{"id":137291,"date":"2015-04-10T09:15:10","date_gmt":"2015-04-10T07:15:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=137291"},"modified":"2015-04-10T09:15:10","modified_gmt":"2015-04-10T07:15:10","slug":"fuldaer-unternehmerin-wird-teil-von-gefragtem-management-fachbuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=137291","title":{"rendered":"Fuldaer Unternehmerin wird Teil von gefragtem Management-Fachbuch"},"content":{"rendered":"<p>Ein Familienunternehmen als Frau vom Vater zu \u00fcbernehmen \u2013 was vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbar oder nur unter ganz besonderen Umst\u00e4nden m\u00f6glich schien, ist in der Gegenwart gar nicht mehr so un\u00fcblich. Und funktioniert zum Erstaunen vieler Kritiker sogar sehr gut. Trotzdem liegt der Frauenanteil bei Betriebs\u00fcbernahmen je nach Bundesland nur zwischen 13 und 28 Prozent. Das fanden die Autorinnen eines erst j\u00fcngst ver\u00f6ffentlichten Management-Fachbuches heraus, als sie sich bei ihrer Spurensuche in weiblich gef\u00fchrte Familienunternehmen \u2013 unter anderem auch nach Fulda \u2013 begaben.<\/p>\n<p>Als Gr\u00fcnderinnen der Initiative \u201egeneration t\u00f6chter\u201c haben Soziologin Dr. Daniela J\u00e4kel-Wurzer und Diplom-Kauffrau Kerstin Ott in ihrer Studie spannende Fragen zum Thema \u201eT\u00f6chternachfolge\u201c untersucht und die Ergebnisse in einem Buch zusammengefasst, das Familienunternehmen dazu dienen soll, sich bei der Frage um ihre Nachfolge neue M\u00f6glichkeiten zu er\u00f6ffnen. Mit Erfolg: Schnell landete der betriebswirtschaftliche Ratgeber, der in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle f\u00fcr Familienunternehmen der Universit\u00e4t Bayreuth entstanden ist, auf Platz 1 der Neuerscheinungen bei Amazon. Zu verdanken haben das die beiden Autorinnen vor allem der Kooperationsbereitschaft zahlreicher Unternehmerinnen, die einen praxisnahen \u201eBlick hinter die Kulissen\u201c erst erm\u00f6glichten.<\/p>\n<p>Als eine von insgesamt 30 Frauen aus Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz wird im Management-Fachbuch \u201eT\u00f6chter im Familienunternehmen. Wie weibliche Nachfolge gelingt und Familienunternehmen erfolgreich ver\u00e4ndert\u201c auch Anika Wuttke \u2013 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Fuldaer Werbeagentur und -Produktion cre art \u2013 pers\u00f6nlich portraitiert und ihre Geschichte rund um den Einstieg ins Unternehmen vorgestellt. Nach dem BWL-Studium mit Schwerpunkt Werbung (Marketing und Kommunikation) ging es f\u00fcr sie erst einmal nach Frankfurt, bevor sie letztlich 2005 in das von Vater Ernst Neidhardt 1970 gegr\u00fcndete Unternehmen eintrat. Als sie f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter den v\u00e4terlichen Teil der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung \u00fcbernahm, war ihre Schwester Jennifer Neidhardt bereits in die F\u00fchrungsebene eingestiegen. Als sogenanntes Tandem hatte die \u00e4ltere Schwester Jennifer gemeinsam mit dem Vater das Unternehmen bis zum Eintritt Wuttkes geleitet. Eben dieses Modell mache die Nachfolge f\u00fcr beide Seiten recht angenehm, wie die \u201eT\u00f6chter im Familienunternehmen\u201c-Autorinnen zu berichten wissen \u2013 und zwar in zweierlei Hinsicht.<\/p>\n<p>Tandem-L\u00f6sungen und mehr Privatleben<br \/>\nEin Aspekt f\u00fcr die erfolgsversprechende Tandem-\u00dcbergabe sei die beiderseitige Erleichterung durch eine ebenso st\u00fcckweise Vorbereitung des Nachfolgers wie den st\u00fcckweisen R\u00fcckzug des Abtretenden. Des Weiteren, betont Buchautorin J\u00e4kel-Wurzer, \u201egehen Frauen nicht so leicht in Konkurrenz zum Vater.\u201c Das liege wohl auch daran, dass sie meist kooperativer als M\u00e4nner agieren und ihren V\u00e4tern sehr viel Respekt und Wertsch\u00e4tzung entgegen bringen. \u201eViele Unternehmer sehen ihre T\u00f6chter deshalb heute auch absolut nicht mehr als Notl\u00f6sung\u201c, wei\u00df auch Kerstin Ott. Im Fall der Fuldaer Werbeagentur und -Produktion leiten so mittlerweile alle vier Schwestern die Geschicke der Firma cre art und ihrer Tochterfirma com.positum. Dabei sei das so nie geplant gewesen, berichtet cre art Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Wuttke.