{"id":134872,"date":"2015-02-10T11:02:54","date_gmt":"2015-02-10T10:02:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=134872"},"modified":"2015-02-10T11:02:54","modified_gmt":"2015-02-10T10:02:54","slug":"der-dreienberg-in-einer-liga-mit-dem-kyffhaeuser-seltene-kaeferart-erstmals-in-hessen-nachgewiesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=134872","title":{"rendered":"Der Dreienberg \u2013 in einer Liga mit dem Kyffh\u00e4user &#8211; Seltene K\u00e4ferart erstmals in Hessen nachgewiesen"},"content":{"rendered":"<p>Die S\u00fcdh\u00e4nge des Kyffh\u00e4users in Th\u00fcringen sind seit Langem bekannt f\u00fcr ihre reiche und seltene Fauna und Flora mit zahlreichen w\u00e4rmeliebenden Arten, die sonst nur viel weiter im S\u00fcden oder im Mittelmeerraum gefunden werden. Jetzt wurde erstmals auch in Hessen am Dreienberg bei Friedewald in der n\u00f6rdlichen Rh\u00f6n \u00f6stlich von Bad Hersfeld ein K\u00e4fer gefunden, der nur in extrem klimatisch beg\u00fcnstigten, sonnenexponierten Lagen auf Kalkb\u00f6den leben kann.<\/p>\n<p>Der rotbraune, etwa eineinhalb Zentimeter lange Vertreter der Blatthornk\u00e4fer mit dem lateinischen Namen Rhizotrogus cicatricosus ist ein kleiner Verwandter des Maik\u00e4fers. Er war in Deutschland bisher nur aus einem eng begrenzten Gebiet in S\u00fcdth\u00fcringen bzw. Franken bei Coburg und eben aus dem s\u00fcdlichen Kyffh\u00e4user bekannt gewesen. Ansonsten lebt das seltene Insekt, das in Deutschland zu den vom Aussterben bedrohten Arten gez\u00e4hlt wird, eher in Frankreich, Italien und Spanien. In der n\u00f6rdlichen Rh\u00f6n war es kaum zu vermuten.<\/p>\n<p>Auch der Kasseler Biologe und K\u00e4ferspezialist Dr. Ulrich Schaffrath, der den K\u00e4fer entdeckte, war \u00fcberrascht, denn der Fundort liegt weit von den bisher bekannt gewordenen Vorkommen entfernt. Allerdings, so meint der Forscher, seien nicht nur am Dreienberg, sondern auch an etlichen weiteren W\u00e4rmestellen im Mei\u00dfner oder am D\u00f6rnberg solche Entdeckungen m\u00f6glich, es gebe jedoch zu wenig M\u00f6glichkeiten sprich Mittel, diese zu erkunden. In der Rh\u00f6n dagegen gibt es einen Forschungsauftrag, d.h. eine Aufgabe des Biosph\u00e4renreservats ist die Erkundung und Inventarisierung der Pflanzen und Tiere der Kernzonen und ihrer Randbereiche sowie die Dokumentation von Ver\u00e4nderungen im Laufe der Zeit.<\/p>\n<p>Ewald Sauer, zust\u00e4ndig f\u00fcr den Naturschutz im Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n, regte die Forschung am Dreienberg an. Er ist ebenfalls begeistert \u00fcber den ersten Fund des seltenen Tiers in Hessen, und das ausgerechnet in seiner Rh\u00f6n. Einen gro\u00dfen Anteil an dem Erfolg sieht er dabei besonders in der Arbeit der \u00f6rtlichen Naturschutzgruppe des NABU Dreienberg in Friedewald: \u201eHorst Wenzel und seine Mitstreiter haben hier ganze Arbeit geleistet. Denn das Gebiet war Mitte des 20. Jahrhunderts mit Kiefern aufgeforstet worden und allm\u00e4hlich zu Wald geworden. Erst seitdem die B\u00e4ume weg sind, und der S\u00fcdhang durch die Initative des NABU wieder wie fr\u00fcher in Form der Dreifelderwirtschaft und durch Beweidung der Magerrasen bewirtschaftet wird, ist eine typische und artenreiche Gesellschaft von Wildkr\u00e4utern der Kalk\u00e4cker und Magerrasen zur\u00fcckgekehrt, die kaum noch irgendwo anders zu finden ist.