{"id":131317,"date":"2014-11-03T06:59:03","date_gmt":"2014-11-03T06:59:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=131317"},"modified":"2014-11-03T06:59:03","modified_gmt":"2014-11-03T06:59:03","slug":"ausnahmeregion-in-sachen-ausbildung-137-stellen-auf-100-bewerber-100-stellen-blieben-unbesetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=131317","title":{"rendered":"Ausnahmeregion in Sachen Ausbildung: 137 Stellen auf 100 Bewerber \/ 100 Stellen blieben unbesetzt"},"content":{"rendered":"<p>Fulda. Hinsichtlich des Ausbildungsmarktes hat die Region Fulda in Hessen eine Ausnahmestellung. Dies wurde bei der Ausbildungsmarktkonferenz in der Arbeitsagentur in Fulda deutlich. \u201eW\u00e4hrend im Hessendurchschnitt rechnerisch auf 100 Bewerber nur 75 Ausbildungsstellen kommen, sind es bei uns im Landkreis 137\u201c, erl\u00e4uterte Waldemar Dombrowski, Vorsitzender der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda, der bei der Zusammenkunft gemeinsam mit den regionalen Netzwerkpartnern das abgelaufene Ausbildungsjahr 2013\/14 analysierte. Zweimal j\u00e4hrlich treffen sich Vertreter von Arbeitsagentur, Industrie- und Handelskammer, Kreishandwerkerschaft, Stadt und Landkreis, Arbeitgeberverband und Gewerkschaften, um Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt zu er\u00f6rtern.<!--more--><\/p>\n<p>Bei der Arbeitsagentur haben sich von Oktober 2013 bis September diesen Jahres 1.512 junge Frauen und M\u00e4nner als Bewerber\/innen f\u00fcr einen Ausbildungsplatz gemeldet. Dies waren 103 weniger als im Vorjahr (-6,4 Prozent). \u201eHierbei ist jedoch zu ber\u00fccksichtigen, dass die Zahl der sogenannten Altbewerber \u2013 also von Ausbildungssuchenden, die ihren Schulabschluss im Vorjahr oder fr\u00fcher absolviert haben &#8211; signifikant unter dem Landesschnitt liegt\u201c, erl\u00e4utert Dombrowski die Entwicklung.<\/p>\n<p>Besonders gro\u00df war das Interesse an einer Ausbildung im kaufm\u00e4nnischen Bereich (Einzelhandel, Industrie, B\u00fcro). Bei M\u00e4dchen waren unter den Wunschberufen auch Medizinisch-Technische Fachangestellte oder Friseurin, bei Jungen begeistert seit Jahren der Kfz-Mechatroniker sowie der Industriemechaniker.<\/p>\n<p>\u201eDie Schere zwischen Stellenangebot und \u2013nachfrage hat sich nicht noch weiter ge\u00f6ffnet, wie zu bef\u00fcrchten war, da auch die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen \u2013 entgegen dem Trend der vergangenen Jahre \u2013 leicht zur\u00fcckgegangen ist\u201c, f\u00fchrte Dombrowski aus. 2.074 Ausbildungsstellen wurden der Arbeitsagentur zur Besetzung gemeldet &#8211; 175 weniger als im Vorjahr (-7,8 Prozent). Insgesamt 100 Lehrstellen konnten nicht besetzt werden. Gesucht werden unter anderem junge Menschen, die eine Lehre zum Kaufmann\/frau im Einzelhandel absolvieren m\u00f6chten sowie Fleischerei-Fachverk\u00e4ufer\/innen. Auffallend hoch ist die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen auch in der Gastronomie (Koch, Hotel- und Restaurantfachleute). Besonders gro\u00df stellt sich das Missverh\u00e4ltnis im Bereich Bau dar. Hier kamen im abgelaufenen Ausbildungsjahr nur 85 Bewerber auf 203 Stellen, in Elektroberufen waren mit 67 nicht einmal halb so viele Bewerber gemeldet wie Ausbildungsstellen (143).<\/p>\n<p>Zum 30. September sind 25 Bewerberinnen und Bewerber ohne Lehrstelle oder eine schulische Alternative geblieben. Zwei Drittel davon haben die Mittlere Reife oder sogar die Fachhoch- oder Hochschulreife erreicht. Dies h\u00e4ngt auch damit zusammen, dass einige Personen mit Hochschulreife ihr Studium vorzeitig beendet haben und einen Neustart im dualen Berufsbildungssystem versuchen wollen. \u201eGenerell bleiben immer weniger Bewerberinnen und Bewerber \u00fcbrig, die in Berufsvorbereitenden Bildungsma\u00dfnahmen oder Praktika die Zeit bis zur Ausbildung \u00fcberbr\u00fccken m\u00fcssen. \u201eDie Betriebe machen Kompromisse bei der Wahl ihrer Auszubildenden und haben in den letzten Jahren ihre Anforderungen zur\u00fcckgeschraubt\u201c, wei\u00df Schwerd. So falle die Entscheidung f\u00fcr einen Kandidaten weniger auf der Basis von Schulnoten und Zeugnissen, sondern eher auf dem Eindruck, den dieser im Bewerbungsgespr\u00e4ch hinterlasse.