{"id":133562,"date":"2015-01-02T09:41:57","date_gmt":"2015-01-02T08:41:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=133562"},"modified":"2015-01-02T09:41:57","modified_gmt":"2015-01-02T08:41:57","slug":"bischof-algermissen-hielt-traditionellen-neujahrsempfang-in-fulda-ab-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=133562","title":{"rendered":"Bischof Algermissen hielt traditionellen Neujahrsempfang in Fulda ab"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fulda<\/strong> (bpf). Im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Debatte um die Legalisierung aktiver Sterbehilfe und des \u00e4rztlich assistierten Suizids argumentiert die Kirche aus dem christlichen Glauben heraus und benennt die Unverf\u00fcgbarkeit des von Gott geschenkten Lebens als Ma\u00dfstab. \u201eAber welche \u00dcberzeugungskraft hat das in einer Gesellschaft, in der eine Mehrheit der Menschen keine ernsthafte pers\u00f6nliche Beziehung mehr zum christlichen Glauben oder jedenfalls nicht eine enge Bindung an die christlichen Kirchen hat?\u201c, fragte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen am Donnerstag, 1.\u00c2\u00a0Januar, beim traditionellen Neujahrsempfang der Di\u00f6zese im Fuldaer Priesterseminar. Der Oberhirte betonte, dass es nicht um eine \u201echristliche Sondermoral\u201c gehe. Vielmehr sei die Werthaltung, das Leben an seinem Anfang wie an seinem Ende unbedingt zu sch\u00fctzen, generell f\u00fcr den Menschen, f\u00fcr seine W\u00fcrde und seine Zukunft wichtig \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob der Einzelne eine entsprechende Bindung an Glauben oder Kirche habe.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Umfassende Wahrung der Menschenw\u00fcrde w\u00e4hrend des ganzen Lebens<\/strong><\/p>\n<p>Der Hinweis, es sei christliche Tradition, sich gegen aktive Sterbehilfe zu stellen, sei in der heutigen Zeit f\u00fcr die Mehrheitsbildung nicht mehr ausreichend. \u201eZugleich d\u00fcrfen wir uns auch nicht von anderen in eine Minderheitenposition dr\u00e4ngen lassen. Die Argumentation aus den Reihen der Sterbehilfebef\u00fcrworter, z. B. von den sich humanistisch nennenden Organisationen, zielt ja genau darauf. Uns wird als Christen abgesprochen und bestritten, dass wir Argumente vorbringen k\u00f6nnten, die auch f\u00fcr Nichtchristen einsichtig sind.\u201c Das sei eine unredliche Verk\u00fcrzung, denn es geht der Kirche nicht um einen christlichen Herrschaftsanspruch, sondern um die umfassende Wahrung der Menschenw\u00fcrde und das Wohl der Menschen w\u00e4hrend seiner ganzen Lebensspanne. \u201eDaf\u00fcr unter allen Umst\u00e4nden einzutreten ist unser christlicher Auftrag\u201c, zeigte sich der Bischof \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Die Christen m\u00fcssten eine \u00fcberzeugende Antwort auf das Hauptmotiv der ca. 70 Prozent Bef\u00fcrworter einer Sterbehilferegelung wie in den Niederlanden geben. Es gehe um eine \u00fcberzeugende Antwort auf ihre \u00c4ngste. \u201eDie Angst kann man nicht einfach wegargumentieren. Die notwendige Antwort, die notwendige Hilfe ist der Weg der Hospizbewegung, ist die Begleitung des Kranken und seiner Angeh\u00f6rigen mit menschlicher Zuwendung und den heutigen M\u00f6glichkeiten der Palliativmedizin\u201c, stellte Algermissen heraus. Mit ihnen k\u00f6nne in vielen F\u00e4llen der Angst vor gro\u00dfen Schmerzen, Einsamkeit und Hilflosigkeit sowie der Situation, dass medizinische Heilung nicht mehr m\u00f6glich sei, begegnet werden. In diesem Zusammenhang m\u00fcssten katholische Krankenh\u00e4user und Hospize ein Beispiel deutlicher Alternative geben.