\u201c<\/p>\n<p>Die Ma\u00dfnahmen sicherten auch dem auf offene, sonnige und warme Steppenlagen angewiesenen Blatthornk\u00e4fer das \u00dcberleben. Dies best\u00e4tigt der K\u00e4ferspezialist Schaffrath, der seit Jahren f\u00fcr das Biosph\u00e4renreservat die Rh\u00f6n erforscht: \u201eW\u00e4re das Gel\u00e4nde weiter verwaldet, h\u00e4tte der K\u00e4fer hier auf Dauer wohl kaum eine Chance gehabt. Die hat er schon den Natursch\u00fctzern vor Ort zu verdanken.\u201c<\/p>\n<p>Horst Wenzel, \u201eDas ist nat\u00fcrlich eine sch\u00f6ne Best\u00e4tigung f\u00fcr unsere Arbeit. Wir wissen zwar, dass bei Pflanzen und anderen Insekten viele seltene Arten am Dreienberg vorkommen. Was wir jedoch nicht wussten, ist, dass solch eine Rarit\u00e4t hier bei uns am Dreienberg seinen Lebensraum hat. Ich hoffe sehr, dass dieser Fund uns bei der Umsetzung weiterer Projekte hilft. Eines haben wir schon im Auge: Den S\u00fcdhang der Friedewalder Kuppe, den wir ebenfalls gerne vom Fichten- und Kiefernwald befreit und in artenreichen Magerrasen zur\u00fcck verwandelt, sehen w\u00fcrden. Nicht allen, aber der seltenen Kalkflora und \u2013fauna d\u00fcrfte dies mit Sicherheit sehr gefallen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Hintergrund<\/strong><br \/>\nIm Untersuchungsjahr 2014 wurden im Auftrag des Biosph\u00e4renreservates Rh\u00f6n und Hessen-Forst FENA Gie\u00dfen die K\u00e4ferfauna in den sonnenexponierten H\u00e4ngen am S\u00fcdwestrand des Dreienberges, n\u00f6rdlich von Motzfeld, durch den Kasseler Biologen und K\u00e4ferforscher Dr. Ulrich Schaffrath erforscht. Dabei kamen Luft- und Bodenfallen zum Einsatz. Zahlreiche Arten wurden aber auch mit der Hand gefangen.<\/p>\n<p>Im Untersuchungszeitraum von\u00c2\u00a0 Anfang Mai bis Ende August wurden 303 Arten ermittelt. Die Untersuchungen ergaben eine ausgesprochen hochwertige und typische Fauna der Kalkmagerrasen. Zwei Arten, Rhizotrogus cicatricosus (in Hessen bislang v\u00f6llig unbekannt) und Zyras fulgidus, 4,5- 6 mm gro\u00df, der bei Ameisen lebt, wurden erstmals in Hessen nachgewiesen. 28 K\u00e4ferarten sind auf der Roten Liste Deutschlands zu finden.<\/p>\n<p>Viele wertgebende Arten sind dar\u00fcber hinaus noch am Dreienberg zu erwarten, die die hohe \u00f6kologische Bedeutung dieses Gebietes belegen und unterst\u00fctzen. Die Bestandsaufnahme hat zwar den Wert des Gebietes belegt, jedoch sind noch nicht alle Parameter erforscht. Aus diesem Grund hat Dr. Schaffrath den Auftrag erhalten, in diesem Jahr auch die bundesweit bedeutenden Naturschutz\u00e4cker zu erforschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Die S\u00fcdh\u00e4nge des Kyffh\u00e4users in Th\u00fcringen sind seit Langem bekannt f\u00fcr ihre reiche und seltene Fauna und Flora mit zahlreichen w\u00e4rmeliebenden Arten, die sonst nur viel weiter im S\u00fcden oder im Mittelmeerraum gefunden werden. 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