{"id":134510,"date":"2015-02-01T14:20:14","date_gmt":"2015-02-01T13:20:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=134510"},"modified":"2015-02-01T14:20:14","modified_gmt":"2015-02-01T13:20:14","slug":"himmlischer-gesang-im-keller-das-wiener-ensemble-arcantus-zu-gast-beim-gernsehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=134510","title":{"rendered":"Himmlischer Gesang im Keller &#8211; Das Wiener Ensemble Arcantus zu Gast beim Gernsehen"},"content":{"rendered":"<p>Was f\u00fcr ein Experiment: alte Musik trifft auf moderne Kleinkunst, klassische S\u00e4nger auf eine Vollblut-Entertainerin! Die Gastgeberin der Dinner-Show-Reihe \u201eGernsehen und Abendessen\u201c, Marianne Blum, traut sich was. Zum Gl\u00fcck! Auf diese Weise verf\u00fchrt sie ihr Publikum immer wieder, sich auf bisher nicht gekannten Kunstformen und Musikstile einzulassen. Einer Verf\u00fchrung, der am Mittwoch anscheinend alle gern erlagen, wenn man den begeisterten Applaus und die gl\u00fccklichen Gesichter im Publikum zum Ma\u00dfstab nimmt.<\/p>\n<p>Dennoch war es ein Wagnis, das die Blum zur Feier des f\u00fcnften Geburtstags der Veranstaltungs-Reihe eingegangen ist. Denn wahrscheinlich hat der Gro\u00dfteil der Zuschauer im voll besetzten Museumskeller noch nie Renaissance- oder Barock-Musik geh\u00f6rt, schon gar nicht wenn diese wie an diesem Abend nur a cappella, also ohne instrumentale Begleitung gesungen wird.<\/p>\n<p>Aber was f\u00fcr Stimmen waren das! Klassisch ausgebildet, perfekt aufeinander eingestellt und wunderbar harmonisch boten Susanne Lebloch (Sopran), Ingrun Fussenegger (Alt), James W. Curry und Hubert Z\u00f6berl (Tenor) und Voktor Lebloch (Bass) h\u00f6chsten H\u00f6rgenuss. Mit glasklarem Klang f\u00fcllten die 5 S\u00e4nger des Wiener Ensemble Arcantus das Gew\u00f6lbe des Museumskellers und pl\u00f6tzlich fiel es einem ganz leicht, sich die Menschen vor 500 Jahren vorzustellen und ihre in Musik gegossenen Sorgen, N\u00f6te und Leiden, aber auch ihren Sinn f\u00fcr Humor nachzuvollziehen. Denn auch das war eine Erkenntnis dieses Abends: Nicht anders als heute haben auch in fr\u00fcheren Jahrhunderten die Menschen gern gefeiert und nicht alles bierernst genommen. Die ausgew\u00e4hlten Lieder aus dem Zyklus \u201eFestina nella Sera del Giovedi Grasso\u201c (Fest am Abend des fetten Donnerstags \u2013 also an Weiberfasching. Anm. der Autorin) von Adriano Banchieri (1568-1634) hatten kaum einen seri\u00f6sen Text, \u00e4hnlich wie heutige Fastnachts-Hits. Koketterie, imitierte Instrumente und Tiere, lustige T\u00e4nze und nicht zuletzt Trinklieder waren die Themen, die in ihnen dargeboten wurden. Da wurde gebellt, miaut, Cembalo, Maultrommel und Leier gesungen, \u201edas eingebildete Geschw\u00e4tz einer Party-Schickse\u201c (Zitat Marianne Blum) vertont, sich \u00fcber M\u00e4nner lustig gemacht, die wegen Katarrh, einer lockeren Hose und H\u00fchnerhaugen nicht tanzen wollen und der Wein besungen. Dankenswerterweise wurden die \u00dcbersetzungen der italienischen Texte von Marianne Blum vorgetragen und spitzfindig kommentiert, so dass man immer wusste, worum es ging und sich ganz dem musikalischen Vergn\u00fcgen hingeben konnte.