. Bauers Vater indes hatte seinem Sohn berichtet, der Zug habe wegen eines Achsbruchs in Fulda Halt machen m\u00fcssen, statt weiter an den Bodensee zu fahren. Wie dem auch sei: Vorzugsweise wurden die deutschen Fl\u00fcchtlinge in Landgemeinden statt in die ausgebombten St\u00e4dte transportiert, um ihnen zumindest vor\u00fcbergehend hier ein neues Zuhause zu bieten, erg\u00e4nzt Kulturamtsleiter Heiler.<\/p>\n<p>Kristallisationspunkt<\/p>\n<p>Fulda entwickelte sich f\u00fcr die Leitermeritzer, auch wenn sie in alle Himmelsrichtungen verstreut wurden, mehr und mehr zum Kristallisationspunkt. Dem ersten Heimattreffen im Jahr 1950 folgten bis heute regelm\u00e4\u00dfige weitere Zusammenk\u00fcnfte unter anderem mit dem Kolpinghaus als zentralem Veranstaltungsort. 1961 \u00fcbernahm die Stadt Fulda schlie\u00dflich die Patenschaft f\u00fcr die Vertriebenen aus der Stadt Leitmeritz, 1965 der Landkreis Fulda die Patenschaft \u00fcber die ehemaligen deutschen Bewohner des Kreises Leitmeritz. Seit 26. August 2001 besteht auch eine Partnerschaft zwischen Fulda und Litom\u00c4\u203a\u00c5\u2122ice, die von beiden Seiten mit viel Engagement mit Leben erf\u00fcllt wird. \u00e2\u20ac\u00a8\u201cIch freue mich sehr, dass das Interesse am gegenseitigen Austausch bei allen Partnern gleicherma\u00dfen gro\u00df ist, sowohl bei den Leitmeritzern selbst als auch beim Heimatkreisverband oder dem Freundeskreis Fulda-Leitmeritz\u201c, betonte M\u00f6ller. Lob gab es auch f\u00fcr das Leitungsteam des Museums und des Archivs. Beide und nicht zuletzt der journalisitsch ambitioniert gemachte Leitmeritzer Heimatbote als schriftliches Bindeglied tragen dazu bei, ein wichtiges historisches Kapitel lebendig zu erhalten und damit auch die Erinnerung an jene Leitermeritzer, die zur erfolgreichen Entwicklung der Stadt \u00fcber Jahrhunderte beigetragen haben.<\/p>\n<p>Zum Bild: Beim Museumsrundgang (von links): Oberb\u00fcrgermeister Gerhard M\u00f6ller, Rudolf Bauer sowie Dorothea Axt. \/ Manchmal mit nichts mehr als einem Handkarren und Koffer kamen die vertriebenen Leitmeritzer in Fulda an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Der Mensch braucht ein Pl\u00e4tzchen und w\u00e4r\u00c2\u00b4s noch so klein, von dem er kann sagen, sieh das ist mein, da leb\u00c2\u00b4ich, da lieb ich. Da ist meine Heimat. 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