<\/p>\n<p>\u201eSo g\u00fcnstig sich die Lage f\u00fcr die jungen Menschen in unserer Region darstellt, so gilt es auch zu konstatieren, dass zahlreiche Ausbildungsbetriebe keine Nachwuchskr\u00e4fte finden. Das wird den zuk\u00fcnftigen Fachkr\u00e4ftemangel eher verst\u00e4rken\u201c, nennt der Agenturchef die Kehrseite der Lage.<\/p>\n<p>Die Bilanz der Daten zur Ausbildungsvermittlung bedeutet nicht das Ende der Vermittlungsaktivit\u00e4ten. Jugendliche, die bislang weder einen Ausbildungsplatz, noch eine tragf\u00e4hige Alternative gefunden haben, k\u00f6nnen sich zur Nachvermittlung bei der Agentur f\u00fcr Arbeit melden. Eine Terminvereinbarung bei der Berufsberatung der Agentur f\u00fcr Arbeit Bad Hersfeld-Fulda ist m\u00f6glich unter der Service-Rufnummer 0800 4 5555 00 (kostenfrei).<\/p>\n<p><strong>IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Stefan Schunck: <\/strong><\/p>\n<p>\u201eMit 1.135 Ausbildungsvertr\u00e4gen (Stand: 20.10.2014) haben wir in etwa genauso viele Ausbildungsvertr\u00e4ge registriert wie im vergangenen Jahr. Das ist auch vor dem Hintergrund der sich eintr\u00fcbenden Konjunktur ein sehr gutes Ergebnis, das wir vor einigen Monaten noch nicht erwartet haben. Mit der hohen Ausbildungsleistung bereiten sich die Unternehmen auf die demografische Entwicklung vor und sichern sich ihren Fachkr\u00e4ftenachwuchs, denn die Zahl der Schulabg\u00e4nger wird in den kommenden Jahren weiter deutlich r\u00fcckl\u00e4ufig sein.<\/p>\n<p>Aus vielen Gespr\u00e4chen wissen wir, dass es gerade kleinen und mittleren Unternehmen schwer f\u00e4llt, eine gezielte Personalplanung und \u2013entwicklung zu betreiben. Hier werden wir als Industrie- und Handelskammer ansetzen und weiter intensive \u00dcberzeugungs- und Aufkl\u00e4rungsarbeit leisten und unterst\u00fctzen. Neben der Ausbildung der Fachkr\u00e4fte im dualen System gewinnt auch die Qualifizierung des F\u00fchrungskr\u00e4ftenachwuchses an Bedeutung. Duale Studieng\u00e4nge bieten grade auch f\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen eine gute M\u00f6glichkeit, qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu binden.<\/p>\n<p>Gleichzeitig m\u00fcssen wir die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler noch st\u00e4rker \u00fcber die vielf\u00e4ltigen Ausbildungs- und dualen Studienm\u00f6glichkeiten informieren, um ihnen das ganze Spektrum ihrer beruflichen Chancen zu zeigen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Landrat Bernd Woide: <\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Ausbildungssituation in unserem Landkreis stellt sich mittlerweile v\u00f6llig anders dar als in vielen anderen Regionen. Vor einigen Jahren fehlten uns Ausbildungspl\u00e4tze \u2013 heute fehlen uns die Ausbildungsplatzbewerber. In den kommenden Jahren werden sich meines Erachtens die Aufgabenstellung und die Herausforderungen etwas verlagern.<\/p>\n<p>Wir werden uns verst\u00e4rkt um die jungen Menschen und deren Ausbildungsinteresse k\u00fcmmern m\u00fcssen, damit die von den Unternehmen zur Verf\u00fcgung gestellten Ausbildungspl\u00e4tze auch ad\u00e4quat besetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In den Haupt- und Realschulen von Stadt und Landkreis geh\u00f6rt OloV seit Jahren zum Berufsorientierungsprozess. Die Idee, nun auch Abiturienten gezielt \u00fcber Berufsausbildungsm\u00f6glichkeiten zu informieren, entstand im Rahmen der letzten Ausbildungsmarktkonferenz.<\/p>\n<p>Ziel ist es, den Fokus zu erweitern; keinesfalls aber den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern ein Studium auszureden. Vielleicht ist es ja f\u00fcr den einen oder anderen interessant, vor dem Studium eine Berufsausbildung zu absolvieren oder Ausbildung und Studium miteinander zu kombinieren. Wir wollen den Entscheidungsprozess unterst\u00fctzen, Sch\u00fcler und Eltern sensibilisieren und ganz gezielt darauf aufmerksam machen, welche M\u00f6glichkeiten es bei uns in der Region gibt. Die Winfriedschule hat damit begonnen, gut w\u00e4re es, wenn weitere Gymnasien folgen w\u00fcrden.