<\/p>\n<p>Bischof Algermissen rief die anwesenden Vertreter aus Kirche und Politik auf, die die Argumente der Kirche f\u00fcr den Lebensschutz und gegen aktive Sterbehilfe und assistierten Suizid in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen und bei der Aufkl\u00e4rung zu helfen. Nach der \u00dcberzeugung der katholischen Kirche geht die Frage nach einer gesetzlichen Regelung der Suizidbeihilfe und der Sterbehilfe weit \u00fcber die Selbstbestimmung des Einzelnen hinaus. \u201eJenseits aller Bevormundung von Menschen geht es um zentrale gesellschaftliche Werte, um das gesellschaftliche Klima, um das Bild vom Menschen und die Einstellung zu Leid und Krankheit in dieser Gesellschaft\u201c, betonte der Bischof.<\/p>\n<p><strong>Dank an Oberb\u00fcrgermeister Gerhard M\u00f6ller<\/strong><\/p>\n<p>Der Bischof sprach dem Fuldaer Oberb\u00fcrgermeister Gerhard M\u00f6ller (CDU), der am 12. Dezember der Stadtverordnetenversammlung mitgeteilt hatte, 2015 nicht mehr f\u00fcr eine weitere Amtszeit zu kandidieren, seinen Dank aus. \u201eSie waren in den 12 Jahren als Oberb\u00fcrgermeister unserer Stadt Fulda f\u00fcr mich als Bischof jederzeit ein \u00fcberzeugender, ganz und gar authentischer Mensch in meiner N\u00e4he und Gespr\u00e4chspartner.\u201c M\u00f6ller habe mit gro\u00dfer Kompetenz und Zuverl\u00e4ssigkeit Fulda vorw\u00e4rts gebracht und sei Garant der guten Verbindung zwischen Stadtschloss und Dom sowie Bischofshaus gewesen.<\/p>\n<p>Zum Schluss dankte Bischof Algermissen den Haupt- und Ehrenamtlichen in Pfarrgemeinden, Verb\u00e4nden und der Di\u00f6zesanverwaltung, insbesondere seinem Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke, f\u00fcr ihre gute Arbeit im vergangenen Jahr.<\/p>\n<p><strong>Kirche muss glaubw\u00fcrdig Gottes Liebe bezeugen<\/strong><\/p>\n<p>Generalvikar Prof. Stanke hatte zu Beginn des Neujahrsempfangs die anwesenden G\u00e4ste aus Kirche, Politik und \u00f6ffentlichem Leben willkommen gehei\u00dfen und hervorgehoben, dass Christen in Jesus Christus eine Antwort auf die Frage, wo der Mensch seine Heimat habe, geben k\u00f6nne, die alle Erwartungen \u00fcbersteige. Es sei wichtig, von der Bedeutung dieser Wahrheit \u00fcberzeugt zu sein und sie als Botschafter zu verk\u00fcnden, \u201eund das in der Gewissheit, dass sie auch heute Menschen erreicht, wenn wir sie glaubw\u00fcrdig verk\u00fcnden\u201c. Die sei eine Herausforderung f\u00fcr alle getauften und gefirmten Christen, so Stanke.<\/p>\n<p>Die Kirche habe es in der Nachfolge von Jesus Christus hinzunehmen, von den \u201eKlugen und M\u00e4chtigen verachtet zu werden, aber sie k\u00f6nne es sich nicht leisten, von den \u201eArmen und Kleinen\u201c verachtet zu werden. Diese seien die Privilegierten bei Jesus und m\u00fcssten es auch in der Kirche sein. \u201eAuch wenn wir in der Kirche \u00fcber Strukturen, Finanzen, Immobilien und Gremien reden, geht es letztlich darum, glaubw\u00fcrdig die Erinnerung an Gott wachzuhalten, der uns in Jesus von Nazareth sein Gesicht gezeigt und sein inneres Wesen als Liebe offenbart hat.