{"id":129360,"date":"2014-09-16T06:25:04","date_gmt":"2014-09-16T06:25:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=129360"},"modified":"2014-09-16T06:35:46","modified_gmt":"2014-09-16T06:35:46","slug":"alleinerziehende-tragen-hoeheres-arbeitsmarktrisiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=129360","title":{"rendered":"Alleinerziehende tragen h\u00f6heres Arbeitsmarktrisiko"},"content":{"rendered":"<p>Frankfurt. Geschlechtsspezifische Analysen des Arbeitsmarktes, der Bruttojahresverdienste und neuerdings der Einkommens- und Steuerlastverteilung (DIW 2014) weisen immer noch deutliche Differenzen zwischen Frauen und M\u00e4nnern auf. Dennoch ist festzustellen, dass sich die Arbeitsmarktintegration von Frauen in den letzten Jahren verbessert hat: Zum Beispiel stieg die Besch\u00e4ftigungsquote binnen zehn Jahren um fast f\u00fcnf Prozentpunkte an.\u00c2\u00a0 Insbesondere Alleinerziehende sind am Arbeitsmarkt mit besonderen Herausforderungen und Schwierigkeiten konfrontiert, wie eine neue Studie des IAB Hessen zeigt.<!--more--><br \/>\n<strong>\u00c2\u00a0<\/strong><br \/>\n<strong>Alleinerziehende in Hessen \u2013 H\u00f6here Risiken der Hilfebed\u00fcrftigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Aktuell leben in Hessen etwa 107.000 Familien mit nur einem Elternteil und Kindern unter 18 Jahren. Dies ist fast jede f\u00fcnfte Familie. Die Gruppe der alleinerziehenden Personen ist in den Jahren 1996 bis 2012 um 27 Prozent gestiegen. Der Zuwachs fiel so verglichen mit dem bundesdeutschen Niveau (+23,2 Prozent) deutlich h\u00f6her aus. Nahezu 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen.<\/p>\n<p>Alleinerziehende weisen im Vergleich zu anderen Familienformen eine h\u00f6here Armutsgef\u00e4hrdungsquote und Hilfebed\u00fcrftigkeit auf. Die Anzahl sowie das Alter der Kinder beeinflusst die Hilfebed\u00fcrftigkeit. Es gilt: Je h\u00f6her die Anzahl der Kinder ist und je niedriger das Kindesalter, desto h\u00f6her das Bed\u00fcrftigkeitsrisiko der Ein-Eltern-Familien. Die Bezugsdauer von Transferleistungen vollzieht sich ebenfalls bei Alleinerziehenden \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum als bei anderen Haushaltstypen.<\/p>\n<p><strong>Schwierige Arbeitsmarktintegration<\/strong><\/p>\n<p>Alleinerziehende sind von Arbeitslosigkeit \u00fcberdurchschnittlich betroffen. Zwar ist die Arbeitslosigkeit alleinerziehender Frauen in Hessen in den letzten Jahren zur\u00fcckgegangen (-18 Prozent); die Abgangsstruktur zeigt allerdings, dass Alleinerziehende von den positiven Entwicklungen der sinkenden Arbeitslosenzahlen und gestiegenen Erwerbst\u00e4tigkeit unterproportional profitieren. Hinzu kommt das niedrige Qualifikationsniveau, das die Arbeitsmarktintegration alleinerziehender M\u00fctter besonders aus dem SGB II-Bereich erschwert. 62,6 Prozent aller weiblichen arbeitslosen Alleinerziehenden hatten so 2013 keine Ausbildung abgeschlossen. Im Vergleich dazu waren es 25 Prozent im SGB III. Gleichzeitig ist Langzeitarbeitslosigkeit ein weiteres Merkmal dieser Personengruppe. Rund 17.300 Alleinerziehende waren 2013 in Hessen arbeitslos gemeldet, davon 15.100 im SGB II.<br \/>\n<strong>\u00c2\u00a0<\/strong><br \/>\n<strong>Erwerbst\u00e4tigkeit von Alleinerziehenden<\/strong><\/p>\n<p>In Hessen gingen 2013 78.400 Alleinerziehende einer Erwerbst\u00e4tigkeit nach. Der Anteil der erwerbst\u00e4tigen Alleinerziehenden an allen Alleinerziehenden betrug somit rund 73 Prozent. Die Vollzeitquote der alleinerziehenden M\u00fctter lag zuletzt bei rund 45 Prozent (Bund: 44,2 Prozent; Westdeutschland: 40,7 Prozent), die Teilzeitquote bei rund 54 Prozent. Im Vergleich dazu betrug die Teilzeitquote von M\u00fcttern in Ehen etwa 76 Prozent.