{"id":134552,"date":"2015-02-02T12:50:00","date_gmt":"2015-02-02T11:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=134552"},"modified":"2015-02-02T12:50:00","modified_gmt":"2015-02-02T11:50:00","slug":"kkv-neujahrsempfang-menschenwuerde-in-der-arbeitswelt-ist-gefordert-sozial-ist-nur-was-gute-arbeit-schafft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=134552","title":{"rendered":"KKV-Neujahrsempfang: Menschenw\u00fcrde in der Arbeitswelt ist gefordert &#8211; \u201eSozial ist nur, was gute Arbeit schafft.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWas ist uns gute Arbeit wert? Was ist uns Gerechtigkeit wert? Kann es richtig sein, wenn das Kilo Klopapier bei uns teurer ist als das Kilo Fleisch?\u201c Mit diesen aufr\u00fcttelnden Fragen konfrontierte Msgr. Peter Kossen, st\u00e4ndiger Vertreter des Bisch\u00f6flichen Offizials im Bezirk Oldenburg, beim Neujahrsempfang des KKV-Bundesverbandes in der Katholischen Akademie \u201eDie Wolfsburg\u201c in M\u00fclheim\/Ruhr, die anwesenden Mitglieder und G\u00e4ste. Gleichzeitig prangerte er den vielfachen Missbrauch von Werkvertr\u00e4gen u.a. in der Fleischindustrie an, der \u201esich wie ein Krebsgeschw\u00fcr quer durch unsere Volkswirtschaft frisst\u201c. Der Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung hatte seine Jahresauftaktveranstaltung unter das Motto \u201eMenschenw\u00fcrde in der Arbeitswelt\u201c gestellt und hierzu den engagierten Geistlichen aus Vechta als Referenten gewinnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Msgr. Prof. Dr. Peter Schallenberg, der Geistliche Beirat des KKV-Bundesverbandes, ging in seiner Begr\u00fc\u00dfung auch auf die aktuelle Diskussion um den durch nichts zu entschuldigenden Mordanschlag auf das franz\u00f6sische Satiremagazin \u201eCharlie Hebdo\u201c durch radikale Islamisten ein. Dabei betonte er jedoch: \u201eWir sind nicht Charlie, aber wir sind gegen jegliche Gewalt im Namen der Religion. Gleichzeitig erwarten wir aber auch mehr Sensibilit\u00e4t und Toleranz. Und das bedeutet auch immer den Respekt gegen\u00fcber Glaubens\u00fcberzeugungen.\u201c<\/p>\n<p>Der st\u00e4ndige Vertreter des Bisch\u00f6flich M\u00fcnsterschen Offizials kritisierte in seinem Vortrag vor allem das Arbeitsmarkt-Instrument der Werkvertr\u00e4ge. Es werde massenhaft missbraucht, um elementarste Standards von Entlohnung und Absicherung systematisch zu unterlaufen. Hier m\u00fcsse man an vielen Stellen von \u201eAusbeutung\u201c sprechen und \u201eModerner Sklaverei\u201c. Dabei sei ein staatlich geduldeter rechtsfreier Raum herausgekommen und eine zunehmende Verdr\u00e4ngung der Stammbelegschaften. So seien beispielsweise in der Fleischindustrie 62 Prozent der Arbeitspl\u00e4tze mit Werkvertragsarbeitern besetzt.<\/p>\n<p><strong>Kirchen m\u00fcssen beim Missbrauch von Werkvertr\u00e4gen eingreifen<\/strong><br \/>\nAls Beispiel, das kein Einzelfall sei, f\u00fchrte er einen Fall von spanischen und rum\u00e4nischen Werkvertragsarbeitern bei einer Firma in Schneiderkrug bei Cloppenburg an, die sich hungernd und frierend an die Caritas gewandt h\u00e4tten, und \u00fcber den in den Medien vor gut einem Jahr berichtet worden sei. \u201eDie M\u00e4nner lebten auf dem Betriebsgel\u00e4nde der Firma zum Teil auf dem nicht isolierten Dachboden eines alten Hauses. Andere lebten zu viert oder f\u00fcft in einem kleinen Raum. F\u00fcr alle zusammen gab es nur eine Dusche und eine K\u00fcche Sie arbeiteten bis zu 16 Stunden am Tag bei eisigen Betriebstemperaturen und verdienten weniger als drei Euro in der Stunde. Als sie um Hilfe baten, hatten sie schon drei Monate kein Geld mehr bekommen\u201c, so Kossen. In den vergangenen drei Monaten sei ihm deshalb klar geworden: Beim Missbrauch von Werkvertr\u00e4gen m\u00fcssen die Kirchen eingreifen und bremsen!<\/p>\n<p><strong>\u201eSozial ist nur, was gute Arbeit schafft.\u201c<\/strong><br \/>\nDie Begr\u00fcndung sei immer gleich. \u201eDer Kostendruck auf dem globalen Markt, die internationale Konkurrenz\u00e2\u20ac\u00a6\u201c sagen die Verantwortlichen und zuckten mit den Schultern. \u201eWachstum\u201c hei\u00dfe die Zauberformel, \u201eFressen\u201c statt \u201eGefressen werden\u201c. Wer da nicht mitspiele, fliege raus. Deshalb stimme auch die Aussage \u201eSozial ist, was Arbeit schafft\u201c nicht mehr. Vielmehr m\u00fcsse es hei\u00dfen: \u201eSozial ist nur, was gute Arbeit schafft.