{"id":136394,"date":"2015-03-17T15:43:18","date_gmt":"2015-03-17T14:43:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=136394"},"modified":"2015-03-17T15:43:18","modified_gmt":"2015-03-17T14:43:18","slug":"tabuthema-gehoert-ins-rampenlicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=136394","title":{"rendered":"Tabuthema geh\u00f6rt ins Rampenlicht"},"content":{"rendered":"<p>Angst, Schuld, Scham \u2013 mit diesen Emotionen sieht sich das Team der Schutzambulanz Fulda h\u00e4ufig konfrontiert. Wenn Menschen, die Opfer von Gewalt geworden sind, die Schutzambulanz aufsuchen, dann sind sie \u00fcber den gro\u00dfen Schatten dieser negativen Gef\u00fchle, die ganz oft zum Totschweigen und Aushalten einer unertr\u00e4glichen Lebenssituation und zur sozialen Isolation f\u00fchren, gesprungen.<\/p>\n<p>\u201eEs f\u00e4llt den Menschen nicht leicht, Hilfe zu suchen und den Ausweg aus der Gewaltspirale zu finden\u201c, wei\u00df das Team der Schutzambulanz, die sich in den letzten vier Jahren als erste Anlaufstelle f\u00fcr Gewaltopfer in der Region etabliert hat. Betroffene aus den Landkreisen Fulda, Hersfeld-Rotenburg und Vogelsberg, aber auch aus weiter entfernten Landkreisen suchen die Schutzambulanz Fulda auf. Im vergangenen Jahr waren es 132 Personen, die Rat und Hilfe suchten. Dabei waren es \u00fcberwiegend Frauen (80 Prozent), die sich an die Schutzambulanz wandten. Bei knapp der H\u00e4lfte der ratsuchenden Personen stand die k\u00f6rperliche Gewalt im Vordergrund.<\/p>\n<p>Doch neben der k\u00f6rperlichen Gewalt gibt es auch die seelische oder sexualisierte Gewalt sowie Vernachl\u00e4ssigung. \u201eGewalt kann auch sein, jemanden in seiner Bewegungsfreiheit einzuschr\u00e4nken, Kontakte zu anderen Menschen zu unterbinden oder ihm die finanzielle Grundlage zu entziehen\u201c, erl\u00e4utern die Mitarbeiterinnen der Schutzambulanz. Gewalt k\u00f6nne die Gesundheit leicht, schwer oder dauerhaft beeintr\u00e4chtigen. \u201eManche gesundheitlichen Folgen sind gut sichtbar, andere kaum. Viele k\u00f6rperliche Verletzungen verheilen schnell, psychische Folgen k\u00f6nnen auch noch nach Jahren sp\u00fcrbar sein\u201c, wissen die Mitarbeiterinnen.<\/p>\n<p>Um k\u00f6rperliche Gewalt sp\u00e4ter beweisen zu k\u00f6nnen, sei es wichtig, k\u00f6rperliche Spuren m\u00f6glichst innerhalb von 48 Stunden nach dem Gewaltgeschehen dokumentieren zu lassen. Diese Dokumentation, die vor Gericht Bestand hat, geh\u00f6rt neben entlastenden Gespr\u00e4chen und einer Weitervermittlung an zust\u00e4ndige Hilfseinrichtungen oder Institutionen zum Angebot der Schutzambulanz.<\/p>\n<p>Etwa ein Viertel der betroffenen Personen lie\u00df im vergangenen Jahr die Verletzungen dokumentieren. Dabei waren die beiden j\u00fcngsten 20 Jahre alt und weiblich, die beiden \u00e4ltesten waren eine 83-j\u00e4hrige Frau und ein 86-j\u00e4hriger Mann. Die gerichtsverwertbare Dokumentation wurde wiederum von einem Drittel der Personen dazu genutzt, Strafanzeige zu erstatten. Da Dokumentationen und Beweisst\u00fccke in der Ambulanz aufbewahrt werden k\u00f6nnen, ist die Erstattung einer Anzeige auch noch zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt m\u00f6glich. \u201eGrunds\u00e4tzlich ist das Angebot der Schutzambulanz kostenfrei. Die Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht und nichts geschieht ohne Absprache mit und dem Einverst\u00e4ndnis der Klientinnen und Klienten\u201c, erl\u00e4utert das Team.<\/p>\n<p>\u201eMit der Schutzambulanz, die im Jahr 2010 als Modellprojekt von Land Hessen und Landkreis Fulda gestartet wurde, haben wir f\u00fcr die Opfer von Gewalt einen niedrigschwelligeren Zugang zu Hilfsangeboten schaffen k\u00f6nnen. Damit wurde nicht nur die Versorgungssituation verbessert, sondern auch ein Tabuthema mehr ins Rampenlicht geholt\u201c, erkl\u00e4rt Gesundheitsdezernent Dr. Heiko Wingenfeld. \u201eDie weitere Vernetzung zwischen den Institutionen im Gesundheits- und Sozialwesen sowie die kontinuierliche \u00d6ffentlichkeitsarbeit sollen dazu beitragen, dass in Zukunft noch mehr Betroffene \u00fcber den Schatten von Angst, Schuld und Scham springen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Angst, Schuld, Scham \u2013 mit diesen Emotionen sieht sich das Team der Schutzambulanz Fulda h\u00e4ufig konfrontiert. 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