\u201c Die hohe Zahl der Kirchenaustritte in letzter Zeit sei nicht in erster Linie aus finanzieller Sicht bedauerlich, sondern vielmehr deshalb, weil diese Menschen in der Kirche keine Heimat gefunden h\u00e4tten, unterstrich der Generalvikar. In der pastoralen Zukunftsplanung des Bistums Fulda m\u00fcssten demographische und gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen mitber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Der Sprecher des Priesterrats der Di\u00f6zese, Pfarrer Jan Kremer (Petersberg), hob hervor, dass die Zeit eines geschlossenen kulturellen christlichen Milieus auch im Raum Fulda vorbei sei. \u201eSchwestern und Br\u00fcder zu sein wird immer wichtiger\u201c, sagte er mit Bezug auf den Umgang der Kirche mit Menschen anderer Religion oder Konfession. Dies sei der Schl\u00fcssel f\u00fcr die Zukunft einer immer pluraler werdenden Gesellschaft. Im Zentrum der Bem\u00fchungen um ein gutes Miteinander m\u00fcsse die W\u00fcrde des Menschen stehen. Daraus folge auch in der Kirche vor Ort das Engagement f\u00fcr Lebensschutz, f\u00fcr Klimaschutz und die Aufnahme von Fl\u00fcchtlingen und Migranten.<\/p>\n<p>Landrat Bernd Woide (CDU) sprach, auch im Namen von Oberb\u00fcrgermeister M\u00f6ller, f\u00fcr Landkreis und Stadt Fulda der Kirche seine besten Neujahrsw\u00fcnsche aus und hob in seiner Ansprache hervor, dass es zwar eine staatliche Aufgabe sei, die in die Region kommenden Asylbewerber und Fl\u00fcchtlinge unterzubringen und zu betreuen, dass aber die Herausforderung, sie gesellschaftlich zu integrieren, auch den kirchlichen Pfarreien vor Ort zukomme. Er rief dazu auf, nicht in erster Linie die Risiken zu sehen, sondern in diese Menschen und ihre Bildung zu investieren, denn \u201esie kommen zu uns, weil sie hier eine Perspektive f\u00fcr ihr Leben sehen\u201c. Zuwanderer k\u00f6nnten die deutsche Gesellschaft auch bereichern. Es sei \u201egute christliche Tradition\u201c, fremde Menschen bei sich aufzunehmen.<\/p>\n<p>Am Ende des Neujahrsempfangs gab Bischof Algermissen eine p\u00e4pstliche Ehrung bekannt. F\u00fcr sein herausragendes kirchliches Engagement wurde Geistlicher Rat Pfarrer i. R. Gerhard Arnold (80), ehemals Pfarrer der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit in Kranlucken im fr\u00fcheren Dekanat Geisa, von Papst Franziskus mit dem Titel \u201eP\u00e4pstlicher Kaplan\u201c (Monsignore) ausgezeichnet. Bischof Algermissen w\u00fcrdigte Arnolds priesterliche T\u00e4tigkeit unter den schwierigen Bedingungen des DDR-Regimes und hob hervor, dass er auch in seinem Alter nach wie vor als Seelsorger wirke. Geboren am 9. September 1934 in Zella\/Rh\u00f6n, legte Arnold 1959 im Norbertuswerk in Magdeburg sein Abitur ab und studierte Philosophie und Theologie in Erfurt und Neuzelle. Am 19. Dezember 1964 wurde er im Erfurter Dom durch Weihbischof Hugo Aufderbeck zum Priester geweiht: Danach folgten Kaplans- und Pfarrkuratsjahren in M\u00fchlhausen, Heldrungen und Gro\u00dfenehrich. 1972 kam er als Seelsorger nach Ebeleben. Im Dekanat Sondershausen der heutigen Di\u00f6zese Erfurt nahm er auch die Aufgabe eines Caritasreferenten wahr. Vom 1. September 1978 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 1. August 2007 wirkte Arnold als Pfarrer in Kranlucken, wo er noch heute wohnt. Im Dezember 2002 wurde er in Anerkennung seiner Verdienste von Bischof Heinz Josef Algermissen zum Geistlichen Rat ernannt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda (bpf). 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