{"id":13229,"date":"2008-11-01T12:00:37","date_gmt":"2008-11-01T11:00:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=13229"},"modified":"2008-11-02T08:25:10","modified_gmt":"2008-11-02T07:25:10","slug":"glaube-an-gott-verweist-auf-grundsolidaritaet-der-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=13229","title":{"rendered":"Glaube an Gott verweist auf Grundsolidarit\u00e4t der Menschen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fulda (bpf). <\/strong>\u201eAus dem Glauben an Gott, den Vater aller Menschen, folgt, da\u00df es zwischen den Menschen eine Grundsolidarit\u00e4t gibt. Unterschiede von Rasse, Klasse und Stand, die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer anderen Konfession oder Religion, eine andere Meinung oder \u00dcberzeugung zu haben \u2013 all das zerst\u00f6rt diese fundamentale Gemeinsamkeit nicht.\u201c Dies hob Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez am Samstagvormittag im Fuldaer Dom hervor. <!--more--><br \/>\nIn seiner Predigt zum Hochfest Allerheiligen stellte der Weihbischof heraus, da\u00df auch der andersdenkende Mitmensch von Gott angenommen sei. Umgekehrt tue auch die Erfahrung gut, von der Grundsolidarit\u00e4t der Menschen neben sich getragen zu werden. Leider gebe es auch gegenteilige Erfahrungen: Vorurteile, Ressentiments, die Suche nach S\u00fcndenb\u00f6cken oder die Angst vor dem Fremden. \u201eSelbst unter Christenmenschen werden sehr schnell negative Etiketten verteilt, etwa wenn es um grunds\u00e4tzliche Fragen geht und entgegengesetzte Meinungen aufeinanderprallen\u201c, gab Diez zu bedenken. \u201eWir sollen und m\u00fcssen eigene \u00dcberzeugungen auch aussprechen. Aber das Gesicht darf sich beim Bezeugen der Wahrheit nicht verzerren.\u201c Das Bekennen d\u00fcrfe nicht in Fanatismus umschlagen und der Austausch von Argumenten und Erfahrungen nicht durch Beschimpfungen und Verd\u00e4chtigungen ersetzt werden. Am Hochfest Allerheiligen bekomme der christliche Glaube in den ungez\u00e4hlten Heiligen des Alltags ein Gesicht, \u201ein denen das Antlitz Gottes aufleuchtet\u201c.<\/p>\n<p><strong>Mimik und Gestik sind entscheidend<\/strong><br \/>\nZu Beginn seiner Ansprache erinnerte sich Diez an den Weltjugendtag in Sydney mit den vielen fr\u00f6hlichen und freundlichen Gesichtern der Menschen. \u201eDas menschliche Gesicht wird gerne als die kleinste B\u00fchne der Welt bezeichnet; wir sp\u00fcren schon bei der Wahrnehmung des Gesichtes, ob einer gut oder schlecht drauf ist.\u201c In den Augen erkenne man M\u00fcdigkeit, Wachheit, Gesundheit und Krankheit oder auch den Alkoholkonsum. \u201eIm Antlitz verleiblichen sich Empfindungen wie Traurigkeit, Bitterkeit, Verh\u00e4rmtheit oder auch Zuversicht, Fr\u00f6hlichkeit und Gelassenheit.\u201c Im Gesicht dr\u00fccke sich die unverwechselbare Identit\u00e4t bzw. die \u201eInnenseite der Seele\u201c aus. Andererseits k\u00f6nne es auch verletzend sein, wenn jemand wiewohl k\u00f6rperlich pr\u00e4sent mit den Gedanken ganz woanders sei. Mit Blicken und mit der Gestik des Gesichtes k\u00f6nnten auch K\u00e4lte, Gleichg\u00fcltigkeit und Verachtung signalisiert werden. Blicke k\u00f6nnten auch kontrollieren, \u00fcberwachen, fixieren und l\u00e4hmen.<\/p>\n<p>\u201eDie Seligpreisungen spiegeln das Antlitz Jesu und seine Liebe\u201c hei\u00dfe es im Weltkatechismus der Katholischen Kirche, fuhr der Weihbischof fort. \u201eWir haben von Jesus kein authentisches Bild, kein Foto, keine Filmaufnahmen, keine handschriftlichen Dokumente, keine Unterschrift, keinen genetischen Code, aber: Die Seligpreisungen spiegeln das Antlitz, das Gesicht, die Identit\u00e4t Jesu, sie stehen im Herzen der Predigt Jesu.