{"id":134133,"date":"2015-01-23T00:09:30","date_gmt":"2015-01-22T23:09:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=134133"},"modified":"2015-01-22T19:03:11","modified_gmt":"2015-01-22T18:03:11","slug":"kulturschaffende-im-landkreis-fulda-organist-thorsten-pirkl-forscht-ueber-den-fast-vergessenen-fuldaer-komponisten-michael-henkel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=134133","title":{"rendered":"Kulturschaffende im Landkreis Fulda: Organist Thorsten Pirkl forscht \u00fcber den fast vergessenen Fuldaer Komponisten Michael Henkel"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-134134\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/029-Thorsten-Pirkl.jpg\" alt=\"029-Thorsten Pirkl\" width=\"560\" height=\"360\" \/><\/p>\n<p>BURGHAUN. Sie ist wie ein gro\u00dfes Haus mit einigen gut ausgeleuchteten Zimmern darin, aber es gibt auch R\u00e4ume, die noch niemand betreten hat. Mit diesem Vergleich beschreibt der Organist Thorsten Pirkl die regionale Musikgeschichte, zu deren Erschlie\u00dfung er gerne beitragen m\u00f6chte.<!--more--><\/p>\n<p>Dabei w\u00e4re es von ihm nicht vermessen zu sagen, dass es ihm l\u00e4ngst gelungen ist, durch seine Recherchen zu dem Fuldaer Komponisten Michael Henkel (1780 bis 1851) einiges Licht ins Dunkel zu bringen. Der Musiker in der Zeit zwischen Barock und Romantik war zun\u00e4chst am f\u00fcrstbisch\u00f6flichen Hof angestellt, bevor er im Zuge der S\u00e4kularisation fast ein halbes Jahrhundert lang als Stadt- und Domkantor wirkte.<\/p>\n<p>\u201eBis auf eine nach ihm benannte Stra\u00dfe erinnert in Fulda nichts mehr an Michael Henkel; nicht einmal ein Hinweis an seinem Geburtshaus in der Rosengasse\u201c, bedauert Thorsten Pirkl. Auch Henkels Kompositionen \u2013 \u00fcberwiegend leicht ausf\u00fchrbare St\u00fccke im Stil der Klassik und des Biedermeiers \u2013 seien v\u00f6llig zu Unrecht in Vergessenheit geraten.<\/p>\n<p>Thorsten Pirkl, der mit seiner Familie im \u201eS\u00e4ngerdorf\u201c Steinbach lebt, ist selbst begeisterter Hobbymusiker. Im Alter von 15 Jahren, nach einem Jahr Klavierunterricht, entdeckte er die Orgel als Instrument f\u00fcr sich. Nicht nur Orgelspiel, sondern auch Chorleitung lernte er am Bisch\u00f6flichen Kirchenmusikinstitut in Fulda. Derzeit ist er in Ch\u00f6ren der beiden Gesangsvereine in seinem Wohnort aktiv, davon in einem als Leiter. Zudem leitet er seit 2000 die \u201evocal voices\u201c seines ehemaligen Heimatorts Bachrain. Die Chorarbeit gefalle ihm besonders, weil er den Eindruck habe, damit auch anderen Menschen Freude bereiten zu k\u00f6nnen, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n<p>Seine Forschungen betreibt der 40-J\u00e4hrige mit der Leidenschaft eines Goldsuchers. Es fasziniert ihn, wenn er nach interessanten Details aus Henkels Biographie sch\u00fcrft, wie dessen Freundschaft zu Goethes Hofarchitekten Coudray oder Besuche ber\u00fchmter Musikerkollegen bei ihm in Fulda, darunter Felix Mendelssohn Bartholdy oder Friedrich Wieck mit seiner Tochter Clara, die sp\u00e4ter Robert Schumann heiratete.<\/p>\n<p>Auch auf \u201eNuggets\u201c st\u00f6\u00dft Pirkl hin und wieder \u2013 sch\u00f6ne Musikst\u00fccke, die es heute noch wert sind, aufgef\u00fchrt zu werden. Ein solches Goldst\u00fcck ist f\u00fcr ihn die \u201eFestmesse c-moll\u201c, die Michael Henkels Sohn Georg Andreas komponiert hat. Die Handschrift von 1863 entdeckte Pirkl in der Berliner Staatsbibliothek und war von dem Werk so angetan, dass er es in mehreren N\u00e4chten im Dezember \u00fcber ein Notenprogramm am Computer eintippte \u2013 insgesamt 276 Seiten. Am diesj\u00e4hrigen Ostersonntag wird die Messe unter Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber beim Pontifikalamt im Fuldaer Dom aufgef\u00fchrt. Auch Pirkl wirkt mit: als Gasts\u00e4nger im Domchor.<\/p>\n<p>Zum Hauptziel hat Thorsten Pirkl sich gesetzt, ein komplettes Werkverzeichnis von Michael Henkel zu erstellen. Daf\u00fcr forscht er weltweit und wurde bislang in der Hochschul- und Landesbibliothek Fulda, in Frankfurt, Berlin, M\u00fcnchen, zahlreichen anderen deutschen St\u00e4dten, Paris und in den USA f\u00fcndig. Etwa 90 Prozent der Kompositionen habe er inzwischen zusammengetragen, sch\u00e4tzt Pirkl. Nach und nach m\u00f6chte er die Werke auff\u00fchrbar machen. Die 505 erhaltenen Orgelst\u00fccke hat der Musiker bereits digitalisiert und sowohl Noten als auch die auf 36 verschiedenen historischen Orgeln eingespielten St\u00fccke im Internet in der Petrucci-Musikbibliothek (<a href=\"http:\/\/www.ismlp\">www.ismlp<\/a> &#8211; International Music Score Library Project) ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Auf CDs gebrannt ergab dies elf Tontr\u00e4ger mit einer \u00fcblichen Laufzeit. Nach Erfassung aller Musikst\u00fccke rechnet Pirkl mit etwa bespielten 30 CDs. Die wikipedia-Textseite \u00fcber Michael Henkel stammt ebenfalls von dem Steinbacher. Zudem hat Pirkl auf YouTube zahlreiche Filme mit von ihm interpretierten Orgelwerken heimischer Komponisten aus dem 15. bis 19. Jahrhundert publiziert, darunter Adam von Fulda, Johann Valentin Rathgeber oder die Henkel-S\u00f6hne Georg Andreas und Heinrich.<\/p>\n<p>Der Hobbyforscher, der beruflich als Gro\u00dfhandelskaufmann in einem Ansbacher Unternehmen t\u00e4tig ist, sagt, dass er seine Arbeitsergebnisse gern der Allgemeinheit zur Verf\u00fcgung stelle: \u201eIch freue mich, wenn viele die Ver\u00f6ffentlichungen nachspielen\u201c, betont er. Gefreut habe er sich auch \u00fcber einen Brief des regionalen Experten Professor Gottfried Rehm, in dem dieser seine Forschungen als \u201ekulturell wertvolle Leistung\u201c gelobt habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>BURGHAUN. Sie ist wie ein gro\u00dfes Haus mit einigen gut ausgeleuchteten Zimmern darin, aber es gibt auch R\u00e4ume, die noch niemand betreten hat. 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