{"id":130621,"date":"2014-10-16T00:12:03","date_gmt":"2014-10-16T00:12:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=130621"},"modified":"2014-10-14T19:40:28","modified_gmt":"2014-10-14T19:40:28","slug":"persoenlichkeitsentwicklung-ist-die-balance-von-eigensinn-und-gemeinsinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=130621","title":{"rendered":"\u201ePers\u00f6nlichkeitsentwicklung ist die Balance von Eigensinn und Gemeinsinn\u201c"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_130622\" style=\"width: 275px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/FleischerKobeltNeuhaus.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-130622\" class=\"size-thumbnail wp-image-130622\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/FleischerKobeltNeuhaus-265x183.jpg\" alt=\"Fachbereichsleiterin Marion G\u00f6hler (links) dankte der Festrednerin Daniela Kobelt-Neuhaus f\u00fcr den wissenschaftlichen Vortrag, in dem sie die p\u00e4dagogische Arbeit der Vogelsbergschule sehr gelobt hatte. Foto: Erich Ruhl\" width=\"265\" height=\"183\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/FleischerKobeltNeuhaus-265x183.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/FleischerKobeltNeuhaus.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-130622\" class=\"wp-caption-text\">Fachbereichsleiterin Marion G\u00f6hler (links) dankte der Festrednerin Daniela Kobelt-Neuhaus f\u00fcr den wissenschaftlichen Vortrag, in dem sie die p\u00e4dagogische Arbeit der Vogelsbergschule sehr gelobt hatte. Foto: Erich Ruhl<\/p><\/div>\n<p>Lauterbach. \u201eWer das Problem erkennt, der wird auch das Ziel und den Weg dorthin erkennen.\u201c Diese These stellte Daniela Kobelt-Neuhaus in einem Vortrag in der Lauterbacher Sparkassen-Aula in den Raum. Die renommierte P\u00e4dagogin war Festrednerin im Rahmen der Jubil\u00e4umsfeier \u201e20 Jahre Fachschule f\u00fcr Sozialp\u00e4dagogik\u201c in Lauterbach (wir berichteten). Die Lauterbacher Bildungsst\u00e4tte hat in der Fachwelt einen ausgezeichneten Ruf. Seit ihrer Gr\u00fcndung 1994 wurden dort \u00fcber 800 Erzieherinnen und Erzieher ausgebildet und auf einen pers\u00f6nlichkeitsst\u00e4rkenden Umgang mit den Kindern in Kindertageseinrichtungen vorbereitet, wie die Referentin betonte. Die aus der Schweiz stammende Psychologin und Heilp\u00e4dagogin ist im Vorstand der Karl-K\u00fcbel-Stiftung in Bensheim wissenschaftlich t\u00e4tig.<!--more--><\/p>\n<p>Das Konzept, das in Lauterbach im Rahmen der\u00c2\u00a0 Ausbildung angewandt wird, ist der sogenannte \u201eSituationsansatz\u201c. Er entstand bereits in den 1970-er Jahren, wurde mehrfach wissenschaftlich ver\u00e4ndert \u2013 und hat doch seinen Kern behalten: In einer humanistischen, gewaltfreien, wertsch\u00e4tzenden und pers\u00f6nlichkeitsst\u00e4rkenden Weise mit den st\u00e4ndig wechselnden Anforderungen im Umgang mit den Kindern situationsgerecht umgehen. Denn nichts ist wirklich verl\u00e4sslich gleich. Alles ver\u00e4ndert sich. Daher hei\u00dft es, stets offen sein, stets lernwillig sein, zugewandt, mitf\u00fchlend \u2013 aber unverzichtbar mit gro\u00dfem Wissen ausgestattet. Dann k\u00f6nne P\u00e4dagogik gelingen, dann k\u00f6nne sie wirklich mehr sein als beaufsichtigen, lenken und konditionieren. \u201ePers\u00f6nlichkeitsentwicklung ist die Balance von Eigensinn und Gemeinsinn\u201c, sagte Kobelt-Neuhaus. Sie betonte, dass dieses Konzept f\u00fcr die Arbeit mit Kindern entwickelt wurde und zeigte sich erfreut, dass die Lauterbacher Schule eine Form gefunden habe, auch die Ausbildung in dieser Weise auszurichten.<\/p>\n<p>Der Situationsansatz stelle sich vor allem als eine \u201eKompetenzmethode\u201c dar, so Frau Kobelt-Neuhaus. Ziel der Erzieherinnenausbildung \u2013 zum Beispiel in der Lauterbacher Fachschule \u2013 sei das prozesshafte und ganzheitliche Herstellen einer beruflichen Handlungskompetenz, die die Autonomie, die Solidarit\u00e4t und die Kompetenz der Menschen st\u00e4rken soll.