{"id":129430,"date":"2014-09-17T00:12:57","date_gmt":"2014-09-17T00:12:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=129430"},"modified":"2014-09-16T18:55:00","modified_gmt":"2014-09-16T18:55:00","slug":"ein-sportverein-fuer-marlon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=129430","title":{"rendered":"Ein Sportverein f\u00fcr Marlon"},"content":{"rendered":"<p>Hilders. Ronald Ludwig erinnert sich noch genau an den Moment, in dem er die Diagnose seines Sohnes Marlon bekam. \u201eDir wird der Boden unter den F\u00fc\u00dfen weggerissen. Du f\u00e4llst in ein Loch und siehst dich schon an seinem Grab stehen\u201c, sagt der Familienvater aus Hilders \u00fcber den Tag vor f\u00fcnf Jahren im Klinikum Kassel. Marlon hat Muskelschwund. Heute ist er acht Jahre alt und auf den Rollstuhl angewiesen. Auch wenn er nicht versteht, warum die Krankheit ihn getroffen hat, lernt er, mit ihr zu leben. Um ihm das noch besser zu erm\u00f6glichen, haben seine Eltern im TSV Hilders jetzt die erste Rollstuhlsportgruppe im Landkreis Fulda gegr\u00fcndet. Sie suchen noch Mitglieder.<!--more--><\/p>\n<p>Muskelschwund ist eine Nervenkrankheit. Bei Marlons Variante, Muskeldystrophie Duchenne, bleibt den Betroffenen eine unterschiedlich lange Zeit bis zur weitgehenden Bewegungsunf\u00e4higkeit, Knochen und Gelenke verformen sich. Marlon hatte nur wenige Jahre. Dr. Stephan See\u00dfle aus Offenbach, Landessportarzt Breiten- und Leistungssport im HBRS, sagt: \u201eDie Ursache f\u00fcr den Ausbruch der Krankheit ist unklar. Zwar gehen wir Mediziner von einem genetischen Defekt aus, es k\u00f6nnen aber auch verkannte Impfsch\u00e4den oder sonstige Umwelteinfl\u00fcsse sein. In sehr wenigen F\u00e4llen sind Spontanheilungen beschrieben, allerdings \u00e4u\u00dferst selten.\u201c<\/p>\n<p>Nach dem Diagnoseschock brauchten der Vater und Mutter Simone eine Weile, um sich auf die neue Situation einzustellen. Ihren ersten Sohn, das merkten sie schnell, macht nichts gl\u00fccklicher als der Sport mit seinen Freunden. Bis vor wenigen Monaten spielte er Fu\u00dfball in seinem Heimatort, seit der neuen Saison ist das unm\u00f6glich. \u201eMarlon hat sich immer ins Tor gestellt. Sein Traum von einem eigenen Treffer wird sich aber nie erf\u00fcllen\u201c, sagt der Vater. \u201eWir wollten ihm die M\u00f6glichkeit geben, trotzdem Sport zu machen. Doch die n\u00e4chsten Angebote sind viel zu weit weg. Also mussten wir das selbst in die Hand nehmen.\u201c<\/p>\n<p>Anfang des Jahres gr\u00fcndeten seine Eltern die Abteilung Reha- und Behindertensport im TSV Hilders. Seitdem trifft sich eine wachsende Zahl von Rollstuhlsportlern jeden Montag um 17:30 Uhr in der Sporthalle der Mittelpunktschule, derzeit sind sie zu F\u00fcnfzehnt. Eine feste Sportart gibt es nicht. Unter wissenschaftlicher Betreuung der Hochschule Fulda und Mitarbeitern des Hochschulsports werden Marlon und seine Freunde jeden Alters bei Sportspielen, Kr\u00e4ftigungseinheiten sowie Konditions- und Koordinations\u00fcbungen gef\u00f6rdert. Die Diplom-Sportwissenschaftlerin Maria Eife betreut die Gruppe. Von ihr bekommt jeder Teilnehmer nach dem ersten Besuch einen individuellen Trainingsplan zur Verbesserung der Alltagskompetenz. \u201eBehindertensportler profitieren extrem von einer individuellen F\u00f6rderung\u201c, sagt sie. \u201eSo einzigartig wie der Mensch und sein Krankheitsbild sollte auch die Sporttherapie sein. Marlons Muskulatur reagiert nicht auf Reize zum Muskelwachstum. Daf\u00fcr f\u00e4ngt er beispielswei\u00dfe Reiss\u00e4ckchen mit H\u00fctchen und verbessert so seine koordinativen F\u00e4higkeiten. Au\u00dferdem ist der soziale Aspekt wichtig. Hier entstehen lange w\u00e4hrende Freundschaften zwischen allen Sportlern.\u201c<\/p>\n<p>HBRS-Pr\u00e4sident Gerhard Knapp freut sich \u00fcber die neue Sportgruppe. Sie schlie\u00dft eine L\u00fccke im weitgehend fl\u00e4chendeckenden Behindertensportangebot des Verbandes: \u201eMarlons Schicksal steht stellvertretend f\u00fcr das Schicksal Vieler in Hessen. Sport kann das Leben von Menschen mit einer Behinderung auf fantastische Weise bereichern. Gerade f\u00fcr k\u00f6rperbehinderte Menschen sind Sportangebote in Ortsn\u00e4he wichtig, die Logistik stellt f\u00fcr sie eine gro\u00dfe Herausforderung dar. Jeder Verein der eine Behindertensportabteilung gr\u00fcndet wird von unserem Verband individuell beraten, seine \u00dcbungsleiter werden durch uns finanziell unterst\u00fctzt.\u201c Durch die Hilfe des HBRS und weiterer F\u00f6rderer konnten sich die Rollstuhlsportler aus Hilders mittlerweile ein kleines Inventar an Sportger\u00e4ten zulegen. Auch Privatpersonen r\u00fchrt die Geschichte des Jungen. Vergangene Woche<br \/>\nlie\u00df das Hotel am Kurpark aus Bad Herrenalb im Schwarzwald dem Sch\u00fcler einen Gutschein \u00fcber sieben \u00dcbernachtungen samt Halbpension zukommen.<\/p>\n<p>Damit die Rollstuhlsportgruppe weiter wachsen kann, werden Teilnehmer und Unterst\u00fctzer gesucht. Interessierte k\u00f6nnen sich bei bei Familie Ludwig unter der Telefonnummer: 0 66 81 \/ 25 24 14 oder per E-Mail an: r.ludwig@freenet.de melden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Hilders. 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