{"id":130147,"date":"2014-10-05T09:21:53","date_gmt":"2014-10-05T09:21:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=130147"},"modified":"2014-10-05T09:21:53","modified_gmt":"2014-10-05T09:21:53","slug":"menschen-themen-standpunkte-sechste-runde-von-talk-am-dom-im-ideal-in-fulda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=130147","title":{"rendered":"\u201eMenschen, Themen, Standpunkte\u201c \u2013 sechste Runde von \u201eTalk am Dom\u201c im \u201eIdeal\u201c in Fulda"},"content":{"rendered":"<p>Fulda (bpf). Zwei musikalisch bzw. k\u00fcnstlerisch t\u00e4tige Frauen, zwei Ordensm\u00e4nner und einen Zeitzeugen der innerdeutschen Teilung hatte Moderator Klaus Depta am Mittwoch zum sechsten \u201eTalk am Dom\u201c eingeladen. Father Emmanuel Asi aus Pakistan, die Musikerin Patricia Kelly, Raimund Jakob, der in unmittelbarer N\u00e4he des DDR-Grenzzauns im Sperrgebiet lebte, Ria Noll, Mitbegr\u00fcnderin des Sargenzeller Fr\u00fcchteteppichs, und Pater Martin Wolf OMI vom Bonifatiuskloster H\u00fcnfeld sprachen mit Depta im vollbesetzten Caf\u00e9 \u201eIdeal\u201c \u00fcber ihr Leben und Wirken. Patricia Kelly umrahmte den kurzweiligen Gespr\u00e4chsabend mit irischen Songs.<!--more--><\/p>\n<p>Father Emmanuel Asi ist Weltpriester der Erzdi\u00f6zese Lahore (Pakistan) und h\u00e4lt sich im Rahmen der missio-Aktion 2014 zum \u201eMonat der Weltmission\u201c in Deutschland auf. Der Buchautor ist in der theologischen Ausbildung von Frauen und in der pakistanischen Bibelkommission t\u00e4tig. \u201eDie Christen sind voller Freude und Hoffnung aus ihrem Glauben heraus\u201c, betont er und berichtet von vollen Kirchen in dem zu 97 Prozent islamischen Land, in dem die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung in Armut lebt. \u201eUnsere Gesellschaft lebt von Beziehungen und Solidarit\u00e4t.\u201c Die Gro\u00dffamilie sei die wichtigste Lebensform in Pakistan. 90 Prozent der pakistanischen Moslems lebten friedlich mit den Christen und anderen Minderheiten zusammen; fundamentalistisch eingestellt seien nur f\u00fcnf Prozent. Dankbar zeigt sich Father Asi f\u00fcr die Hilfe aus Deutschland. Missio unterst\u00fctze derzeit etwas 100 Projekte in dem Land. Auch wirbt der Gast aus Pakistan f\u00fcr die Gastfreundschaft seines Heimatlandes.<\/p>\n<p>Patricia Kelly ist eins von zw\u00f6lf Kindern der Kelly Family und hat von ihren Eltern nicht nur das musikalische Talent geerbt, sondern ist von ihnen auch als gl\u00e4ubige Katholikin in Liebe und Vertrauen erzogen worden. Daf\u00fcr ist sie ihnen heute noch dankbar. Als \u201eGeschenk vom Himmel\u201c sieht sie die Liebe ihres Ehemannes und ihre beiden S\u00f6hne an. Eine lange R\u00fcckenmarkserkrankung habe sie in ihrem katholischen Glauben gest\u00e4rkt. Seither ist sie auch keine hart verhandelnde \u201eMusikmanagerin\u201c mehr, sondern \u201eich bin ruhig geworden durch den Glauben\u201c, ohne den sie nicht leben k\u00f6nne. \u201eDer Glaube ist alles f\u00fcr mich\u201c, sagt die S\u00e4ngerin mit der beeindruckenden Stimme, die besonders die hl. Therese von Lisieux verehrt und mehrmals im Jahr zur Besinnung in ein Kloster einkehrt. \u201eEs gab einmal einen Moment, da wollte ich sogar Karmelitin werden\u201c, betont sie schmunzelnd.