{"id":132664,"date":"2014-12-06T00:09:30","date_gmt":"2014-12-06T00:09:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=132664"},"modified":"2014-12-04T16:41:07","modified_gmt":"2014-12-04T16:41:07","slug":"im-landkreis-fulda-finden-sich-zahlreiche-werke-des-metallbildhauers-dr-ulrich-barnickel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=132664","title":{"rendered":"Im Landkreis Fulda finden sich zahlreiche Werke des Metallbildhauers Dr. Ulrich Barnickel"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_132665\" style=\"width: 570px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/591-Barnickel.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-132665\" class=\"size-full wp-image-132665\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/591-Barnickel.jpg\" alt=\"Metall ist der Stoff, mit dem Dr. Ulrich Barnickel seine Kunstwerke gestaltet: manche bis neun Meter gro\u00df, andere eher klein wie der Vogel m Hof vor dem Atelier in Schlitz.    Foto: S. Limpert \" width=\"560\" height=\"400\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-132665\" class=\"wp-caption-text\">Metall ist der Stoff, mit dem Dr. Ulrich Barnickel seine Kunstwerke gestaltet: manche bis neun Meter gro\u00df, andere eher klein wie der Vogel m Hof vor dem Atelier in Schlitz.<br \/>Foto: S. Limpert<\/p><\/div>\n<p>Schlitz\/Landkreis Fulda. Heute ist der letzte Tag eines Monats, der im Zeichen der Erinnerung an die Grenz\u00f6ffnung stand. Als K\u00fcnstler, den die DDR kurz nach Beendigung seines Studiums der Bildhauerei und Metallplastik im November vor 30 Jahren ausgeb\u00fcrgert hatte, war Dr. Ulrich Barnickel gefragter Redner und Gast verschiedener Podiumsdiskussionen anl\u00e4sslich des 25-j\u00e4hrigen Mauerfall-Jubil\u00e4ums.<!--more--><\/p>\n<p><strong>\u00c2\u00a0<\/strong>\u201eDabei hatte ich meine DDR-Geschichte bereits fast vergessen und verdr\u00e4ngt\u201c, bemerkt er mit einem leichten Seufzer. Intensiv damit besch\u00e4ftigt hat sich der Metallbildhauer vier Jahre lang, w\u00e4hrend er bis 2010 an den Skulpturen f\u00fcr den \u201eWeg der Hoffnung\u201c bei der Mahn- und Gedenkst\u00e4tte Point Alpha in Rasdorf arbeitete. Dabei handelt es sich um einen zeitgen\u00f6ssisch interpretierten Kreuzweg, der an jeder der 14 Stationen das Leiden Christi mit den Erfahrungen in Diktaturen in Zusammenhang bringt. Die Verurteilung Jesu durch Pontius Pilatus beispielsweise ist mit \u201eWillk\u00fcr\u201c betitelt, der Raub der Kleidung mit \u201eEntw\u00fcrdigung\u201c, andere Stationen stehen f\u00fcr \u201eUnterdr\u00fcckung\u201c, \u201eZwang\u201c oder \u201eGewalt\u201c.<\/p>\n<p>Damit habe er vieles abgearbeitet, was ihn bedr\u00fcckt habe, erl\u00e4utert der 59-J\u00e4hrige. \u201eDer Staat mit seiner Partei hat uns gehasst, weil wir gesagt haben, was wir dachten.\u201c Ein Kollege sei in Dunkelhaft genommen worden. Zur Entwicklung nach der Wiedervereinigung sagt Barnickel: \u201eIch bin traurig, dass viele Leute nicht verstanden haben, worum es ging: um Freiheit und Demokratie.\u201c Deshalb kann er seinen 1976 ausgeb\u00fcrgerten K\u00fcnstlerkollegen Wolf Biermann gut verstehen, der j\u00fcngst im Bundestag seinem Zorn auf die Linkspartei freien Lauf lie\u00df.