<\/p>\n<p>Im Gegenteil, zun\u00e4chst waren alle vier T\u00f6chter dem Rat ihres Vaters \u2013 beruflich das zu machen, was sie wirklich wollen \u2013 gefolgt und in alle Himmelsrichtungen ausgeschw\u00e4rmt. W\u00e4hrend Jennifer Neidhardt, die \u00e4lteste der vier Schwestern, zun\u00e4chst Schriftsetzerin lernte bevor sie ihr Studium in Druck- und Medientechnik als Diplom-Ingenieur abschloss, kam Anika Wuttke \u2013 die Zweite im Bunde \u2013 \u00fcber eine Lehre als Bauzeichnerin zum BWL-Studium mit Schwerpunkt Werbung (Marketing-Kommunikation). Com.positum-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Sonja Neidhardt folgte erst dem Ruf der Medien- und Kommunikationswirtschaft, setzte mit ihrem Master in Medienrecht aber schlie\u00dflich den Startschuss als Expertin zur rechtlichen Absicherung des Unternehmens und seiner Kunden. Und auch die J\u00fcngste im Bunde \u2013 Kathinka Gr\u00f6ger \u2013 wollte als Fotografin zun\u00e4chst unabh\u00e4ngig vom v\u00e4terlichen Unternehmen arbeiten, fand durch ihr Mediendesign-Studium schlie\u00dflich als Leiterin der Creations-Abteilung sowie des hauseigenen Fotostudios ihre Bestimmung.<\/p>\n<p>So vielseitig die Interessen der vier Schwestern auch waren, passten sie letztlich doch perfekt in das vom Vater einst als Werbeagentur und -Produktion gegr\u00fcndete Familienunternehmen. Was die Arbeit f\u00fcr die vier dort umso sch\u00f6ner macht, ist das Gef\u00fchl, sich immer auf einander verlassen zu k\u00f6nnen. Aufgrund ihrer Arbeit n\u00e4mlich auf eine Familie zu verzichten, war keine Option. Und damit steht die Unternehmensf\u00fchrung von cre art voll im Trend, wie Buchautorin Kerstin Ott wei\u00df. \u201eW\u00e4hrend noch vor etwa 10 Jahren viele Unternehmer-T\u00f6chter ganz auf einen Partner und Kinder verzichteten, um sich vollst\u00e4ndig dem Gesch\u00e4ft zu widmen, ist Familie f\u00fcr Firmenchefinnen heute sehr wichtig\u201c, f\u00fchrt die Expertin fort und belegt ihre Aussage mit dem eindeutigen Ergebnis der Studienteilnehmer-Befragung nach Kindern: Rund 70 Prozent davon sind M\u00fctter.<\/p>\n<p>Frauenanteil weiterhin gering \u2013 Gr\u00f6\u00dfte Konkurrenz: Br\u00fcder<br \/>\nTrotz vieler Vorteile \u2013 der Frauenanteil bei Betriebs\u00fcbernahmen liegt je nach Bundesland nur zwischen 13 und 28 Prozent. Und nur knapp 30 Prozent der Frauen, die eine Unternehmensnachfolge angetreten haben, mussten sich einem Bruder als Konkurrenten stellen. Doch \u201eWo\u00c2\u00a0 bleiben\u00c2\u00a0 die\u00c2\u00a0 Frauen?\u201c lautete schlie\u00dflich die Frage, die Soziologin\u00c2\u00a0 J\u00e4kel-Wurzer und die Diplom-Kauffrau Ott zum Anlass nahmen, in ihrem Buch gut funktionierende F\u00fchrungsstrategien von Frauen an der Spitze eines Familienunternehmens abzubilden, um weiblichen Nachfolgern mehr Mut zuzusprechen. Ein Anfang scheint gemacht: Zur Vorstellung des Management-Ratgebers f\u00fcr die \u201egeneration t\u00f6chter\u201c waren Anfang des Jahres zahlreiche Interessenten der Einladung zu einem \u00f6ffentlichen Vortrag mit dem Titel \u201eUmbruchsituation im Familienunternehmen \u2013 von den erfolgreichsten Unternehmerinnen lernen\u201c an die Universit\u00e4t Bayreuth gefolgt. Und auch die im Buch vorgestellten Unternehmerinnen lie\u00dfen es sich nicht nehmen, vor Ort im Gespr\u00e4ch nicht nur den einen oder anderen Tipp preiszugeben, sondern sich \u201eals Schwestern im Geiste\u201c auch einmal pers\u00f6nlich kennen zu lernen.<\/p>\n<p>Interessierte finden weitere Informationen zur Studie unter www.generation-toechter.de sowie zum Fuldaer Familienunternehmen cre art unter www.creart.de.<\/p>\n<p>Zum Bild: Unternehmert\u00f6chter wie sie im Buche stehen: Anika Wuttke, Anja Kruse, Cordula Schulz und Daniela Singer mit den beiden Buchautorinnen Kerstin Ott (3. v. l.) und Dr. Daniela J\u00e4kel-Wurzer (2. v. r.) sowie Fachbereichsleiter der Universit\u00e4t Bayreuth Dr. Michael Hohl (Mitte).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Ein Familienunternehmen als Frau vom Vater zu \u00fcbernehmen \u2013 was vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbar oder nur unter ganz besonderen Umst\u00e4nden m\u00f6glich schien, ist in der Gegenwart gar nicht mehr so un\u00fcblich. 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