{"id":135382,"date":"2015-02-24T14:16:26","date_gmt":"2015-02-24T13:16:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=135382"},"modified":"2015-02-24T14:16:26","modified_gmt":"2015-02-24T13:16:26","slug":"landkreis-fulda-stellt-ueber-eine-halbe-million-euro-fuer-sprachkurse-und-sozialbetreuung-von-migranten-in-den-haushalt-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=135382","title":{"rendered":"Landkreis Fulda stellt \u00fcber eine halbe Million Euro f\u00fcr Sprachkurse und Sozialbetreuung von Migranten in den Haushalt ein"},"content":{"rendered":"<p>Asylchaos, Menschen im \u201eH\u00e4ngestatus\u201c, Frustration, sozialer Unfrieden, Fremdenfeindlichkeit\u00c2\u00a0 \u2013 es braucht nicht viele Schlagworte, um den Teufelskreis der Einwanderungsproblematik zu skizzieren. Ansatzpunkte, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, gibt es einige.<\/p>\n<p>Dass es sich lohnt, gelegentlich mit Schwung \u00fcber b\u00fcrokratische H\u00fcrden zu springen, davon ist Landrat Bernd Woide \u00fcberzeugt. \u00dcber eine halbe Million Euro hat der Landkreis Fulda kurzfristig f\u00fcr die Sozialbetreuung von Fl\u00fcchtlingen, f\u00fcr Sprachkurse sowie f\u00fcr ehrenamtliches Engagement in den Haushalt eingestellt.<\/p>\n<p>\u201eWir k\u00f6nnen nicht auf den Bund warten. Wir machen das jetzt!\u201c, unterstreicht Woide, der akuten Handlungsbedarf sieht. Denn der Zustrom der Fl\u00fcchtlinge reist nicht ab. Aktuell m\u00fcssen Stadt und Landkreis Fulda etwa 100 Fl\u00fcchtlinge pro Monat aufnehmen, unterbringen und f\u00fcr deren Lebensunterhalt aufkommen. Knapp 1.100 Menschen beziehen nach Angaben von Thomas Orf, Leiter des Sachgebiets Zuwanderung, derzeit Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich ist das Thema sehr komplex\u201c, sagt Woide. \u201eWir brauchen in Deutschland deshalb endlich ein Einwanderungsgesetz. Gesamtgesellschaftlich und staatlich m\u00fcssen wir viel schneller werden, denn es macht keinen Sinn, die Menschen, die eine Bleiberechtsperspektive haben, monatelang h\u00e4ngen zu lassen.\u201c<\/p>\n<p>Wie es sich in einer Warteschleife anf\u00fchlt &#8211; entwurzelt, ohne Sprachkenntnisse und berufliche Perspektive &#8211; kann Ahmad Faik Zalkha berichten. Der 34-j\u00e4hrige Syrer ist im August 2013 mit Frau und Kind nach Deutschland gefl\u00fcchtet. In seiner Heimat hat er als Zahnarzt gearbeitet. \u201eIch war dort den ganzen Tag voll besch\u00e4ftigt, und hier habe ich nur rumgesessen. Das war ein sehr schlechtes Gef\u00fchl\u201c, erz\u00e4hlt Zalkha.<\/p>\n<p>Erst nach neun Monaten konnte der Familienvater mit einem Sprachkurs beginnen. Inzwischen spricht der 34-J\u00e4hrige so gut Deutsch, dass er schon f\u00fcr die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde gedolmetscht hat. Zalkhas Ziel ist es, die Sprache so gut zu beherrschen, dass er in absehbarer Zeit den Antrag auf Approbation stellen und seinen Beruf wieder aus\u00fcben kann.<\/p>\n<p>\u201eHerr Zalkha ist nur ein Beispiel, das zeigt, dass wir die bildungswilligen Menschen nicht monatelang sitzen lassen k\u00f6nnen\u201c, unterstreicht Erster Kreisbeigeordneter Dr. Heiko Wingenfeld. Geld f\u00fcr die Sozialbetreuung und Sprachkurse bereit zu stellen, sei eine freiwillige Leistung des Landkreises und eine den Menschen zugewandte Entscheidung.<\/p>\n<p>Ohne Zweifel bildungswillig und hoch motiviert sind die 18 Teilnehmer des Deutsch-Sprachkurses f\u00fcr Zuwanderer, der im Januar an der Volkshochschule des Landkreises begonnen hat. Die M\u00e4nner und Frauen kommen aus Syrien, Eritrea, \u00c4thiopien und dem Irak. An drei Tagen in der Woche lernen sie bis Mitte Juli die Grundlagen der deutschen Sprache und bekommen im Rahmen einer praktischen Phase Einblicke in die Arbeitswelt, aber auch in die Kultur der Stadt Fulda.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt F\u00fchrungen durch kommunale Einrichtungen und Betriebe sowie Stadtf\u00fchrungen und ein Mobilit\u00e4tstraining\u201c, erl\u00e4utert Studienleiterin Heidemarie Franzmann. Ziel sei es, die Menschen mit den Rahmenbedingungen vor Ort vertraut zu machen und berufliche M\u00f6glichkeiten aufzuzeigen.<\/p>\n<p>\u201eDie Menschen bringen Potenzial mit und bleiben mit hoher Wahrscheinlichkeit bei uns, deshalb ist das freiwillige Engagement des Landkreises nicht nur eine Frage der Solidarit\u00e4t, sondern auch im Interesse der Region\u201c, unterstreichen Woide und Wingenfeld.<\/p>\n<p>Der Startschuss f\u00fcr den zweiten Sprachkurs ist am Faschingsdienstag gefallen und auch in den Fl\u00fcchtlings-unterk\u00fcnften wird immer mehr Deutsch gesprochen. Denn unterrichten kann man nicht nur in der vhs, sondern auch dort, wo die Menschen leben.<\/p>\n<p>Zum Bild: F\u00fcr eine kurze Lernpause sorgten Landrat Bernd Woide (Mitte re.) und Dr. Heiko Wingenfeld (Mitte li.). \u00dcber die Inhalte des Kurses informierten Studienleiterin Heidemarie Franzmann (li.), Dozentin Anita Krickow (re.) und vhs-Leiter Michael Friedrich.<\/p>\n<p>Text und Foto: Dorit Heydenreich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Asylchaos, Menschen im \u201eH\u00e4ngestatus\u201c, Frustration, sozialer Unfrieden, Fremdenfeindlichkeit\u00c2\u00a0 \u2013 es braucht nicht viele Schlagworte, um den Teufelskreis der Einwanderungsproblematik zu skizzieren. Ansatzpunkte, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, gibt es einige. 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