{"id":129714,"date":"2014-09-24T00:25:15","date_gmt":"2014-09-24T00:25:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=129714"},"modified":"2014-09-23T14:42:11","modified_gmt":"2014-09-23T14:42:11","slug":"der-seniorchef-der-firma-fuss-schuh-breidbach-erzaehlt-aus-seinem-bewegten-leben-fluchthelfer-und-selbst-fluechtling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=129714","title":{"rendered":"Der Seniorchef der Firma \u201eFu\u00df + Schuh Breidbach\u201c erz\u00e4hlt aus seinem bewegten Leben: Fluchthelfer und selbst Fl\u00fcchtling"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_129715\" style=\"width: 275px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/stadt-fredi-stumpf.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-129715\" class=\"size-thumbnail wp-image-129715\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/stadt-fredi-stumpf-265x177.jpg\" alt=\"Fotonachweis: Stadt Fulda\" width=\"265\" height=\"177\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/stadt-fredi-stumpf-265x177.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/stadt-fredi-stumpf.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-129715\" class=\"wp-caption-text\">Fotonachweis: Stadt Fulda<\/p><\/div>\n<p><strong>Fulda (mb).<\/strong> Vielen Fuldaern ist Fredi Stumpf ein fester Begriff. \u00dcber viele Jahrzehnte f\u00fchrte der gelernte Orthop\u00e4die-Meister mit seinem unverkennbaren Berliner Akzent die Firma \u201eFu\u00df + Schuh Breidbach\u201c. Sein Leben liest sich wie eine spannende Abenteuergeschichte. Als Soldat zog er in den Zweiten Weltkrieg, kam in russische Gefangenschaft und gl\u00fccklich wieder in die Heimat zur\u00fcck. Als Meistersch\u00fcler erlebte er den dramatischen Aufstand der DDR-Bev\u00f6lkerung vom 17. Juni 1953 in Halle mit und wurde unverhofft auf seiner Heimreise nach Berlin zum Lebensretter und Fluchthelfer f\u00fcr Swen R\u00f6del, einen der Demonstranten. Wenige Jahre sp\u00e4ter floh Stumpf selbst aus der DDR und baute sich 1961 in Fulda ein neues Zuhause und Auskommen f\u00fcr seine Familie auf. Viel hat der Zeitzeuge zu erz\u00e4hlen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Gl\u00fccklich heimgekehrt<\/strong><\/p>\n<p>Wenn er heute in den Medien den Namen Mariupol h\u00f6rt, dann denkt Stumpf unweigerlich an seine Gefangenschaft zur\u00fcck. Die Russen hatten ihn von Lettland 1.000 Kilometer quer durchs Land in die ukrainische Stadt verfrachtet. Nur ein Gedanke, so erinnert er sich, habe ihn damals umgetrieben: \u201eEntweder sterben oder zur\u00fcck nach Hause.\u201c Das Gl\u00fcck war mit ihm. \u201eEs hat geklappt,\u201c sagt Fredi Stumpf. Er kehrte heim nach Berlin, wo der Vater eine Schuhmacherwerkstatt in Gr\u00fcnau, im Osten der Stadt, unterhielt. Doch die Entt\u00e4uschung folgte rasch. Stumpf durfte sich in der DDR nicht selbst\u00e4ndig machen. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. Er arbeitete im v\u00e4terlichen Betrieb und absolvierte \u201enebenbei\u201c eine Orthop\u00e4dieausbildung. Das Berliner Gesch\u00e4ft florierte. Erst fuhr er Ware im W\u00e4schekorb und mit Fahrrad aus, sp\u00e4ter im Motorrad mit Beiwagen und dann schlie\u00dflich im eigenen Auto. Schriftsteller Stefan Heym geh\u00f6rte unter anderem zu seinen Kunden.