{"id":12888,"date":"2008-10-18T08:47:48","date_gmt":"2008-10-18T06:47:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=12888"},"modified":"2008-10-18T09:16:27","modified_gmt":"2008-10-18T07:16:27","slug":"anonyma-eine-frau-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=12888","title":{"rendered":"ANONYMA  &#8211;  Eine Frau in Berlin"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fulda.<\/strong> Ein besonderer Film l\u00e4uft am 23. Oktober 2008 bundesweit in den Kinos an \u2013 auch bei uns in Fulda im Cinestar. Er packt ein hei\u00dfes Eisen an \u2013 die massenhaften Vergewaltigungen von Frauen und M\u00e4dchen in Kriegszeiten \u2013 hier am Beispiel der Zeit von April bis Juni 1945.<!--more-->Es ist gut, dass dieses Tabu aufgebrochen wird. Der Film wird sicherlich den meisten aus unterschiedlichsten Gr\u00fcnden unter die Haut gehen. Weil es oft leichter ist, schwierige Themen gemeinsam anzugehen, m\u00f6chte das Netzwerk gegen sexuelle Gewalt Fulda einen Rahmen daf\u00fcr bieten. Am Mittwoch, <strong>29.10.2008<\/strong> laden wir im Anschluss an die <strong>17.00 Uhr<\/strong>-Vorstellung zum Gespr\u00e4ch \u00fcber die Thematik ein. Dabei sind Vertreterinnen der \u201eBeratungsstelle gegen sexuelle Gewalt\u201c des Sozialdienst katholischer Frauen e.V. der \u201eBeratungsstelle f\u00fcr selbstbestimmte Sexualit\u00e4t\u201c von Pro Familia sowie des Frauenb\u00fcros der Stadt Fulda pr\u00e4sent.<br \/>\nSchauen Sie sich den Film mit uns an und werben Sie daf\u00fcr in Ihrem beruflichen und privaten Umfeld. So helfen Sie mit, dieses Tabu zu brechen.<\/p>\n<p>Aus der Rezension von Monika Gerstend\u00f6rfer: \u201eIn jedem Falle hat ANONYMA einen sehr, sehr hohen Anspruch! An sich selbst und an die Zuschauenden. Es ist definitiv kein Kriegsfilm. Es ist ein umfassendes globales Drama, das den Irrsinn der Gewalt gegen Frauen von gestern, heute und morgen an einem Beispiel mutig, unerschrocken und schonungslos aufzeigt, und uns damit die Hand reicht, damit wir endlich etwas kapieren!\u201c<\/p>\n<p><strong>Zum Thema:<\/strong><br \/>\nEs ist ein letztes gro\u00dfes Tabu des 2. Weltkrieges. Bis heute gibt es \u2013 auch in der Wissenschaft \u2013 dar\u00fcber nur wenige Ver\u00f6ffentlichungen und keine verl\u00e4sslichen Zahlen.<\/p>\n<p>Hunderttausende Frauen sind vor allem im Osten Deutschlands in den letzten Kriegswochen vergewaltigt worden. Manche Sch\u00e4tzungen bewegen sich zwischen einer und zwei Millionen, zuverl\u00e4ssig sind sie nicht. Wie sollten sie auch, denn kaum jemand hat dar\u00fcber \u00f6ffentlich gesprochen, am wenigsten die Frauen selbst. Sie scheuten verst\u00e4ndlicherweise die Auseinandersetzung mit diesem Thema, da die Gewalt, die ihnen angetan wurde, im \u201enormalen Denken\u201c immer mit Schande f\u00fcr das Opfer verbunden war.<\/p>\n<p>An dieser Bewertung hat sich bis heute zwar gl\u00fccklicherweise einiges ge\u00e4ndert, aber in manchen Strafprozessen begegnen Opfer sexueller Gewalt noch immer einer solchen Denkweise. In den neunziger Jahren haben uns die Massenvergewaltigungen im ehemaligen Jugoslawien wieder hautnah mit dem Thema konfrontiert. Dar\u00fcber hinaus ist uns bewusst, dass auch heute noch Frauen und M\u00e4dchen in Kriegs- und Krisengebieten weltweit vergewaltigt und gedem\u00fctigt werden.<br \/>\nDer UN-Sicherheitsrat hat Ende Juni 2008 einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der er das Ende der sexuellen Gewalt gegen Frauen und M\u00e4dchen in bewaffneten Kriegen fordert.<\/p>\n<p>Der Kinofilm \u201eAnonyma \u2013 eine Frau in Berlin\u201c setzt sich authentisch mit den Gewalterfahrungen der Frauen auseinander. Er basiert auf den Tagebuchaufzeichnungen einer jungen Journalistin, die das Erlebte und Erlittene zwischen April und Juni 1945 aufgeschrieben hat. Sie hat es f\u00fcr ihren Mann aufgezeichnet, der es nach seiner R\u00fcckkehr aus dem Krieg lesen sollte. Er las es tats\u00e4chlich \u2013 doch alles was ihm dazu einfiel waren abf\u00e4llige Worte \u201eWie schamlos Ihr seid\u201c.<\/p>\n<p>Sogar in den Familien gab es so etwas wie einen Schweigebann. So gro\u00df wie das Leid war die Scham, auch und gerade dem eigenen Mann, den eigenen Kindern gegen\u00fcber. Der Zwiespalt der betroffenen Frauen steigerte sich ins Unermessliche, wenn aus diesem Gewaltakt dann auch noch eine Schwangerschaft folgte.<\/p>\n<p>Das Drama der Frauen, die schweigen \u201emussten\u201c, taucht heute wieder auf in Situationen, die in gewissem Sinne eine Retraumatisierung darstellen. In allen Situationen, die an das \u201eAusgeliefertsein\u201c erinnern (z. B. in Pflegesituationen) greifen pl\u00f6tzlich die jahrzehntelang ge\u00fcbten Bew\u00e4ltigungsstrategien der Opfer nicht mehr. Das ist besonders tragisch, wenn es dazu f\u00fchrt, dass wieder der Frau die \u201eSchuld\u201c zugeschrieben wird, dass sie hysterisch reagiert bzw. nicht \u201ekooperiert\u201c.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr das Netzwerk gegen sexuelle Gewalt:<\/strong><br \/>\nBirgit Schmidt-Hahnel (Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt, SkF)<br \/>\nHildegard Hast (Frauenb\u00fcro der Stadt Fulda)<br \/>\nIn Kooperation mit Theaterleiter Frank Kasper (Cinestar)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. Ein besonderer Film l\u00e4uft am 23. Oktober 2008 bundesweit in den Kinos an \u2013 auch bei uns in Fulda im Cinestar. 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