{"id":131882,"date":"2014-11-17T10:03:11","date_gmt":"2014-11-17T10:03:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=131882"},"modified":"2014-11-17T10:03:11","modified_gmt":"2014-11-17T10:03:11","slug":"mehr-lohn-aber-auch-mehr-ueberstunden-bei-hessischen-betrieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=131882","title":{"rendered":"Mehr Lohn aber auch mehr \u00dcberstunden bei hessischen Betrieben"},"content":{"rendered":"<p>Hessen. Der erwartete demografiebedingte R\u00fcckgang von Erwerbspersonen in den n\u00e4chsten Jahren stellt viele Betriebe vor neue Fragen. Wie kann unter diesen Voraussetzungen geeignetes Personal gefunden und gehalten werden? Dabei spielen L\u00f6hne und Geh\u00e4lter sowie Arbeitszeiten eine zentrale Rolle, wenn es um die Attraktivit\u00e4t des Arbeitsplatzes und die Rekrutierung und Bindung von Besch\u00e4ftigten geht. Was sich in den Betrieben 2013 getan hat, zeigen die aktuellen Ergebnisse des IAB-Betriebspanels zu personalpolitischen Ma\u00dfnahmen. Befragt wurden 1.000 hessische Arbeitgeber.<!--more--><\/p>\n<p>Die Studie kommt zu folgenden Ergebnissen:<\/p>\n<p>&#8211; Durchschnittsl\u00f6hne stiegen wieder an. Der durchschnittliche Bruttolohn lag im Juni 2013 bei 2.481 Euro und somit 144 Euro h\u00f6her als 2011 (Zeitpunkt der letzten Befragung).<br \/>\n&#8211; \u00dcbertarifliche Entlohnung wurde h\u00e4ufiger eingesetzt; erreichte aber mit einem Anteil der Betriebe von 45 Prozent noch nicht das Vorkrisenniveau.<br \/>\n&#8211; Durchschnittliche Wochenarbeitszeit blieb konstant bei 39,3 Stunden.<br \/>\n&#8211; Anteil der Betriebe mit \u00dcberstunden nimmt mit 55 Prozent deutlich zu.<br \/>\n&#8211; Arbeitszeitkonten werden wieder mehr eingesetzt (39 Prozent).<\/p>\n<p>In Hessen herrschen gro\u00dfe Lohndifferenzen zwischen den Wirtschaftszweigen. Der h\u00f6chste Pro-Kopf-Bruttolohn wird im Verarbeitenden Gewerbe gezahlt (3.310 Euro). Ebenfalls hoch sind die L\u00f6hne und Geh\u00e4lter bei den wirtschaftsnahen und wissenschaftlichen Dienstleistungen sowie im \u00d6ffentlichen Dienst. Qualifikationsniveau und Betriebsgr\u00f6\u00dfe spielen bei den Unterschieden eine Rolle. So liegt zum Beispiel laut IWAK-Betriebsbefragung der statistische Durchschnittsverdienst in Betrieben mit weniger als zehn Besch\u00e4ftigen bei nicht einmal 1.400 Euro.<\/p>\n<p>Der Trend zu l\u00e4ngeren Wochenarbeitszeiten hat sich nach der Wirtschaftskrise nicht weiter fortgesetzt. Die niedrigste durchschnittliche Wochenarbeitszeit findet sich mit 38,9 Stunden im Bereich der Sonstigen Dienstleistungen, zu dem auch die Gesundheits- und Sozialberufe z\u00e4hlen. Die h\u00f6chsten Arbeitsvolumina von Vollzeitbesch\u00e4ftigten sind in der \u00d6ffentlichen Verwaltung zu finden. Die dort vereinbarten 40,2 Stunden sind zugleich der h\u00f6chste Wert der letzten Jahre.<\/p>\n<p>Der Anteil der Betriebe mit \u00dcberstunden nahm nicht nur deutlich gegen\u00fcber den Vorjahren zu, er liegt auch \u00fcber den Werten, die zu Beginn des Jahrtausends erfasst wurden (2002: 50 Prozent). In 72 Prozent aller Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes und in\u00c2\u00a0 64 Prozent des Baugewerbes wurden 2013 \u00dcberstunden geleistet. Dies sind nicht nur die h\u00f6chsten Werte aller Wirtschaftszweige, sondern es bedeutet auch einen Anstieg um 17 bzw. 13 Prozentpunkte binnen zwei Jahren. Vor allem Kleinst- und Kleinbetriebe setzten \u00dcberstunden ein.