<\/p>\n<p><strong>Zukunft im Westen<\/strong><\/p>\n<p>Doch f\u00fcr Fredi Stumpf war absehbar, dass der unternehmerische Erfolg in der DDR nicht auf Dauer aufrecht zu erhalten w\u00e4re. \u201eSchon in russischer Gefangenschaft bekamen wir mit, dass im Westen eine neue Zeit angebrochen war. Ich wusste immer, dass ich in den Westen gehen w\u00fcrde.\u201c Aber eines war f\u00fcr den jungen Mann von Anfang an auch klar: \u201eIm Westen kann ich nicht lernen, sondern ich muss bereits perfekt sein.\u201c Gesagt, getan. Fredi Stumpf machte in Halle seinen Orthop\u00e4die-Meister.<\/p>\n<p>Von sieben Pr\u00fcflingen fielen f\u00fcnf durch. Stumpf hingegen war erfolgreich. Dass ihn die DDR-Verantwortlichen in eine Genossenschaft hineindr\u00e4ngen wollten, mag vielleicht der letzte ausschlaggebende Punkt gewesen sein, sich Anfang der 60er Jahre zu entschlie\u00dfen, der DDR den R\u00fccken zu kehren. Als Kunden in der Werkstatt waren, machte Fredi Stumpf sich eines Tages klammheimlich mit seinem P 70 auf und davon Richtung Westen. Bei Dorndorf kam er schlie\u00dflich unter. Doch so gut es ihm dort auch gefiel: Fredi Stumpf wollte etwas Eigenes schaffen. Seinen Wunsch konnte er mit der \u00dcbernahme der Firma Breidbach in die Tat umsetzen. Bereut hat er seinen Entschluss bis heute nicht.<\/p>\n<p>\u201eWir haben vielen Kunden helfen k\u00f6nnen\u201c, unterstreicht der r\u00fcstige Pension\u00e4r. Einige Erfindungen stammen sogar aus seinem Haus, unter anderem eine Schiene als Gehhilfe. \u201eSo habe ich einem Kind mit spastischen L\u00e4hmungen wieder zum Laufen verholfen.\u201c Ein bisschen Stolz schwingt mit, wenn Stumpf an diesen Erfolg zur\u00fcckdenkt und daran, dass Fulda (das Haus Breidbach) im Gegensatz beispielsweise zu Berlin und M\u00fcnchen gleich dreimal den in der Branche renommierten Preis f\u00fcr Orthop\u00e4die erhalten hat. Dankbar ist der geb\u00fcrtige Altgliniecker seiner neuen Heimat Fulda verbunden. \u201eDieser Stadt verdanke ich alles, nach Berlin w\u00e4re ich nie zur\u00fcckgekehrt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Fluchthelfer<\/strong><\/p>\n<p>Mit seiner \u201ealten Heimat\u201c verbindet ihn noch eine besondere Geschichte, die von Swen R\u00f6del. Auf der Heimfahrt von Halle mit dem Zug traf er den 18j\u00e4hrigen, der \u201egut angezogen war, aber sehr bleich und gehetzt wirkte.\u201c<\/p>\n<p>Der Grund: Er hatte an den Demonstrationen mitgewirkt, stand auf der Fahndungsliste und war nun auf der Flucht. Fredi Stumpf und seine Frau Ursel halfen dem Opfer des DDR-Unrechtsregimes. Sie verbargen R\u00f6del 13 Tage auf dem Dachboden ihres Hauses (nebenan feierten die Genossen die Niederschlagung des Aufstandes), bevor sie ihm zur Flucht in den Westen durch ein \u201eLoch\u201c in der Grenze auf dem Gel\u00e4nde einer Tischlerei verhalfen. In der R\u00fcckschau sagt Stumpf: Meine Frau und ich haben das alles gerne getan. Ich sage Ihnen, die Stunde gebiert den Helden und ich m\u00f6chte diese Tage in meinem Leben nicht missen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda (mb). Vielen Fuldaern ist Fredi Stumpf ein fester Begriff. \u00dcber viele Jahrzehnte f\u00fchrte der gelernte Orthop\u00e4die-Meister mit seinem unverkennbaren Berliner Akzent die Firma \u201eFu\u00df + Schuh Breidbach\u201c. Sein Leben liest sich wie eine spannende Abenteuergeschichte. 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