\u201c Das \u201eglobale Dorf\u201c, die Weltwirtschaft, brauche deshalb Impulse f\u00fcr eine \u201eneue, menschengerechte und sch\u00f6pfungsgerechte Weise des Wirtschaftens. Gleichzeitig wies der Referent darauf hin, dass die Sozialgesetzgebung und das soziale Netz nicht die Schwachstelle, sondern eine St\u00e4rke der Sozialen Marktwirtschaft und ein Standortvorteil sei, weil sie den Menschen nicht als Maschine betrachten, die man benutzen und dann verschrotten k\u00f6nne. \u201eGerade die europ\u00e4ischen L\u00e4nder mit den effizientesten Sozialsystemen und den ausgepr\u00e4gtesten Sozialpartnerschaften geh\u00f6ren zu den erfolgreichsten und wettbewerbsf\u00e4higen Volkswirtschaften der Welt\u201c, unterstrich Kossen.<\/p>\n<p><strong>\u201eEine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts.\u201c<\/strong><br \/>\nUnd weil Gott auf der Seite der Kleinen und Schwachen stehe, m\u00fcsse auch die Kirche genau dort stehen. Denn \u201eeine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts\u201c. Dieses Wort des franz\u00f6sischen Bischofs Jacque Gaillot gelte auch heute noch. Und dieser Dienst bedeute, dass man denen helfe, die unter die R\u00e4der geraten seien. Und wenn n\u00f6tig m\u00fcsse man dem Rad selbst in die Speichen fallen. Aufgabe und Verantwortung der Kirche sei es deshalb, in der Bev\u00f6lkerung bewusstseinsbildend zu wirken. \u201eErst wenn es im Kopf \u00e2\u20ac\u0161Klick\u00e2\u20ac\u2122 gemacht hat, so darf man mit Menschen nicht umgehen, erst dann wird sich etwas \u00e4ndern\u201c, ist Kossen \u00fcberzeugt. L\u00f6hne dr\u00fccken auf Kosten der Schw\u00e4chsten d\u00fcrfe deshalb nicht l\u00e4nger legitimes Mittel zur Gewinnmaximierung sein.<\/p>\n<p>\u201eDahinter steht die Werte-Frage\u201c, so der Vertreter des Offizials weiter, \u201eWas ist uns gute Arbeit wert? Was ist uns Gerechtigkeit wert? Kann es richtig sein, wenn das Kilo Klopapier bei uns teurer ist als das Kilo Fleisch?\u201c Das wertvolle und aufw\u00e4ndig produzierte Gut Fleisch werde bei uns unter Wert verschleudert. Um das zu verhindern, brauche es ein G\u00fctesiegel \u201eFaire Arbeit\u201c. Nat\u00fcrlich gebe es auch in der Fleischindustrie Unternehmen, die sich um gute Arbeits- und Lebensbedingungen bem\u00fchten. Ob sie allerdings dem Konkurrenzdruck und dem Preisdiktat der gro\u00dfen Discounter standhalten k\u00f6nnten, entscheide der Verbraucher.<\/p>\n<p><strong>Umgehungsstrategien unterbinden<\/strong><br \/>\n\u201eGerade in einer Sozialen Marktwirtschaft m\u00fcsse es Mindeststandards geben, von denen man sage: Darunter tun wir\u00e2\u20ac\u2122s nicht, Darunter m\u00fcssen\u00e2\u20ac\u2122s auch andere nicht tun.\u201c Im \u00dcbrigen m\u00fcsse es Ziel bleiben, dass die Werkvertr\u00e4ge weitestgehend eingeschr\u00e4nkt und Stammbelegschaften wieder aufgebaut w\u00fcrden. Insbesondere m\u00fcssten Umgehungsstrategien, die den Mindestlohn aush\u00f6hlen, unterbunden werden. In seiner Botschaft zum Weltfriedenstag am 1. Januar habe Papst Franziskus gesagt: \u201eUnternehmen haben \u00e2\u20ac\u00a6 die Pflicht, ihren Angestellten w\u00fcrdige Arbeitsbedingungen und angemessene L\u00f6hne zu garantieren, aber auch dar\u00fcber zu wachen, dass in den Verteilerketten keine Formen von Verknechtung oder Menschenhandel vorkommen.\u201c<\/p>\n<p>In seinem Schlusswort dankte der geb\u00fcrtige Fuldaer KKV-Bundesvorsitzende Bernd-M. Wehner dem Referenten f\u00fcr seine ungeschminkten Ausf\u00fchrungen. \u201eGerade als katholischer Sozialverband sehen wir es als eine unserer wesentlichen Aufgaben an, uns solidarisch und mitgestaltend in Berufs- und Arbeitswelt daf\u00fcr einzusetzen, dass christlichen Wertvorstellungen im Sinne der Katholischen Soziallehre mehr Geltung verschafft werde.\u201c Das bedeute konkret: \u201eDer\u00c2\u00a0 Mensch muss Tr\u00e4ger, Sch\u00f6pfer und Ziel aller gesellschaftlichen Einrichtungen sein\u201c, wie es in Mater et Magistra hei\u00dfe. Oder anders formuliert: \u201eDie Wirtschaft ist f\u00fcr den Menschen da und nicht der Mensch f\u00fcr die Wirtschaft. Das gilt insbesondere auch f\u00fcr den Arbeitsmarkt.\u201c<\/p>\n<p>Der Bundesverband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung e.V. ist ein katholischer Sozialverband mit rund 90 Ortsgemeinschaften in ganz Deutschland. Informationen zum KKV erhalten Sie im Internet unter www.kkv-bund.de, oder unter 0201 87923 \u2013 0.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eWas ist uns gute Arbeit wert? Was ist uns Gerechtigkeit wert? Kann es richtig sein, wenn das Kilo Klopapier bei uns teurer ist als das Kilo Fleisch?\u201c Mit diesen aufr\u00fcttelnden Fragen konfrontierte Msgr. 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