<\/p>\n<p>Arbeitszeitkonten waren 2013 in der hessischen Wirtschaft so verbreitet wie noch nie. Gegen\u00fcber dem Vorjahr stieg der Anteil der Betriebe um zw\u00f6lf Prozentpunkte an. 2002 lag der Anteil noch bei 21 Prozent. Je gr\u00f6\u00dfer der Betrieb, umso mehr wurden Arbeitszeitkonten genutzt. So lag die Zahl der Gro\u00dfbetriebe bei 85 Prozent, die Zahl der Kleinstbetriebe aber nur bei etwa 31 Prozent.<\/p>\n<p>Zusammenfassend stellt Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, fest, dass anhand der ausgewerteten Frageb\u00f6gen kaum Hinweise zu finden sind, dass hessische Betriebe aktuell\u00c2\u00a0 Entlohnung oder Arbeitszeitgestaltung strategisch zur Mitarbeiterbindung oder \u2013gewinnung einsetzen. Das sich in der n\u00e4chsten Zeit etwas \u00e4ndern wird, sei aber wahrscheinlich: \u201eBesonders bei der Nachwuchsgewinnung haben die hessischen Betriebe Handlungsbedarf. Viele Ausbildungspl\u00e4tze waren Ende September immer noch unbesetzt. Einige Betriebe versuchen bereits jetzt, durch eine h\u00f6here Ausbildungsverg\u00fctung oder Sonderpr\u00e4mien, wie die \u00dcbernahme der F\u00fchrerscheinkosten oder Zusch\u00fcsse zur Miete in Ballungsr\u00e4umen, ihre Attraktivit\u00e4t zu steigern.\u201c<\/p>\n<p>Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir bezeichnete dies als sinnvolle Ans\u00e4tze, appellierte jedoch an die Betriebe, mehr zu tun, um den Nachwuchsbedarf dauerhaft zu decken: \u201eDie Betriebe m\u00fcssen sich der Herausforderung stellen und auch weniger leistungsstarken Jugendlichen mehr Chancen am Ausbildungsmarkt geben als bisher. Wir k\u00f6nnen es uns nicht mehr leisten, Jugendliche ohne Ausbildung zur\u00fcckzulassen.\u201c<\/p>\n<p>Dr. Martin verwies auf Einstiegsqualifizierungen und ausbildungsbegleitende Hilfen der BA: \u201eDiese zus\u00e4tzlich unterst\u00fctzende Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen den auf den ersten Blick leistungsschw\u00e4cheren Schulabg\u00e4ngern eine Perspektive er\u00f6ffnen und eine Bindung an einen Betrieb erm\u00f6glichen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Hintergrundinformation<\/strong><br \/>\nDas Institut f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (IAB) l\u00e4sst seit 1993 j\u00e4hrlich Betriebe im Rahmen des IAB-Betriebspanels durch TNS Infratest Sozialforschung befragen. Die Auswertung f\u00fcr Hessen erfolgt durch das Institut f\u00fcr Wirtschaft, Arbeit und Kultur. Finanziert werden die hessischen Zusatzauswertungen durch das Hessische Ministerium f\u00fcr Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit sowie den\u00c2\u00a0 Europ\u00e4ischen Sozialfonds.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Hessen. Der erwartete demografiebedingte R\u00fcckgang von Erwerbspersonen in den n\u00e4chsten Jahren stellt viele Betriebe vor neue Fragen. Wie kann unter diesen Voraussetzungen geeignetes Personal gefunden und gehalten werden? Dabei spielen L\u00f6hne und Geh\u00e4lter sowie Arbeitszeiten eine zentrale Rolle, wenn es um die Attraktivit\u00e4t des Arbeitsplatzes und die Rekrutierung und Bindung von Besch\u00e4ftigten geht. 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