\u201c Dieses Antlitz Jesu vermittle, wer Gott f\u00fcr die Menschen sei. Jesu Blick gehe in die Tiefe und vermittle W\u00fcrde, Zuwendung, Leben und Hoffnung. In Jesu Seligpreisungen schreibe Gott das \u201eHoheitszeichen seiner Liebe und W\u00fcrde\u201c auf die Stirn eines jeden Menschen, auch des Freundes und Feindes, des Armen und Geringen. Wolle man von sich selbst, aber auch von anderen gering und ver\u00e4chtlich denken, w\u00fcrde man Gott selbst verachten und ihn geringsch\u00e4tzen.<\/p>\n<p><strong>Den Alltag besonders machen<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWenn die dunkelste Zeit des Jahres beginnt, scheint an einem Tag in der Liturgie der Kirche das Zeugnis der Heiligen so hell in manchen Schatten unseres Alltags, da\u00df sich neue Wege abzeichnen\u201c, betonte Weihbischof Diez zur Bedeutung von Allerheiligen. Das Hochfest am ersten Tag des Novembermonats gebe der Verk\u00fcndigung \u00fcber die letzten Dinge in den letzten Tagen des alten Kirchenjahres eine helle Anschaulichkeit. \u201eIm Alltag des Lebens das Fest des Glaubens entdecken zu k\u00f6nnen \u2013 seinen Trost, seine Freude, seinen Frieden, das unbegreifliche Gl\u00fcck einer Stimmigkeit und Erf\u00fcllung der eigenen Berufung sowie die Bestimmung der Lebensgeschichte \u2013 , macht die Pers\u00f6nlichkeit von Heiligen so interessant und attraktiv.\u201c In den scheinbaren Widerst\u00e4nden und Grenzen ihrer Biographien bezeugten sie die tiefere und oft verborgene Wirklichkeit der Lebensgeschichte aller. \u201eDas Hochfest Allerheiligen meint die Niedrigen, die Kleinen, die an einer Stelle ihres Lebens entdeckt haben, da\u00df Gott sie ganz pers\u00f6nlich meint und im Unscheinbaren ankn\u00fcpft.\u201c<\/p>\n<p>Madeleine Delbr\u00c3\u00aal, die im s\u00e4kularisierten Frankreich des 20. Jahrhunderts die Mystik des Alltags aufzusp\u00fcren versuchte, umschrieb ein Kapitel ihres geistlichen Nachlasses: \u201eWir Leute von der Stra\u00dfe\u201c. Gott nehme laut Diez Wohnung im \u201eGew\u00f6hnlichen\u201c, wie Madeleine Delbr\u00c3\u00aal es nenne. Die Heiligen h\u00e4tten sehr oft so ein \u201egew\u00f6hnliches\u201c Leben, das aber auch ein Leben in H\u00f6hen und Tiefen gewesen sei, auf \u201eau\u00dfergew\u00f6hnliche\u201c Weise gelebt, im gro\u00dfen Vertrauen auf Gott. \u201eAlle, derer wir an diesem Festtag gedenken, ob sie nun mit Namen in den Heiligenlisten des kirchlichen Kalenders stehen oder ob sie zu der gro\u00dfen Schar aus allen Nationen und St\u00e4mmen, V\u00f6lkern und Sprachen, die niemand z\u00e4hlen kann, geh\u00f6ren, waren sich der Vorl\u00e4ufigkeit dieses Lebens bewu\u00dft.\u201c Die Heiligen h\u00e4tten eine \u201eh\u00f6here Lebensqualit\u00e4t\u201c gesucht, die sich nicht im Essen und Trinken, in Macht und Geld ersch\u00f6pft habe. Die eigenen Verwundungen in die Wunden des Herrn hineinzutauchen sei der wesentlichste Grundzug einer \u201eSpiritualit\u00e4t der Heiligkeit\u201c. Heiligenverehrung sei Ausdruck der Solidarit\u00e4t zwischen den in Gott Vollendeten und denen, die als \u201ePilger\u201c unterwegs seien, zu denen \u201eauch wir noch geh\u00f6ren\u201c. In der Begegnung mit den Heiligen gelte es, die eigene Gottebenbildlichkeit je neu zu bedenken und zu realisieren. Die Heiligen h\u00e4tten ein Gesp\u00fcr, da\u00df die Liebe die Sprache des Himmels sei und da\u00df der Sinn des irdischen Daseins darin liege, diese Sprache zu erlernen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda (bpf). \u201eAus dem Glauben an Gott, den Vater aller Menschen, folgt, da\u00df es zwischen den Menschen eine Grundsolidarit\u00e4t gibt. 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