<\/p>\n<p>Raimund Jakob hat seine Jugend in seinem Heimatort Wenigentaft im Sperrgebiet der DDR und damit im Schatten des Grenzzauns verbracht. \u201eF\u00fcr Verwandtschaftsbesuche mussten sechs Wochen vorher Passierscheine beantragt werden\u201c, erinnert er sich an die Zeiten der kommunistischen Diktatur, die vor 25 Jahren zu Ende ging. Die Zuschauer h\u00f6ren gebannt und bewegt zu, als er davon berichtet, wie er als Lehrling verhaftet wurde, weil er sich \u00fcber den Grenzzaun hinweg mit einem Mann auf der bundesrepublikanischen Seite unterhalten hatte. Dies geschah wenige Jahre vor dem Zusammenbruch des DDR-Regimes, aber der Druck und die Angst, die ihm beim Verh\u00f6r in Geisa eingefl\u00f6\u00dft wurden, wirken bis heute nach. Als die Grenze 1989 fiel, habe er es zun\u00e4chst kaum glauben k\u00f6nnen. \u201eEs war ein unbeschreibliches Gef\u00fchl!\u201c, so Jakob. Aus der Begegnung mit dem Westdeutschen am Grenzzaun ist nach der Wende eine dicke Freundschaft geworden.<\/p>\n<p>Ria Noll hat den Sargenzeller Fr\u00fcchteteppich vor 27 Jahren mit aus der Taufe gehoben. Anhand des aktuell in der alten Kirche aus K\u00f6rnern und Bl\u00fctenbl\u00e4ttern dargestellten Gem\u00e4ldes \u201eVers\u00f6hnung von Esau und Jakob\u201c von Rubens erl\u00e4utert sie mit viel Witz die Arbeitsweise der Gruppe, die jedes Jahr einen neuen Fr\u00fcchteteppich gestaltet. Nach Aussuchen des Gem\u00e4ldes \u00fcbertr\u00e4gt sie das Format auf Spanplatten, die zusammengef\u00fcgt 25 Quadratmeter ergeben. Dann folgt die Feinarbeit mit Holzleim und Zahnstochern, die immer wieder von der Empore her begutachtet werden muss. Nach drei Monaten Arbeitszeit ist das Kunstwerk schlie\u00dflich fertig und wird jeweils zwischen September und November von tausenden Besuchern bewundert. \u201eDie Gestaltung des Fr\u00fcchteteppichs ist f\u00fcr mich wie eine Meditation\u201c, betont Ria Noll. Die Arbeit habe ihr sehr dabei geholfen, \u00fcber den Tod ihres Mannes hinwegzukommen.<\/p>\n<p>Als Hausoberer des H\u00fcnfelder Bonifatiusklosters bietet Pater Martin Wolf OMI G\u00e4sten aus nah und fern Seminare, Einkehrtage in Stille und Erholungszeiten an. Dazu kommt eine sehr erfolgreiche Jugendarbeit in der Region und weit dar\u00fcber hinaus. Doch Pater Wolf hat noch ein anderes Arbeitsgebiet: das Kirchenrecht, und hier besonders die sogenannten Eheverfahren, in denen gepr\u00fcft wird, ob eine kirchliche Eheschlie\u00dfung g\u00fcltig gewesen ist. \u201eAls Kirche sind wir an das Wort Gottes gebunden, wonach die Ehe ein unaufl\u00f6slicher Bund zwischen Mann und Frau ist\u201c, unterstreicht Pater Wolf, der als Vizeoffizial am bisch\u00f6flichen Kirchengericht in Fulda wirkt. Ehen k\u00f6nnten aber auch scheitern, und um den betroffenen Menschen zu helfen, \u00fcberpr\u00fcfe die Kirche in den Eheverfahren deren G\u00fcltigkeit.<\/p>\n<p>\u201eEs wird nicht auf Schuld gepr\u00fcft, sondern ob die Ehe g\u00fcltig zustande gekommen ist.\u201c Wenn jemand bei einer Eheschlie\u00dfung etwa von vornherein Kinder ausschlie\u00dft, aufgrund einer psychischen Erkrankung eheunf\u00e4hig ist oder keinen dauerhaften Ehewillen zeigt, dann seien dies Gr\u00fcnde daf\u00fcr, dass eine Ehe nicht g\u00fcltig zustande komme. Aus seiner Erfahrung schildert Pater Wolf, dass oftmals Menschen ein Eheverfahren anstrengen, die wieder kirchlich heiraten oder ihr Leben nach einer gescheiterten Ehe neu ordnen wollten. \u201eIm Verlaufe dieser Verfahren haben wir schon vielen Menschen geholfen, mit Gott und ihrem Gewissen ins Reine zu kommen. Denn vieles kommt bei den Gespr\u00e4chen hoch, was dann heilen kann\u201c, hebt der Ordensgeistliche hervor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda (bpf). Zwei musikalisch bzw. k\u00fcnstlerisch t\u00e4tige Frauen, zwei Ordensm\u00e4nner und einen Zeitzeugen der innerdeutschen Teilung hatte Moderator Klaus Depta am Mittwoch zum sechsten \u201eTalk am Dom\u201c eingeladen. 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