{"id":134325,"date":"2015-01-29T01:03:16","date_gmt":"2015-01-29T00:03:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=134325"},"modified":"2015-01-28T20:45:01","modified_gmt":"2015-01-28T19:45:01","slug":"nachhaltiges-wirtschaften-ist-moeglich-wirtschaftsjournalist-kessler-beim-jahresauftakt-der-kab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=134325","title":{"rendered":"Nachhaltiges Wirtschaften ist m\u00f6glich &#8211; Wirtschaftsjournalist Kessler beim Jahresauftakt der KAB"},"content":{"rendered":"<p>Bachrain. \u201eZukunft statt Zocken\u201c war das Thema des diesj\u00e4hrigen Jahresauftakts IMPULS 2015 der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Di\u00f6zesanverband Fulda im Franz-von-Sales Haus, Bachrain. Anschaulich benannte der Referent, Dr. Wolfgang Kessler Wirtschaftsjournalist und Chefredakteur von Publik Forum gelungene Beispiele f\u00fcr nachhaltiges Wirtschaften. Dem vorausgegangen war eine Heilige Messe zelebriert von KAB Di\u00f6zesanpr\u00e4ses Pfarrer Christian Sack.<\/p>\n<p>Mit ann\u00e4hernd 150 G\u00e4sten aus KAB wie auch Gewerkschaften, Parteien und Verb\u00e4nden machte sich Kessler auf eine \u201eWeltreise\u201c durch Beispiel eines nachhaltigen Wirtschaftens. Dabei werden Belange wie Gerechtigkeit, Menschenw\u00fcrde, sparsamer Umgang mit nat\u00fcrlichen Ressourcen und Umweltschutz besonders ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Mit anschaulichen Worten begann er seine Reise in Neuss. Die Stadt hat ihr Beschaffungswesen auf nachhaltige und fair-gehandelte Produkte umgestellt, nachdem es heftige Proteste gegeben hatte, weil der neue Marktplatz mit Pflastersteinen belegt wurde, die zwar billig waren an deren Produktion in Vietnam aber auch Kinder beteiligt waren. Dieser Selbstverpflichtung der nordrheinwestf\u00e4lischen Stadt folgten \u00fcber 300 St\u00e4dte, die von Transfair Deutschland auch als \u201eFair-Trade-Towns\u201c ausgezeichnet wurden.<\/p>\n<p>Am Beispiel der GLS-Gemeinschaftsbank machte er deutlich, dass Bankgesch\u00e4fte auch unter ethischen Gesichtspunkten m\u00f6glich sind. Die Bank verzichtet nicht nur auf undurchsichtige Spekulationsgesch\u00e4fte sondern gibt Kredite unter ethischen und nachhaltigen Gesichtspunkten. Beg\u00fcnstigt werden u.a. die biologische Landwirtschaft, erneuerbare Energietr\u00e4ger und Sozialprojekte, wie Schulen und Kinderg\u00e4rten. Auch der Umgang mit den eigenen Besch\u00e4ftigten zeigt sich die GLS Bank als durch und durch sozial eingestellter Arbeitgeber. Zweistellige Wachstumsraten des Kreditinstituts beweisen, dass auch mit dieser Einstellung Finanzgesch\u00e4fte gewinnbringend m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p>Die Baseler Stromabgabe veranschaulichte Kessler ebenfalls. Diese sehr hohe Abgabe macht den Strom zwar sehr teuer, aber eine \u201eprokopf\u201c Aussch\u00fcttung der mehr eingenommenen Stromabgabe im folgenden Jahr relativiert dies wieder und h\u00e4lt insbesondere Gro\u00dfverbraucher nachweislich dazu an, Energie einzusparen.<\/p>\n<p>Auch die Flachglas Wernberg GmbH fand Erw\u00e4hnung. Um einen massiven Arbeitsplatzabbau nach einer \u00dcbernahme durch einen internationalen Konzern zu verhindern, hat die Belegschaft den Betrieb aufgekauft. Dies barg f\u00fcr die Arbeitnehmer ein sehr hohes Risiko, da weder Kredite von Banken noch Garantien von der \u00f6ffentlichen Hand gegeben wurden. U. a. verzichtete die Belegschaft auf Weihnachtsgeld und nahm weitere Einbu\u00dfen in Kauf, sodass der Deal gelang. Ein Resume dreizehn Jahre nach dem \u201eBelegschafts-buy-out\u201c zeigt, dass die Entscheidung richtig war. Von urspr\u00fcnglich 650 Arbeitspl\u00e4tzen gab es immer noch \u00fcber 600 Besch\u00e4ftigte, 10 % davon Auszubildende und die Firma hat sich am Markt nicht nur behauptet sondern weiter etabliert.