{"id":130611,"date":"2014-10-15T00:13:16","date_gmt":"2014-10-15T00:13:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=130611"},"modified":"2014-10-14T19:29:00","modified_gmt":"2014-10-14T19:29:00","slug":"tk-pflegestudie-pflege-eines-angehoerigen-ist-kraeftezehrend-und-belastet-die-gesundheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=130611","title":{"rendered":"TK-Pflegestudie: Pflege eines Angeh\u00f6rigen ist kr\u00e4ftezehrend und belastet die Gesundheit"},"content":{"rendered":"<p>Frankfurt am Main. Fast 200.000 Menschen in Hessen sind pflegebed\u00fcrftig. Drei Viertel (76 Prozent) der Pflegebed\u00fcrftigen werden zu Hause versorgt; von diesen wiederum wird die gro\u00dfe Mehrheit (73 Prozent) ausschlie\u00dflich durch Angeh\u00f6rige betreut. Pflegende Angeh\u00f6rige sind unverzichtbar f\u00fcr die Versorgung. Aber die Pflege eines Angeh\u00f6rigen ist kr\u00e4ftezehrend und belastet die Gesundheit der Pflegenden. Das zeigt eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Techniker Krankenkasse (TK), in der pflegende Angeh\u00f6rige zu ihrer Gesundheit sowie zu Belastungen und Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeiten befragt wurden.<!--more--><\/p>\n<p>Sechs von zehn Befragten in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland geben an, dass die Pflege sie viel von ihrer eigenen Kraft kostet \u2013 je h\u00f6her die Pflegestufe, desto gr\u00f6\u00dfer die Belastung. St\u00e4ndig in Bereitschaft zu sein, strengt die pflegenden Angeh\u00f6rigen sehr an: Jeder Zweite f\u00fchlt sich oft k\u00f6rperlich ersch\u00f6pft, jeder Dritte hin- und hergerissen zwischen den Anforderungen der Pflege und denen der Umgebung wie etwa Job oder Familie.<\/p>\n<p>Die Studie hat auch nach den ausschlaggebenden Gr\u00fcnden, eine Pflegeaufgabe zu \u00fcbernehmen, gefragt. F\u00fcr fast die H\u00e4lfte der Pflegenden in Hessen sind daf\u00fcr Pflichtgef\u00fchl und Familienzusammenhalt ausschlaggebend. Die Studie zeigt jedoch auch, dass dieser Zusammenhalt abnimmt, je j\u00fcnger die Befragten sind. W\u00e4hrend bei den \u00fcber 65-J\u00e4hrigen noch sechs von zehn Befragten famili\u00e4res Pflichtgef\u00fchl als Hauptgrund angeben, sind es bei den 50- bis 65-J\u00e4hrigen noch 45 und bei den 18- bis 49-J\u00e4hrigen nur noch 38 Prozent.<\/p>\n<p>Die Ursachen daf\u00fcr sind vielf\u00e4ltig: Die moderne Arbeitswelt fordert mehr Mobilit\u00e4t, so dass Eltern und Kinder seltener am gleichen Ort wohnen. Einstellungen zur Familie sind im Wandel und Single-Haushalte nehmen zu. &#8220;Unsere Daten zeigen, dass sich Familien aufgrund dieser Ver\u00e4nderungen zunehmend weniger um die Pflege von Angeh\u00f6rigen k\u00fcmmern k\u00f6nnen. Im bisherigen Umfang wird die Pflege von Angeh\u00f6rigen k\u00fcnftig kaum mehr m\u00f6glich sein. Deshalb denken wir \u00fcber neue Modelle nach, in denen Pflege anders als heute organisiert ist&#8221;, sagt Dr. Barbara Vo\u00df, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen.<\/p>\n<p>Eine Vision der TK ist es, ein tr\u00e4ger- und sektoren\u00fcbergreifendes Betreuungsnetzwerk zu schaffen, das die Angeh\u00f6rigen bei der Pflege zu Hause unterst\u00fctzt und entlastet. Im Fokus steht dabei der Gedanke, dass chronisch Kranke und Pflegebed\u00fcrftige auch k\u00fcnftig m\u00f6glichst lange in ihrem unmittelbaren Umfeld leben k\u00f6nnen. Professionelle Ansprechpartner sollten aus Sicht der TK f\u00fcr die Betroffenen im Rahmen dieses Versorgungsmodells 24 Stunden rund um die Uhr erreichbar sein und bei Bedarf Unterst\u00fctzung wie etwa Besuche des Hausarztes oder Reha-Ma\u00dfnahmen organisieren. Zudem sollte das Netzwerk weitere Hilfen f\u00fcr Angeh\u00f6rige wie Nachbarschaftshilfen oder auch Unterst\u00fctzungsleistungen der Pflegeversicherung koordinieren, die bereits heute existieren. Die TK-Studie zeigt, dass ambulante Pflegedienste, die Nachtpflege, individuelle Pflegeschulungen zu Hause oder Pflegekurse in der Gruppe zwar bekannt sind, aber trotzdem wenig genutzt werden.<\/p>\n<p><strong>Zum Hintergrund: Das Pflegest\u00e4rkungsgesetz<\/strong><br \/>\nZahlreiche Verbesserungen im Bereich der h\u00e4uslichen Pflege sollen pflegende Angeh\u00f6rige ab dem kommenden Jahr entlasten. Hintergrund ist das erste Pflegest\u00e4rkungsgesetz. Im Zuge dessen soll ein Pflegevorsorgefonds eingerichtet werden mit dem Ziel, die Beitr\u00e4ge zur Pflegeversicherung auch dann stabil zu halten, wenn in 20 Jahren die Generation der Babyboomer ins typische Pflegealter kommt. Mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr soll in den Fonds flie\u00dfen. Um das Reformvorhaben finanzieren zu k\u00f6nnen, wird der Beitragssatz ab dem 1. Januar um 0,3 Prozentpunkte steigen \u2013 und um weitere 0,2 Prozentpunkte ab 2017 im Rahmen des zweiten Pflegest\u00e4rkungsgesetzes, das einen neuen Pflegebed\u00fcrftigkeitsbegriff und ein neues Begutachtungsverfahren einf\u00fchren will. Die bisherige Unterscheidung zwischen Pflegebed\u00fcrftigen mit k\u00f6rperlichen Einschr\u00e4nkungen und Demenzkranken soll wegfallen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Frankfurt am Main. Fast 200.000 Menschen in Hessen sind pflegebed\u00fcrftig. Drei Viertel (76 Prozent) der Pflegebed\u00fcrftigen werden zu Hause versorgt; von diesen wiederum wird die gro\u00dfe Mehrheit (73 Prozent) ausschlie\u00dflich durch Angeh\u00f6rige betreut. Pflegende Angeh\u00f6rige sind unverzichtbar f\u00fcr die Versorgung. Aber die Pflege eines Angeh\u00f6rigen ist kr\u00e4ftezehrend und belastet die Gesundheit der Pflegenden. 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