<\/p>\n<p>Barnickel m\u00f6chte mit seinem Werk auf Probleme aufmerksam machen, \u201eohne so vermessen zu sein, eine L\u00f6sung anzubieten\u201c. Im Mittelpunkt seines Werks steht der Mensch, allerdings nicht als Portr\u00e4t, sondern als Gestalt, oft als Gro\u00dfplastik (seine gr\u00f6\u00dfte ist neun Meter hoch), und immer wieder so abstrahiert, dass die Form an Strichm\u00e4nnchen erinnert. \u201eEin Portr\u00e4t ist nichts weiter als eine Momentaufnahme\u201c, erkl\u00e4rt der K\u00fcnstler. Seine Gestalten dagegen k\u00f6nnen als Psychogramme verstanden werden, wie etwa die Bonifatiusskulptur, die er f\u00fcr den Au\u00dfenbereich des Dommuseums stiftete: Sie zeigt einen \u201eSuchenden, Tastenden, Z\u00f6gernden\u201c und hebt sich ab von den gewohnten Darstellungen des Heiligen mit Kreuz und durchbohrter Bibel oder als machtvollen F\u00e4ller der Donar-Eiche.<\/p>\n<p>Auch in dem Drachenk\u00e4mpfer Georg, der vor dem L\u00fcderhaus in Gro\u00dfenl\u00fcder steht, oder dem gegen den Wind anfliegenden Engel kann der Betrachter sich selbst mit den Herausforderungen des Lebens wiederfinden. Das Schwei\u00dftuch, das Jesus von Veronika an der f\u00fcnften Kreuzwegstation (\u201eMitleid\u201c) erh\u00e4lt, ist ein Spiegel. Da kann sich der Vorbeigehende fragen: \u201eH\u00e4tte ich geholfen?\u201c Solche indirekten Dialoge m\u00f6chte der K\u00fcnstler erzielen.<\/p>\n<p>Dass er vornehmlich mit Metall gestaltet, hat sich aus Barnickels Biographie ergeben. Der Schmied entwickelte sich zun\u00e4chst zum Kunsthandwerker, um sich danach an der Burg Giebichenstein in Halle zum freien K\u00fcnstler weiterzubilden. Als Basis der Kunst sieht er nach wie vor, dass der Schaffende sein Handwerk beherrscht. Auch dem urspr\u00fcnglichen Arbeitsmaterial ist er treu geblieben: \u201eWegen seines Farbwechsels passt Eisen hervorragend in die freie Landschaft. Und als zerborstenes Material kommt es der Natur des\u00c2\u00a0\u00c2\u00a0 Menschen nahe.\u201c<\/p>\n<p>Zahlreiche Figuren aus der antiken Mythologie hat Barnickel geschmiedet und geschwei\u00dft. Doch vor allem stellt er sich die Frage: \u201eWie kann ich durch religi\u00f6s gepr\u00e4gte Kunst die Politik beeinflussen?\u201c J\u00fcngstes Projekt war die Darstellung der Zehn Gebote; das Ergebnis kann bis zum 24. Dezember 2014 in der Galerie Artenwerk Schlitz und vom 18. Februar bis 4. April 2015 im Priesterseminar in Fulda begutachtet werden. Derzeit arbeitet er an einer Weihnachtskrippe und am Thema Apokalypse. Mittels seiner modernen Darstellungsweise setzt er die alten Motive in Bezug zur Gegenwart.<\/p>\n<p>Bei der Bearbeitung des Materials respektiert Barnickel auch zuf\u00e4llig entstandene Resultate und macht sie zur Grundlage des weiteren Vorgehens, \u201esogar wenn dies erfordert, die urspr\u00fcngliche Intention aufzugeben\u201c. So wie er dem Eisen und Stahl \u201eFreiheiten\u201c l\u00e4sst, besteht Barnickel auch auf seiner eigenen k\u00fcnstlerischen Freiheit. Etwa bei seiner Interpretation des Faschismus-Mahnmals: Als im Zuge der Sanierung des H\u00fcnfelder Bahnhofs mit einem Kunstwerk an die Opfer der Nazi-Zeit &#8211; unter anderem H\u00e4ftlinge, die von H\u00fcnfeld ins KZ Buchenwald transportiert worden waren &#8211; erinnert werden sollte, bezog Barnickel mittels eines an die Schienen geschwei\u00dften Hammers und Zirkels zugleich die Opfer der kommunistischen Diktatur in das Gedenken mit ein. Denn als geb\u00fcrtigem Weimarer war ihm pr\u00e4sent, dass auch nach dem Zweiten Weltkrieg das Morden im nahegelegenen Buchenwald weiterging. \u201eWir brauchen weder rechte noch linke Extremisten. Die Demokraten m\u00fcssen zusammenhalten\u201c \u2013 so Barnickels in Worte gefasste Mahnung nicht nur f\u00fcr diesen November.