<\/p>\n<p>Das Beispiel des Fair-Phones, ein Smartphone, produziert unter den Bedingungen des Fairen Handels und unter \u00f6kologischen Aspekten, wurde f\u00fcr die niederl\u00e4ndische Stiftung \u201eWaag Society\u201c zum absoluten Renner. Die ersten beiden Auflagen jeweils in H\u00f6he von 20.000 St\u00fcck waren in wenigen Tagen vergriffen. Zwischenzeitlich sind kommerzielle Hersteller an diesem Nachhaltigkeits-Erfolgs-Modell interessiert.<\/p>\n<p>Als weitere Beispiele f\u00fcr erfolgreiche Alternativmodelle f\u00fchrte er das \u00f6sterreichische Krankenversicherungssystem in Form einer B\u00fcrgerversicherung aus wie auch ein erfolgreich umgesetztes Grundeinkommensmodell im Osten von Namibia. Zu kurz kamen auch nicht politische Forderungen wie nach der Finanztransaktions- und einer Verm\u00f6genssteuer.<\/p>\n<p>In den meisten F\u00e4llen erfordere die bewusste Umstellung auf nachhaltiges wirtschaften Mut und bed\u00fcrfe auch sehr viel Geduld, aber die benannten Beispiele wie auch viele andere bewiesen, dass sich dieser Mut auszahle. Menschliches Zusammenleben h\u00e4nge nicht nur von st\u00e4ndigem Wachstum ab, sondern m\u00fcsse vielmehr gerecht gestaltet werden und \u00f6kologisch so ausgerichtet sein, dass auch nachfolgende Generationen noch eine lebenswerte Welt vorfinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>KAB Di\u00f6zesanvorsitzender Aloys Zumbr\u00e4gel, der zu Beginn der Veranstaltung die zahlreichen G\u00e4ste begr\u00fc\u00dft hatte, f\u00fchlte sich, so seine Dankesworte, im Handeln der KAB best\u00e4tigt. Vieles was der Referent vorgetragen hatte sei im Programm der KAB wiederzufinden. \u201eNach klug kaufen, richtig steuern und sinnvoll Leben, Jahresthemen der letzten drei Jahre, engagieren wir uns nun f\u00fcr \u00c2\u00b4Gutes wirtschaften\u00c2\u00b4\u201c f\u00fchrte er aus und skizzierte kurz die Vorhaben des katholischen Sozialverbands f\u00fcr die Jahre 2015 und 2016.<\/p>\n<p>In dem vorhergehenden Er\u00f6ffnungsgottesdienst, der auch dem Gedenken an den KAB M\u00e4rtyrer Nikolaus Gro\u00df gewidmet war, forderte KAB Di\u00f6zesanpr\u00e4ses Pfarrer Christian Sack in seiner Predigt dazu auf, die Augen offen zu halten und sich gegen Entwicklungen zu wenden, die den Menschen schaden. Christen seien dazu aufgerufen dabei auch unbequem zu sein. \u201eWir haben die Sklaverei und die Adelsherrschaften \u00fcberwunden und sind auf dem Weg uns in eine neue Abh\u00e4ngigkeit zu begeben, n\u00e4mlich der Wirtschaft zu unterwerfen. Und das f\u00fcr ein vorhergesagtes, aber l\u00e4ngst nicht bewiesenes Wirtschaftswachstum von 1-2 %.\u201c Stellte er fest und rief deshalb dazu auf, alles zu unternehmen, das Freihandelsabkommen TTIP zu verhindern. Auch warnte er davor Migranten in verschiedene Gruppen einzuteilen. \u201eWir sind ALLE Kinder Gottes. Egal aus welchem Grund Menschen hier bei uns Zuflucht suchen, sollten wir Sie mit N\u00e4chstenliebe empfangen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Bachrain. \u201eZukunft statt Zocken\u201c war das Thema des diesj\u00e4hrigen Jahresauftakts IMPULS 2015 der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Di\u00f6zesanverband Fulda im Franz-von-Sales Haus, Bachrain. Anschaulich benannte der Referent, Dr. Wolfgang Kessler Wirtschaftsjournalist und Chefredakteur von Publik Forum gelungene Beispiele f\u00fcr nachhaltiges Wirtschaften. 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