{"id":133270,"date":"2014-12-22T00:14:51","date_gmt":"2014-12-22T00:14:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=133270"},"modified":"2014-12-21T09:52:06","modified_gmt":"2014-12-21T09:52:06","slug":"ein-jahr-pilotprojekte-aufstiegscoach-in-nordhessen-und-offenbach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=133270","title":{"rendered":"Ein Jahr Pilotprojekte \u201eAufstiegscoach\u201c in Nordhessen und Offenbach"},"content":{"rendered":"<p>Frankfurt am Main. Gezieltes Coaching vermittelt nachhaltiger und kann zu Aufstiegen verhelfen. Die\u00c2\u00a0F\u00f6rderung der Pilotprojekte f\u00fcr ein weiteres Jahr verl\u00e4ngert.<br \/>\n\u201eMit dem Aufstiegscoach wollten wir neue Wege gehen, um Langzeitarbeitslose und Ungelernte dauerhaft in Arbeit zu bringen und mit ihnen gemeinsam eine Aufstiegsperspektive zu verantwortungsvolleren Positionen mit besserem Einkommen zu erarbeiten. Die Erfahrungen nach einem Jahr zeigen: Gezieltes Coaching vermittelt nachhaltiger und kann zu Aufstiegen verhelfen. Nat\u00fcrlich lassen die Quoten noch Luft nach oben. Besonders wertvoll sind aber die \u00fcbertragbaren Erkenntnisse aus den Fallbeispielen\u201c, waren sich die Partner im Projekt Stefan Gr\u00fcttner, Dr. Frank Martin, Dr. Matthias Schulze-B\u00f6ing und Volker Fasbender einig. Hessen habe mit dem Pilotprojekt Aufstiegscoach als einziges Bundesland ein erfolgreiches Experiment zur nachhaltigen Vermittlung Langzeitarbeitsloser gef\u00f6rdert und durchgef\u00fchrt: in den Pilot-Regionen Offenbach sowie Nordhessen (Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder) gab es auf den insgesamt 60 gef\u00f6rderten Pl\u00e4tzen bis Ende Oktober 41 Vermittlungen, 22 Stabilisierungen in Besch\u00e4ftigung und 17 Aufstiege.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u201eDer \u00e2\u20ac\u0161Aufstiegscoach\u00e2\u20ac\u02dc baut Br\u00fccken &#8211; so kann der Weg von der Langzeitarbeitslosigkeit bis hin zur Fachkraft m\u00f6glich sein. Damit gelingt zweierlei: Eine individuelle Besch\u00e4ftigungs- und Aufstiegsperspektive f\u00fcr die Teilnehmenden. Und eine Signalwirkung an die Unternehmen, dass Langzeitarbeitslose eine Talentreserve darstellen, die zur Deckung des Fachkr\u00e4ftebedarfs beitragen kann. Wir haben erste Erfolge verbuchen k\u00f6nnen, die nat\u00fcrlich noch keine Breitenwirkung entfalten. Um weiter f\u00fcr dieses wichtige Thema zu sensibilisieren, haben wir die F\u00f6rderung um ein weiteres Jahr verl\u00e4ngert\u201c, sagte der Hessische Sozialminister Stefan Gr\u00fcttner.<\/p>\n<p>\u201eWir Unternehmer sch\u00e4tzen vor allem die gezielte Verankerung im Betrieb\u201c, sagte Heiner Fritzsche,Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der MKK-IT in Hanau. \u201eNur wenn die Mitarbeiter den geforderten Job engagiert anpacken und wirklich beherrschen, k\u00f6nnen wir sie auf Dauer besch\u00e4ftigen. Wer schrittweise dazulernt, bekommt bei uns die Chance, mehr Verantwortung zu \u00fcbernehmen. Und bei Bew\u00e4hrung klappt dann auch der Aufstieg. Wir haben das ausprobiert und \u00fcbernehmen jetzt drei \u00e2\u20ac\u0161Aufsteiger\u00e2\u20ac\u02dc in unserer rasch wachsenden Firma.