<\/p>\n<p>Die fr\u00fche Bildung h\u00e4nge stark mit der fr\u00fchen Bindung sowohl an die Eltern als auch an weitere verl\u00e4ssliche und humanistisch gepr\u00e4gte Erziehungspersonen zusammen. L\u00e4ngst sei auch in der Volkswirtschaftslehre angekommen, dass sich ein Land nicht leisten k\u00f6nne, auf Talente zu verzichten. Die jahrelange Debatte um die sogenannte Pisa-Studie sei hier ein starkes Merkmal.<\/p>\n<p>Die Lebenswelt wirklichkeitsnah erkennen und den Sozialraum ber\u00fccksichtigen, in welchem sowohl die Ausbildung als auch die Bildung der Kinder erfolgt, dies seien wesentliche Voraussetzung f\u00fcr gelingende Erziehung. Dar\u00fcber hinaus gelte es, Partizipation glaubw\u00fcrdig zu integrieren, Vorbild zu sein sowie Gleichheit und Pers\u00f6nlichkeitsunterschiede gleicherma\u00dfen wertzusch\u00e4tzen. Das sei der in Lauterbach seit 20 Jahren erfolgreich beschrittene Weg, sowohl aus den Erzieherinnen und Erziehern als auch aus den Kindern m\u00fcndige demokratische Staatsb\u00fcrger zu machen, hob die Referentin hervor.<\/p>\n<p>Im Sinne des Situationsansatzes zu agieren bedeute f\u00fcr kompetente Erzieherinnen nicht, \u201espontan\u201c und schon gar nicht \u201espielerisch\u201c zu handeln \u2013 ganz im Gegenteil. Die erlernte Kompetenz bestehe gerade darin, Schl\u00fcsselsituationen klar und schnell zu erkennen, zu analysieren, die Lage des Kindes ad\u00e4quat und achtsam einzusch\u00e4tzen und dann motivationsst\u00e4rkende Angebote zu machen, \u201efesselnde Impulse\u201c zu setzen, statt zu regulieren. Dies erfordere nat\u00fcrlich hinreichend Personal in den Einrichtungen und hinreichend kleine Gruppen. \u201eDie Selbstgewissheit und die Selbstwirksamkeit sowie die\u00c2\u00a0 Sozialkompetenz der Erzieherin sind es, an denen sich die Kinder in einer konflikthaften Situation aufrichten k\u00f6nnen. Genau dort findet Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung statt\u201c, beschrieb Frau Kobelt-Neuhaus das Besondere an diesem p\u00e4dagogischen Konzept.<\/p>\n<p>Die gedeihliche Entwicklung der Kinder brauche wache, gut ausgebildete und gut gebildete Erzieherinnen und Erzieher, kritische Staatsb\u00fcrger, die die Demokratie als Prozess und \u201eVer\u00e4nderung als die einzig gesicherte Konstante begreifen\u201c. Immer m\u00fcsse man Fehler erwarten, und daher m\u00fcssten die Erwartungen realistisch sein. Es gelte, den Tunnelblick zu verlassen, und nicht aufs Defizit, sondern besser auf die M\u00f6glichkeiten zu schauen, die immer \u2013 auch in einer schwierigen \u2013 Situation stecken. \u201eDie Wirklichkeit ist halt meistens nicht so, wie es im Curriculum steht. Die Kompetenz besteht dann darin, alles verf\u00fcgbare Wissen schnell heranzuziehen.\u201c Auf keinen Fall d\u00fcrfe Zuwendung an Bedingungen gekn\u00fcpft werden.<\/p>\n<p>Daniela Kobelt-Neuhaus schloss ihre Gl\u00fcckw\u00fcnsche f\u00fcr die Lauterbacher Schule f\u00fcr Sozialp\u00e4dagogik mit dem Pl\u00e4doyer, achtsame Kommunikation zu pflegen, aktiv zuzuh\u00f6ren, fair zu sein und unterschiedliche Temperamente, Talente und Ressourcen zu wertsch\u00e4tzen. Dann k\u00f6nne das Wesentliche entstehen: Die Balance von Eigensinn und Gemeinsinn.<\/p>\n<p>Die Referentin \u00fcbte klare Kritik an der sozialen Reputation und auch an der viel zu geringen Bezahlung von Erzieherinnen und Erziehern \u2013 angesichts der grundlegenden Bedeutung f\u00fcr Pers\u00f6nlichkeits- und Gesellschaftsentwicklung. Die Fachbereichsleiterin Marion G\u00f6hler dankte f\u00fcr Kobelt-Neuhaus\u00e2\u20ac\u02dc Appell zu einem \u201eLernen auf Augenh\u00f6he\u201c und f\u00fcr ihr offenbartes tiefes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Humanismus und Demokratie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Lauterbach. \u201eWer das Problem erkennt, der wird auch das Ziel und den Weg dorthin erkennen.\u201c Diese These stellte Daniela Kobelt-Neuhaus in einem Vortrag in der Lauterbacher Sparkassen-Aula in den Raum. Die renommierte P\u00e4dagogin war Festrednerin im Rahmen der Jubil\u00e4umsfeier \u201e20 Jahre Fachschule f\u00fcr Sozialp\u00e4dagogik\u201c in Lauterbach (wir berichteten). 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