\u201c<\/p>\n<p><strong>Dr. Herbert B\u00fcttner, Referent f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Kreishandwerkerschaft Fulda:<br \/>\n\u201e<\/strong>Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt bleibt f\u00fcr das Handwerk unver\u00e4ndert angespannt. F\u00fcr die Handwerksbetriebe wird es immer schwieriger, die Ausbildungspl\u00e4tze mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Im Umkehrschluss hei\u00dft das: Die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden, waren schon lange nicht mehr so gut wie heute. Und auch die beruflichen Aussichten nach der Ausbildung sind wegen des sich abzeichnenden Fachkr\u00e4ftemangels gerade im gewerblich technischen Bereich bestens. Allerdings ist dies nicht als \u201eFreifahrtschein\u201c f\u00fcr jeden Bewerber oder jede Bewerberin zu sehen. Denn Nachwuchsarbeit und Ausbildung ist kein quantitatives Problem, sondern ein qualitatives Problem. Bewerber\/innen m\u00fcssen bestimmte Mindestanforderungen hinsichtlich der fachlichen und insbesondere auch der sozialen Kompetenzen erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Zu beobachten ist, dass die Betriebe sich zunehmend von dem festen Einstellungstermin 1. August oder 1. September f\u00fcr Auszubildende verabschieden. Gute Bewerber und Bewerberinnen finden das ganze Jahr \u00fcber einen Ausbildungsplatz. F\u00fcr alle Gewerke gilt: Wer gut ist, bekommt jederzeit einen Ausbildungsvertrag, unabh\u00e4ngig davon, wie weit das jeweilige Ausbildungsjahr fortgeschritten ist. Denn die Betriebe rechnen damit, dass es im n\u00e4chsten Jahr noch schwieriger werden wird, junge Leute f\u00fcr eine duale Ausbildung zu begeistern. Der Einstieg in eine Ausbildung ist das ganze Jahr m\u00f6glich. Und auch die Berufsschule ist hierf\u00fcr kein Hindernis. Im Zweifelsfall gibt es die ausbildungsbegleitenden Hilfen, um Defizite in der Theorie auszugleichen. Ohnehin r\u00fccken f\u00fcr die Unternehmen immer mehr die sozialen Kompetenzen wie Zuverl\u00e4ssigkeit, Motivation oder Ausdauer in den Mittelpunkt f\u00fcr eine Ausbildungszusage. Defizite in diesem Bereich lassen sich n\u00e4mlich weit schwerer ausgleichen als beispielsweise fehlende Mathematik- oder Deutschkenntnisse.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund einer ungebrochen hohen Ausbildungsbereitschaft der Handwerksbetriebe und ihrer zunehmenden Bereitschaft, sich auch mit eher schwachen Schulabg\u00e4ngern zu besch\u00e4ftigen, geht das Handwerk in Osthessen zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt davon aus, dass der R\u00fcckgang bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsvertr\u00e4gen in diesem Jahr gegen\u00fcber dem Vorjahr knapp im einstelligen Bereich gehalten werden kann. Hierzu tragen allerdings auch die \u2013 entgegen dem bundesweiten Trend \u2013 guten Ausbildungszahlen in den Bauberufen bei. Offensichtlich zahlt sich hier die intensive und aufwendige Nachwuchsarbeit der beteiligten Innungen und vor allem auch des Bildungszentrums Bau Osthessen (Lehrbauhalle) der vergangenen Jahre so langsam aus.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem fokussiert sich die Nachwuchsarbeit des Handwerks zunehmend auch auf neue Zielgruppen. Hierzu z\u00e4hlen benachteiligte Jugendliche, die \u00fcber keinen oder nur einen schwachen Hauptschulabschluss verf\u00fcgen, minderj\u00e4hrige Fl\u00fcchtlinge aus Krisen- und Kriegsregionen sowie zunehmend auch Frauen, die sich f\u00fcr bisher m\u00e4nnerdominierte Ausbildungsberufe begeistern lassen. Zus\u00e4tzlich hat in diesem Jahr das Handwerk seine Bem\u00fchungen ausgebaut und intensiviert, um (noch) nicht ausbildungsreifen Jugendlichen den \u00dcbergang von der Schule in die Berufsausbildung zu erm\u00f6glichen. Auch in diese Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen Jugendliche das ganze Jahr jederzeit einsteigen und gegebenenfalls auch den Hauptschulabschluss nachholen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. Hinsichtlich des Ausbildungsmarktes hat die Region Fulda in Hessen eine Ausnahmestellung. 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