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNach knapp einem Monat war ich in einen Minijob bei einer Zahnarztpraxis vermittelt. Zwei erfolgreiche Qualifizierungen und insgesamt ein halbes Jahr sp\u00e4ter habe ich trotz meines beruflichen Handicaps als alleinerziehende Mutter eine Festanstellung in Teilzeit gefunden und bin wieder in meinem gelernten Beruf angekommen\u201c, berichtete die Aufsteigerin Anahita Panahian. Sie habe eine Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten absolviert und mehrere Jahre gearbeitet. Nach Schwangerschaft und Elternzeit habe sie ihren Wiedereinstieg in den Beruf in Angriff genommen, jedoch zun\u00e4chst ohne Erfolg. In Gespr\u00e4chen mit dem Arbeitgeber habe der Aufstiegscoach die M\u00f6glichkeiten zur Ausweitung der zun\u00e4chst geringf\u00fcgigen Besch\u00e4ftigung erkundet und weitere Qualifizierungen in die Wege geleitet. Nach erfolgreichem Abschluss habe sie zum August 2014 eine sozialversicherungspflichtige Besch\u00e4ftigung in Teilzeit aufnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201ePatentrezepte gibt es nicht. Individuelles Coaching, der schnelle Einstieg in einen vielleicht noch nicht perfekten Job und weitere auf den Betrieb ma\u00dfgeschneiderte Qualifizierung sind aber unerl\u00e4ssliche Erfolgsfaktoren. Ein willkommener Nebeneffekt: Integration in den Arbeitsmarkt f\u00f6rdert in besonderem Ma\u00dfe auch die Integration in die Gesellschaft.&#8221;, sagte Emre Berk,Aufstiegscoach im Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft. Er erl\u00e4uterte markante Fallbeispiele. F\u00fcr die Gruppe der Zuwanderer ohne Berufsausbildung m\u00fcsse man \u2013 an der sprachlichen Kompetenz und bei den bisherigen T\u00e4tigkeiten ankn\u00fcpfen. Entscheidend sei dort der schnelle Einstieg, um sich dann durch Qualifizierung weiter dem Wunschjob anzun\u00e4hern. So konnte ein ehemaliger K\u00fcchenhelfer nach Kompetenz-Profil \u00fcber den Weg zum Lagerhelfer und den F\u00fchrerscheinerwerb zum Kurierfahrer entwickelt werden. Oder ein Gastronomiehelfer \u00fcber den Weg des Hausmeisters durch Schulung auf die Hotelsoftware zum Rezeptionisten. Oder ein Taxifahrer auf Aushilfsbasis \u00fcber einen Minijob als Krankenfahrer und Weiterbildung zur Festanstellung. F\u00fcr die Gruppe der Berufswechsler wegen Krankheit sei die wechselseitige Flexibilit\u00e4t von Arbeitnehmer und Arbeitgeber entscheidend: Dann gelinge z. B. einer Verwaltungsfachangestellten nach l\u00e4ngerer Krankheit \u00fcber den niedrigeren Einstieg als B\u00fcroangestellte ihr neues Berufsziel im Finanzamt. Bei der Gruppeniedrigqualifizierter Aufstocker helfe vor allem betriebsorientierte Weiterbildung: z. B. bei einem Berufskraftfahrer die Erg\u00e4nzung um weitere Kraftfahrermodule. Orientierungslose Studienabbrecheroder gar Absolventen ben\u00f6tigten Zielvereinbarungen: Dann gelinge z. B. einem Diplomgeografen der Einstieg und durch Schulung auf soziale Medien und Erweiterung der T\u00e4tigkeit auch der Aufstieg. Oder einem Studienabbrecher Architektur \u00fcber den Einstieg als Produktionshelfer und im zweiten Job dann die Ann\u00e4herung als Assistent der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung in einem Architekturb\u00fcro. Und wenn es partout im ersten Job nicht gelinge, helfe auch ein gezielter Arbeitgeberwechsel: so z. B. einer polnischen N\u00e4herin \u00fcber den Einstieg als Inventurkraft der Wechsel zur Lagerhelferin in Vollzeit. &#8221;<\/p>\n<p>Volker Fasbender, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverb\u00e4nde (VhU), erl\u00e4uterte: \u201eDie Fallbeispiele zeigen, dass mit hoher