<\/p>\n<p>Qualifikationsdefizite abbauen und der Ausbau der Betreuungsangebote f\u00fcr Kinder sind zwei M\u00f6glichkeiten, um die Situation Alleinerziehender zu verbessern, sagt Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen:<\/p>\n<p>\u201eEin weiterer Ausbau der Kinderbetreuungsangebote und das nicht f\u00fcr unter dreij\u00e4hrige Kinder, sondern zum Beispiel auch w\u00e4hrend der gesamten Grundschulzeit, k\u00f6nnte eine Verbesserung der Besch\u00e4ftigungs- und Einkommenssituation f\u00fcr diese Personengruppe bedeuten. Dazu geh\u00f6ren auch flexible \u00d6ffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen, die sich nach den Arbeitszeiten der erwerbst\u00e4tigen M\u00fctter richten und so eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf erm\u00f6glichen.\u201c<\/p>\n<p>Aber auch die betriebliche Teilzeitberufsausbildung sieht er als eine Alternative f\u00fcr Alleinerziehende: \u201e Aufgrund der verk\u00fcrzten w\u00f6chentlichen Ausbildungszeit k\u00f6nnen Alleinerziehende ihr Qualifikationsdefizit abbauen und das eigene Armutsrisiko mindern. Hier braucht es Arbeitgeber, die diesen Weg mitgehen und familienfreundliche Betriebsstrukturen aufbauen. Zum Beispiel durch alternative Arbeitszeitmodelle oder Telearbeit.\u201c<\/p>\n<p>Zusammengefasst stehen Alleinerziehende in besonderem Ma\u00dfe vor der Herausforderung, Beruf und Familie zu vereinbaren. Die ung\u00fcnstigere sozio\u00f6konomische Situation wird durch die alleinige Verantwortung ein ausreichendes Haushaltseinkommen ohne Unterst\u00fctzung eines Partners zu sichern und gleichzeitig eine entsprechende Betreuungsaufsicht f\u00fcr ihre Kinder zu finden, bestimmt.<\/p>\n<p><strong>Frauen und M\u00e4nner am Arbeits- und Ausbildungsmarkt 2013<\/strong><br \/>\n<strong>\u00c2\u00a0<\/strong><br \/>\nDer j\u00e4hrlich erscheinende Genderbericht der Beauftragten f\u00fcr Chancengleichheit am Arbeitsmarkt beleuchtet zus\u00e4tzlich die geschlechtsspezifischen Entwicklungen auf dem hessischen Arbeitsmarkt. Die wichtigsten Ergebnisse:<\/p>\n<p><strong>Steigende Arbeitsplatzgewinne durch Teilzeitbesch\u00e4ftigung von Frauen<\/strong><br \/>\nDie Zahl der sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigten in Hessen hat in den letzten zehn Jahren stetig zugenommen; von 2.144.263 im Juni 2003 auf 2.314.732 im Juni 2013. Die Arbeitsplatzgewinne resultierten dabei in den letzten Jahren vor allem aus der Zunahme der Teilzeitbesch\u00e4ftigten. Obwohl sich die Zahl teilzeitbesch\u00e4ftigter M\u00e4nner seit 2003 stetig erh\u00f6ht hat, betrifft Teilzeit in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe Frauen. Gingen 2003 noch 5,6 Prozent aller erwerbst\u00e4tigen M\u00e4nner in Hessen einer Teilzeitbesch\u00e4ftigung nach, waren es 2013 bereits 9,5 Prozent. Dem gegen\u00fcber stehen Frauen mit einem Anteil von 45,1 Prozent (2003: 33,2 Prozent). Die Besch\u00e4ftigungsquote von Frauen lag 2013 in Hessen bei 49,8 Prozent, die der M\u00e4nner bei 57,2 Prozent.<\/p>\n<p><strong>Frauen h\u00e4ufiger geringf\u00fcgig besch\u00e4ftigt<\/strong><br \/>\n2013 waren 506.418 Frauen und M\u00e4nner unter 65 Jahren geringf\u00fcgig besch\u00e4ftigt. 321.288 haben ausschlie\u00dflich eine geringf\u00fcgige Besch\u00e4ftigung ausge\u00fcbt. Davon waren \u00fcber zwei Drittel (68,2 Prozent oder 219.000) Frauen. Die Zahl der Personen, die neben einer sozialversicherungspflichtigen T\u00e4tigkeit eine geringf\u00fcgige Besch\u00e4ftigung aus\u00fcben, ist seit 2003 um \u00fcber 140 Prozent gestiegen und lag im Juni 2013 bei 185.130 Personen.<br \/>\n<strong>\u00c2\u00a0<\/strong><br \/>\n<strong>Frauen st\u00e4rker von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen<\/strong><br \/>\nDie Arbeitslosigkeit in Hessen lag 2013 im Jahresdurchschnitt bei 5,8 Prozent (5,8 Prozent Frauen, 5,9% M\u00e4nner). Frauen waren st\u00e4rker von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen: 38,5 Prozent; bei den M\u00e4nnern sind es 34,3 Prozent. Berufsr\u00fcckkehr und Arbeitslosigkeit betrifft ebenfalls \u00fcberwiegend Frauen, 2.298 Menschen in Hessen waren nach der Familienphase arbeitslos gemeldet, davon 2.201 Frauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Frankfurt. 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