<\/p>\n<p>Doch damit nicht genug. Das Publikum musste auch selbst ran. Ingrun Fussenegger, Leiterin des Ensembles und im Hauptberuf au\u00dferordentliche Professorin an der Universit\u00e4t f\u00fcr darstellende Kunst und Musik in Wien f\u00fcr Chor und Ensemble-Leitung, zeigte warum \u201eau\u00dferordentliche Professoren in \u00d6sterreich anscheinend auch au\u00dferordentlich gut sind\u201c. Sie \u00fcbte mit dem Publikum einen mehrstimmigen Jodler ein und schaffte es sogar mit absoluten Laien in k\u00fcrzester Zeit einen \u00fcberraschend guten Klang zu erzeugen.<br \/>\nSo erfrischend dieser aktive Teil wirkte und so witzig die Lieder aus dem Banchieri-Zyklus auch waren, sie stellten nur eine \u2013 wenn auch sehr unterhaltsame \u2013 Facette des Abends dar. Das Ensemble Arcantus bot auch ernsthafte Literatur und zeigte hier, was es drauf hat. Zwei St\u00fccke von Orlando di Lasso (1532-1594), die auch auf der mit Pasticcio Preis ausgezeichneten CD des Ensembles zu finden sind, erg\u00e4nzten das Programm. Es handelt sich hier um Vertonungen von Gedichten des ber\u00fchmten Renaissance Dichters Francesco Petrarca (1304-1374) an seine geliebte Laura.<\/p>\n<p>Im letzten Teil des Abends gab es dann sogar noch \u201eschwere Kost\u201c. Doch die ja immer als besonders unzug\u00e4nglich angesehene neue ernste Musik, die die S\u00e4nger und S\u00e4ngerinnen pr\u00e4sentierten, war so gut gesungen, dass sich die Zuschauer auch darauf einlie\u00dfen und selbst \u00fcberrascht waren, wie gut ihnen diese zeitgen\u00f6ssische Klassik gefiel, obwohl den zarten Harmonien oft spannungsreiche Dissonanzen gegen\u00fcberstanden. So etwas zu genie\u00dfen, verlangt eine gesteigerte Bereitschaft zum vorurteilsfreien Zuh\u00f6ren, eine Bereitschaft, die das Publikum des Gernsehens mit jedem Set zunehmend entwickelte und die am Ende sogar in Begeisterung m\u00fcndete.<\/p>\n<p>Zur Zugabe lieferte sich Ingrun Fussenegger dann noch ein herrlich ironisches Musical-Duett mit Marianne Blum, das bewies, dass sich klassische Musiker auch darauf einlassen k\u00f6nnen, vorausgesetzt sie sie haben so viel \u201eSchm\u00e4h\u201c wie diese sympathischen \u00f6sterreichischen G\u00e4ste.<\/p>\n<p>Man kann Marianne Blum nur w\u00fcnschen, dass es ihr gelingt, noch viele derart hochkar\u00e4tigen K\u00fcnstler einzuladen, und man kann Fulda nur w\u00fcnschen, dass es noch viele Jahre den Geburtstag dieser Dinner-Show-Reihe erleben darf.<\/p>\n<p>Zur Februar Ausgabe \u201eGernsehen und Abendessen\u201c am 25.02.2015 ist der Fuldaer Musiker und spotlight Musical Mitarbeiter Maximilian Becker zu Gast. Er tourt mit den Gro\u00dfen der Schlagerszene und zeigt beim Gernsehen, wie Hits entstehen. Infos unter 0661-240230 oder online: catering@kreuz.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Was f\u00fcr ein Experiment: alte Musik trifft auf moderne Kleinkunst, klassische S\u00e4nger auf eine Vollblut-Entertainerin! Die Gastgeberin der Dinner-Show-Reihe \u201eGernsehen und Abendessen\u201c, Marianne Blum, traut sich was. Zum Gl\u00fcck! Auf diese Weise verf\u00fchrt sie ihr Publikum immer wieder, sich auf bisher nicht gekannten Kunstformen und Musikstile einzulassen. 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