Eigenmotivation und der betriebsorientierten Qualifizierung aus Langzeitarbeitslosigkeit oder Minijob heraus viel gelingen kann: der Sprung in Besch\u00e4ftigung, die Ausweitung der Arbeitszeit und der Aufstieg in bessere Bezahlung. Die hessische Wirtschaft und Gesellschaft brauchen noch viel mehr solcher Einstiegs- und Aufstiegs-Erfolge beim Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit und den Dauerbezug von Arbeitslosengeld II. Zwar konnte in Hessen die Zahl von 96.000 Langzeitarbeitslosen im Jahr 2007 auf 58.000 Langzeitarbeitslose im Jahr 2012 drastisch reduziert werden. Aktuell hat es aber einen leichten Anstieg auf wieder rund 61.000 Langzeitarbeitslose gegeben. Dies zeigt, dass wir uns mit neuen Ideen und mit neuem Elan diesem Thema widmen m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, erg\u00e4nzte: \u201eDie Herausforderungen an die Jobcenter sind heute andere als in den Anfangsjahren. Mittlerweile haben zwei Drittel der Arbeitslosen in der Grundsicherung keine Berufsausbildung, ein weiteres Drittel ist ohne Schulabschluss. Die Chancen von geringqualifizierten Menschen eine dauerhafte und existenzsichernde Besch\u00e4ftigung zu finden, ist eher gering. Umso wichtiger sind neue Ideen und Projekte, die die ausgetretenen Pfade verlassen und Neues wagen. Fehlende Bildungs- und Berufsabschl\u00fcsse sind allerdings nicht die einzigen Probleme, die ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen. Die meist schwierigen Lebenssituationen der mehrheitlich alleinerziehenden Frauen aber auch gesundheitliche Einschr\u00e4nkungen oder mangelnde Sprachkenntnisse m\u00fcssen ber\u00fccksichtigt werden und brauchen individuelle Angebote. Das Projekt Aufstiegscoach ist daf\u00fcr ein gutes Beispiel. Ich hoffe, dass wir in den n\u00e4chsten Jahren noch mehr innovative Projekte gemeinsam mit engagierten Arbeitgebern realisieren k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Dr. Matthias Schulze-B\u00f6ing, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der MainArbeit, dem kommunalen Jobcenter der Stadt Offenbach, betont den nachhaltigen Charakter des Projekts: \u201eWir m\u00fcssen f\u00fcr unsere Arbeitsuchenden langfristig positive Perspektiven entwickeln. Unser gemeinsames Projekt hat gezeigt, durch gezieltes Coaching, erg\u00e4nzende Qualifizierung und aktives Engagement von Betrieben und Arbeitgebern kann die Vermittlung nachhaltig gemacht und es k\u00f6nnen Aufstiege aus dem Niedrigeinkommensbereich organisiert werden. Das Konzept ist erfolgreich. Wir wollen es weiter ausbauen.\u201c<\/p>\n<p>Hintergrund:<br \/>\nDas bundesweit einmalige Experiment mit 60 Teilnehmern wurde Ende 2014 gestartet. Es wurde von der Vereinigung der hessischen Unternehmerverb\u00e4nde initiiert und wird operativ umgesetzt vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft. Im Norden sind das Jobcenter Schwalm-Eder und das Jobcenter Waldeck-Frankenberg mit je 15 Pl\u00e4tzen und zusammen 1,5 Stellen Aufstiegscoach beteiligt. Im S\u00fcden ist es die MainArbeit Kommunales Jobcenter Offenbach mit 30 Pl\u00e4tzen und 1,5 Stellen. Gef\u00f6rdert werden die Projekte je zur H\u00e4lfte vom Hessischen Sozialministerium und von den beteiligten Jobcentern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Frankfurt am Main. Gezieltes Coaching vermittelt nachhaltiger und kann zu Aufstiegen verhelfen. 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