<\/p>\n<p><strong>Ulrich Barnickels Werke im Landkreis Fulda<\/strong><\/p>\n<p>Im kommenden Jahr steht Dr. Ulrich Barnickels 60. Geburtstag an; dies nimmt die Kunststation Kleinsassen 2015 zum Anlass f\u00fcr eine Retrospektive \u00fcber den bundesweit etablierten Metallbildhauer, der auf zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen vertreten war. Zwar befindet sich sein Atelier in Schlitz, doch bezeichnet er Fulda neben seiner Geburtsstadt Weimar als seinen Lebensmittelpunkt. Im Landkreis Fulda trifft man auf folgende seiner Werke:<\/p>\n<p><strong>Bernhards: Mehrere sakrale Objekte in der Kirche<\/strong><\/p>\n<p>Fulda: \u201eBaum der Weisheit\u201c mit Uhu und Fuchs vor der Genossenschaftsbank -Bonifatius beim Dommuseum &#8211; Bonifatius, Einradfahrer und Fassadengestaltung beim Arte Altstadthotel &#8211; f\u00fcnf Stahlskulpturen am Aschenbergplatz &#8211; \u201eHubschrauber\u201c im Kreisverkehr und Skulptur \u201eIntegration\u201c vor der Astrid-Lindgren-Schule in Fulda Galerie &#8211; Betonguss \u201eAnlehnung\u201c vor dem St\u00e4dtischen Klinikum &#8211; \u201eFl\u00f6tenspieler\u201c bei Firma Mollenhauer<\/p>\n<p>Gersfeld: \u201eSkil\u00e4ufer\u201c am Simmelsberg<br \/>\nGro\u00dfenl\u00fcder<strong>:<\/strong> Georg und der Drache<br \/>\nH\u00fcnfeld: Skulptur im Foyer der Sparkasse &#8211; verschiedene Hauszeichen an Fassaden &#8211; Tabernakel im Altenstift St. Ulrich -Faschismus-Mahnmal am Bahnhof<br \/>\nKleinsassen: Metallinstallation \u201eErstehung\u201c und eine Holzskulptur<br \/>\nPoppenhausen: \u201eLebensbaum &#8211; \u201eArsch mit Ohren\u201c &#8211; Holzskulpturen entlang der Kunstmeile<br \/>\nRasdorf: \u201eWeg der Hoffnung\u201c am Point Alpha<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Schlitz\/Landkreis Fulda. Heute ist der letzte Tag eines Monats, der im Zeichen der Erinnerung an die Grenz\u00f6ffnung stand. Als K\u00fcnstler, den die DDR kurz nach Beendigung seines Studiums der Bildhauerei und Metallplastik im November vor 30 Jahren ausgeb\u00fcrgert hatte, war Dr. Ulrich Barnickel gefragter Redner und Gast verschiedener Podiumsdiskussionen anl\u00e4sslich des 25-j\u00e4hrigen Mauerfall-Jubil\u00e4ums.<\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,44,78],"tags":[],"class_list":["post-132664","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-startseite","category-kultur","category-topthema"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/132664","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=132664"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/132664\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":132666,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/132664\/revisions\/132666"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=132664"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=132664"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=132664"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}